Bitte bis Silvester Atmen, Trinken und Essen einstellen!

Sind Sie ein durchschnittlicher („normaler“) Erdenbürger und wollen Sie, dass Ihre Enkel und Urenkel auch noch eine lebenswerte Umwelt vorfinden?
Dann sollten Sie ab sofort bis Silvester Ihren Stoffwechsel einstellen!
Heute, am 1. August 2018 ist der earth overshoot day (dt. „Erderschöpfungstag“ – das ist der Tag, an dem die Erdbevölkerung rechnerisch die gesamte Menge an natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die ihr an Biokapazität im laufenden Jahr zusteht).

Wenn Sie allerdings ein durchschnittlicher Mensch in Deutschland sind, hätten Sie bereits am 2. Mai 2018 aufhören müssen mit Atmen, Trinken, Essen usw..

Grafik: Tag im Jahr, an dem die Belastungsgrenze der Erde erreicht wurde

Dass sich der Trend der letzten Jahre 2018 in Deutschland nicht fortgesetzt hat, ist kein Grund zur Beruhigung: Immer noch verbrauchen wir pro Kopf fast die doppelten Ressourcen, wie der Durchschnitt der Weltbevölkerung.

Wir leben nicht nur auf Kosten künftiger Generationen, sondern auch des Globalen Südens.

Umweltverbände: Ohne soziale Gerechtigkeit kein ökologischer Wandel

Die großen deutschen Umweltverbände sind sich einig, dass ohne soziale Gerechtigkeit ein ökologischer Wandel nicht zu haben ist. Das ist die überraschende Quintessenz der am 27.9.2017 veröffentlichten Interviewreihe, die von der Organisation denkhausbremen (http://denkhausbremen.de/) mit aktiven und ehemaligen Führungskräften der Umweltverbände geführt wurde. Befragt wurden Fachleute von BUND, Deutscher Naturschutzring, Greenpeace, NABU, NaturFreunde und WWF. Die Interviewten fordern darüber hinaus eine Abkehr vom Wachstumsdenken – bis hin zu dem Appell, eine Art neue APO zu bilden.

Die denkhausbremen Interviewreihe mit dem Titel „Wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft besser gestalten“ (http://denkhausbremen.de/wp-content/uploads/2017/08/denkhausbremen-Wer-die-Vergangenheit-kennt-kann-die-Zukunft-besser-gestalten..pdf) beleuchtet den Einfluss der wachstumskritischen Debatte auf die Umweltverbände. „Es ist bemerkenswert, dass sogar etablierte Naturschutzverbände, deren Wurzeln ins bürgerliche Milieus hineinreichen, das allgegenwärtige Wachstumsparadigma in Frage stellen“, erläutert denkhausbremen-Geschäftsführer Peter Gerhardt.

Soziale Gerechtigkeit ist für die großen deutschen Umweltverbände zentral. „Wenn wir nicht zusehen, dass sich auch Menschen mit niedrigeren Einkommen ein gutes Leben leisten können, dann werden wir am Ende nicht erfolgreich sein“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke in diesem Zusammenhang. Auch politische Projekte wie der Kohleausstieg sollten, so Tschimpke, sozialverträglich gestaltet werden.

Die befragten Experten kritisieren, dass kontinuierliches Wachstum weiterhin ein unumstößliches Fundament unseres Wirtschaftens sei und unseren Planeten auf die Dauer erschöpfe. WWF-Vorstand Christoph Heinrich konkretisiert, dass eigene Studien belegten, dass bei Fleisch, Soja oder Palmöl die globalen Grenzen der Tragfähigkeit bereits überschritten seien. Helmut Röscheisen, Ex-Generalsekretär des Dachverbands Deutscher Naturschutzring, rät den Umweltverbänden auch im Hinblick auf die eigene Nachwuchsarbeit sich in der wachstumskritischen Debatte zu engagieren: „Die Frage nach ökologischen Lebensstilen und die Wachstumsdebatte als solche bieten da schon einige Brücken, um junge Leute für die eigene Arbeit zu begeistern.“

Die Interviewten sprechen ferner über ihr ambivalentes Verhältnis zur Industrie. Wolfgang Lohbeck, langjähriger Greenpeace Kampaigner und Vater des Drei-Liter-Autos, ist skeptisch, ob sich der Dialog mit der Wirtschaft für die Umweltverbände lohnt. Es bestehe dadurch die Gefahr, sich zu sehr um Detailverbesserungen zu bemühen und das große Ganze aus dem Auge zu verlieren, nämlich in seinem Fall das „durchaus perverse Fortbewegungsmittel Auto insgesamt“. Er hält das System „Auto“ für „brutal, gewalttätig, vernunftwidrig, auf Kosten aller“.

Die Umweltfachleute erläutern auch Ihre Ideen für die Zukunft. Die BUND-Ehrenvorsitzende Angelika Zahrnt gibt sich pragmatisch und sieht die Stärke ihres Verbandes auf der lokalen Ebene und fordert mehr Repair-Cafés für defekte Kleingeräte und Car-Sharing. Der frühere Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium und heutige NaturFreunde-Vorsitzende Michael Müller wünscht sich, dass sich die Verbände gemeinsam noch stärker politisch einmischen: Er ruft sie dazu auf, „eine Art APO, also außerparteiliche Opposition“ zu bilden und die politischen Parteien beim Thema Wachstum stärker unter Druck zu setzen.

Die Interviewreihe hat denkhausbremen im Rahmen des „Dialog Degrowth“ (http://denkhausbremen.de/de/themen/dialog-degrowth/) initiiert. In diesem vom Umweltbundesamt geförderten Projekt tauschen sich Umweltverbände mit wachstumskritischen Initiativen aus und erarbeiten gemeinsam konkrete Lösungsansätze für soziale und ökologische Zukunftsfragen.

5,3% Wachstum

Mit dieser Geschwindigkeit beschleunigen „die Deutschen“ im Durchschnitt die Selbstzerstörung der Menschheit.

„Am 24. April hat die deutsche Bevölkerung rechnerisch die gesamte Menge an natürlichen Ressourcen verbraucht, die ihr an Biokapazität im Jahr 2017 zusteht.“ (Quelle: https://germanwatch.org/overshoot)

2016 haben wir (Menschen in Deutschland) noch 119 Tage – bis zum 29. April – gebraucht, um die uns im Jahr zustehenden Ressourcen zu verbrauchen.
Dieses Tempo konnten wir 2017 noch steigern. Statt die Kapazität von „nur“ 3,1 Erden wie im Jahr 2016 zu vernutzen, werden wir bei Fortsetzung dieses Trends in diesem Jahr 3,2 erreichen:

Das sind 5,3% Wachstum – mehr als doppelt so viel wie das der Wirtschaft!

Was kostet uns diese Wirtschafts- und Lebensweise?

