neues isw-Special

Das isw – Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V. – hat unter dem Titel „Klimazerstörung. Die Verantwortungslosigkeit kapitalistischer Gesellschaften“ das Special 30 herausgegeben.

Aus der Ankündigung auf der isw-Seite (https://isw-muenchen.de/produkt/spezial-30/):

In einer fakten- und ideenreichen Untersuchung belegt Franz Garnreiter die Beobachtung von Naomi Klein: „Uns bleibt nur die Wahl zwischen zwei Extremen: Zuzulassen, dass der Klimawandel unsere Welt von Grund auf ändert, oder unsere Wirtschaft  von Grund auf zu ändern, um diesem Schicksal zu entgehen.“ … weiter lesen (klick)

 

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„Grüne“ Energie – auf Kosten der Menschenrechte

Pressemitteilung von medico international zur Siemens-Hauptversammlung am 1.2.2017

NGO prangern im Vorfeld der Siemens-Hauptversammlung am 1. Februar 2017 erneut die Mitverantwortung des Konzerns für Menschenrechtsverletzungen und Landraub in zahlreichen Ländern des globalen Südens an. Im Fokus der Kritik stehen so genannte “Grüne Energie”-Projekte. Dazu informiert ein internationales Diskussionspanel am 31. Januar 2017 in München.

Das Wasserkraftwerk “Agua Zarca” und der Mord an Berta Cáceres

Siemens hat einen 35%-Anteil an dem Wasserkraftturbinenhersteller VoithHydro, der seit Jahren wegen der Turbinenzulieferung an das Wasserkraftwerk Agua Zarca in der Kritik steht. “Wir machen Siemens mitverantwortlich für den Mord an der international bekannten Umweltaktivistin und Kämpferin für indigene Rechte, Berta Cáceres in Honduras”, betont Andrea Lammers vom deutsch-österreichischen Netzwerk HondurasDelegation. “Es ist ein Skandal, dass Siemens sich Jahre lang für nicht zuständig erklärt und Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen, Morde und Warnungen vor den Praktiken des VoithHydro-Projektpartners DESA ignoriert hat.” Der Mord an Berta Cáceres am 3. März 2016 hätte ein endgültiger Wendepunkt sein müssen, aber Siemens rang sich nur dazu durch, die vorläufige Suspendierung des Projektes zu begrüßen, das der Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser wenige Wochen zuvor noch ungeniert verteidigt hatte. Egal, ob man sich demnächst eines “responsible exit” rühme oder noch weiter abwarte, mit menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten habe all dies nichts zu tun, so Lammers. Der Nachfolger von Berta Cáceres als Koordinator der Indigenen-Organisation COPINH, Tomás Gómez, hat zuletzt im Oktober 2016 einen Mordanschlag überlebt. Er wird Kaeser am 1. Februar mit der Frage konfrontieren: “Wieviele Tote noch?”

Äthiopien: Kooperation mit einer Entwicklungsdiktatur

Der Fall “Agua Zarca” ist bei VoithHydro leider kein Einzelfall. „Auf den Jahreshauptversammlungen von Siemens der vergangenen Jahre haben Aktivisten auf die Beteiligung an umstrittenen Wasserkraftprojekten wie Gilgel Gibe II in Äthiopien oder Belo Monte und Jirau in Brasilien hingewiesen“, erinnert Thilo Papacek von der Initiative GegenStrömung.Obwohl es bereits beim Bau von Gilgel Gibe II zu massiven Menschenrechts-verletzungen gekommen ist, bemühe sich VoithHydro offensichtlich um eine Beteiligung am Gilgel Gibe IV-Projekt. „Siemens und VoithHydro haben anscheinend keine Skrupel, für Profite auch mit Regierungen zu kooperieren, die von Menschenrechtsorganisationen als Entwicklungsdiktaturen bezeichnet werden“, sagt Papacek.

Siemens und Gamesa in Mexiko: Die Vereinigung der Macht[/email]

Zu kritisieren war schon bisher das Engagement von Siemens bei fünf Windenergie-Projekten auf dem Isthmus von Tehuantepec in Südmexiko, bei denen keine freie, informierte und vorherige Befragung der betroffenen indigenen Gemeinden stattfand. Ein klarer Verstoß gegen die ILO-Konvention 169, so Cristina Valdivia, Mexiko-Referentin des Ökumenischen Büros München. Mit der Fusion mit dem baskischen Windanlagenhersteller Gamesa bekomme die Problematik eine weitaus größere Dimension. „Siemens präsentiert sich stolz als offizieller Förderer des Deutsch-Mexikanischen Jahres, gleichzeitig werden die Rechte der lokalen indigenen Gemeinden mit Füßen getreten“, so Valdivia.

Westsahara: Völkerrechtswidrige Besatzung und Ressourcenraub

Siemens ist gemeinsam mit der italienischen Firma Enel und künftig auch mit dem Joint-Venture Gamesa am stärksten in den Bau von Windenergieprojekten in der seit 1975 völkerrechtswidrig von Marokko besetzten Westsahara involviert. Siemens und Enel gewinnen Marokkos Ausschreibungen durch ihre Partnerschaft mit der Energiefirma, die sich im Besitz des marokkanischen Königs befindet. „Der Abschluss großer Energieverträge in der Westsahara mit dem marokkanischen Königshaus geht mit einem hohen Preis für den UNO-Friedensprozess in der Westsahara einher. Solange der marokkanische König selbst von der illegalen Besetzung profitiert, wird er die Bemühungen der Vereinten Nationen zur Lösung des Westsaharakonfliktes weiter untergraben“, betont Erik Hagen von Western Sahara Resource Watch (WSRW). Führende Kritiker der sozio-ökonomischen Diskriminierung der Sahraouis verbüßen indes lebenslange Strafen in Marokkos Gefängnissen. Das sahraouische Volk als rechtmäßiger Besitzer des Landes hat nie seine Zustimmung zu den Energieprojekten gegeben. In Foum El Qued liefern 22 Siemens-Windräder heute den Strom für den Abbau von Phosphat und den Transport zum Hafen über ein 100 km langes Förderband. Diese Exporte verletzen, so WSRW, internationales Recht. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Dezember 2016 macht deutlich, dass Westsahara-Geschäfte für Unternehmen wie Siemens ein hohes Risiko darstellen.

Mosambik und Indonesien: Umweltschäden und Landraub

Die Siemens AG liefert noch immer Anlagen und Dienstleistungen an zwielichtige Großprojekte wie dem Bahn- und Hafenkomplex Nacala in Mosambik, über den die Kohle aus Vales Mine Moatize abtransportiert werden soll. „Wegen Moatize wurden Tausende Kleinbauern von ihrem Land vertrieben und die Ersatzländereien sind nicht gleichwertig“, kritisiert Christian Russau vom Dachverband Kritische Aktionäre. Zudem steht Siemens in der Kritik wegen der Lieferung von E-House-Transformatorstationen nach Namibia. „Siemens verschweigt wohlweislich den Namen der Uranmine in Namibia”, so Russau, „so partizipieren deutsche Firmen trotz des in Deutschland propagierten Atomausstiegs weiter am globalen Atombusiness“, so Russau. Er prangert zudem die Lieferung von Siemens-Förderbändern an einen der weltgrößten Betreiber offener Tagebaue, PT Kaltim Prima Coal in East Kalimantan (Indonesien) an. Dort werden  durch Kohleabraum Flüsse verschmutzt, den lokalen Gemeinschaften drohen Umweltschäden und Landraub. „Unternehmerische Sorgfaltspflichten gelten für die eigene Zulieferkette, aber auch für die Abnehmerkette, da hat Siemens noch deutlichen Nachholbedarf“, kritisieren die Kritischen Aktionäre.

Weiterführende Informationen:

Veranstaltung:

Dienstag, 31. Januar 2017, 19 Uhr, EineWeltHaus München, Schwanthaler Str. 80, Großer Saal

Podiumsdiskussion mit:
  • Erik Hagen (Direktor, Western Sahara Resource Watch)
  • Tomás Gómez Membreño  (Generalkoordinator, Rat indigener und Basisorganisationen von Honduras – COPINH)
  • Cristina Valdivia (Mexiko-Referentin, Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit)

Kontakt, Interview- und Fotoanfragen:

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Die Natur kennt keine Kompromisse

Jörn Schwarz, ASPO Deutschland (klick), und Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group (klick), haben eine Studie vorgelegt mit dem Titel „Deutsche Klimapolitik – vom Vorreiter zum Bremser“ (klick). In fünf Kapitel untersuchen sie
  • Das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015;
  • das Energiekonzept der Bundesregierung von 2010;
  • die Umsetzung des Energiekonzepts bis 2015;
  • die Umsetzung des Energiekonzepts bis 2035 und
  • eine mögliche Nullemissionswirtschaft in Deutschland – Lösungsansätze.

Sie gehen von der Pariser Vereinbarung aus,

„den Temperaturanstieg der Erde über dem vorindustriellen Niveau der mittleren Oberflächenerdtemperatur von etwa 15°C auf höchstens 2°C, besser 1,5 °C zu begrenzen. Doch dieses Ziel bedeutet, dass sich die heute schon immensen Schäden infolge der bereits erfolgten Temperaturerhöhung von 1 °C in unbekannte Dimensionen erhöhen werden. …

Der momentane Pfad des Anstiegs lässt aber eher eine Erdtemperaturerhöhung um 4 °C bis 6 °C bis Ende diese Jahrhunderts erwarten – ein Temperaturwert, der schon weit darunter mit großer Sicherheit zum Auslöschen des größten Teils der Menschheit führen wird – wohlgemerkt bis Ende dieses Jahrhunderts, also in der Lebenszeit unserer Kinder und Enkel.“ (S. 5f; Hervorhebung W.B.)

