Konzernkannibalismus – Was uns bevorsteht

Neue Oligopole sollen entstehen, die Saatgut, Sorten, Agrargifte, Düngemittel, Maschinen, Satelliten, EDV und Versicherungen beherrschen

von Silvia Ribeiro (klick); Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von poonal (klick);

Die Fusion zwischen Monsanto und Syngenta, zwei der weltweit größten und am meisten bekämpften Unternehmen, die Gensaatgut und Agrargifte herstellen, schien auf einem schlechten Traum zu beruhen. Heute ist sie jedoch wahrscheinlich und es handelt sich nur um einen der spektakulären Zusammenschlüsse, die vor sich gehen. Obwohl Syngenta die Monsanto-Offerte zum zweiten Mal ausschlug – der Konzern will mehr Geld – vereinbarten mit DuPont (Eigentümerin von Pioneer) und Dow Chemicals zwei weitere Giganten vor wenigen Tagen die Unternehmensverschmelzung. Monsanto gibt zudem das Werben um Syngenta nicht auf. Es handelt sich nur um einen kleinen Teil des Szenariums. Die Pläne der Konzerne sind weitgehender: Sie wollen immer größere Schlüsselsektoren der landwirtschaftlichen Produktion kontrollieren.

1981 prangerte ETC Group (klick) (damals noch unter dem Namen RAFI) 1) an, dass die Agrochemie-Unternehmen Saatgutbetriebe aufkauften und ihr Ziel darin bestand, Pflanzensaatgut zu entwickeln, das die von den Unternehmen selbst produzierten Gifte tolerierte. Die Landwirte sollten zum einen abhängig werden und zum anderen mehr Agrargifte – das lukrativste Geschäft – kaufen. Wir wurden Panikmacher genannt. Es wurde gesagt, eine solche Technologie werde niemals existieren – bis die Industrie 1995 genau dieses gentechnisch veränderte Saatgut ausbrachte.

Panikmache wird Realität

Damals gab es weltweit mehr als 7.000 Betriebe, die Saatgut für den Markt produzierten. In der Mehrzahl handelte es sich um Familienunternehmen. Keines davon kontrollierte mehr als ein Prozent des Marktes. 34 Jahre später sind es sechs Multis, die 63 Prozent des globalen Saatgutmarktes und 75 Prozent des globalen Marktes für Agrargifte beherrschen. Monsanto, Syngenta, DuPont, Dow, Bayer und Basf – alle ursprünglich Giftfabrikanten – sind die sechs Giganten, die die Produktion der Agrargifte und des Saatgutes sowie 100 Prozent der landwirtschaftlich genutzten gentechnisch veränderten Organismen (GVO) dominieren. Da kaum noch andere Unternehmen bestehen, widmen sie sich nun dem Kannibalismus. Syngenta ist der weltweit größte Produzent von Agrargiften. Deswegen machte auch sein chinesisches Pendant ChemChina ein Übernahmeangebot. Doch ChemChina bot nicht genug Geld. „Konzernkannibalismus – Was uns bevorsteht“ weiterlesen

Marsch gegen MONSANTO!

Wann:

Samstag, 12. Oktober 2013                    14:00 – 19:00

Wo:

am Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus
Rathausstraße, 10178 Berlin am Alexanderplatz
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Monsantos „Rückzug“ ist unglaubwürdig

Pressemitteilung des BUND

18.7.2013

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht in der Ankündigung des Gentechnikkonzerns Monsanto, Zulassungsanträge für den Anbau von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen in der Europäischen Union zurückziehen zu wollen, keinen Grund zur Entwarnung.

Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnikexpertin: „Wir halten den von Monsanto angekündigten Rückzug aus der EU für Theaterdonner. Monsanto will vor allem aus der öffentlichen Negativwahrnehmung verschwinden, um dann hinter den Kulissen bei den Verhandlungen um das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU umso effektiver lobbyieren zu können. Ziel von Monsanto ist es natürlich nach wie vor, den EU-Markt mit seinen Produkten zu erobern.“

Monsantos Rückzugsankündigung sei unglaubwürdig, solange nicht auch der Wiederzulassungsantrag für den Gentech-Mais Mon 810 zurückgenommen werde. Zudem halte das Unternehmen auch an 46 Zulassungsanträgen für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel fest, die als Importe auf die EU-Märkte gelangen sollen. Völlig unverständlich sei, warum Monsanto seine Zulassungsanträge für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen erst in den nächsten Monaten zurückziehen wolle und dies nicht sofort umsetze.