12 – 15 Arbeitsplätze in der Kohle: rechnerisch ein Toter pro Jahr – das das nur ein kleiner Teil der Schäden durch fossile Energiewirtschaft ist, macht Prof. Volker Quaschning von der HTW (https://www.volker-quaschning.de/index.php) in diesem Video deutlich.

Am 26.April vor 31 Jahren ereignete sich im AKW Tschernobyl der erste atomare Super-GAU (Kategorie „katastrophaler Unfall“).
Wir sollten uns daran erinnern, dass auch in Deutschland trotz Ausstiegsbeschluss immer noch AKWs in Betrieb sind, immer noch atomarer Müll produziert wird, von dem nur klar ist dass er sicher über eine Million Jahre isoliert gelagert werden muss, nicht aber wo und wie.

Was für eine Erde hinterlassen wir unseren Enkeln und Urenkeln?

Ein Prozent ist genug

Jørgen Randers (klick), der bereits am Club of Rome-Bericht “Die Grenzen des Wachstums“ von 1972 als Koautor mitgearbeitet hatte, und der Generalsekretär des Club of Rome Graeme Maxton haben eine neuen Bericht an den Club of Rome gerichtet mit dem Titel: „Ein Prozent ist genug“. Ursprünglich sollte dieser Bericht den Titel bekommen „Ihre Kinder und wie sie vermeiden können, sie umzubringen“. Dieser Titel hätte aber dem Inhalt nicht entsprochen, denn das gegenwärtige kapitalistische System soll nicht ausgehebelt und beseitigt werden, was bei diesem Titel unbedingt notwendig gewesen wäre, sondern Ziel ist nur ein besserer Kapitalismus mit gedämpfter Marktradikalität und Wegen zur Nachhaltigkeit. Es geht den Autoren um eine gerechte Umverteilung von Arbeit, Wohlstand und Einkommen im kapitalistischen System.

Im Zeitraum von 1950 bis 1980 war Wirtschaftswachstum auch für die Arbeiter positiv. Danach entstanden keine neuen Arbeitsplätze mehr, aber es entstand mehr Ungleichheit. Heutzutage profitieren vom geringen Wirtschaftswachstum nicht mehr alle Bürger. Dabei verdoppelte sich das BIP der reichen Länder von 1980 bis 2010. Die Autoren weisen nach, dass seit den 1980er Jahren in den reichen Industrieländern durch Wirtschaftswachstum genau das Gegenteil eingetreten ist, was die neoliberalen Wirtschaftslehrer verkünden: Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, besonders unter Jugendlichen; die Jahresarbeitszeit hat sich verlängert; der Reallohn ist gesunken; die Zahl der in Armut Lebenden hat sich vergrößert; die Kluft zwischen Arm und Reich ist gewachsen. Nur die Reichen haben vom Wirtschaftswachstum profitiert. Das westliche Wirtschafts- und Konsummodell ist kein Zukunftsmodell mehr für die Welt. Ursache dieser Entwicklung ist die vollständige Okkupation des Staatsapparates durch Banken, Shareholder und Unternehmer mit Hilfe ihrer vorzüglichen Lobbyarbeit. Die Autoren kommen zum Schluss, dass das Wirtschaftswachstum vermindert werden muss, um die gegenwärtigen Probleme zu lösen. Verwundern muss, dass bei dieser Analyse für die reichen Industrieländer immer noch 1 % Wachstum vorgeschlagen wird, wo doch ein Schrumpfen der Wirtschaft angebracht und notwendig wäre. Jedes „Weiter so“ der kapitalistischen Wirtschaft bringt die Menschheit voran auf dem Weg in den Abgrund. Seit 30 Jahren funktioniert die marktradikale Doktrin nicht mehr. Aber zu einer Forderung nach Abschaffung des kapitalistischen Systems können sich die Autoren nicht durchringen, weil die Mehrheit der Bürger diesen Weg nicht mitgehen würde, weil sie Angst vor einem Zusammenbruch haben, denn ohne Wachstum würde das System des Kapitalismus zusammenbrechen.

Die Autoren widmen ein Kapitel den gegenwärtigen und zukünftigen Problemen und Bedrohungen, die die Menschheit lösen muss, um zu überleben: Bevölkerungswachstum, Ressourcenende und Rohstoffverknappung, Klimawandel, Umweltverschmutzung, sinkende Artenvielfalt, zunehmende Zahl der Armen, zunehmende Arbeitslosigkeit, Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich sowie Kriege, Terrorismus und Migration. Als Ursache aller dieser Probleme erkennen die Autoren das gegenwärtige Wirtschaftssystem. Der Marktradikalismus sorgt nicht nur für die Umverteilung der Gewinne hin zu den Reichen, sondern er führt auch zu einem egoistischen, gierigen und verschwenderischen Verhalten der Menschen. Die Belastbarkeit des Planeten wird überschritten, was von den Regierungen und den Unternehmern in Kauf genommen wird. Das Tempo auf dem Weg zum Kipppunkt wird immer schneller.

Die Autoren fassen die Herausforderungen der reichen Welt zusammen: Automatisierung und im Gefolge mehr Arbeitslosigkeit, zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich, alternde Bevölkerung, erschwerter Zugang zu Rohstoffen, nur noch geringe Produktivitätssteigerungen, Sinken des Wohlstands.
Gegenwärtig wird nichts unternommen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Weil weder die Herrschenden noch die Beherrschten an den gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnissen aus Unkenntnis oder Verantwortungslosigkeit etwas verändern wollen, haben die Autoren 13 Vorschläge gemacht, die zu einer Milderung der Missstände führen können. Das sind Vorschläge, die im System des freien Marktes umgesetzt werden können, um Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und Klimawandel zu mildern: „Ein Prozent ist genug“ weiterlesen

Rechnung für Ressourcenverbrauch

Anlässlich des earth overshoot day (Erderschöpfungstag am 8.8.2016) haben Moskauer gestern in einigen Geschäften und Kaffees zusätzlich zu den normalen Rechnungen Quittungen bekommen, auf denen ausgewiesen ist, dass die Ressourcen der Erde erschöpft sind. Die Aktion wurde vom WWF iniitiiert und von verschiedenen Handelsketten durchgeführt. Insgesamt wurden auf diese Weise mehr als 4000 „Rechnungen der Erde“ ausgegeben.

Außerdem haben 2,7 Mio. Abonnenten des Moskauer Telefonnetzes Informationen über die Ressourcenerschöpfung auf normalen Telefonquittungen bekommen und lebensgroße Panda-Puppen haben diese Rechnungen in fünf Handelszentren ausgegeben.

Der CO2-Anteil am ökologischen Fußabdruck der Menschen wächst besonders schnell. In Russland ist er höher als im weltweiten Durchschnitt.
Andere Länder:

  • Schweiz: 54%
  • Großbritannien: 63%
  • China: 69%

 

Das Cochabamba Protokoll

Heute ist der 21.7.2013.  In genau zwei Monaten findet die Bundestagswahl statt.