Daraus ergeben sich für die Autoren folgende

„Notwendige globale Konsequenzen
Vor dem Hintergrund obiger Bestandsaufnahme dürfen, wie das New Climate Institute vorgerechnet hat, global ab 2035 keine Treibhausgase mehr emittiert werden; für die Industrienationen sollte dies spätestens ab 2030 gelten. Außerdem muss eine wirksame Agenda für deren Reduktion in der Atmosphäre auf den Weg gebracht werden, um das Pariser Abkommen einzuhalten. …

Die notwendigen Maßnahmen zur Einhaltung von Klimaschutzzielen ergeben sich eben nicht aus den möglichen politischen Kompromissbeschlüssen, sondern aus den naturwissenschaftlichen Fakten. Die Natur kennt keine Kompromisse, sondern nur die den Menschen bekannten Naturgesetze.“ (S. 9; Hervorhebung W.B.)

Soweit – so klar. Doch beim „Energiekonzept der Bundesregierung von 2010“, von dem es heißt: „Die Natur kennt keine Kompromisse“ weiterlesen

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COP22 in Marrakesch

Klimaschutz – wo stehen wir?

Heute beginnt in Marokko die 22. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention. Das ist gleichzeitig die 12. Vertragsstaatenkonferenz des Kyoto-Protokolls. Wahrscheinlich dürfen wir wieder Jubelreden erwarten, ist doch die Pariser Vereinbarung bereits am 4.11.16 in Kraft getreten. So heißt es auf der Internetseite des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB – klick)

„Die Konferenz in Marrakesch wird ganz im Zeichen dieses historischen Erfolgs stehen. Noch nie ist ein globaler völkerrechtlicher Vertrag von derart wichtiger Bedeutung so schnell in Kraft getreten. Dass bereits fast alle großen Emittenten wie die USA, China, EU und Indien dem Paris-Abkommen beigetreten sind, zeigt, dass die Staatengemeinschaft Ernst macht beim Klimaschutz.“

Ursprünglich war die notwendige Anzahl von Ratifizierungen des Pariser Abkommens bis spätestens 2020 erwartet worden. Dieses Ziel innerhalb eines Jahres zu erreichen, ist zweifellos ein Erfolg und Zeichen dafür, dass immer mehr Länder das Problem erkennen und ernst nehmen – auch wenn sich Deutschland mit der Ratifizierung bis zur zweiten Septemberhälfte lange Zeit gelassen hat. Die bisherigen „Klimaschutz-Buhmänner“ USA und China sind diesen Schritt bereits früher gegangen, ebenso Indien und Brasilien.

Doch das kann nur ein Anfang sein.

Bis zu 18.11.2016 geht es nun darum, den Druck auf die Umsetzung der festgelegten Ziele zu erhöhen. Vor allem aber müssen die nationalen Klimaschutzziele erhöht werden, denn die bisherigen Selbstverpflichtungen der Vertragsstaaten reichen gerade mal aus, die globale Erwärmung bei 3° gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu stabilisieren. Dass auch die deutschen Wirtschafts-, Verkehrs- und Landwirtschaftsministerien ambitionierte Klimaschutzziele blockieren und auch die „Klimakanzlerin“ sich auf ihren Lorbeeren ausruht (siehe „Stellungnahme des SFV …“  – klick), lässt noch lange nichts Gutes erwarten.

Viele Probleme wurden mit dem Pariser Abkommen nicht geklärt, sondern auf die nächsten Tagungen verschoben. Offen sind zum Beispiel die zugesagten Gelder, die die Industriestaaten den ärmeren Ländern zahlen wollen/sollen(?). Da die Selbstverpflichtungen einiger Länder, z.B. auch Marokko, an die Zahlungen geknüpft sind, kann sich das Pariser Abkommen ganz schnell als eine platzende Blase erweisen. Daher will sich Marokko als Gastgeber der Konferenz konzentrieren auf die wirkliche Umsetzung der nationalen Selbstverpflichtungen, Mobilisierung von Fördermitteln, stärkere Anpassungsmaßnahmen und technologische Entwicklung.

Marokko – Vorreiter im Klimaschutz?

Technologisch sieht sich Marokko mit Erneuerbaren Energien gut aufgestellt und wird seine geplanten Windkraftparks bewerben. Unterschlagen wird dabei, dass sie zunehmend nicht in Marokko, sondern in der Westsahara gebaut werden. Western Sahara Resource Watch (WSRW – klick) und medico international (klick) kritisieren daher das marokkanische Programm zum Ausbau erneuerbarer Energien als Hindernis für den UN-Friedensprozess in der Westsahara. Diese steht seit 1975 unter völkerrechtswidriger Besatzung Marokkos. Mehr als die Hälfte der Einwohner flohen damals und noch immer müssen mehr als 100.000 Sahraouis in Flüchtlingslagern im Nachbarland Algerien ausharren.

Siemens ist gemeinsam mit der italienischen Firma Enel am stärksten in den Bau von Windenergieprojekten in der Westsahara involviert. Siemens und Enel gewinnen Marokkos Ausschreibungen durch ihre Partnerschaft mit der Energiefirma, die sich im Besitz des marokkanischen Königs befindet.

„Der Abschluss großer Energieverträge in der Westsahara mit dem marokkanischen Königshaus geht mit einem hohen Preis für den UNO-Friedensprozess in der Westsahara einher. Solange der marokkanische König selbst von der illegalen Präsenz der marokkanischen Armee profitiert, wird er die Bemühungen der UN zur Lösung des Westsaharakonfliktes weiter untergaben“,

„COP22 in Marrakesch“ weiterlesen

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Kippelement atmosphärische Zirkulation

Die Atmosphäre auf der Nordhalbkugel ist destabilisiert und ihre Zirkulation grundlegend verändert.

Statt zonaler Strömungen bestimmen zunehmend meridionale Strömungen 1) (Süd-Nord und Nord-Süd) das chaotische Wettergeschehen. Es erfolgt ein massiver Wärmetransport nach Norden, wie die diesjährigen Rekordtemperaturen und die Rekordeisschmelze zeigen.

Dieses Jahr brachte fast überall in der Arktis neue Temperaturrekorde und das Eis noch mehr zum Schmelzen als bisher. Selbst im Winter konnte sich das Eis nicht erholen. Das führte zu neuen Negativrekorden bei der winterlichen Meereisbedeckung, sowohl in der Fläche, als auch die Dicke des Eises betreffend. Für den Sommer wird gleichfalls ein neuer Negativrekord bei der Eisbedeckung erwartet und der massive Verlust von mehrjährigem Packeis! Das Ende des Arktischen Meereises scheint viel näher, als bisher gedacht. Die Erwärmungen waren außergewöhnlich, ja extrem und lassen sich mit einer doppelt so schnellen Erwärmung der Arktis nicht mehr erklären. In der Zentralarktis war es im Februar 8 Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Auf Grönland, Spitzbergen und im arktischen Kanada wurden Rekordtemperaturen gemessen, die regelrecht beängstigend waren. Im Frühjahr 2016 gab es lange Zeiträume die 15 bis 20 Grad über dem langjährigen Durchschnitt lagen.

Diese extremen Erwärmungen lassen sich nur mit einer grundlegend veränderten atmosphärischen Zirkulation auf der Nordhalbkugel erklären, wodurch zunehmend warme Luft weit nach Norden befördert wird. Das hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Wetterverläufe und das Tempo der Eisschmelze. Dadurch werden die borealen Wälder bedroht, die durch Erwärmung und Trockenheit bereits schwer geschädigt sind. Auf Grönland begann die Eisschmelze dann auch drei Wochen früher als bisher und in Kanada kam es zu schweren Waldbränden.

Offensichtlich ist ein weiteres entscheidendes Element im Klimasystem, die atmosphärische Zirkulation, gekippt und irreversibel verändert. Diese schwerwiegende Veränderung beschleunigt die Erderwärmung nochmals erheblich und hat große Auswirkungen auf den Klimawandel. Trotzdem wird sie in der Öffentlichkeit, den Wetterberichten und Teilen der Klimaforschung nach wie vor weitgehend ignoriert.

Die atmosphärische Zirkulation, das unterschätzte Kippelement im Klimasystem

Auf Grund der starken Erwärmung der Arktis haben sich die Temperatur- und Druckunterschiede zu den Subtropen und Tropen enorm vermindert. Das hat gravierende Auswirkungen:  Der Antrieb der Zirkulation und die  bisherigen Zirkulationsmuster werden verändert und massiv geschwächt. Die atmosphärische Zirkulation der Nordhalbkugel ist offensichtlich irrreversibel in einen anderen Zustand übergegangen und in wesentlichen Aspekten grundlegend verändert 2).

Hier noch einmal eine kurze Aufzählung der wesentlichen Veränderungen:

  • Die bisher unser Wetter bestimmende Westwinddrift hat stark nachgelassen und Azorenhoch und Islandtief gibt es nicht mehr wie bisher.
  • Arktische und nordatlantische Oszillation haben sich stark abgeschwächt.
  • Die Großwetterlagen haben sich stark verändert:
    • Strömungen aus verschiedenen Richtungen prallen über Europa aufeinander.
    • Meridionale Strömungsverläufe (also entlang der Meridiane, von Nord nach Süd und umgekehrt) nehmen zu.
    • Die Tiefdruckbahnen sind oft weit nach Süden oder Norden verschoben.
  • Der Polarfrontjetstream ist geschwächt, verlangsamt und oft sehr stark mäandernd. Mit weiterer Verringerung der Temperaturunterschiede zwischen den Breiten wird er immer instabiler.
  • Die plötzlichen Stratosphärenerwärmungen nehmen zu und der Polarwirbel kollabiert immer häufiger. 3)
    (Grundsätzlich kühlt sich die Stratosphäre allerdings ab, was der Nordhalbkugel verstärkt Ozonlöcher antarktischen Ausmaßes beschert. Das sei hier aber nur erwähnt.)

All dies hat schwerwiegende Auswirkungen auf Wetter und Klima und bewirkt vor allem einen starken zusätzlichen Wärmetransport polwärts. Das beschleunigt die ohnehin dramatischen Veränderungen in der Arktis nochmals. Auch gilt es endlich zur Kenntnis zu nehmen, dass es das Wetter, das wir bisher kannten, nicht mehr gibt. Das Wetter ist zum „Un“Wetter geworden.

