Haltet Europas Luft sauber!

Online-Petition

Die Europäische Kommission hat nach jahrelangen Verhandlungen strengere Vorgaben für Luftschadstoffe aus Kohlekraftwerken vorgeschlagen. Am 28. April stimmen die Regierungen der EU-Mitgliedsländer im Ständigen Ausschuss für Industrieemissionen darüber ab. Die Online-Petition „Haltet Europas Luft sauber!“ wendet sich an Umweltministerin Hendricks, Wirtschaftsministerin Zypris und Kanzleramtsminister Altmaier. Aus der Begründung der Petition:

„(…) die sicher geglaubte Mehrheit droht zu kippen. (…) Einflussreiche Lobbyisten der Energiekonzerne üben erheblichen Druck auf die Delegierten aus. Seit Jahren setzt sich die deutsche Regierung für strengere Regeln der Kohleverbrennung ein. Doch auch sie wird von den Industrie-Lobbyisten erheblich beeinflusst und droht noch umzukippen. Es hängt jetzt von den Minister/innen Hendricks, Z. und A. ab, ob unsere Luft endlich sauberer wird. Deutschland muss für höhere Emissionsstandards stimmen. Nur so können wir sicherstellen, dass Länder, die weiterhin die Luft verschmutzen wollen, ausgebremst werden. Als bevölkerungsreichestes Land der EU hat die deutsche Stimme besonders hohes Gewicht. Stimmt die deutsche Regierung gegen die neuen Standards, ist die Abstimmung verloren.“

Hier geht es zur Petition: https://act.wemove.eu/campaigns/haltet-europas-luft-sauber

Wir haben das ZDF nicht bezahlt …

… für die hervorragende Präsentation unserer Positionen zur Automobilität.

Denn besser als es Die Anstalt am 7.3.2017 gemacht hat, ging das sowieso nicht. Unbedingt anschauen!

https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-7-maerz-2017-100.html

Zitat:

Der Auspuff vom Elektroauto ist der Schornstein vom Kohlekraftwerk.

einseitige Berichterstattung + Kommentare

Wer am 1.8.2016 die von 21:45 bis 22:15 ausgestrahlte ARD-Sendung verpasste, sollte sich meines  Erachtens der Mediathek bedienen.

War bisher schon speziell der NDR an Einseitigkeit in Sachen Fracking-Propaganda kaum zu überbieten, so setzte gestern die ARD mit ihrem „Kampf GEGEN Windräder“ einen drauf. Von der vorgeschriebenen Ausgewogenheit der Berichterstattung keine Spur.

Beispiele:

  1. Es kamen fast ausschließlich Gegner der WEA zu Wort. Ihr Hauptargument: Politische Entscheidungsträger, vor allem Bürgermeister, hätten sich auf Kosten der Allgemeinheit immens bereichert, weil sie zuließen, dass WEA auf ihrem privaten Grund und Boden errichtet wurden und sie Millionenbeträge an Pachteinnahmen erzielen. Einige dieser Bürgermeister stellten sich, aber gesendet wurden nur solche Aussagen, in denen sie zu dem Befangenheitsvorwurf Stellung nahmen. Dadurch kam die verfälschende Botschaft bei uns Zuschauern an: Es geht nur um Absahnen, um das große Geld. Und wir, die Stromkunden, werden abkassiert.
  2. Den Vogel schoss ein gewisser Dr. Michael Fuchs ab, MdB und Sprecher der CDU-Mittelstandsvereinigung, ausgewiesener Vertreter der Atom- und Braunkohlenindustrie, einflussreicher Fürsprecher der Frackingindustrie obendrein. Dieser Abgeordnete durfte von der Allmacht der Windradlobby schwadronieren, ohne dass ihm in der Sendung irgendjemand widersprach – widersprechen durfte.
  3. Die Kontroverse um Windräder geht inzwischen selbst mitten durch den BUND. In der Sendung kam das so ‚rüber, dass viele „einstmals aufrechte Naturschützer“ die Seite gewechselt hätten, mit Euro-Zeichen in beiden Augen. Denn sie seien unmittelbare Nutznießer, weil sie Windräder auf ihre eigenen Grundstücke stellen ließen – dass dabei seltende Vogelarten, z.B. Bussard, Roter Milan, aber auch Unmengen an Fledermäusen ihr Leben ließen, fiel den Profitinteressen der BUND-Funktionäre zum Opfer. Die sich als einzig echte Naturschützer gebenden BUND-MitgründerInnen seien inzwischen ausgetreten.
  4. Zehntausende WEA-SympathisantInnen demonstrierten im Juni vor dem Bundeskanzleramt gegen das Abwürgen der Energiewende. Zu Wort kamen AUSSCHLIESSLICH lohnabhängig Beschäftigte der Windradindustrie, die in die Mikrofone sagen durften, dass sie von ihren Arbeitgebern Sonderurlaub bekommen hätten und sogar kostenlos in den vom Chef bezahlten Bussen nach Berlin reisen durften. Dass sie für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze kämpften – weit über 100.000 Arbeitsplätze in der Branche sind durch EEG-2017 unmittelbar bedroht -, wurde ebenfalls nicht gesendet (vermutlich herausgeschnitten). – Wieder kein einziger Hinweis auf die Braunkohleindustrie in der nahen Lausitz.