In der Öffentlichkeit spielen ökologische Fragen immer noch eine zu geringe Rolle. Im Zentrum stehen soziale Probleme und die deutsche Nabelschau. Beim Klimaschutz geht es jedoch um weit mehr.

Aus diesem Anlass erinnern wir hier an die globale Dimension der Probleme mit einem zeitgeschichtlichen Dokument von herausragender Bedeutung, der

Erklärung der Weltkonferenz über den Klimawandel und die Rechte der Mutter Erde
22. April 2010 Cochabamba, Bolivia
Abkommen der Völker

Cochabamba.jpg

Heute ist unsere Mutter Erde verletzt und die Zukunft der Menschheit in Gefahr.

„Sollte die globale Erwärmung auf mehr als 2°C steigen, wohin uns die so genannte „Kopenhagener Vereinbarung“ führen wird, gibt es eine 50 %ige Wahrscheinlichkeit, dass die unserer Mutter Erde zugefügten Verletzungen vollständig unumkehrbar werden.

Zwischen 10 und 30 % der Arten sind vom Verschwinden bedroht. Große Waldflächen werden betroffen sein, Dürren und Überschwemmungen werden verschiedene Gebiete des Planeten beeinträchtigen, die Wüsten werden sich ausbreiten und das Abschmelzen der Polkappen und der Gletscher in den Anden und im Himalaya wird sich verstärken. Viele Inselstaaten werden verschwinden und Afrika wird einen Temperaturanstieg von mehr als 3 °C erleiden. Damit wird sich die Erzeugung von Lebensmitteln auf der Welt mit katastrophalen Auswirkungen für das Überleben der Bewohner weiter Regionen des Planeten verringern und die Zahl der Hungernden in der Welt, die bereits 1,02 Millionen Menschen übersteigt, dramatisch zunehmen.

Die Konzerne und Regierungen der sogenannten „entwickelten“ Länder haben uns in Komplizenschaft mit einem Teil der wissenschaftlichen Gemeinsachaft dazu gebracht, den Klimawandel als Problem zu diskutieren, das sich auf den Temperaturanstieg beschränkt, ohne die Ursache, das kapitalistische System zu hinterfragen.

Wir stehen vor einer Endzeitkrise des Zivilisations-Modells, das auf Patriarchat und auf einer sich seit der Industriellen Revolution beschleunigenden Unterwerfung und Zerstörung der Menschen und der Natur beruht.

Das kapitalistische System hat uns eine Logik der Konkurrenz, des Fortschritts und grenzenloses Wachstum auferlegt. Dieses Regime der Produktion und des Verbrauchs strebt nach grenzenlosem Gewinn, Trennung des Menschen von der Natur, gebietet Überlegenheit über die Natur, verwandelt alles in Waren: Wasser, Erde, menschliches Erbgut, Kultur der Vorfahren, Artenvielfalt, Justiz, Ethik, Rechte der Völker und das Leben selbst.

Im Kapitalismus werden die Mutter Erde in eine Rohstoffquelle und Menschen zu Konsumenten und in Produktionsmittel verwandelt, in Menschen, die nur das wert sind, was sie besitzen, und nicht, was sie sind.

Der Kapitalismus erfordert eine leistungsfähige Rüstungsindustrie für seine Akkumulationsprozesse und die Kontrolle von Territorien, Naturressourcen und die Unterdrückung des Widerstandes der Völker. Es ist ein imperialistisches System der Kolonisierung des Planeten.

Die Menschheit steht vor einer großen Entscheidung: den Weg des Kapitalismus, von Plünderung und Tod fortzusetzen oder den Weg der Harmonie mit der Natur und den Respekt für das Leben zu wählen.

Es ist zwingend notwendig, dass wir ein neues System formen, das die Harmonie mit der Natur und unter den Menschen wieder herstellt. Und um im Gleichgewicht mit der Natur zu sein, muss zuerst Gerechtigkeit unter den Menschen herrschen. Wir schlagen den Völkern der Welt die Wiederherstellung, Wiederaufwertung und Stärkung der Kenntnisse, des Verstands und der überlieferten Praktiken der indigenen Völker vor, die auf dem Gedanken und den Methoden des „Guten Lebens“ beruhen, die Mutter Erde als ein Wesen anerkennen, mit dem wir eine unteilbare, voneinander abhängige, sich ergänzende und geistige Beziehung haben. Um den Klimaveränderungen zu begegnen, müssen wir Mutter Erde als die Quelle des Lebens anerkennen und ein neues System schmieden, das auf die Grundsätze gestützt ist:

  • Harmonie und Gleichgewicht unter allen und mit allen Dingen;
  • Komplementarität, Solidarität und Gleichheit;
  • Kollektives Wohlbefinden und Zufriedenheit der Grundbedürfnisse aller;
  • Menschen in Harmonie mit der Natur;
  • Anerkennung der Menschen für das, was sie sind, und nicht, was sie besitzen;
  • Beseitigung aller Formen von Kolonialismus, Imperialismus und Interventionismus;
  • Frieden unter den Völkern und mit der Mutter Erde;

Das Modell, das wir vorschlagen, ist nicht das einer destruktiven und unbegrenzten Entwicklung.  Die Länder sind darauf angewiesen, Güter und Dienstleistungen zu erzeugen, um die grundlegenden Bedürfnisse ihrer Bevölkerung zu befriedigen, aber sie dürfen auf keinen Fall weiter den Entwicklungsweg verfolgen, bei dem die reichsten Länder einen fünfmal größeren ökologischen Fußabdruck verursachen als unser Planet zu verkraften vermag. Derzeit ist dieser bereits auf mehr als 30 % der Regenierungsfähigkeit des Planeten angewachsen. Bei diesem Rhythmus der übermäßigen Ausbeutung unserer Mutter Erde würden für 2030 zwei Planeten benötigt.

In einem interdependenten System, in dem wir Menschen einer der Bestandteile sind, kann man nicht allein dem menschlichen Teil Rechte zugestehen, ohne dem Gesamtsystem Schaden zuzufügen. Um die Menschenrechte zu gewährleisten und die Harmonie mit der Natur wieder herzustellen, müssen die Rechte von Mutter Erde anerkannt und wirkungsvoll durchgesetzt werden.