Jojo-Wetter, Unwetter und Überlagerung der Jahreszeiten

Dominant geworden ist eine Art JoJo-Wetter, also der häufige Wechsel der Strömungsrichtung und der Luftmassen, oft zwischen Nord und Süd, kalt und warm. Dies führt zu einer verstärkten Unwetterneigung durch das nun viel häufigere Aufeinandertreffen unterschiedlicher Luftmassen. Die jahreszeittypischen Witterungsverläufe und Temperaturen werden inzwischen durch die jeweilige atmosphärische Strömungsrichtung weitgehend verändert. Sie werden entweder überlagert oder erheblich verstärkt und das in zunehmendem Maße. Entscheidend ist nicht mehr die Jahreszeit allein, sondern vor allem: Woher kommen die Luftmassen, aus Süd oder Nord, sind sie warm oder kalt.

Im Jahr 2013, aber auch schon in den Jahren zuvor, hatten wir in Europa extreme Wintereinbrüche bis weit ins Frühjahr hinein. Es gab Kälterekorde und reichlich Schnee, aufgrund einer anhaltenden Nordströmung, die polare Kaltluft heranführte (Verstärkung). Im Jahr 2014 wiederum gab es einen extrem milden Winter aufgrund einer anhaltenden Südwestströmung mit subtropischer Warmluft (Überlagerung). 2016 war der Winter ebenfalls viel zu mild, dafür gab es ein kühles, viel zu trockenes Frühjahr.

Die These von einem abgeschwächtem Golfstrom, kann diese Wechsel von warm und kalt nicht erklären. Das alles lässt sich nur durch eine veränderte atmosphärische Zirkulation sinnvoll erklären: Warme Luft wird vermehrt nach Norden und kalte Luft nach Süden verfrachtet. Immer öfter tauchen also Luftmassen da auf, wo sie eigentlich nicht hingehören. Die bisherigen Zirkulationsmuster sind offensichtlich stark verändert – es wird vermutet durch einen stark geschwächten und deshalb extrem mäandernden Polarfrontjetstream. Auch kommt es wohl immer häufiger vor, dass der Polarwirbel regelrecht zusammenbricht (Zunahme der plötzlichen Stratosphärenerwärmungen).

Da ja auch die Westwinddrift geschwächt ist, bricht eigentlich die gesamte bisherige atmosphärische Zirkulation der Nordhalbkugel weitgehend zusammen. Dadurch kann kalte Luft ungehindert nach Süden und warme Luft nach Norden vordringen. So war es im Juli 2014 in Skandinavien 10-15 Grad wärmer als normal, im Mittelmeerraum allerdings gleichzeitig 4-6 Grad kälter als üblich. 2016 war solch zweigeteiltes Wetter auch in Deutschland schon fast die Regel. Im unwetterbetroffenen Süddeutschland war es oft 10-15 Grad kälter als im Nordosten. Polarluft wurde weit nach Süden verfrachtet und strömte dann wieder nach Norden. Das führte zu dem Paradox, dass die kalte Luft aus Süden kam. Eine Woche später war es möglicherweise schon wieder andersherum und Süddeutschland lag im Einfluss von Warmluft.

Starke Druckgebiete bestimmen jetzt das Wettergeschehen, bei zunehmend meridionalen Strömungsverläufen (Nord-Süd, Süd-Nord)

Die Zirkulation um die Druckgebiete (ums Hoch im Uhrzeigersinn und ums Tief entgegengesetzt), bestimmt inzwischen weitgehend das chaotische Wettergeschehen. Binnen kürzester Zeit kann sich die Wind- und Strömungsrichtung ändern, je nachdem, wo man sich in Bezug auf das dominante Druckgebiet befindet. Man spricht bereits von der kalten und der warmen Seite des Hochs, je nachdem, ob wir uns davor oder dahinter befinden – da einmal kalte Luft von Norden oder auf der Rückseite warme Luft aus Süden angesaugt wird. Nördlich des Hochs gibt es eine Westströmung und unterhalb drehen die Windräder plötzlich nach Osten. Beim Tief dasselbe, bloß andersherum. Die Interaktion zwischen den Druckgebieten ist der Schlüssel zum Verständnis der neuen Wetterabläufe.

Wenn sich die Zirkulation zweier Druckgebiete ergänzt und verstärkt, ein Tief also in Opposition zum Hoch steht, kann dies eine nochmal gesteigerte Wirkung ergeben. Wir bekommen es dann entweder mit Polarluft zu tun, wenn wir uns zwischen der Vorderseite des Hochs und der Rückseite des Tiefs befinden oder auch mit Saharaluft, wenn linksdrehendes Tief und rechtsdrehendes Hoch die Luft weit aus Süden ansaugen, das Hoch sich also östlich vom Tief befindet. Die alten Strömungsverläufe und das alte Wetter, mit Westwinddrift und seinem Wechsel von Hoch- und Tiefdruckgebieten, gibt es wohl nur noch in manchen Computermodellen der Meteorologen und Klimawissenschaftler.

Wir können es selbst beobachten

Um die grundlegende Veränderung unseres Wetters festzustellen, muss man kein Fachmann sein, er ist augenscheinlich und offensichtlich. Das schließt natürlich die zeitweise Übereinstimmungen mit den früheren Wetterverläufen nicht aus, aber die Antriebe und Verläufe sind doch andere. Wenn Druckgebiete heute dort stehen, wo sie früher standen, wie z.B. das Azorenhoch und das Islandtief, so ist das vielleicht nur noch eine zufällige zeitweise Übereinstimmung aber nicht mehr typisch und wetterbestimmend.

Die Wettervorhersagen haben inzwischen eine erstaunliche Bandbreite nach oben (warm) und unten (kalt) und insofern den neuen JoJo-Modus des Wetters realisiert. Der häufige, abrupte Wechsel der Strömungsrichtungen lässt ganz unterschiedliche Luftmassen, mit unterschiedlichen Temperaturen, sich abwechseln und aufeinanderprallen, was natürlich zu chaotischen Wetterverläufen führt. Die Temperatur- und Druckunterschiede zwischen den Luftmassen müssen sich ja ausgleichen, ehe sich diese vermischen können und dies geschieht durch Gewitter und Unwetter mit Starkregen oder auch Hagel. Auch kommt es immer häufiger zu „stehendem Wetter“, wodurch die Unwetter und Niederschläge verheerend ausfallen können und es zu lokalen Überschwemmungen kommt. Dazu zählen die derzeitigen (Juni 2016) Unwetter und Starkniederschläge über Westdeutschland und Frankreich, die von einem quasi stationären, steuernden Höhentief verursacht wurden. Das war auch beim Jahrhunderthochwasser 2013 der Fall. Und zu „stehendem Wetter“ kommt es aus den genannten Gründen, also schwacher Westwinddrift und geschwächtem Jetstream 4).

Doch nicht nur in Deutschland nehmen starke Temperaturunterschiede und die entsprechenden Temperatursprünge bei den Luftmassenwechseln zu. Die Polarluft über Süddeutschland im kalten Unwetterfrühjahr 2016 war ja kein Beweis, dass die Erderwärmung stagniert, sondern zeigte, dass die Arktis „nicht mehr dicht“ ist und ihre Kälte verströmt. Denn der Polarwirbel ist ja gleichfalls geschwächt und bricht immer häufiger zusammen, was die bisherige Luftmassengrenze noch instabiler macht, wodurch die dominant gewordenen meridionalen Strömungen (Nord-Süd, Süd-Nord) weit nach Norden und Süden ausgreifen können. Man könnte sagen:

Die Arktis ist nicht mehr dicht und der finale Temperaturausgleich zwischen Arktis und Subtropen in vollem Gange.

In „Vom Wetter zum Unwetter“ äußerte ich 2013 die Befürchtung, dass die Erwärmung der Arktis sich noch beschleunigen könne, wenn Polarwirbel und Westwinddrift die kalte Luft nur noch eingeschränkt zurückhalten. Hinzufügen muss man jetzt wohl: „und wenn subtropische Warmluft ungehindert in die Polarregionen vordringen kann.“ Das passiert jetzt immer häufiger.

Die Warmluftvorstöße weit nach Norden und die Kaltluftvorstöße nach Süden haben sich in den letzten Jahren enorm verstärkt. So gab es im Frühsommer 2014 nicht nur einen Polarluftvorstoß bis nach Israel und in die Türkei, der für Schneestürme sorgte, sondern im Winter auch einen Warmluftvorstoß nach Finnland, der binnen zweier Tage die Temperatur von -55° auf +5° Celsius steigen ließ.

In Nordamerika wurden die neuen Abläufe im Winter 2014 besonders deutlich: es gab mehrfach extreme Polarluftvorstöße an der Ostküste bis hinunter nach Florida und in den Golf von Mexiko und mehrfach extreme Temperatursprünge von bis zu 40 Grad in wenigen Tagen, wenn die Strömung wieder auf Süd drehte. Gleichzeitig gelangte mit einer Süd-Nord-Strömung extrem milde Luft entlang der Westküste bis nach Alaska und darüber hinaus. Im Dezember 2015 erreichten die warmen Luftmassen gar den Nordpol, es gab einen Temperatursprung von 30 Grad. Die abnormen Rekorde bei Temperaturen und Eisschmelze im Jahr 2016 verdeutlichen die enormen Auswirkungen dieser Veränderungen.

ein weiteres Kippelement

Die instabil gewordene Atmosphäre mit ihrer veränderten Zirkulation, erweist sich als bisher wohl unterschätztes Kippelement im Klimasystem und führt nicht nur zu lokalen Temperaturanomalien, sondern zu einem beschleunigten ungehinderten Ausgleich der Temperaturunterschiede zwischen den Luftmassen und damit zu einer noch mal beschleunigten Erwärmung der Arktis und der gesamten nördlichen Polarregion, einschließlich Grönlands – mit fatalen Folgen für das Weltklima. Es müssen wohl nicht nur die Lehrbücher der Meteorologie neu geschrieben werden, sondern auch die Klimamodelle bedürfen erheblicher Modifizierung (siehe Semenov). Der Klimawandel hat damit möglicherweise einen Punkt erreicht, ab dem sich Eisschmelze und Meeresspiegelanstieg noch einmal erheblich beschleunigen könnten.