Es ging nur um Profite der WEA-Branche. Dass es sich viele BUND-Aktive überhaupt nicht leicht machen bei ihrer Entscheidung: hie Naturschutz, dort Eindämmung des Klimawandels, das wurde mit nicht einer Silbe erwähnt. Überhaupt war mit keiner einzigen Silbe vom Pariser Klimavertrag die Rede.

Außerdem wurde teilweise lausig recherchiert (oder soll ich stattdessen schreiben: manipuliert?). Es stimmt zwar, dass in den Anfangsjahren der Windradbranche viele Fehler gemacht wurden, z.B. kannte man bis in die frühen 1990er noch keine Abstandsregeln zur Wohnbebauung. Es stimmt auch, dass viele Bürgermeister u.a. aus genannten persönlichen Profitgründen einen Wildwuchs an WEA zuließen. Dass aber inzwischen viele zuständige Gerichte Ordnung in diesen Wildwuchs brachten, z.B. das OVG Schleswig am 15.1.2015, durch dessen Urteil jetzt ausschließlich das Land SH für die Ausweisung neuer WEA-Flächen zuständig ist, fiel ebenfalls unter den Tisch. Wie auch die heute gängige Rechtspraxis mit ihrer Unterscheidung von absoluten WEA-Tabuzonen, weichen WEA-Tabuzonen und sonstigen Flächen. (Zum Vergleich: Im Hunsrück nehmen Windräder wegen bisherigen Wildwuchses bis zu 4,4% der Gesamtfläche ein, das OVG Schleswig hat durch sein Urteil die zulässige Fläche für WEA in SH auf ca. 1,7 % der Gesamtfläche nahezu verdoppelt.) Von solchen „Feinheiten“ keine Spur!

Bitte schaut Euch das dreißigminütige Video an – es wird ein Jahr lang im Netz stehen.

Energethische Grüße von Hajü

Kommentare

  • Hallo,
    beim Thema BUND Verstrickungen wiederholt die Sendung nur alte Unwahrheiten, die vom BUND schon im Sommer 2015 widerlegt wurden. Ich finde es eine Frechheit, dass der SWR diese widerlegten Behauptungen noch einmal wiederholt.
    Daran sehe ich allerdings auch, welchen großen Einfluss die Lobby gegen Windkraft in unserer Gesellschaft hat. Gerade in der CDU gibt es zahlreiche MdBs wie Dr. Joachim Pfeiffer (http://www.joachim-pfeiffer.info/) und Norbert Barthle, beide aus dem Rems-Murr-Kreis, die alles daran setzen die Energiewende zu torpedieren. Bei Pfeiffer ist die Sendung schon auf seiner Homepage verlinkt!
    https://www.bund-naturschutz.de/windkraft-guttenberg.html
    http://www.bund.net/themen_und_projekte/klima_und_energie/energiewende/erneuerbare_energien/windenergie/interview_weiger/
    Leider ist die Sendung in der Mediathek zur Zeit weder unter Win10 noch unter Android erreichbar.
    Folge ich dem Link von Dr. Pfeiffers Homepage, ist der Beitrag in der Mediathek nicht mehr verfügbar. Hat da jemand anderes schon Einfluss genommen?
    Mit solidarischen Grüßen Reinhard Muth
    BUND Mitglied und Mitglied der ökologischen Plattform BW
  • Es passiert nicht zum ersten Mal, dass Beiträge der ARD nicht einmal eine Woche lang in der Mediathek mit der Begründung zu finden sind:
    „Der Verfügbarkeitszeitraum dieses Beitrags ist abgelaufen, daher dürfen wir ihn nicht mehr in der ARD Mediathek anbieten.
    Die Verweildauer von Inhalten wird durch rechtliche und redaktionelle Vorgaben bestimmt.
    Informationen zu den Hintergründen sowie Details zur Verweildauer einzelner Beiträge finden Sie auf unserer FAQ-Seite.“
    Die FAQ-Seite existiert aber nicht:

    Für uns gibt es keinen Grund, die ARD aus ihrer Verantwortung für eine sachliche und ausgewogene Berichterstattung zu entlassen oder gar der Kritik an deren Mangel und an der Intransparenz der „rechtlichen und redaktionellen Vorgaben“ den Boden zu entziehen.
    Sehen Sie den Beitrag hier.

„einseitige Berichterstattung + Kommentare“ weiterlesen

Gegenwind für Windkraft – was tun?

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter für eine vollständig regenerative Energieerzeugung,

hiermit möchten wir Sie / Dich herzlich zum Fachgespräch der Bundestagsfraktion DIE LINKE „Gegenwind für Windkraft – was tun?“ einladen.Wir freuen uns auf spannenden Vorträge und Diskussionen über Wege, die gesellschaftliche Akzeptanz des Ausbaus der Windenergie zu steigern. Mit dabei sind u.a. Kathrin Ammermann vom BfN, Henning Dettmer vom BWE, Dr. Marian Klobasa vom Fraunhofer ISI, Dr. Rainer Land vom Thünen-Institut und Prof. Jürgen Peters von der HNE Eberswalde.

Datum: Montag, den 9. November 2015

Zeit: 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Ort: Deutscher Bundestag, Paul-Löbe-Haus, Saal E.700, Konrad-Adenauer-Straße 1, 10557 Berlin

Wir würden uns sehr freuen, Sie/ Euch vor Ort begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen
Eva Bulling-Schröter, MdB, Sprecherin für Energiepolitik

Hintergrund zum Fachgespräch (klick)

Auf nachhaltig-links.de dindet sich eine Auswertung und das Material zur Veranstaltung (klick).

 

Windenergie im Wald

Im Rahmen unserer Diskussion zur Windenergie veröffentlichen wir hier den

Brief des SFV an Franz Alt zur Windenergie im Wald

Lieber Herr Alt,

im Juli haben Sie wohlwollend eine Emnid-Umfrage zitiert, wonach 79% der Befragten die Errichtung von Windkraftanlagen in Waldgebieten ablehnen. Die Umfrage war von der „Deutschen Wildtier Stiftung“ bzw. deren „Alleinvorstand“, Prof. Fritz Vahrenholt, in Auftrag gegeben worden.

Wir wundern uns, dass Sie diese Meldung unkommentiert verbreiten, und dabei weder auf die krassen methodischen Mängel der Emnid-Umfrage, noch auf das jahrzehntelange konsequente Wirken des Herrn Vahrenholt zugunsten fossiler und nuklearer Energieversorgung und gegen die Erneuerbaren Energien hinweisen. Beide Punkte seien hier kurz erläutert und durch grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Naturschutz und Windenergie ergänzt. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Argumente ebenfalls auf der „Sonnenseite“ veröffentlichen würden.

1. Zur Emnid-Umfrage

Emnid hat im Juli 2015 etwa eintausend Bundesbürger nach ihrer Zustimmung zu den folgenden beiden Aussagen gefragt: „Für den Ausbau der Windenergie sollten generell keine Waldgebiete verschwinden oder zerschnitten werden.“ bzw. „Ich finde es im Allgemeinen vertretbar, wenn für den Bau zusätzlicher Windkraftanlagen auch Waldgebiete verschwinden oder zerschnitten werden.“ Der zweiten Aussage stimmten 11 % der Befragten zu, der ersten die besagten 79 %.

Die Formulierung von Fragen bei demoskopischen Erhebungen ist immer eine delikate Sache. Aber im Bereich der empirischen Sozialforschung begegnen einem nur sehr selten Fragestellungen, die in so dreister Weise suggestiv sind. Wir wundern uns, dass ein seriöses demoskopisches Institut wie Emnid seine wissenschaftliche Reputation so bereitwillig aufs Spiel setzt.