Wir schlagen dazu das an der Universalen Erklärung der Rechte von Mutter Erde angefügte Projekt vor, in dem gefordert wird:

  • Recht auf Leben und auf Existenz;
  • Recht darauf, geachtet zu werden;
  • Recht auf Fortsetzung ihrer Zyklen und Lebensprozesse frei von menschlicher Beeinträchtigung;
  • Recht auf Wahrung ihrer Identität und Integrität als unterschiedliche, sich selbst steuernde und mit einander in Beziehung stehende Wesen;
  • Recht auf Wasser als Quelle des Lebens;
  • Recht auf saubere Luft;
  • Recht auf umfassende Gesundheit;
  • Recht auf Freiheit von Verseuchung und Verschmutzung durch toxische und radioaktive Abfälle;
  • Recht darauf, nicht genetisch beeinträchtigt oder in ihrer Struktur verändert zu werden, was ihre Integrität oder Lebens- und Gesundheitsfunktionen bedroht;
  • Recht auf rasche und vollständige Rückgängigmachungen der in dieser Erklärung anerkannten Verletzungen von Rechten durch menschliche Aktivitäten.

Die gemeinsame Vision besteht darin, die Konzentrationen von Treibhausgasen zu stabilisieren, um Artikel 2 des Rahmenabkommens der Vereinten Nationen über den Klimawandel zur Geltung zu bringen, in dem es heißt: „die Stabilisierung der Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf einem Niveau, das für das Klimasystem gefährliche antropogene Interferenzen ausschließt“. Unsere Vision besteht darin, auf der Grundlage des Prinzips der gemeinsamen, aber differenzierten historischen Verantwortung zu fordern, dass sich die entwickelten Länder zu messbaren Zielen bei der Verringerung der Emissionen verpflichten, die eine Reduzierung der Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf 300 ppm ermöglicht und damit den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf maximal 1 °C beschränkt.

Das Bedürfnis nach dringendem Handlungsbedarf betonend, um diese Vision mit der Unterstützung von Völkern, Bewegungen und Ländern zu erreichen, sollten sich die entwickelten Länder zu ehrgeizigen Zielen verpflichten, um die Emissionen zu reduzieren, die das Erreichen der Kurzzeitziele erlauben, ohne unsere Vision für das Gleichgewicht im Klimasystem der Erde in Übereinstimmung mit dem Endziel aus den Augen zu verlieren.
[…]
Wir weisen die Welt darauf hin, dass die Emissionen der entwickelten Staaten ungeachtet ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Verringerung zwischen 1990 und 2007 um 11,2 % stiegen. Aufgrund des unbegrenzten Verbrauchs erhöhten die USA ihre Treibhausgas-Emissionen im Zeitraum von 1990 bis 2007 um 16,8 % und stießen im Durchschnitt zwischen 20 und 30 Tonnen CO2 pro Jahr und Einwohner aus, was das Neunfache der entsprechenden Emissionen eines Durchschnittsbewohners der Dritten Welt ausmacht und mehr als das Zwanzigfache eines Bewohners des subsaharischen Afrikas.

Wir weisen die unrechtmäßige “Verständigung von Kopenhagen” absolut zurück. Sie erlaubt diesen entwickelten Ländern das Angebot unzureichender Verringerungen von Treibhausgasen auf der Grundlage freiwilliger und individueller Kompromisse, die die Umweltintegrität von Mutter Erde verletzen und uns zu einem Temperaturanstieg von mehr als 4 ºC führen.
Die nächste Konferenz über den Klimawandel Ende des Jahren in Mexiko muss den Zusatz zum Kyoto-Protokoll bestätigen, für den zweiten Zeitraum von Verpflichtungen für 2013 bis 2017, in dem die entwickelten Staaten sich zu beträchtlichen verbindlichen Verringerungen ihrer eigenen Emissionen um mindestens 50 % in Bezug auf 1990 zu verpflichten haben, ohne Einbeziehung von Kohlenstoff-Märkten oder andere Ablenkungssysteme, die die Nichteinhaltung der realen Verringerung der Treibhausgasemissionen nur verschleiern sollen.
[…]
Die enorme Herausforderung, vor der wir als Menschheit bei der Begrenzung der globalen Erwärmung und der Abkühlung des Planeten stehen, kann nur bewältigt werden, wenn wir eine tiefgründige Umgestaltung der Landwirtschaft, hin zu einem Modell nachhaltiger, bäuerlicher und indigener/ursprünglicher Wirtschaft und anderer jahrhundertealter ökologischer Praktiken und Modelle, die dazu beitragen, das Problem des Klimawandels zu lösen und Lebensmittelsouveränität gewährleisten. Diese ist zu verstehen als das Recht der Völker auf Kontrolle ihres eigenen Saatguts, ihrer Böden, ihres Wassers und der Erzeugung von Lebensmitteln zur Gewährleistung einer Produktion im Einklang mit Mutter Erde, örtlich und kulturell angemessen, Zugang der Völker zu abwechslungsreichen und nahrhaften Lebensmitteln in ausreichendem Maße, in Ergänzung mit Mutter Erde und verbunden mit einer Stärkung der autonomen Erzeugung (partizipativ, gemeinschaftlich und arbeitsteilig) durch jede einzelne Nation und jedes einzelne Volk. eine jede Nation und jedes einzelne Volk.
[…]
Die UNO-Erklärung über die Rechte der indigenen Völker ist bei den Klimaverhandlungen umfassend anzuerkennen, durchzusetzen und einzubeziehen. Die beste Strategie und Aktion zur Verhinderung von Abholzungen und Schädigungen und zum Schutz der ursprünglichen Wälder und Regenwälder besteht in der Anerkennung der kollektiven Rechte an Grund und Boden, insbesondere da die meisten Wälder und Urwälder in den Gebieten liegen, in denen indigene Völker und Nationen sowie bäuerliche und traditionelle Gemeinschaften leben.
[…]
Die den Entwicklungsländern derzeit zugedachten Finanzierungen für den Klimawandel und die Verständigung von Kopenhagen sind minimal. Die entwickelten Länder müssen sich zusätzlich zur offiziellen Entwicklungshilfe zu einer neuen jährlichen Finanzierung von mindestens 6 % ihres BIP verpflichten, um dem Klimawandel in den Entwicklungsländern zu begegnen. Das ist machbar, wenn man in Betracht zieht, dass sie eine ähnliche Summe für die nationale Verteidigung aufwenden und das Fünffache dieser Summer für die Rettung von bankrotten Banken und Spekulanten aufbrachten, was ihre weltweiten Prioritäten und ihren politischen Willen unter Beweis stellt. Diese Finanzierung muss direkt sein und darf weder an Bedingungen geknüpft sein, noch die nationale Souveränität und Selbstbestimmung der am meisten betroffenen Gemeinschaften und Gruppen beeinträchtigen.
[…]
Wir rufen die Völker dazu auf, eine tiefgreifende Reform der Organisation der Vereinten Nationen vorzuschlagen und voranzubringen, damit alle ihre Mitgliedstaaten an die Beschlüsse des Internationalen Tribunals für Klima- und Umweltgerechtigkeit erfüllen.
[…]
Der erfolgreiche Durchführung des Welt-Referendums, eines Volksentscheid oder einer Volksbefragung muss durch einen entsprechenden Vorbereitungsprozesses zum Erfolg geführt werden.
Zur Koordinierung unseres internationalen Vorgehens und zur Umsetzung der Ergebnisse der vorliegenden “Übereinkunft der Völker” rufen wir auf zur Schaffung einer Weltbewegung der Völker für Mutter Erde, auf der Grundlage der Prinzipien der Komplementarität und der Achtung der unterschiedlichen Herkunft und Visionen ihrer Mitglieder, durch Schaffung eines breiten, demokratischen Raums der Abstimmung und Artikulierung der Aktionen im weltweiten Rahmen.