Moldenhauer: „Ein echter Rückzug aus Europa sieht anders aus. Für niemanden in der EU sollte es jetzt Entwarnung geben. Gerade beim Freihandelsabkommen muss sich die EU jetzt umso stärker gegen Einflüsterungsversuche der Gentech-Industrie zur Wehr setzen.“

Mehr Informationen

Pressekontakt: Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnik-Expertin, Tel.: (0 30)2 75 86-4 56, heike.moldenhauer@bund.net bzw.  Almut Gaude, BUND-Pressereferentin, Tel.: (0 30)2 75 86-4 64, presse@bund.net

Monsantos „Rückzug“

Scheibchenweise gelangen darüber Informationen an die Öffentlichkeit, dass Monsanto seine Gentechnik-Ambitionen in Europa beenden will. Bereits im Mai hatte ein Unternehmenssprecher gegenüber der „taz“ erklärt, dass Monsanto die Lobbyarbeit in Europa aufgebe, weil Genpflanzen hier auf zu starke Ablehnung stoßen.
Die Freude bei den Gentechnikgegnern war groß – zu groß, denn die Ankündigung wurde kurz danach wieder dementiert.

Jetzt verkündete José Manuel Madero, neuer Leiter des europäischen Geschäfts von Monsanto, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters am 17. Juli 2013, dass Monsanto „alle laufenden Zulassungsanträge für den Anbau gentechnisch verbesserter Nutzpflanzen in der Europäischen Union zurücknehmen will“. Das betrifft Anträge für sieben genveränderte Sorten, die gegen Roundup resistent sind und/oder Insektengifte enthalten: fünf für genetisch veränderten Mais, einen für Sojabohnen und einen für Zuckerrüben.
Der Grund sind die laut Monsanto schlechten wirtschaftlichen Aussichten und die langsamen Zulassungsprozeduren.

Doch an der Neuzulassung der bereits 1998 für zehn Jahre zugelassene Maissorte MON 810 will man festhalten. MON 810 kann bis dahin dennoch angebaut werden, außer in einigen Ländern, in denen der Anbau verboten ist. Dazu zählt auch Deutschland.
Monsanto will sich aus Europa nicht zurückziehen. Das Geschäft im Bereich Saatgut und Pflanzenschutz wird ausgebaut. Dazu will ca. 300 Millionen US- Dollar in die Züchtung und Produktion von konventionellem Saatgut in Europa investieren.

Inwieweit die Rücknahme der sieben Anträge tatsächlich einen Rückzug und nicht eine billige PR-Aktion darstellt, ist zweifelhaft. So schreibt Telepolis:

„Insoweit können sich die Gentechnikgegner freuen, einen Sieg über Monsanto errungen zu haben, allerdings könnte das Thema der Zulassung über das geplante Freihandelsabkommen wieder ganz anders aussehen. Noch gibt sich die Bundesregierung stark, Kanzlerin Merkel hat erst einmal versprochen, dass die Gentechnik-Bestimmungen in Europa nicht denen in den USA angepasst würden. Vielleicht weiß Monsanto aber schon mehr und wartet erst einmal ab.“

Auch andere Gründe sprechen dagegen: Testbiotech verweist darauf, dass von dieser Ankündigung  Zulassungsanträge für gentechnisch veränderte Pflanzen für den Import als Futter- und Lebensmittel wie den Mais SmartStax nicht betroffen sind.

So schreibt auch Dr. Kirsten Tackmann, MdB in ihrer Pressemitteilung am 19.7.2013:

„Monsanto sollte Gentech-Anbau in der EU ganz aufgeben“

„Monsanto sollte konsequent sein und alle Gen-Anbau-Anträge in der EU zurückziehen. Dazu gehört auch der umstrittene Gentech-Mais MON 810 und der kurz vor der Zulassung stehende Gentech-Mais SmartStax“, so Dr. Kirsten Tackmann. Die agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion kommentiert die Pläne des US-Konzerns Monsanto, einige seiner Anträge auf Anbauzulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in der EU zurück zu nehmen.