Damit nicht genug: Die so gewonnenen, wenig überraschenden Ergebnisse werden im nächsten Schritt übel verdreht. Denn den Bau von Windkraftanlagen im Wald mit dem „Verschwinden“ bzw. „Zerschnittenwerden“ des Waldes gleichzusetzen, ist inhaltlich Unsinn. Selbstverständlich lehnte es eine überwältigende Mehrheit der Befragten ab, dass für den Bau von Windanlagen Wald verschwinden muss oder zerschnitten wird. Wir beim Solarenergie-Förderverein Deutschland z.B. lehnen das ebenfalls ab. Aber wir setzen uns dafür ein, dass die Windenergie auch über den Wipfeln von Wäldern in naturverträglicher Weise genutzt wird. Die Schlagzeile, „79 Prozent der Befragten lehnen Windkraft im Wald ab“ ist somit frei erfunden, denn eine Aussage wie: „Ich lehne die Nutzung der Windkraft im Walde ab“, war den Befragten überhaupt nicht vorgelegt worden. Dennoch veröffentlicht nicht nur die „Deutsche Wildtier Stiftung“, sondern auch Ihre „Sonnenseite“ genau diese frei erfundene Schlagzeile. „Windenergie im Wald“ weiterlesen

Astroturf = Kunstrasen*)

Robin Wood (klick), Klimaretter.info (klick), LIMA (klick) und Lobby Control (klick) veranstalten am 26.9.2015 im Rahmen der #LIMA15 (klick) eine Tagung, die sich mit konzerngesteuerten Medienkampagnen unter dem Deckmantel zivilgesellschaftlichen Engagements auseinandersetzt.

Wenn Konzerne den Protest managen …

Zivilgesellschaftlicher Protest gegen Großprojekte. Was können interessierte Konzerne tun? Ignorieren? Unterdrücken? – Das klappt so einfach nicht mehr. Vorhabenträger und die von ihnen beauftragte PR-Agenturen setzen immer häufiger auf Protestmanagement.

„Welche Methoden dabei angewendet werden, damit wird sich eine Tagung beschäftigen, zu der Robin Wood, LobbyControl, Linke Medienakademie und klimaretter.info für den 26. September 2015 an die Humboldt-Universität nach Berlin einladen. Auf dem Programm stehen rund 30 Workshops und Vorträge zum Thema „Wenn Konzerne den Protest managen“.“
Quelle Robin Wood: „Graswurzelbewegung oder Kunstrasen? Einladung zur Debatte an die Humboldt-Uni nach Berlin (klick)

Robin Wood  hat zu diesem Thema eine Broschüre mit dem Titel „Gesteuerte Bürgerinitiativen“ verfasst.
Diese kann hier (klick) heruntergeladen werden.

Veranstaltungsort

Humboldt-Universität zu Berlin
Seminargebäude am Hegelplatz (klick Karte)
Dorotheenstraße 24
10099 Berlin

Sie finden hier (klick) das

Tagungsprogramm


*) „Der Begriff Astroturfing, auch Kunstrasenbewegung, bezeichnet – insbesondere im amerikanischen Sprachraum – politische Public-Relations– und kommerzielle Werbeprojekte, die darauf abzielen, den Eindruck einer spontanen Graswurzelbewegung vorzutäuschen. Ziel ist es dabei, den Anschein einer unabhängigen öffentlichen Meinungsäußerung über Politiker, politische Gruppen, Produkte, Dienstleistungen, Ereignisse und Ähnliches zu erwecken, indem das Verhalten vieler verschiedener und geographisch getrennter Einzelpersonen zentral gesteuert wird.“
Quelle: Wikipedia (klick)

Hiroshima + 70 und Fukushima + 4

Was hat die japanische Regierung aus Atomkatastrophen gelernt?

Das muss mensch sich fragen, wenn 2015 – 70 Jahre nach dem ersten verheerenden Einsatz einer Atombombe mit ca. 140.000 Toten –  das japanische Jahr der „Rückkehr zur Atomkraft“ werden soll.
Die Begründung: Begrenzung der Treibhausgasemissionen.