Zu diesem Zweck nehmen wir einen Welt-Aktionsplan an, damit die entwickelten Länder des Anhangs I in Mexiko den geltenden rechtlichen Rahmen einhalten, ihren Treibhausgasausstoß um 50 % verringern und die einzelnen Vorschläge dieser Übereinkunft akzeptieren. Schließlich kommen wir überein, die 2. Weltkonferenz der Völker über den Klimawandel und die Rechte von Mutter Erde 2011 als Teil dieses Prozesses der Schaffung einer Weltbewegung der Völker für Mutter Erde durchzuführen und auf die Ergebnisse der Konferenz über den Klimawandel Ende des Jahres in Cancún/Mexiko zu reagieren.“

vollständig hier lesen (in deutsch nach der englischen und französischen Fassung, etwa in Seitenmitte)

„Der geplünderte Planet“ – Neuer Bericht an den Club of Rome

Die Verknappung zentraler Ressourcen ist absehbar  – Hinweis auf ein Interview auf Kontext TV

Mehr als 40 Jahre nach dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ stellte der Club of Rome nun seinen neuen Bericht vor: „Der geplünderte Planet“. Autor Ugo Bardi[1] erläutert im Kontext-TV-Interview, welche Folgen der Raubbau an der Erde hat und warum es in den kommenden Jahrzehnten zu Ressourcen-Knappheiten kommen wird. Neben Öl könnte es auch bei Uran und Kupfer bald zu Engpässen kommen. Noch gravierender aber  sind laut Bardi die Umweltfolgen des Raubbaus: Radioaktive Materialien und Schwermetalle vergiften die Erde, der wachsende CO2-Ausstoß führt zu einem katastrophalen Klimawandel.

Interview ansehen

„Der geplünderte Planet“

erschien beim oekom-Verlag [2]. In der Pressemitteilung des Verlages wird es so beschrieben:

„Wir pumpen Millionen Liter mit giftigen Chemikalien und Bioziden versetztes Wasser in unsere Böden, um ihnen auch die letzten Gasvorkommen zu entziehen, nennen es Fracking und erklären es zur fortschrittlichen Methode. Wir führen Kriege um die sogenannten „Seltenen Erden“, damit wir uns jedes Jahr ein neues Smartphone leisten können, sehen darin die Zukunft und denken doch nicht daran, was sein wird. Hier wiederholen sich – an neuen Orten, mit neuen Protagonisten – alte Handlungsmuster: seit Jahrhunderten führt der Mensch einen Raubzug gegen die Erde ohne dessen Folgen im Blick zu haben. Der Chemiker Ugo Bardi erzählt die Geschichte dieser Plünderung und liefert zugleich eine umfassende Bestandsaufnahme der Rohstoffsituation unseres Planeten. In „Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen“, dem neuen Bericht an den „Club of Rome“, der am 6. 6.2013 in Berlin präsentiert (wurde).

Unser Planet liefert uns eine Fülle von Rohstoffen, die der Mensch seit jeher abbaut und nutzt. Anfangs in moderatem Maß; doch bald geht es um Gold, Geld und Macht: auf Edelmetallen werden Weltreiche errichtet. Wenig später bilden fossile Brennstoffe die Basis dieser Imperien – auch hier wiederholt sich Geschichte. Doch am Ende scheitert der Mensch immer wieder an zwei Problemen, die sich wechselseitig bedingen: an der Ressourcenverknappung durch Wachstumsgrenzen sowie der Zerstörung des Ökosystems durch permanente Abfallproduktion.

Ugo Bardi blickt zurück an den Anfang: wie sind die Rohstoffvorkommen entstanden, warum hat der Mensch begonnen sie zu nutzen, welche Konflikte gab es? Er erläutert die gegenwärtige Situation, diskutiert Verknappungskonzepte und bewertet Alternativen. Aber er wagt vor allem auch den Blick nach vorne: welche zukünftigen Szenarien sind vorstellbar, wie können wir zu einem nachhaltigen Umgang mit unserem Planeten kommen? Flankiert werde seine Betrachtungen durch mehrere Ausblicke: Einschätzungen von Experten zu besonders relevanten Ressourcen, wie etwa Öl, Kohle, Kupfer oder Lithium, sowie zu mit dem Ressourcenmanagement verknüpften Problemen und Lösungsansätzen, beispielsweise Fracking oder Upcycling.

Auch wenn der Ideenreichtum nahezu unerschöpflich scheint – das Auswaschen von Mineralien aus dem Meerwasser, das Anzapfen des Tiefseebodens oder gar der Abbau von Helium 3 auf dem Mond – „in Wirklichkeit ist das ein Krieg gegen den Planeten, ein erbarmungsloser Krieg. Es ist aber auch ein Krieg, den man nicht gewinnen kann. Auf lange Sicht wird sich der Planet vom Angriff der die Bodenschätze ausbeutenden Menschheit erholen, und die einzig möglichen Opfer sind am Ende wir selber“, so Ugo Bardi.



[1↑]Ugo Bardi, Professor für physikalische Chemie an der Universität Florenz, ist Mitglied der NGO Association for the Study of Peak Oil (ASPO) und betreibt ein Blog namens Cassandra’s Legacy. Er ist Autor des Berichts an den Club of Rome „Der geplünderte Planet“

[2↑]Ugo Bardi: Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen, oekom verlag, München 2013, 360 Seiten, 22.95 €, ISBN 978-3-86581-410-4

Wirtschaft ohne Wachstum?!

Studenten der forstwissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg haben im Juni 2012  ihre Untersuchungsergebnisse in dem Buch „Wirtschaft ohne Wachstum?! Notwendigkeit und Ansätze einer Wachstumswende“ publiziert (Betreuer der Lehrveranstaltung: Dipl.-Forstwissenschaftler Boris Woynowski).

Auf der Seite der Uni heißt es dazu unter anderem:

„In dem vorliegenden Buch wird die These begründet und vertreten, dass – angesichts ökologischer, sozialer und ökonomischer Krisen – ein wirtschaftliches Wachstum, welches die Tragfähigkeit ökosystemarer Grenzen überschreitet, weder eine zukunftsfähige Option, noch eine anstrebenswerte Entwicklungsrichtung darstellt. Zur langfristigen Sicherung von Wohlstand und Lebensqualität, erscheint vielmehr eine Wachstumswende notwendig, weg von der Fokussierung auf die Steigerung des Wirtschaftswachstums und hin zu sozial wie ökologisch tragfähigen Wirtschaftsweisen und Lebensstilen.