Im Mai feierten einige Umweltschützerinnen und Umweltschützer bereits das Ende des Monsanto-Genmais-Spektakels in der EU. Doch Kritikerinnen und Kritiker wiesen zurecht darauf hin, dass sich die Propagandaabteilung des US-Konzerns lediglich auf gentechnikfreundliche Staaten konzentrieren wollte. Die Anbauzulassungsanträge, die Monsanto bei der EU gestellt hatte, wurden damals nicht zurückgezogen. Doch nun scheint der Agrar-Gigant erkannt zu haben, dass seine Gentech-Pflanzen bei uns nicht gewollt sind. Er hat angekündigt, sieben Anbauzulassungen in den kommenden Monaten zurückzuziehen. Das betrifft fünf Maissorten, eine Sojapflanze und eine Zuckerrübe. Leider will Monsanto jedoch an MON 810 festhalten. Die einzige Gentech-Pflanze, die in der EU überhaupt angebaut, aber in zahlreichen EU-Mitgliedstaaten verboten ist, auch in Deutschland. Auch der achtfach gentechnisch veränderte Mais SmartStax steht weiterhin kurz vor der Zulassung. Wenn Monsanto seinen EU-Rückzug ernst meint, muss der Konzern auch auf diese beiden Gentech-Pflanzen verzichten. Andernfalls wäre die Meldung nichts weiter als ein neuer PR-Gag zur Verunsicherung der gentechnikkritischen Bewegung in Europa. Stattdessen sollte er lieber dem Beispiel der BASF folgen und das Gentechnik-Kapitel in der EU für beendet erklären.“

Pflanzenschutz muss ökologisch vertretbar sein!

Pressemitteilung von Alexander Süßmair, MdB (DIE LINKE) Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zum „Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“

„Wir verfügen heute über vielfältige chemische Mittel zum Pflanzenschutz. Das ist grundsätzlich auch gut so, um die Ernährung der Bevölkerung zu sichern. Aber diese haben auch negative, schädliche Auswirkungen für Menschen, Tiere und Umwelt.

Ein Beispiel: Gestern hat der BUND in Berlin eine Studie vorgestellt. In 18 Ländern Europas wurde der Urin von Großstadtbewohnerinnen und -bewohnern auf Glyphosat, besser bekannt unter dem Namen „Round-up“, untersucht. In Deutschland waren 70 Prozent der Proben belastet, der Durchschnitt lag bei 44 Prozent. Nun mehren sich die Anzeichen, dass das Mittel doch gefährlicher ist als bisher angenommen. Die Verwendung von Glyphosat hat sich seit 1993 verfünffacht und inzwischen ist er weltweit der meistgenutzte Herbizid. Ein Mittel, das in Ausnahmefällen sinnvolle Dienste erweisen kann, ist zur Regel geworden. Vor allem in Kleingärten ist die Verwendung derartiger Pflanzenschutzmittel nicht zu rechtfertigen und ein Verbot unumgänglich.

Leider handelte die Regierung mit dem Aktionsplan, mal wieder nur auf Druck aus Brüssel. Im Aktionsplan steht immerhin, dass ökologische und integrierte Pflanzenschutzverfahren entwickelt werden sollen, die mit nur geringen Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln auskommen. Bis 2023 soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um 30% verringert werden. Ein ehrgeiziges Ziel!

Wenn die Bundesregierung ihren eigenen Aktionsplan ernst nimmt, muss sie endlich mehr als bisher die Forschung im Ökolandbau unterstützen und den ökologischen Landbau stärker fördern! Ziel muss Ziel sein, dass 20% der Bundesmittel für die Agrarforschung dem Ökolandbau zugute kommen. Sonst sind das alles nur Lippenbekenntnisse!
Wir aber werden Sie beim Wort nehmen! DIE LINKE wird genau hinsehen, wie die Bundesregierung den Plan umsetzt. Die Ziele des Plans müssen verwirklicht und nicht den Kapitalinteressen der Agrar- und Chemielobby geopfert werden.“

Alexander Süßmair, MdB
Berlin, 14.06.2013

BAYER erhöht Produktion von hochgefährlichem Pestizid, das in der EU verboten ist

Coordination gegen BAYER-Gefahren, Presse Info vom 22. Februar 2013

Die Firma Bayer CropScience hat gestern angekündigt, die Produktion des hochgefährlichen Herbizids Glufosinat (Markennamen: BASTA und LIBERTY) erneut zu erhöhen. In einer Pressemitteilung des Konzerns heißt es:

Um die steigenden Marktbedarfe begleiten zu können, ist ein Investitionsvolumen in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro für den Standort Knapsack bis Ende 2014 geplant. Der Großteil hiervon wird in den Ausbau der Produktion eines Vorproduktes für das Herbizid BASTA® eingesetzt.“

Glufosinat gehört zu den rund 20 Pestiziden, die wegen hoher Gefahren für Landwirte und Verbraucher/innen von der EU aus dem Verkehr gezogen werden. Trotz der seit langem bekannten Risiken hatte BAYER bereits vor drei Jahren die Glufosinat-Produktion erhöht, vor allem für den Export nach Nord- und Südamerika. Nach Auffassung der Coordination gegen BAYER-Gefahren ist dies ein klassischer Fall von doppelten Sicherheits-Standards.