Zwar hat im April 2015 das Bezirksgericht der Provinz Fukui dem Energiekonzern Kansai Electric verboten, zwei Reaktoren des Atomkraftwerks Takahama westlich von Tokio hochzufahren. Dennoch will die Regierung an ihren Plänen festhalten, die AKW wieder an Netz zu nehmen, die den neuen Sicherheitsbestimmungen entsprechen: Die Rückkehr zur Atomenergie sei ein wichtiger Schritt, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Angesichts der in einigen Jahrzehnten durch die Folgen des Klimawandels zu erwartenden weltweiten Opferzahlen sind die 19.000 Toten durch die Reaktorkatastrophe in Fukushima möglicherweise „nicht viel“. Doch aus Profitgründen wird so getan, als gäbe es nur eine Wahl zwischen Klima- und nächster Atomkatastrophe. Das ist einfach nur eine Lüge. Sie soll verschleiern, dass – wie der Papst meint: „die Stunde gekommen [ist], in einigen Teilen der Welt eine gewisse Rezession zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann.“

Die „komplexe sozio-ökologische Krise“ (Franziskus) kann nur zusammen mit dem Kapitalismus überwunden werden. Eine solche Einsicht ist von der japanischen Regierung allerdings nicht zu erwarten (von unserer natürlich auch nicht).

Wolfgang Borchardt
6.8.2015

Papst Franziskus und die Frankfurter Allgemeine

eine Analyse

Erstmalig steht der Umgang mit unserem „gemeinsamen Haus“, der Erde, im Zentrum einer päpstlichen Enzyklika. Auch die FAZ/F.A.S. („Feine Marken. Feine Leser.“) konnte sie nicht ignorieren. Dem Grundgedanken zuzustimmen war dem Sprachrohr des Finanzkapitals jedoch noch weniger möglich. Die „erstklassige Leserschaft“ der FAZ/F.A.S. umfasst gemäß ihrer Selbstdarstellung einen besonders hohen Anteil „Experten in Politik oder Wirtschaft oder Steuerrecht“. Ihr wäre die Befürwortung der Enzyklika auch schwer zuzumuten, denn das widerspräche dem neoliberalen Mantra, das der Papst kritisiert.

Wie hat die FAZ/F.A.S. also über „Lautato si“ berichtet? Sie verteilte ihre Berichterstattung auf Einzelbeiträge verschiedener Autoren über mehrere Tage in unterschiedlichen Rubriken (Ausland/Europa, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik, Feuilleton/Medien). Der Effekt: Die Leser bekommen das Gefühl umfassender Information und verlieren das Interesse, die Enzyklika eventuell selbst zu lesen und sich ein eigenes Bild zu machen. Sie könnten womöglich nachdenklich werden. Im Verlauf der Berichterstattung wird die Enzyklika immer mehr auf Ökonomie reduziert und zum Teil werden bereits im Anreißer Zweifel an der Enzyklika gestreut. Nach Tagen sortiert liest sich das so:

erster Tag

Über den „Warnschrei für die Schöpfung“ gibt Jörg Bremer, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan, einen klaren, sachlichen Überblick. Unklar bleibt allerdings,was das in den Bericht eingebettete Video „Papst empfängt Putin zu Privataudienz“ auf dieser Seite soll – war Bremers Beitrag zu positiv? Wurde Franziskus deshalb in Zusammenhang mit dem „Buhmann Putin“ gebracht? (wer es nicht glaubt: hier klicken)

Dem Wirtschaftsjournalist Jan Grossarth obliegt es, die Auseinandersetzung zu führen. Er schreibt mehrere Beiträge, zunächst – offenbar basierend auf der italienischen geleakten Fassung – noch vor der Vorstellung der autorisieren Ausgabe in seinem Artikel „Ökologie-Enzyklika“ unter anderem:

… Wenn Unternehmen von Nachhaltigkeit sprächen, gehe es ihnen oft bloß um „Marketing und Image“, meint Franziskus. Er beklagt ein vermeintliches eindimensionales technisches Paradigma und führt aus, der „moderne Anthropozentrismus“ – die Vorstellung vom Menschen als Dreh- und Angelpunkt der Welt – habe paradoxerweise einen technischen Zugang zur Welt gebracht, so dass der Mensch sich nicht mehr als Teil der Natur wahrnehme. Dem setzt der Papst eine holistische Sicht entgegen.…“ (Hervorhebung von mir)