Von ausgewählten AutorInnen werden dazu, auf theoretischer Ebene – speziell in den Bereichen Geld, Zins, Arbeit und Psychologie – die Ursachen und Zwänge des Wachstumsparadigmas dargelegt. Neben dieser ausführlichen Problembeschreibung, kommen in den gleichen Bereichen auch AutorInnen zu Wort, welche an theoretisch fundierten wie praktisch anwendbaren Alternativen und Visionen einer Wachstumswende arbeiten. Um aufzuzeigen, dass diese Ansätze bereits vielfach erfolgreich umgesetzt werden, wurden zusätzlich mit etlichen wichtigen Akteuren aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und Grasswurzel-Initiativen vertiefende Interviews geführt.“

Das Buch kann von der Seite der Uni Freiburg als pdf-Datei (20,5 MB) heruntergeladen werden.

Wenn es auf der Uni-Seite heißt, dass die Überschreitung „ökosystemarer Grenzen … , weder eine zukunftsfähige Option, noch eine anstrebenswerte Entwicklungsrichtung darstellt„, so muss darauf verwiesen werden, dass selbst die Annahme, diese Grenzen überschreiten zu können eine Fiktion ist.

„Wirtschaft ohne Wachstum?!“ weiterlesen

2052 – Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre

Der neue Bericht an den Club of Rome von Jørgen Randers

Rezension von Götz Brandt

Randers hat für die Erarbeitung seines Berichtes 41 Fachleute herangezogen, die zu einzelnen Themen ihren Beitrag geleistet haben. Er kommentiert die Sichten der Mitarbeiter durchweg positiv und steuert Schlussfolgerungen und eine Zusammenfassung bei. Im Folgenden sind die Auffassungen der Mitarbeiter nicht gesondert ausgewiesen, sondern als einheitliche Aussage des Berichts gewertet worden. Es geht in diesem Buch um keine wissenschaftliche Prognose, sondern um eine „wohl begründete Vermutung“. Eine Vorausschau über 40 Jahre ist eben ein schwieriges Unterfangen.

„Heute wissen wir aber, was in den letzten 40 Jahren von 1972 bis 2012 getan wurde und was nicht“, seitdem der Bericht des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ 1972 erschienen war. Es wurde sehr wenig getan und die Forderungen des Clubs of Rome von 1972 wurden nicht erfüllt. Randers stellt fest, dass in der westlichen Welt das Paradigma des stetigen, auf fossilen Brennstoffen basierten Wachstum nach wie vor dominiert und die Ratschläge aus dem Jahr 1972 nicht beachtet wurden.

Nach Meinung des Autors besteht wenig Hoffnung, dass das Wahlvolk, die Regierungen und die Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten vom Wachstumskurs ablassen. Das kurzfristige Denken im Rahmen der Wahlperiode oder des Quartalgewinns macht Kurskorrektur unmöglich. Der unkontrollierte Kapitalismus, der nur das Ziel der schnellen Rendite hat, führe zur Konzentration des Reichtums in immer wenigen Händen, die Armen würden immer ärmer und zahlreicher, die Hungernden immer mehr. Diese Prognose stellt Randers in Kenntnis der Wirkungsweise des Kapitalismus. Erst nach 2052 könnte es kritische Situationen geben und uns erwartet dann ein „gesteuerter Niedergang“ oder gar ein „Zusammenbruch“. Damit befindet sich Randers im Widerspruch zu anderen Wissenschaftlern, die schon viel früher Katastrophen auf uns zukommen sehen. Randers ist sich aber mit seiner Prognose sicher, denn „es erfüllt mich aufrichtig mit großer Freude, dass der Weltuntergang nicht zu meinen Lebzeiten passieren wird“. Was aus seinen Enkeln wird, scheint Randers nicht sonderlich zu interessieren.

Von Randers werden dagegen keine gesellschaftliche Veränderungen erwartet. Über die Rolle des Kapitalismus machen sich die Berichterstatter des Club of Rome keine Illusionen. Die großen multinationalen Konzerne sind nicht in der Lage, sich von ihrem Quartalsgewinndenken und der geforderten Aktionärsrendite zu verabschieden. Aber auch von den Konsumenten wird nicht erwartet, dass sie überredet werden können, auf potentielles Konsumwachstum zu verzichten. Prognostiziert wird aber, dass auch in den Industrieländern der Konsum und damit der Wohlstand sinken werden. Durch eine Verschärfung der Ungerechtigkeit entstehen in der Gesellschaft Spannungen und Unfrieden. „Ist die Elite allerdings so dumm und löst das Problem der Arbeitslosigkeit nicht in einem annehmbaren Zeitraum, kommt es unweigerlich zu einer Revolution“. Ein Eingriff in die Verteilung von Einkommen und Wohlstand wird aber zukünftig nicht geschehen, es wird sich nichts ändern. Die Klima- und Armutsproblematik kann durch den freien Markt nicht gelöst, sondern nur verschärft werden. „Als einzige Lösung bleibt, den verfügbaren Kuchen neu zu verteilen, indem man von den Reichen nimmt und den Armen gibt“. Ein „modifizierter“ Kapitalismus ist zwar nach Randers möglich, aber wenig wahrscheinlich. Investitionen müssten nicht mehr durch die Profitabilität gesteuert werden und Rechenschaft müsste nicht über den Profit, sondern über die ökologischen und gesellschaftlichen Konsequenzen des Wirtschaftshandelns abgelegt werden. Den Kapitalismus kann man aber nach Randers nicht umkehren zu einer ethischen, ökologisch und gesellschaftlich verantwortlichen Tätigkeit. Kommt es allerdings zur finanziellen Kernschmelze, wenn die Kreditvergabe an die Realwirtschaft zusammenbricht, dann kann nur die Notenpresse diesen Vorgang stoppen. Dieser Ratschlag wird gegenwärtig von den Regierungen befolgt. Das Finanzsystem hätte sich bisher weder als selbstregulierend noch als selbstheilend erwiesen. Wenn es einem großen Schock ausgesetzt wird, könnte es sich nicht selbst erneuern. Finanzmärkte könnten nur überleben, weil sie reguliert und von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Das ist die Auffassung der Autoren.