Exkurs Golfstrom

Über den Einfluss eines modifizierten, abgeschwächten Golf- bzw. Nordatlantikstroms kann man nur mutmaßen. Es ist nicht auszuschließen, dass der Absinkvorgang des warmen Wassers aus dem Süden bereits geschwächt ist. Durch die Erwärmung des Nordatlantik und des Nordmeeres, hat das Wasser ja eine geringere Dichte und der massive Süßwassereintrag wegen erhöhter Niederschläge und aufgrund der Schmelze des Grönlandeises und des arktischen Meereises dürfte die Tiefenkonvektion gleichfalls beeinflussen. Ob dies nun aber, wie vielfach behauptet wurde, zu einer Abkühlung der Region und Nordwesteuropas führen kann, oder schon geführt hat, ist allerdings mehr als fraglich, denn die Erwärmungstendenz ist ja ungebrochen und bricht 2016 sogar alle Rekorde, siehe oben. Möglicherweise hat ein geschwächtes Absinken ja auch die Folge, dass das warme Wasser länger an der Oberfläche verbleibt, was die Region eigentlich sogar zusätzlich erwärmen müsste.

Auch der immer weitere Rückzug des arktischen Meereises könnte ein längeres Verbleiben des warmen Wassers an der Oberfläche bewirken. Absinkvorgänge finden ja auch aufgrund der Abkühlung und der Meereisbildung an der Schelfeiskante, z.B. der Barentsee statt. Durch die Eisbildung aus Süßwasser erhöht sich der Salzgehalt und die Schwere des übrigen Wassers und es beginnt abzusinken. Wenn diese Eisbildung aber immer weiter im Norden und Osten passiert, dann können die Abkühlung und damit das Absinken auch erst später – wenn überhaupt – erfolgen. Das warme Wasser strömt also weiter nach Norden und Osten, ehe es sich abkühlen und absinken kann. Es gibt quasi einen Warmwasserstau, da die Tiefenverfrachtung des warmen Wassers schwächelt.

Verstärkter Wärmetransport polwärts

Bereits 2005 stellten Bryden und Cunningham vom National Oceanography Center (NOC) in Southhampton nach einer aufwändigen Langzeitstudie eine Reduzierung der südwärts gerichteten kalten Tiefenströmung um über 30% fest ( Nature, 01.12.2005). Eine ähnlich große Schwächung der nordwärts gerichteten warmen Oberflächenströmung ist dagegen bisher nicht nachgewiesen. Der Golfstrom ist ja auch wesentlich windgetrieben und ein Teil der globalen Meeresströmungen. Er ist also keineswegs nur von der Tiefenkonvektion im Norden abhängig und käme nicht gleichzeitig mit dieser zum Erliegen. Stefan Rahmstorf: „Angetrieben wird der Golfstrom zum überwiegenden Teil durch den Wind. Er bildet den westlichen Randstrom des nordatlantischen Subtropenwirbels…“ (Ökolexikon, 2003).

Als Teil des Globalen Förderbandes wird er aber auch vom Süd-Äquatorialstrom, vom Antillenstrom und der Karibischen Strömung angetrieben. 2008 konstatierte ein internationales Forscherteam gar einen zunehmenden atmosphärischen und ozeanischen Hitzetransport polwärts (Zhang, 2008). Ursache sei eine drastische Umstellung der atmosphärischen Zirkulationsmuster im Hohen Norden. Die Heizung Europas ist also in Takt und eher zu weit aufgedreht.

2012 ergab eine weitere Studie (Lixin Wu, et al., in Natur Climate Change) eine besonders starke Erwärmung der warmen Meeresströmungen (z.B. des Golfstroms) und deren Verschiebung in Richtung der Pole. So hat sich der Golfstrom mit einem Grad, mehr als zweimal so schnell erwärmt, wie der Atlantik insgesamt, mit 0,4 Grad. „Alles deutet auf eine Veränderung der globalen Ozeanzirkulation durch den Klimawandel hin – mit expandierenden Subtropen.“, äußerte sich Martin Visbeck vom Geomar in Kiel zu der Studie. Das bedeutet: Der Wärmetransport nach Norden hat nicht nachgelassen, ganz im Gegenteil – aber die Tiefenkonvektion ist möglicherweise vermindert und offensichtlich die Tiefenströmung nach Süden. Nicht die Wärmezufuhr vermindert sich also, sondern die Wärmeabführung.

Wir haben damit einen im Norden verbleibenden Wärmeüberschuss und eine Erwärmung statt der erwarteten Abkühlung. Das stimmt mit den aktuellen Temperaturentwicklungen überein und entspricht im Übrigen auch völlig dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik, wonach sich Temperaturunterschiede in Systemen ausgleichen und nicht vergrößern.

Ein anderer Grundsatz der Thermodynamik besagt, dass der Temperaturausgleich immer von warm nach kalt erfolgt. Wenn sich auch noch erdsystemische Ordnungsstrukturen – hier die Zirkulationsmuster der Ozeane und der Atmosphäre – verändern oder gar verloren gehen (wie die Westwinddrift und der Polarwirbel), setzt sich diese naturgesetzliche Tendenz der Entropieerhöhung beschleunigt durch. Die erwartete Abkühlung aufgrund eines abgeschwächten Golf- bzw. Nordatlantikstroms ist nirgendwo erkennbar, sondern das Gegenteil ist der Fall.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass veränderte Meeresströmungen zur extremen Erwärmung der Arktis beitragen und verstärkt beitragen werden. Selbst eine warme Strömung durchs Polarmeer bis zur Beringstraße ist nicht völlig auszuschließen.

Exkurs Eisschmelze

Im 5. Sachstandsbericht des IPCC veröffentlichte der Weltklimarat erschreckende Zahlen über die weltweite Eisschmelze und deren weitere Beschleunigung, die wohl allerdings von den Realitäten des Jahres 2016 noch weit übertroffen werden.

  • Die Gletscherschmelze hat sich von 1993-2009 von 140 auf 410 Gt/Jahr (Gigatonnen oder Milliarden t) fast verdreifacht.
  • Das arktische Meereis verliert inzwischen (2012) jedes Jahrzehnt 13,6% mehr an Fläche (Minimum der sommerlichen Eisbedeckung). NASA- Experten geht davon aus, dass die Arktis schon in zehn Jahren im Sommer eisfrei sein könnte.
  • Das grönländische Eis schmilzt gleichfalls stark beschleunigt. Zwischen 2001 und 2011 erhöhte sich die Schmelzrate von 74 auf 274 Gt/Jahr, das ist fast eine Vervierfachung in einem Jahrzehnt (8x der Bodensee, oder 1 Million Supertanker).
  • Auch der Antarktische Eisschild (Westantarktis) schmilzt immer schneller. Zwischen 2002 und 2011 erhöhte sich der Eisverlust von 72 auf 221 Gt/Jahr, also eine Verdreifachung.

Das Schmelzen der Eisschilde dominiert inzwischen den Meeresspiegelanstieg und sowohl der IPCC, als auch 2/3 aller Meeresspiegel-Experten erwarten inzwischen einen teils deutlich höheren Anstieg der Ozeane bis zum Jahrhundertende; da ist auch schon mal von mehreren Metern die Rede. Doch es könnte auch noch schlimmer kommen, wie das erste Halbjahr 2016 eindringlich vor Augen führt. Die globale Mitteltemperatur für diesen Zeitraum erhöhte sich um fast ein halbes Grad und in der Arktis kam es zu teilweise bizarren Temperaturrekorden. Bereits im Juli 2012 kam es ja über Grönland innerhalb von vier Tagen zu einer großflächigen Erwärmung, so dass fast die gesamte Oberfläche von Schmelzvorgängen betroffen war – eine Zunahme um 2/3 in so kurzer Zeit. Im Frühjahr 2016 begann hier nach einem Warmluftvorstoß die Eisschmelze – drei Wochen eher als bisher üblich – und Anfang Juni kam es zu einer neuen Hitzewelle mit sehr warmer Luft aus dem Süden.

Eisschmelze und atmosphärische Zirkulation

Auch dies ist wahrscheinlich durch den extrem mäandernden Jetstream, also die veränderte atmosphärische Zirkulation bewirkt. Das lässt für den Sommer nichts Gutes, nämlich eine Rekordeisschmelze, erwarten. Beim Arktischen Meereis gab es 2016 einen neuen Minusrekord bei der winterlichen Eisbedeckung, mit vielfach noch dünnerem Eis als im bisherigen Rekordjahr 2012, was auch hier für den Sommer Schlimmes befürchten lässt. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts befürchten einen massiven Abtransport von mehrjährigem Packeis in den Nordatlantik und ein neues Rekordminimum(Pressemitteilung des AWI, 21.04.2016, Nicolaus, M., Hendricks, St.). Auch die großen Eisschilde scheinen zunehmend instabil und haben nach Auffassung vieler Wissenschaftler entscheidende Kipppunkte bereits erreicht oder überschritten (siehe u.a.PIK).

Aber auch, wenn die Beschleunigung der Schmelzprozesse „nur“ im selben Tempo weiterginge, und absehbare Kippprozesse gar nicht einbezogen werden, kann man sich ausrechnen (exponentielles Wachstum), wann die Eisschilde abgeschmolzen sein werden: Das wird möglicherweise nicht erst in ein paar tausend Jahren sein, sondern sehr viel früher.