Grossarths Kritik drückt sich hier lediglich darin aus, dass er mit der Bezeichnung „vermeintlich“ Zweifel sät. Doch Franziskus beschreibt nicht nur das Mensch-Natur-Verhältnis, seine „holistische Sicht“ drückt sich darin aus, dass er eine Bestandsaufnahme der Umwelt- und der sozialen Probleme vornimmt und aus Mitgefühl und Verantwortung für die Armen (Menschen und Länder) und zukünftige Generationen argumentiert. Grossarth hat das offensichtlich gelesen, denn er schreibt weiter: „Papst Franziskus und die Frankfurter Allgemeine“ weiterlesen

Kommentare zu „Windenergie im Wald“

Irgendwie merkwürdig, dass die „Naturschützer“ gegen alles sind, was Energie liefern könnte.
Ich verfolge das seit Jahren beim Thema Biomasse. Da sind sie auch gegen jeden Eingriff in den Wald. Zum Teil mit merkwürdigen Begründungen. Am liebsten hätten sie nur unberührten Urwald, der sich selbst überlassen bleibt.
Wir haben aber nunmal eine „Kulturlandschaft“ in der auch der Wald ein produktives Element darstellt. Die Biomasseproduktion (und damit Kohlendioxidbindung) von jungen Wäldern ist um ein vielfaches höher als bei alten Bäumen. Diese geraten in ein Gleichgewicht und stellen dann nur noch einen Speicher dar, aber Assimilation und Abbau halten sich die Waage. Ein Nullsummenspiel.
Diese Daten aus tausenden Veröffentlichungen, die nur Nebelkerzen werfen, herauszudestillieren, ist kein leichtes Unterfangen.
Roland
19.11.14

Alte Wälder sind wohl ein Nullsummenspiel. Am besten ist es also, das Stammholz zu verbauen, am besten in Häuser, damit das gespeicherte CO2 aus dem Kreislauf entfernt wird,
die Äste zu verbrennen und die kleinen Äste und das Laub als Dung für den nächsten Wald zu nutzen…
Herzliche Grüße
Helmut Käss
20.11.14

Nicht im Wald, nicht auf dem ‚Feld (wg.Tierschutz) und nicht in der Stadt (wg. Menschenschutz).
Bleibt die Frage: Wo denn? Offshore kostet das Doppelte und ist ökologisch fragwürdig.
Ich höre da immer raus, dann doch lieber das „saubere“ Atom. Unser Retrisiko ist gering und die große Rechnung bezahlen heute die Neger in den Bergwerken Afrikas und morgen unsere Nachkommen (auch dann noch, wenn die Menschkeit schon lange ausgestorben ist).
In tiefer Verzweiflung vor unserem Egoismus
Viktor
21.11.14