Philipp Mimkes vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG):

„Es ist unverantwortlich, im Ausland eine Anbautechnik zu forcieren, die mit der Verwendung eines hochgiftigen und bei uns verbotenen Pestizids verknüpft ist. Das Schicksal der Landarbeiter in Lateinamerika oder Asien ist dem Konzern augenscheinlich gleichgültig!“.

Die CBG fordert einen weltweiten Verkaufs-Stopp – sowohl für Glufosinat, als auch für Saatgut, dessen Einsatz mit Glufosinat gekoppelt ist.

Glufosinat kann Missbildungen bei Föten verursachen und ist daher als reproduktionstoxisch klassifiziert. Studien zeigen, dass der Wirkstoff auch die Entwicklung des menschlichen Gehirns beeinträchtigen und Verhaltensstörungen hervorrufen kann. Schwedische Gesundheitsbehörden hatten schon 2006 ein Verbot der Substanz gefordert.

BAYER bietet das Herbizid in Kombination mit gentechnisch verändertem Saatgut an, u.a. Raps, Reis, Zuckerrüben, Mais, Soja und Baumwolle. Da die Pflanzen resistent gegen den Wirkstoff sind, kann das Pestizid in großen Mengen verwendet werden, ohne die Nutzpflanze zu schädigen.

Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG)
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energiepolitischer Veitstanz

Die Bundesregierung täuscht Handlungsfähigkeit bei der Energiewende vor

und nennt das „Strompreisbremse„. Etwas anderes war von der FPD/CDU/CSU-Regierung auch nicht zu erwarten; die Energiewende – weg von Atomenergie und Kohleverstromung – hin zu erneuerbaren Energien – war noch nie ihr Anliegen.

  • 6.9.2010: Die Bundesregierung trifft eine Vereinbarung mit den Stromkonzernen, in der die AKW-Laufzeiten verlängert werden („Ausstieg aus dem Ausstieg“) und die Konzerne von den Risiken weitgehend entlastet werden
  • 12.03.2011: 60.000 Menschen bildeten eine Menschenkette zwischen dem AKW Neckarwestheim und der Landeshauptstadt Stuttgart.
  • 14.3.2011: Nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima (11.3.11) – knapp zwei Wochen vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 27. 3.2011 – verkündet die Kanzlerin das Atom-Moratorium
  • 26.3.2011: 250.000 bei bundesweiten Großdemos in Köln, Hamburg, Berlin, München unter dem Motto Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten
  • 27.3.2011: Wahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg

Der ökologische Durchbruch scheint nahe, doch fieberhaft wird versucht, diesen zu verhindern.: Zweifel werden gestreut, der Klimawandel insgesamt bestritten (siehe „Organisation einer Lüge„) und die Energiewende als Ursache steigender Strompreise dargestellt. Schließlich wurde auch an niedrige Instinkte appelliert und Hass auf Ärzte, Eigenheimbesitzer und Vermieter geschürt (siehe „Auflage statt Wahrheit„). Und um Verwirrung zu stiften, gaben Politiker von FDP, CDU und CSU mit wechselnden Rollen das Stück „Der Wolf im Schafspelz„. „Energiewende“ verkam in der Regierungspolitik zu einer leeren Worthülse und zur Tarnung: Die verantwortlichen Minister führten einen immer heftigeren Veitstanz um die beste Lösung zur Begrenzung der ach so großen Belastungen durch die Strompreise auf.1) Das Projekt Energiewende war längst vergessen. Der ganze Streit ging nur darum, wie das Roll Back der Bevölkerung am besten zu verkaufen wäre.

In der Nacht vom 13.2. zum 14.2.2013 nun die überraschende Einigung, mit der der Umweltminister am 14.2.13 in ein Bund-Länder-Sondertreffen zur Begrenzung der Strompreise in Berlin ging. Der Minister für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern Schlotmann erfuhr am 15.2.13 davon aus den Medien. Sein Kommentar, den er  bei der Einweihung des Nahwärmenetzes in Bollewick am gleichen Tag abgab, war dementsprechend scharf. Er kritisierte nicht nur die Konzeptionslosigkeit, sondern vor allem den Eingriff in bestehende Regelungen und den damit verbundenen Vertrauensverlust. Die Reduktion der Einspeisevergütung stellt die Investoren vor große Probleme. Er kündigte an, dass die norddeutschen Länder bei allen vorhandenen Unterschieden Geschlossenheit praktizieren und den Vorschlag ablehnen werden.