Jürgen Tallig 2016
tall.j@web.de

Literatur


Fussnote(n)

[1↑] Erklärung siehe Wikipedia: „Planetarische Zirkulation“; (klick)
[2↑] Siehe dazu Tallig, J. „Vom Wetter zum Unwetter“ in Umwelt aktuell 07/2013 oder Tarantel 61 (klick), S. 20
[3↑] zu Prozessen in der Stratosphäre siehe auch

[4↑] siehe auch Tallig, J. 2013 und PIK 2014

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Pariser Abkommen (COP21) war richtig

… und es war notwendig.

Das zeigt eine neuere Studie (klick) des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) e. V. (klick).

Vor allem die Kipppunkte (klick zur Grafik), bei denen sich das Klima drastisch verändert, erfordern die Begrenzung der globalen Erwärmung – bezogen auf das vorindustrielle Niveau – auf maximal 2°. Bereits kleine Temperaturunterschiede haben gravierende Auswirkungen auf das Klimasystem. Schon bei einer Erwärmung von nur 1,5° werden die Korallenriffe weltweit in Mitleidenschaft gezogen und die Meeresspiegel können bis 2300 um 1,5m steigen. Der Grönland-Eisschild kann noch verschont bleiben. Doch über 2° wird die nördliche Hemisphä­re langzeitig eisfrei. Das würde zu einem Meeresspiegelanstieg führen, der das Überleben vieler großer Küstenstädte bedroht, unter anderem New York, Mumbai und Tokyo. Das zeigt die Notwendigkeit der 2°-Grenze.

Auch die Mittel stehen zur Verfügung, um dieses Ziel zu erreichen: Kohlenstoffbesteuerung, Divestment-Bewegung sowie Wind- und Solarenergienutzung.

Schließlich hat die in Paris festgelegte 2°-Grenze einen großen Vorteil: Sie ist einfach zu begreifen und zu kommunizieren. Die Forscher sehen darin ein optimal ausgewogenes Verhältnis zwischen Konkretheit und Verständlichkeit.

Daher bewerten die Forscher die Pariser Übereinkunft  als historische Errungenschaft und echten Sieg der Vernunft.
„Jetzt muss Druck gemacht werden, diese Einigung rechtzeitig umzusetzen, um die sich abzeichnende humanitäre Tragödie für immer zu vermeiden.“

 

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SVV Welzow: Heftige Debatte um Geheimbrief der sogenannten „Lausitzrunde“

Die Bürgermeisterin verweigert Einsicht.

Pressemitteilung der Allianz für Welzow (klick), 7.7.2016

Die Welzower Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) verweigert sowohl den Stadtabgeordneten als auch den Bürgern der Stadt Einblick in den Brief der sogenannten Lausitzrunde an Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Der Brief bleibt geheim“, erklärte Zuchold am Mittwochabend bei der Sitzung der Stadtverordneten im Welzower Rathaus. Die Bürgermeisterin erläuterte auf Nachfrage von Hannelore Wodtke (Fraktion CDU/Grüne Zukunft Welzow) in der Sitzung kurz, dass es in dem Schreiben um den Strukturwandel in der Lausitz gehe. In der „Lausitzrunde“ haben sich Bürgermeister aus Brandenburg und Sachsen organisiert und wollen gegenüber dem Bund mit einer Stimme auftreten, um öffentliche Mittel für die Lausitz einzufordern. Zuchold begründete den Geheimbrief mit dem Argument, dass die Bundeskanzlerin keine „offenen Briefe“ beantworte.

„Es ist meinem Empfinden nach eine Frechheit, dass sich die Bürgermeisterin der Geheimdiplomatie verschreibt, sich aber anmaßt im Namen aller Bürger der Stadt zu sprechen“, kritisiert Karin Noack von der Grünen Zukunft Welzow. In der Fragestunde stellte Noack die Bürgermeisterin zur Rede. Warum selbst im Nachgang noch nicht einmal den Stadtverordneten Einsicht in das Schreiben gewährt wurde, ließ die SPD-Politikerin offen. Auch zur Frage der demokratischen Legitimität der Teilnahme an der ‚Lausitzrunde“ verweigerte die Bürgermeisterin die Aussage. „Wir hätten erwartet in solch eine wichtige Frage mit einbezogen zu werden“, kritisierte die Stadtverordnete Wodtke den Vorfall: „Wir haben aus der Zeitung erfahren, dass Welzow ein Mitglied der Lausitzrunde sein soll und dass Briefe im Namen der Stadt geschrieben werden“, erzürnt sich die Vorsitzende des Welzower Umweltausschusses.

„Wir haben erhebliche Zweifel an der Redlichkeit der Bürgermeisterin“, sagte Noack nach der Sitzung: „Ein Brief im Namen der Stadt, der vor den Stadtverordneten geheimgehalten wird, verliert jede Legitimation. Offenbar hat die sogenannte Lausitzrunde etwas vor den Bürgern zu verbergen, die sie zu vertreten vorgibt“. Die Stadtverordnete meint: „Die Argumentation der Bürgermeisterin ist nicht nachvollziehbar. Ein Brief wird durch die gebotene Transparenz gegenüber den Stadtverordneten nicht zu einem offenen Brief“.

Es lässt zudem Zweifel an den hehren Absichten der sogenannten „Lausitzrunde“ aufkommen. Im sozialen Netzwerk Facebook rühmt sich der umstrittene Industrielobby-Verein „Pro-Lausitzer Braunkohle“ Initiator der „Lausitzrunde“ zu sein, der gleichzeitig öffentlich propagiert, dass „die deutsche Energiewende scheitert“. Auch stimmte Zuchold in der Sitzung für eine Stellungnahme, die sich mit den Protesten in Welzow zu Pfingsten befasst. Darin heißt es unter anderem, dass ein Strukturwandel nur mit Braunkohle zu machen sei. „Wer vom Bund Geld für den Strukturwandel verlangt, muss sich auch mittelfristig von der Kohle lösen. Alles andere ist verlogen“, sagte Noack.

Facebook-Posting am 9. Juni 2016 11:38 Uhr: „Pro Lausitzer Braunkohle arbeitet sehr stark mit den Bürgermeistern und Landräten zusammen, ist z.B. Mitinitiator der Lausitzrunde“
https://www.facebook.com/ProLausitz/posts/1031639356915204?comment_id=1031654326913707&reply_comment_id=1031659830246490&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R3%22%7D

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Die Lausitz braucht eine sozialverträgliche und umweltgerechte Zukunftsperspektive

Pressemitteilung von Eva Bulling-Schröter und Birgit Wöllert, 3.5.2016

Anlässlich der Veranstaltung „Fraktion vor Ort“ der Bundestagsfraktion DIE LINKE in Cottbus erklären die energiepolitische Sprecherin der Fraktion, Eva Bulling-Schröter, und die Cottbusser Bundestagsabgeordnete Birgit Wöllert:

„Für die Zukunft der Lausitz braucht es nach dem UN-Klimagipfel von Paris, und in Anbetracht der Unklarheiten über die Zukunft der Braunkohlesanierung sowie über den vereinbarten Übergang des Braunkohlegeschäfts von Vattenfall an EPH/PPF eine sozialverträgliche und umweltgerechte Zukunftsperspektive.“

Die Abgeordneten weiter:

„Was wir jetzt fordern, ist ein neues Verwaltungsabkommen über die Braunkohlesanierung. Es muss dem aus DDR-Tagebautätigkeit herrührenden Sanierungsbedarf entsprechen und darf den Ländern anteilmäßig keine höhere Beteiligung an den Kosten abverlangen, als gegenwärtig vereinbart. Ab 2018 müssen die grundlegenden Organisations-, Struktur- und Finanzierungsgrundlagen des laufenden Abkommens fortgeführt werden.
Der laufende Kohle-Abbaubetrieb sichert Arbeit und Einkommen für tausende Menschen in der Region. Er produziert jedoch permanent neue Langzeitfolgen für Anwohner und Umwelt. Vor allem aber erfordern die Beschlüsse des UN-Gipfels von Paris genauso wie die langfristigen Klimaschutzziele der Bundesregierung –  nimmt man sie ernst – ein Auslaufen der deutschen Kohleverstromung bis spätestens 2035. Damit ist zügig zu beginnen. Die Bundestagsfraktion DIE LINKE hat Kernforderungen zu einem solchen Ausstieg und dessen arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Absicherung erarbeitet. In unserem Antrag ‚Kohleausstieg einleiten – Strukturwandel sozial absichern‘ (BT-Drucksache 18/8131) soll danach u.a. der letzte Kohlemeiler spätestens im Jahr 2035 vom Netz. Der Ausstieg soll spätestens im zweiten Halbjahr 2017 nach einem gesellschaftlichen Dialogprozess im Rahmen eines Runden Tisches und eines Gesetzgebungsprozesses (Kohleausstiegsgesetz) beginnen.
Der Neuaufschluss von Tagebauen (darunter versteht die Bundestagfraktion auch Welzow II Süd und Jänschwalde Nord) soll genauso untersagt werden wie der Neubau von Kohlekraftwerken.
Weiterhin sehen wir den letzte Woche vereinbarten Übergang des Lausitzer Braunkohlegeschäfts von Vattenfall auf EPH/PPF skeptisch und fordern in diesem Zusammenhang einen Stresstest für die Angemessenheit und Verfügbarkeit von Rückstellungen, die die Unternehmen für Bergbaunachsorge und ggf. für die Altersversorgung von Beschäftigten bilden müssen. Es ist unverständlich, dass sich die Bundesregierung bislang weigert, für die Rückstellungen von Bergbauunternehmen einen adäquaten Stresstest durchzuführen, wie sie es für die Atomrückstellungen getan hat. Dies gilt umso mehr, als in jüngster Vergangenheit Braunkohleunternehmen nach eigenen Angaben erhebliche Wertberichtigungen auf das Anlagevermögen wegen niedrigen Strommarktpreisen tätigen mussten.“

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Podiumsdebatte

der Bundestagsfraktion DIE LINKE.

am 3. Mai 2016
von 18 bis 20 Uhr
im Alten Stadthaus, 03046 Cottbus, Altmarkt 21

HINTERGRUND

Die ostdeutschen Bergbauregionen werden noch lange mit den Folgen des Abbaus von Braunkohle zu kämpfen haben. Stichworte sind Verockerung der Spree, Sulfateinträge, Vernässung oder Rutschungen. Doch das aktuelle Verwaltungsabkommen über die Braunkohlesanierung zwischen den ostdeutschen Braunkohleländern und dem Bund läuft im Jahr 2017 aus. Eine Verlängerung ist noch nicht in Sicht. Welche Aussichten gibt es, ein neues Abkommen abzuschließen, um den Umweltzustand zu verbessern und Arbeitsplätze bei der bundeseignen LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft) zu sichern?