Die westliche Welt hat ein dominierendes Paradigma des stetigen, auf fossilen Brennstoffen basierten Wirtschaftswachstums. Randers schätzt ein, dass sich in den kommenden 40 Jahren das BIP mehr als verdoppeln wird, obwohl wir den Planeten bereits jetzt um 40 % übernutzen. Die Wachstumsraten werden aber sinken oder stagnieren. Deshalb wäre ein Wechsel zu einer „mehr vernünftig gesteuerten Wirtschaft“ gar nicht notwendig. Mit dieser Prognose kann jeder Politiker und Unternehmer gut leben. Allerdings könnte das auf Kredite gegründetes Konsumniveau der USA nicht ewig aufrecht erhalten werden. Das Wirtschaftswachstum würde auch durch die zusätzlichen Kosten gedämpft, die in den nächsten 40 Jahren auf uns zu kommen: Ersatz von Erdöl, Gas und Phosphordünger, Neutralisierung von Emissionen, Erhalt ökologischer Dienstleistungen, Entsorgung von Atomkraftwerken, Schutz vor Klimaschäden, Beseitigung von Extremwetterschäden, Abwehr von Immigranten, Verteidigung von Ressourcenvorräten. Dadurch werden Investitionsmittel gebunden, die Produktion von Waren wird sinken und damit der Wohlstand.

Die Klimaänderung durch hohe Schadgasemissionen wird in den nächsten 40 Jahren weiter voranschreiten. Die internationale Gemeinschaft wird aber auch in den nächsten 40 Jahren keine robuste Emissionsbegrenzung einführen. Das wurde schon in den letzten Jahrzehnten trotz internationaler Forderungen verhindert. Ursache wäre der Triumph des Finanzkapitalismus und die Übernahme der Regierungen durch eine Oligarchie aus Unternehmen und Finanzwirtschaft. Deshalb würde eine Internalisierung der Umweltverschmutzung in die Kosten der Produkte nicht stattfinden. Auch in anderen Bereichen, wie z. B. Energie, Landwirtschaft, Verkehr und Industrieproduktion würde es in den nächsten 40 Jahren keine Änderungen geben. Es bleiben also nach Randers noch 40 Jahre bis zur unvermeidlichen Katastrophe, obwohl er der Meinung ist, dass der ungebremste und unkontrollierte Klimawandel erst nach 2080 beginnt. Eine freiwillige Selbstregulierung der Märkte würde nicht staatfinden, die Umwelt verschmutzenden Industrien würden weiterhin von den Regierungen und den Parlamenten bevorzugt. Aber bereits nach 30 Jahren wird die 2°C-Grenze überschritten, wenn die Emissionen nicht verringert werden. Der Weltklimarat geht davon aus, dass wir 2100 ein Plus von 4,8°C erreichen. Was uns erwartet, haben die Klimawissenschaftler skizziert: Mehr Dürren, Hochwasser, Sturmfluten, Eisfreiheit der Arktis, Meeresspiegelerhöhung um 0,36 m durch Erwärmung der Ozeane. Das Klimaproblem könnte gelöst werden, wenn 1 bis 4 % des Welt-BIP verwendet würde, um den Energiewandel voranzubringen. Dafür müssten nur 1 % der Arbeitskräfte eingesetzt werden. In der realen kapitalistischen Welt hätte sich das aber als „nahezu unmöglich“ erwiesen. Diktaturen und staatskapitalistische Länder können da schneller reagieren, wie man bei China sieht. Randers meint: „Wir werden uns durchwursteln auf einem `hellgrünen` Wachstumspfad bis 2052“. Nur plötzliche und extrem auffallende Ereignisse könnten die Öffentlichkeit und die Politiker von energischen Maßnahmen überzeugen. Wir würden es nicht erleben, dass die Welt frühzeitig Geld investiert, um das Klimaproblem zu beheben. Daher besteht die reale Gefahr eines sich selbst verstärkenden Klimawandels, wenn die Tundra schmilzt und Methan in großen Mengen frei wird. „Es ist `kosteneffizient`, die Welt am Klimawandel zugrunde gehen zu lassen“, meint Randers, „solange der Zusammenbruch nur mehr als 40 Jahre in der Zukunft erfolgt“. Wenn ein sich selbst verstärkender Klimawandel nach 2052 zum durch die Natur ausgelösten Zusammenbruch führt, würde ein gesteuerter Niedergang nicht mehr möglich sein, es käme zum Zusammenbruch. Woher nimmt Randers die Gewissheit, dass das nicht früher eintritt?

Unser Planet hat Grenzen. Nicht alle könnten so leben und konsumieren wie die Leute in den USA. Etwa 2 Mrd. Menschen werden es nach Randers Einschätzung schaffen. Würden alle dieses Wohlstandsniveau in Anspruch nehmen, dann würden die Umweltbelastungen um das 5 – 10-fache steigen. Der Fußabdruck der Menschen übersteigt die Tragfähigkeit der Erde bereits heute um 40 %. Die früher vorhandenen zusammenhängenden Ökosysteme würden zu winzigen Habitatinseln zusammenschrumpfen. Große Teile des Planeten würden für Tier und Pflanzen und damit auch für Menschen unbewohnbar werden. Die mittleren und unteren Breitengrade werden 2050 unbewohnbare Wüsten und Halbwüsten. Dadurch würde „die illegale Einwanderung aus Afrika und Asien nach Europa explosionsartig zunehmen“. „Was von unberührter Natur noch übrig ist, wird mit rasanter Geschwindigkeit Richtung Pole gedrängt oder in Naturparken koserviert“. Natur würd kaum noch zu bewahren sein. Wenn die Leistungen der Natur zusammenbrechen (Nahrung, Wasser), würd der Wohlstand um die Hälfte schrumpfen, weil es diese Leistungen nicht mehr umsonst gibt.

Das Bevölkerungswachstum soll um 2040 seinen Höchststand mit 8,1 Mrd. Menschen erreichen. Danach soll es bis 2075 auf 7 Mrd. sinken, etwa so viel Menschen, wie es jetzt gibt. Ein großes Problem ist die zunehmende Urbanisierung. Die Stadtbevölkerung würde von jetzt 3,5 Mrd. auf 5 Mrd. anwachsen. Es würde etwa 1,5 Mrd. Slumbewohner geben. In den Slums erfolgt 70 % der Bevölkerungszunahme. In den Großstädten würde sich die Armut konzentrieren. 2052 würden 80 % der Menschen in Großstädten wohnen. Die Städte werden vom Klimachaos stärker getroffen. Drei Milliarden Menschen würden arm sein, also mehr als in den Slums zukünftig wohnen werden.

Der Energieverbrauch wird sich bis 2050 verdoppeln. 2050 würde erst 37 % der Wärmeenergie und des Stromes aus der Sonnenenergie gewonnen werden. Bereits 2020 würde erneuerbare Energie kostengünstiger gewonnen als fossile oder uranbasierte Energie. Die Energiegewinnungskosten würden bei den fossilen Energien erheblich steigen und diese Energiegewinnung wird klimaschädlicher werden. Die aufwendige Gewinnung von Schiefergas wird die Strompreise verdoppeln. Künftige Energie würde 30 % teurer sein als heutige fossile Energie. Kohle ist als Energieträger noch mehrere 100 Jahre vorhanden und würde in Verbindung mit CCS die Preise langfristig auf „annehmbarem Niveau“ halten. Es ist zu erwarten, dass sich in Europa Mikronetze lokaler Stromerzeugung etablieren und sich mit großen Netzen verbinden.