Lassen wir zunächst Fakten sprechen. Das Überangebot von Elektroenergie im Verbund ist nicht nur temporär zu sehen. Allein in Deutschland und seinen Nachbarländern besteht derzeit ein Überangebot von 60 Gigawatt, mit dem allein alle bestehenden Stein- und Braunkohlekraftwerke mit einer derzeitigen Gesamtkapazität von rund 50 GW abgeschaltet werden könnten.
Nach Hohmeyer könnte bei ausgewogener Förderpolitik schon 2030 der Gesamtbedarf ohne Treibhausgasemission und ohne Atomenergienutzung gedeckt werden.
Der wirtschaftliche Betrieb von Kohlekraftwerken ist nur deshalb zu erklären, weil wesentlich saubere und günstigere Gaskraftwerke durch klimapolitisch unverantwortlich falsche Besteuerung von CO2 – Emission, durch die letzte und gegenwärtige Bundesregierung, in ihrer Wettbewerbsfähigkeit benachteiligt wird.
Wozu – bei dieser gigantischen Überkapazität – weitere Windräder im Wald? Um die Frage zu beantworten sind grundsätzliche Prioritäten zu ordnen. Neben einer ganzheitlichen Betrachtung sollte Umweltverantwortung aber auch die Betrachtung von Eigentumsverhältnissen, wissenschaftlich-technischen Potentialen und gesamtheitlicher Ressourcen einschließen. Und natürlich sollten wir europäisches Umweltrecht zur eigenen Grundlage unserer Urteilsfähigkeit machen.
Da wäre schon die Frage zu stellen: wer bestimmt den cash-flow von Forschungs- und Entwicklungsaufgaben Umwelteffizienter Produkte, zu denen sehr wohl auch energieeffiziente Verfahren und Energiespeichertechnik gehören?
Inwieweit sind wir unseren Schulbuchweisheiten verfangen und lehnen wissenschaftlich-technische Lösungen als Utopien ab, weil sie in unser vorherrschendes Denken und in das Profitsystem innovationsfeindlicher Konzerne nicht passen. Eine andere Besteuerung von Mehrverbrauch und Umweltemission und es würde schon bald funktionierende Elektroenergiespeicher geben.
Noch ein Wort zu den Ressourcen: Und natürlich muss die Frage gestellt werden, welchem Bedarf stehen welche Erzeugerkapazitäten gegenüber? Welche Kapazität ist in welchem Maße Grundlastfähig? Und welchem Bedarf und welchen umweltpolitischen Anforderungen soll die Planung eines weiteren Kapazitätsausbaus folgen? Inwieweit sind Mensch und Umwelt von überzogenen Bedarfsplanungen betroffen?
Die regionalen Planungsgemeinschaften verfolgen diesen Ansatz nicht. Für sie regelt`s der Markt. Wer dessen Verwerfungen?
Selbstverständlich gibt es Teilregionalpläne zur Windenergienutzung, die nach hergebrachten Planungsmethoden Flächen zur Aufstellung von WKA bewerten. Die Frage steht hier, inwieweit strömungstechnische und klimatische Untersuchungen von wechselnden Windrichtungen und Fallwinden den gegebenen topografischen Bedingungen angepasst sind, in denen Windräder erbaut werden sollen, um negative Entwicklungen im Mikroklima zu verhindern? Ähnliche spezielle Betrachtungen müssen zu flächenintensiven Solaranlagen, insbesondere in der Nähe zu Schutzgebieten, angestellt werden.
Um die Frage nach negativen Entwicklungen im Mikroklima zu beantworten, gilt es zunächst das betroffene Biotop zu erforschen und großräumige, vor allem politische Grenzen übergreifende, Biotopkartierungen zu schaffen. Die gibt es aber nur im Ausnahmefall. Und um die zu schaffen, braucht es der Mitwirkung und der biologischen Kenntnis von Menschen. Beides bleibt für eine ganzheitliche Umweltbetrachtung aber nur aus Liebe zur Umwelt abrufbar.
Und ist die Erziehung zur Liebe in die Schöpfung nicht auch eine ethische Frage, die uns alle angehen sollte? Schon allein im Interesse unserer Kinder.
Aus diesem Ansatz heraus ist europäisches Umweltrecht geschrieben. Danach hat jede Art ihr Schutzrecht und ihre Lebensberechtigung. Verstöße gegen europäisches Umweltrecht werden teuer, insbesondere für Bundesländer, die dagegen verstoßen.
Soviel zu Rolands Leserbrief, der eine weitverbreitete, aber leider substanzlose irrige Meinung wiederspiegelt, bei der man nur hoffen kann, dass diese von den LINKEN in Regierungsverantwortung nicht übernommen wird.
Hans-Joachim Börner
21.11.14

 

Hier könnte Ihr Kommentar stehen.

Windenergie im Wald

Ein Jagdpächter berichtet auf der Internetseite Keine WKA im Wald über seine Erfahrungen mit dem Bau einer Windkraftanlage in seinem Jagdrevier:
Das Revier ist durch einen zehn Meter breiten Schotterstreifen zerschnitten und weil keine Tiere mehr blieben, musste er die Pacht aufgeben.

Die Deutsche Wildtier Stiftung – eine „nach unternehmerischen Prinzipien geführte private gemeinnützige Stiftung“ – hat am 11.11.2014 eine Studie mit dem Titel „Windenergie im Lebensraum Wald“ vorgelegt, in der festgestellt wird:

Wissenschaftliche Studie belegt: Windkraftanlagen schaden der Wald-Ökologie!„.

Die entsprechende Pressemitteilung wurde auch auf unserer Konferenz am 15.11.2014 verteilt.

Was ist dran an der Waldzerstörung und der Gefährdung von Wildtieren durch Windkraftanlagen?

Handelt es sich um einen weiteren Versuch, der großen Energiekonzerne, die Energiewende zu torpedieren oder um die Bemühungen von Naturschützern, „unseren Wald zu retten“? Es lohnt sich, etwas genauer hinzusehen.

„Windenergie im Wald“ weiterlesen