Gleichzeitig produziert der laufende Abbaubetrieb permanent neue Langzeitfolgen für Anwohner und Umwelt. Vor allem aber erfordern die Beschlüsse des UN-Gipfels von Paris genauso wie die Klimaschutzziele der Bundesregierung ein Auslaufen der deutschen Kohleverstromung bis spätestens 2035. Damit ist zügig zu beginnen. Die Bundestagsfraktion hat Kernforderungen zu einem solchen Ausstieg (klick) und dessen arbeitsmarkt- und sozialpolitische Absicherung (klick) erarbeitet. Wie können Ausstieg und Strukturwandel in den Regionen ohne Brüche gelingen?

Diese und mehr Fragen wollen wir auf der Veranstaltung (klick zum Flyer) diskutieren.

PROGRAMM

18.00 Uhr Begrüßung
Caren Lay, MdB, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion DIE LINKE.

18.10 Uhr Podiumsdebatte mit:

  • Eva Bulling-Schröter, MdB, energiepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE.
  • Thomas Domres, MdL, energiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion DIE LINKE. in Brandenburg
  • Klaus-Otto Weymanns, Referatsleiter Gemeinsame Landesplanung, Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg
  • Dr. Sabrina Schulz, Geschäftsführerin E3G – Third Generation Environmentalism
  • Dr. Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Innovationsregion Lausitz GmbH

Moderation: Hellmuth Henneberg, Journalist

20.00 Uhr Ende der Veranstaltung

—————————————————————–

Uwe Witt
Referent für Energiepolitik
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Telefon +4930/227-52089
Telefax +4930/227-56414
uwe.witt@linksfraktion.de
www.linksfraktion.de

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Brief an den Parteivorstand DER LINKEN

Liebe Genossinnen und Genossen

Die TeilnehmerInnen des Bundestreffens der Ökologischen Plattform am 16. und 17. April 2016 haben im Bericht des Sprecherrates zur Arbeit der Plattform auch eine Bewertung der Friedenskonferenz (klick) der Partei DIE LINKE zur Kenntnis genommen.
Diese Konferenz ist ein wichtiges Signal an die Öffentlichkeit dafür, dass DIE LINKE unverrückbar in ihrer Haltung als Friedenspartei in Deutschland gilt, die keinerlei kriegerische Aktivitäten wie Auslandseinsätze deutscher Soldaten und Waffenexporte akzeptieren kann und wird. Dieses wiederholte Signal an die Öffentlichkeit wird auch von der Ökologischen Plattform sehr begrüßt.

Die Konferenz hat mit einer Vielzahl von Workshops viele Aspekte der Friedenspolitik DER LINKEN berührt. Allerdings muss bei der gewählten Struktur der Konferenz auch bemängelt werden, dass die Aufteilung der wichtigen Aspekte der Friedenspolitik auf 19 Workshops keine kompakte Manifestation dieser Politik gegenüber der Öffentlichkeit zum Ausdruck bringen konnte.

Davon war auch der uns besonders interessierende ökologische Aspekt unserer Friedenspolitik betroffen. Wir hatten gehofft, dass der enge Zusammenhang zwischen Wirtschaft, Rüstung, Krieg und Umweltzerstörung allen Teilnehmern der Konferenz nahe gebracht werden kann, dass die umweltzerstörende Wirtschafts- und Lebensweise in den Industrieländern de facto Krieg gegen die ganze Menschheit bedeutet. Für die Darlegung dieser Zusammenhänge hätte es natürlich einer Plenartagung im Rahmen der Konferenz bedurft. Der Sprecherrat der Ökologischen Plattform hatte für die Vorbereitung des Konzepts der Konferenz in dieser Richtung einige Vorschläge unterbreitet.

Die TeilnehmerInnen des Bundestreffens der Plattform bedauern, dass diesen Vorschlägen mit der durchgeführten Konferenz nicht entsprochen wurde. Damit hat unsere Partei eine weitere Gelegenheit verpasst, nach außen zu bekunden, dass der Umweltschutz neben dem Frieden in der Welt und der sozialen Sicherheit für alle Menschen eines unserer wichtigsten Anliegen und Politikfelder sein muss.

Die TeilnehmerInnen des Bundestreffens
Mannheim, 16.April.2016

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Erklärung der TeilnehmerInnen des Bundestreffens

der Ökologischen Plattform bei der Partei DIE LINKE in Mannheim,
16. April 2016

Die Mitglieder der Ökologischen Plattform haben wie auch viele andere Menschen die Ergebnisse der Klimakonferenz in Paris, insbesondere das Klimaabkommen und die offensichtlich auch größere Einmütigkeit der teilnehmenden Länder als bei früheren Klimakonferenzen verhalten begrüßt.
Wir sind jedoch der Meinung, dass die Euphorie und die am Ende der Konferenz geäußerte Zuversicht in den Erfolg der Klimapolitik der Industrieländer nicht gerechtfertigt sind. Das bisherige Agieren der Industrieländer gibt dafür wenig Anlass zur Hoffnung.

Nötig sind verbindliche Schritte zur beschleunigten Dekarbonisierung der gesamten Wirtschaft, insbesondere aber der Energiebereitstellung.
Das wäre um so notwendiger, wenn die weitere Erderwärmung, wie auf der Konferenz bekundet, bereits bei 1,5 Grad gestoppt werden soll. Stattdessen verbreitet die Bundesregierung Selbstzufriedenheit und die Überzeugung, dass wir ohnehin auf dem richtigen Wege sind und unsere gesteckten Ziele nicht überprüfen müssen.
Wie bisher sprechen Regierungen und große Industrie dabei im Interesse des Profits eine andere Sprache als die Klimaforschung.
Neueste Studien von Klimaforschern besagen, dass eine weitere Erderwärmung auch viel schneller erfolgen kann als bisher angenommen, die Netto-Klimagasemissionen deshalb weltweit bis 2035 und in Deutschland bis 2030 beendet sein müssen.

Wir fordern daher von der Bundesregierung wie auch von den Regierungen der anderen Industrieländer, ihre abgesteckten Etappen zur Verringerung der CO2-Emissionen merklich und unter Berücksichtigung der beschleunigten Erderwärmung ständig weiter zu verkürzen.
Nur so kann vermieden werden, dass das auf der Konferenz angenommene Klimaabkommen – nicht so wie die Abschlussdokumente der vorhergehenden Konferenzen – bloße Absichtserklärung bleibt.
Eine solche Wiederholung und Fortsetzung alter Politik im Interesse des Kapitals können wir uns nicht mehr leisten. Das könnte für die Menschheit fatal werden.

Von DER LINKEN fordern wir, den Zusammenhang zwischen Klimawandel, Energie-, Ressourcen-, Sicherheits- und Sozialpolitik in der täglichen Praxis stärker zu berücksichtigen und Ressortdenken zu überwinden.

Die TeilnehmerInnen des Bundestreffens der Ökologischen Plattform
Mannheim, 16. April 2016

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Töpfer: „Gute Klimapolitik wird zur Friedenspolitik“

Ex-Umweltminister sieht Energiewende als Lösung der Flüchtlingskrise

lautet die Überschrift eines Interviews (klick) der österreichischen Nachrichtenagentur pressetext (klick) mit dem ehemaligen deutschen Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie ehemaligen Chef des Umweltprogramms der UN, Klaus Töpfer.

nur ein Auszug:

„Wenn die Ursachen [gemeint sind ‚massives Gefälle der Lebenschancen und Perspektiven‘] nicht beseitigt werden, wie man vor allem in Afrika und seiner Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel sieht, dann werden die Flüchtlingsströme unweigerlich zunehmen. …
Viele Länder Afrikas, die wir als gescheiterte Staaten ansehen, sind hiervon
[gemeint ist Migration] besonders betroffen – sei es Somalia, der Kongo oder Lybien. Eine Stabilisierung – insbesondere durch nachhaltige Klimapolitik – ist dringend erforderlich. Nur so kann es zum Abklingen der Auseinandersetzungen in diesen Krisenregionen kommen. … Der Klimawandel wird die Situation in Afrika weiter verschärfen. Die Zahlen der UN [prognostizierte 200 Mio. Klimaflüchtlinge bis 2050] stellen lediglich einen Status quo dar, der eintritt, wenn nichts passiert.“

Lesen Sie das ganze Interview auf pressetext.com (klick)

Leider spielt der Zusammenhang von Klimawandel und Friedenssicherung auf der Friedenskonferenz der LINKEN (klick) keine Rolle.
Er kann bestenfalls gestreift werden im Block I / Workshop 2: Ressourcenkonflikte: Wie Kriege und Umweltzerstörung mit Naturressourcen zusammenhängen (klick)

Diskutiert werden sollen darin folgende Fragen:

Kriege werden um Ausbeutung von Ressourcen geführt: »Kein Krieg für Öl« war zu Recht ein Motto der Anti-Kriegsbewegungen. Heute verändert Fracking die Nachfrage nach Öl. Gleichzeitig werden Ressourcen wie Wasser, Land, Fische wichtiger: Was bedeutet das für Krieg und Frieden? Was sind die ökologischen Kosten?

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TTIP: Chance oder Risiko?

Am 14.1.2016 lud Matthias Schmidt (klick) zu einer Veranstaltung „TTIP: Chance oder Risiko?“.