Rohstoffe werden zunehmend aufgezehrt. Die Rohstoffpreise würden schneller steigen als das Wirtschaftswachstum. Die Rohstoffknappheit führe zu „sozialen Verwerfungen“ mit Währungsverfall, Überschuldung, Insolvenzen, sozialen Unruhen und Bürgerkrieg. Recycling würde zunehmen, aber das Rohstoffproblem nicht lösen. Es wäre falsch zu glauben, dass eine Ressource durch eine andere ersetzt werden kann und die Technik einfach der nächsten Platz macht. Dennoch kommt Randers zur Überzeugung: „Auch in den nächsten 40 Jahren wird es keine unlösbaren Probleme geben bei Öl, Nahrung, Wasser oder anderen Ressourcen“. Eine bei den angeführten Fakten kaum verständliche Vermutung.

China wird nach Randers die neue Hegemonialmacht, 2050 die Arbeitsproduktivität der westlichen Länder erreichen und zur stärksten Wirtschaftsmacht aufsteigen. 2052 würd China weltweit führend sein und die treibende Kraft des Planeten. Insbesondere auf den Gebieten Solar- und Windenergie und Hochgeschwindigkeits-Massenverkehrsmitteln würd China die technologische Führung übernehmen. Eine globale Machtstruktur mit China als Führungsmacht könnte eine Katastrophe möglicherweise aufhalten.

Die Ernährung der Menschen wird immer schwieriger. Von 1970 bis 2010 hat sich zwar die Nahrungsmittelproduktion verdoppelt, von 2,4 auf 4,6 t/ha. Gegenwärtig werden weltweit 4 Mal so viel Nahrungsmittel verbraucht, wie das Existenzminium verlangt. Die Anbaufläche würde sich aber durch Ausbreitung von Wüsten, Steigen des Meeresspiegels und Degradation verringern. „Nur die werden genug Nahrungsmittel haben, die sich das leisten können“. „Weiterhin werden viele Menschen verhungern“. Die Armen der Welt werden sich keine ausgewogene Ernährung leisten können, eine Mrd. Menschen werden auch zukünftig unterernährt sein. Da zukünftig kein billiges Erdöl mehr zur Verfügung steht, werden die Preise für Nahrungsmittel erheblich ansteigen. Beim Fischfang werden die Fangmengen stagnieren. Aquakulturen hätten nur Zukunft, wenn sie mit Pflanzenfütterung auskommen. Die Fischbestände würden in den nächsten 20 Jahren zusammen brechen. Durch das Absinken des ph-Wertes in den Ozeanen durch Eintrag von mehr Kohlendioxid von jetzt 8,05 auf 7,97 werden das Phytoplankton und die Fische nordwärts wandern.

„Der Krieg ist im globalen Wirtschaftssystem fest verwurzelt, dass wir erwarten müssen, dass er so lange präsent bleibt, wie es Rohstoffe gibt, um die sich zu kämpfen lohnt“.

Randers gibt am Schluss seiner Betrachtungen „Empfehlungen“ für Leute, die genug Geld haben, um den negativen Auswirkungen der sich verschlechternden Situation zeitweilig zu entkommen: Legen Sie mehr Wert auf Zufriedenheit als auf Einkommen, vermeiden Sie eine Vorliebe für Dinge, die bald verschwunden sind, kaufen Sie hochwertige Unterhaltungselektronik als Ersatz für die Realität, erziehen Sie ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern, weil es die Natur bald nicht mehr geben wird, genießen Sie das Leben, solange sie noch können, wohnen Sie an einem Ort, der vom Klimawandel möglichst wenig betroffen ist, ziehen Sie in ein Land, in dem Entscheidungen getroffen werden, wo mit Hilfe der Demokratie und der freien Marktwirtschaft die komplexen Probleme gelöst werden, finden Sie heraus, welche Folgen fehlende Nachhaltigkeit ihre Lebensqualität am meisten beeinträchtigen werden (Wetter, Flüchtlinge, Energieengpässe, hohe Steuern, kulturellen Zerfall), raten Sie ihren Kindern, Mandarin zu lernen, verabschieden Sie sich von der Vorstellung, jedes Wachstum sei gut, denken Sie daran, dass ihre fossilen Aktien eines Tages ihren Wert verlieren werden, investieren Sie in Dinge, die robust gegen soziale Unruhen sind usw. Für Unternehmer und Politiker werden gesonderte Empfehlungen gegeben. Rette sich wer kann und nach uns die Sintflut, kann man da nur sagen.

Zusammenfassend kann eingeschätzt werden, dass Randers mit dem Kapitalismus nicht einmal einen Green New Deal für möglich hält und ein Weiterbestehen der herrschenden Verhältnisse mit einem „hellgrünen“ Kapitalismus für die wahrscheinlichen Zukunftsverhältnisse einschätzt. Dass sich bei dieser Prognose die Widersprüche im kapitalistischen System zuspitzen werden, ist den Autoren nicht entgangen. Dass wir mit dem System der Profitwirtschaft und dem globalisierten freien Markt bestenfalls einem „Niedergang“ und schlimmstenfalls einem „Zusammenbruch“ entgegengehen, ist immanenter Bestandteil der Studie. Die von Lovelock in seinem Buch „Gaias Rache“ beschriebene Heißzeit über die nächsten 100.000 Jahre mit dem Untergang großer Teile der Menschheit und der weitgehenden Unbewohnbarkeit der Erde wird dann Realität.

Politisch ist diese Prognose als verschärfter „Plan A“ als kapitalhörig zu bewerten und die Autoren sind sich offenbar bewusst, dass diese neue Prognose des Clubs of Rome bei den Unternehmern genauso wenig Beachtung finden wird wie die Prognose in den „Grenzen des Wachstums“ von 1972.

Die LINKEN sehen im roten Projekt für einen sozial-ökologischen Umbau, dem „Plan B“, die privatwirtschaftlichen Interessen der Kapitalfraktion und des Finanzmarktes als Haupthindernis für einen Umbau der Wirtschaft und Gesellschaft. Im Unterschied zu Randers glauben die LINKEN aber, dass auf dem Wege der Demokratie eine Änderung dieser Verhältnisse in den nächsten 40 Jahren möglich und notwendig ist. Für alle fortschrittlichen, antikapitalistischen und ökologischen Kräfte ist dieses Buch ein Signal, den Kampf zur Rettung unserer Erde wesentlich zu verstärken.

2052 Der neue Bericht an den Club of Rome von Jørgen Randers. 2012
ISBN 978-3-86581-398-5, 24,95 €, www.oekom.de