Interessant – ein Innen- und Sportpolitiker informiert über TTIP? Also ging ich hin.
Zur fachlichen Verstärkung hatte er sich seinen Parteifreund Thomas Jurk (klick), ehemaliger Wirtschaftsminister in Sachsen, mitgebracht, der praktisch die gesamte Veranstaltung bestritt.

Diese ging, wie sich herausstellte, auf Bestrebungen der IG B.A.U. zurück, die mit den Bundestagsabgeordneten in Treptow-Köpenick zu TTIP ins Gespräch kommen wollte. (Ob der Abgeordnete der LINKEN aus Treptow-Köpenick, Gregor Gysi, ein ähnliches Treffen organisiert hat, ist nicht bekannt.) Thomas Jurk war dann auch sichtlich bemüht, Sorgen und Bedenken zu TTIP zu zersteuen – allerdings ohne dabei allzu konkret zu werden. Als Begründung für TTIP führte er zum Beispiel an, dass Handel friedenssichernd ist; wörtlich: „Wer miteinander Handel treibt, schießt nicht aufeinander.“ Welche Bedeutung das gerade für den transatlantischen Handel hat, erklärte er aber nicht…
Ansonsten erschien er schon recht überzeugend – insbesondere wenn man bedenkt, dass er von TTIP zu dem Zeitpunkt nichts wissen konnte, sondern alles nur vom Hörensagen kannte – also glauben musste. Was die Abgeordneten des Bundestages über TTIP tatsächlich wissen können, hat dagegen kürzlich Klaus Ernst deutlich gemacht (klick) – nachdem ab 1.2.2016 die MdB die Möglichkeit haben, die TTIP-Unterlagen einzusehen.[1]

Zu meiner Frage, wie er den offensichtlichen Widerspruch zwischen dem Pariser Abkommen (COP21) und der Erweiterung des transatlantischen Handels erklärt, erzählte Herr Jurk etwas von Transportentfernungen und -kosten. Dass ihm Inhalte bzw. Ziele von COP21 bekannt waren, ging daraus nicht hervor.  „TTIP: Chance oder Risiko?“ weiterlesen

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Klimagipfel erfolgreich, Klimaschutz gescheitert?

Unter dieser Überschrift nimmt die Rosa-Luxemburg-Stiftung eine „ausführliche Einschätzung zu den Ergebnissen von Paris“ vor.

„Ob man den Klimagipfel als großen Erfolg ansieht oder eher als gescheitert, hängt ganz wesentlich von der Perspektive ab. …

All diese Kämpfe werden weitergehen, sie werden nach dem, was man aus den Aktivist_innenkreisen hört, in den nächsten Jahren von unten eskaliert werden. Die Bewegung ist größer, reifer und ausdifferenzierter geworden. Und der Pariser Klimagipfel hat sie nicht geschwächt, sondern vermutlich gestärkt.“

gesamte Einschätzung lesen (klick)

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Klimaabkommen mit Fallstricken

Einschätzung von Eva Bulling-Schröter, Sprecherin für Klima- und Energiepolitik der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

Ist das UN-Klimaabkommen von Paris historisch, wie es überall zu lesen ist? Wenn sich fast alle einig sind, ist Misstrauen angebracht. Nicht nur deshalb, weil sich naturgemäß immer erst im Nachhinein herausstellt, was Verträge wirklich wert sind.

Um es vorweg zu nehmen: Das Abkommen von Paris kann historisch werden. Ich betone KANN. Denn momentan ist lediglich ein gut ausgerichteter Rahmen, der noch gefüllt werden muss, um die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß zu begrenzen.

Vorausgesetzt, sie werden erfüllt

Der Vertrag hat relativ starke Zielstellungen. Die Festlegungen, sie zu erreichen, sind dagegen schwach. Ins Abkommen integriert sind deshalb Mechanismen, um schrittweise nachzubessern. So ist es ein Erfolg, dass erstmals jeder Staat auf dieser Erde völkerrechtlich darauf verpflichtet wird, dazu beizutragen, den Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen. Die Länder wollen darüber hinaus „Anstrengungen unternehmen“, um auf maximal 1,5-Grad zu kommen. Letzteres haben insbesondere die vom Untergang bedrohten Inselstaaten eingefordert. Doch die von den Ländern gemeldeten Selbstverpflichtungen bis 2030 führen zusammengerechnet auf einen Pfad, der die Erde bis Ende des Jahrhunderts um 2,7 bis 3,5 Grad erwärmen könnte – vorausgesetzt, sie werden überhaupt erfüllt.

An dieser brisanten Schere setzt der so genannte Ambitionsmechanismus an: Alle fünf Jahre soll überprüft werden, ob die gemeldeten nationalen Klimaschutzpläne der einzelnen Länder sowie das Forderungsniveau insgesamt ausreichen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Dabei soll es nur eine Verschärfung der Verpflichtungen geben, keine Abschwächung. Mit dieser „Sperrklinkenklausel“, wollen die Staaten die Klimaschutzlücke schrittweise schließen.

Viele haben sich ein stringenteres Abkommen gewünscht. Doch die jahrelangen Blockaden von Staaten wie die USA, Russland, China oder Saudi Arabien machten es unmöglich, „von oben“ auf alle Länder verbindliche und gerechten Emissionsziele zu verteilen, die noch dazu ausreichend sind, um das 2-Grad-Limit einzuhalten. Insofern ist das nun vorliegende schwächere Abkommen – das dennoch als diplomatische Meisterleitung gefeiert wird (und wohl auch ist) – den globalen Machtverhältnissen geschuldet. Es hat aber zumindest das Potential, eine vergleichbare Wirkung zu entfalten.

Kohle-Investments verlieren an Wert

Vor allem der Trick der Verpflichtungsmeldung „von unten“ hat den gordischen Knoten durchschlagen, der seit dem Desaster von Kopenhagen im Jahr 2009 als unlösbar galt. Alle Länder machen nun mit – allerdings zum Preis einer Architektur, die unverbindlicher ist, dafür aber einen Verbessrungsmechanismus und Transparenzregeln verankert hat, die letztlich zu einem ähnlichen Ergebnis führen sollen.

Vor zehn oder zwanzig Jahren wäre solch ein Abkommen wohl nicht die Tinte wert gewesen, mit der man es geschrieben hätte. Das könnte nun anders sein, denn die Welt hat sich verändert: Die Kosten der regenerativen Energien sind drastisch gesunken. Hinter den Erneuerbaren stehen nicht nur Klimaschützer, sondern auch riesige neue Wirtschaftszweige. Gleichzeitig verlieren Kohle-Investments an Wert. Die im Paris-Abkommen vereinbarten Finanztransfers von Nord nach Süd von mehr als 100 Milliarden Dollar pro Jahr können dazu beitragen, dass Entwicklungsländer ihre fossile Phase teilweise überspringen. Nicht zuletzt setzt der brennende winterliche Smog in China und anderen Staaten Regierende genauso unter Druck, wie weltweit zunehmende Wetterkatastrophen als Folgen des Klimawandels.

Die materielle Basis für ein politisches Umsteuern wird also immer fester. Der Erfolg ist aber nicht garantiert. So wird sich erst zeigen, ob der verankerte Ambitionsmechanismus tatsächlich etwas taugt. Auch darum steigt die Bedeutung des Klimaschutzes von unten. Das sind Millionen von Bürgerenergieanlagen oder der Kampf von NGOs und Forschungseinrichtungen gegen Interessen von Großkonzernen – und manchmal auch ein besetzter Bagger.

TTIP droht neue Handelsströme zu entfachen

Ohne diesen Druck von unten ist Klimaschutz undenkbar. Wer daraus aber schlussfolgert, man könne auf ein weltweites Abkommen verzichten, liegt schief. Ein globales Problem braucht auch globale Antworten. Verbindliche Übereinkünfte über Ziele, Finanzströme, Rechenmethoden und Überprüfungssysteme sind staatenübergreifend unabdingbar. Völkerrecht wird dabei immer nur einen Minimalkonsens zustande bringen. Darum haben wir jetzt kein Bilderbuchabkommen, sondern besagtes Gerüst, das gefüllt werden kann und muss. Auf keinen Fall dürfen dabei jedoch CCS, neue Atomkraftwerke und andere falsche Lösungen eine Rolle spielen. Zudem drohen andere Abkommen, wie TTIP, neue Handelsströme zu entfachen, die mit ihren Verkehrsemissionen weltweiten Klimaschutz torpedieren. Dies muss verhindert werden. Auch das ist Kampf und wird niemanden geschenkt.

Hierzulande sind die Treibhausgasemissionen seit fünf Jahren kaum noch gesunken. Für die Regierung des vermeintlichen Öko-Musterknaben Deutschland ist dies eine Blamage. Inwieweit und wie schnell sich dies ändert, entscheidet mit darüber, ob das Abkommen von Paris tatsächlich ein historisches sein wird – oder nur ein weiterer wertloser Papiertiger.

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Nach dem UN-Klima-Gipfel: (Don’t) Trust the COP?

Was haben die Verhandlungen in Paris gebracht?

Foto: John Englart (Takver), flickr
Foto: John Englart (Takver), flickr

Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung – Vortrag und Diskussion

Mit

Gerrit Hansen, unabhängige Expertin für Klimaschutz, Wissenschaftlerin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

Nick Reimer, Redaktionsleiter, Mitbegründer des Online-Magazins Klimaretter.info und Autor des Buchs «Schlusskonferenz. Geschichte und Zukunft der Klimadiplomatie»

Dorothee Häußermann, Mitorganisatorin der Degrowth Summer School, aktiv bei attac und Ende Gelände!

Mittwoch, 16.12.2015 | 19:00 Uhr

Rosa-Luxemburg-Stiftung, Salon, Berlin
Franz-Mehring-Platz 1 (klick)
10243 Berlin
Der Salon befindet sich im 1. Obergeschoss.

weitere Informationen auf der Seite der Rosa-Luxemburg-Stiftung (klick)

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COP21: Klimaschutz in Deutschland?

Denkste!

Am 30.11.2015, erklärte Frau Merkel beim Klimagipfel in Paris (klick),

„Es geht um die Grundlagen des Lebens der Generationen, die nach uns kommen. Wir wissen:
Wir müssen heute handeln. …
wir [brauchen] im Laufe des 21. Jahrhunderts eine weitgehende Dekarbonisierung unserer Volkswirtschaften. …
Es geht um eine grundlegende Transformation unseres Wirtschaftens, das alle Sektoren umfasst: die industrielle Produktion, die Mobilität, die Wärmedämmung und die Energieerzeugung. …
Die Industrieländer müssen bei der Entwicklung von Technologien zur Dekarbonisierung eine führende Rolle spielen. …
Deutschland wird seinen Beitrag leisten

Ausstieg aus der Kohleverstromung? Wieso denn?

Meint die Kanzlerin, dass Deutschland kein Industrieland ist? Wie anders ist zu erklären, dass am 1.12.2015 die DPA berichten konnte, dass alte Kohlekraftwerke in Zukunft trotz der klimaschädlichen Emissionen gefördert werden können?

So hätten sich die Koalitionsfraktionen mit dem Bundeswirtschaftsministerium geeinigt zu ermöglichen, „Kohle-Bestandsanlagen in der Industrie und in der öffentlichen Versorgung“ auch noch nach dem Jahr 2018 zu subventionieren. Im Rahmen des Kraft-Wärme-Kopplung-Gesetzes (KWKG) 2016 sei die Ermächtigung für eine entsprechende Verordnung geplant.

Nach der Schrottvergoldung (klick) das nächste Geschenk an die Kohlelobby.[1]

Klimaschutz im Verkehr? Die Regierung kann (oder will?) doch Staatsbetrieben nichts vorschreiben!

„Pünktlich zum Klimagipfel in Paris (wo ein Promotion-Zug mit Promis hingefahren ist) hat der Vorstand der Deutschen Bahn AG mitgeteilt, dass alle Nachtreisezüge eingestellt werden. Statt im Schlafwagen in europäische Nachbarländer zu reisen, muss man künftig mit Nachtbussen oder ICE-Sitzen vorlieb nehmen – oder man fliegt. Und damit wird die klimafreundlichste durch die klimaschädlichste Art zu reisen ersetzt. Die Bundesregierung, der zuständige Minister schweigt zu diesem bösen Streich. …“

erklärt Sabine Leidig in ihrer Rede vor dem Bundestag.

Bundestags-Rede auf Youtube ansehen (klick)

Fazit?

Warme Worte der Pastorentochter,
aber:
„An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.“
(Sprichwort nach der Bibel: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“; Matthäus 7,20)

 


Fussnote(n)


[1↑] 2014 betrugen die umweltschädlichen Subventionen in der Bundesrepublik 52,224 Mrd. €.
siehe auch unser Flyer Nr. 31 (klick); Quelle: Umweltbundesamt 2015 (klick)
[zurück zum Text hier klicken]

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COP21 – „Schicksalskonferenz“ in Paris

Liebe Freundinnen und Freunde,

»Um jedes Zehntelgrad zu kämpfen« lohne sich, davon ist Deutschlands wichtigster Klimaforscher mit internationaler Reputation überzeugt. Er streitet seit Jahrzehnten darum, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dem Klimawandel und seinen dramatischen Folgen endlich ins Auge sehen – und alles daran setzen, ihn aufzuhalten.

In einem brisanten Thesenbuch spitzt er seine Kritik noch einmal zu:

Nach derzeitigem Wissensstand bewegt sich unsere Zivilisation nicht auf die oft genannte Zwei-Grad-Grenze, sondern viel dramatischer auf eine Erwärmung von 3 bis 4 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts zu. Die fortgesetzte Verbrennung fossiler Energieträger droht zum kollektiven Suizid zu führen.

Hans Joachim Schellnhuber fasst das aktuelle Wissen in aller Schärfe zusammen, damit die Politiker auf der »Schicksalskonferenz« in Paris im Spätherbst 2015 die letzte Chance zum Umsteuern ergreifen.

Zur Leseprobe:
http://www.randomhouse.de/Buch/Selbstverbrennung/Hans-Joachim-Schellnhuber/e481489.rhd?mid=4 (klick)

Für all diejenigen, die für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen kämpfen, ein Lesemuss!

Die Klimaerwärmung hat eine bedeutende symbolische Schwelle erreicht: Das Jahr 2015 war im Durchschnitt bislang 1,02 Grad wärmer als die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, berichtet das britische Met Office, der meteorologische Dienst Großbritanniens: http://www.klimaretter.info/umwelt/hintergrund/20014-globaltemperatur-um-1-grad-gestiegen (klick)

Eine Klimaerwärmung um vier Grad Celsius wird einer neuen Studie zufolge weltweit zwischen 470 und 760 Millionen Menschen gefährden. Bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius wären immer noch 130 Millionen Menschen in Küstenregionen vom höheren Meeresspiegel betroffen: http://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-steigender-meeresspiegel-gefaehrdet-millionen-menschen-1.2728353 (klick)

Wer wird dann diese „Klimaflüchtlinge“ aufnehmen?

Sorry, aber es gibt nichts Besseres zu berichten.
Hartmut

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Ungerechtigkeit im Treibhaus

Klimawandel von Links erklärt

UngerechtigkeitImTreibhaus Im Dezember 2015 wird in Paris über ein neues Klimaabkommen verhandelt.

Die Chancen, dass ein Abkommen beschlossen wird, das tatsächlich Einfluss auf die Erderwärmung hat, sind gering. Und dennoch ist die Klimakonferenz ein wichtiger Termin. Dort werden – für einige Tage – die verschiedenen Perspektiven auf den Klimawandel und den Umgang mit ihm ebenso sichtbar wie die widersprüchlichen Interessen in der internationalen Klimapolitik, der Widerstand gegen sie und die Alternativen zu ihr. Diese Broschüre soll helfen, das, was im Vorfeld und während der Konferenz geschieht, zu verstehen.

  • Der erste Teil gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft.
  • Der zweite Teil stellt die bisherige Klimapolitik dar.
  • Die Broschüre schließt mit einem Blick auf die Bewegungen, die sich um das Thema formiert haben, auf die Alternativen, die sie aufzeigen, und die Fragen, die sie stellen.

Inhalt:

1 Klimawandel
1.1 Wie verändert sich das Klima?
1.2 Warum erwärmt sich die Erde?
1.3 Ist die aktuelle Erwärmung menschengemacht?
1.4 Welche Folgen hat die globale Erwärmung?
1.5 Wie sicher sind die Vorhersagen?
2 Klimapolitik
2.1 Was hat Klimawandel mit Gerechtigkeit zu tun?
2.2 Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die globale Erwärmung einzudämmen?
2.3 Was haben die bisherigen Maßnahmen gebracht?
2.4 Warum ist der Klimaschutz bisher so wenig erfolgreich?
2.5 Was steht in Paris an?
3 Ausblick und Alternativen

Zur Autorin

Juliane Schumacher, Geoökologin und Politikwissenschaftlerin, schreibt als freie Journalistin seit 2007 über Umweltthemen, Lateinamerika und den arabischen Raum. 2011 bis 2014 Redakteurin der taz. Seit 2014 Doktorandin am Zentrum Moderner Orient (ZMO) in Berlin.

Titel

Ungerechtigkeit im Treibhaus
Klimawandel von Links erklärt

Luxemburg Materialien Nr. 11,
Berlin 2015, ISSN 2199-7713

Bezug Online:

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Klimaskeptiker geben nicht einfach auf

Zwei Jahre nach der ZEIT[1] hat die Süddeutsche Zeitung das Thema „Klimaskeptiker“ aufgegriffen. Sie brachte am 4.11.2014 ein Interview mit der Harvard-Historikerin Naomi Oreskes. Diese hat die Strategien der sogenannten Skeptiker analysiert. Sie zeigt auch, dass  Lobbyisten selbst Denkmuster des Kalten Krieges nutzen.

Aus der Sicht eines linken Ökologen wäre hinzuzufügen:

Der Kampf gegen die Anerkennung des Mensch-gemachten Klimawandels als Begründung der Energiewende, diese „Spitze des Eisberges“ fällt nur deshalb besonders auf, weil erneuerbare, dezentrale Energiebereitstellung Profite und Macht der Energiekonzerne – die zu den mächtigsten überhaupt gehören – direkt schmälert.
Doch grundsätzlich die gleichen Methoden finden branchenübergreifend überall da Anwendung, wo Profite in Gefahr sind (Stichworte: Gentechnik, Rüstungsexporte/-begrenzung, Positvliste für Pharmaprodukte, Mobilfunkstrahlung, Reprivatisierung kommunaler Dienstleistungen, Finanzmarktregulierung, …).

Sie beinhalten

  • Zweifel streuen an wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Zielen geplanter Veränderungen
  • Gegengutachten von speziell gegründeten Einrichtungen (in Deutschland z.B. EIKE)
  • „Kauf“ von Wissenschaftlern
  • Diffamierung und Isolierung unliebsamer Wissenschaftler
  • massive Gegenpropaganda und Lobbytätigkeit – bis hin zur Beeinflussung gewählter PolitikerInnen bzw. Koalitionen
    (s. „Vereinbarung der Bundesregierung mit den Atomkonzernen„, „Die gekaufte Republik„)
  • Dabei werden auch gern berechtigte Bürgerinteressen, Initiativen (im Falle der Pharmaindustrie Selbsthilfegruppen) und auch Gewerkschaften unterstützt, wenn sie Konzerninteressen dienen.

Die selektive Unterstützung von Gewerkschaften, die Gründung „eigener“ Gewerkschaften (Stichwort „Union Busting“ oder „Arbeitsunrecht in Deutschland“ – bis hin zur gegenwärtigen Hetze gegen die GDL) passt nahtlos in diese Herangehensweise.

Gewöhlicher Kapitalismus. Doch diesen zu kritisieren – so weit geht die SZ nicht.


[1↑] siehe „Organisation einer Lüge

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