Die groß verkündeten „Einsparungen“ und „Entlastung der Bürger“ sind aus Sicht der Regierenden dennoch kein schlechter Versuch, Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und dem politischen Gegner den Schwarzen Peter des „Bremsers der Energiewende“ zuzuschieben – besonders im Wahljahr. Und die Regierungschefin? Sie hat schon in der DDR gelernt, wie wichtig es vor Feiertagen und Wahlen ist, kleine Geschenke zu verteilen. Damals waren es Bananen und Apfelsinen, jetzt sind es Brosamen bei der EEG-Umlage.
Rösler sagte, er sei sich mit Altmaier einig, dass für die Einsparung auch die energieintensiven Unternehmen, herangezogen werden, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen und trotzdem von der Umlage zur Förderung von Ökostrom befreit sind.

Die Wahrheit sieht anders aus:

„Altmaier und Rösler wollen nicht einmal fünf Prozent der insgesamt 16,2 Milliarden an Industrie-Rabatte im Energiebereich kappen. Umso unverschämter ist ihr Plan, mit deutlich größerem Schwung die Axt am EEG anzusetzen – und damit an einem der wichtigsten Eckpfeiler der Energiewende“,

erklärte Eva Bulling-Schröter, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE und Vorsitzende des Umweltausschusses, zu den Ergebnissen einer im Auftrag der Fraktion erstellten Studie von Arepo Consult2). Oft genug wird die Wahrheit von den gleich geschalteten Medien vernebelt, aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Auf der Jagd nach der Schlagzeile hat sie ausgerechnet BILD (versehentlich?) verkündet:

„Altmaier und Rösler einigen sich auf Öko-Bremse„.

Als die „Klimakanzlerin“ verkündete: „Wir schalten alle Atommeiler ab“, hatte sie auch versprochen, dass die Bürger durch die Energiewende nicht mehr für ihren Strom zahlen müssten. Was daraus geworden ist, wissen wir. Der Kanzlerin ist das aber nicht vorzuwerfen; sie folgt nur dem Klimawandel: Erwärmung der Erdatmosphäre ist schließlich auch nicht anderes, als noch mehr warme Luft.

Eva Bulling-Schröter sagte dazu:

„Von wegen ‚Keiner wird bei der Beteiligung an der Strompreisbremse ausgenommen‘: Die Bundesminister untergraben mit den angekündigten drastischen Vergütungskürzungen für Betreiber von Ökostromanlagen die Grundlagen des Erneuerbaren Energien-Gesetzes (EEG). Die Industrie bleibt hingegen weitgehend verschont. Und das nicht nur bei der EEG-Umlage, sondern auch bei staatlichen Abgaben, Emissionshandel, Netzentgelten und weiteren Umlagen. Mit dieser Strategie lässt sich der Strompreis nicht einfangen. Dafür wird die Energiewende an die Wand gefahren. Nach dem BMU/BMWi-Papier ist geplant, Windmüllern und Energiebauern rund 1,2 Milliarden Euro an Vergütungen zu streichen. Weniger EEG-Privilegien für energieintensive Unternehmen und Industriekraftwerke sollen hingegen gerade einmal 700 Millionen Euro der Ökostromumlage einsparen. Tatsächlich wird der Sektor jedoch 2013 laut Arepo allein beim EEG fast acht Mal so hoch begünstigt – und zwar mit 5,5 Milliarden Euro. Dies geschieht auf Kosten anderer Verbraucherinnen und Verbraucher, obwohl sich nach Auffassung der LINKEN ein erheblicher Teil dieser Industrie-Subventionen aus Wettbewerbsgründen nicht rechtfertigen lässt. Diese Subventionen treiben den Strompreis um 1,5 Cent nach oben. Zudem wird die Industrie auch bei Befreiungen und Erstattungen jenseits des EEG bevorteilt. Dies fällt bei der Debatte oft unter den Tisch. So kosten überwiegend überflüssige Privilegien der Industrie bei Netzentgelten sowie sonstigen Umlagen den Stromkunden zusätzlich 0,9 Milliarden Euro. Auf noch einmal gigantische 9,8 Milliarden Euro summieren sich Einnahmeausfälle der öffentlichen Haushalte, weil zu Gunsten von Unternehmen beim Strompreis auf Ökosteuer, Konzessionsabgaben und Versteigerungen von Emissionsberechtigungen verzichtet wird. Ein Großteil dieser Mittel hätte zur sozialen Abfederung der Energiewende eingesetzt werden können. Das wäre echte Sozialpolitik anstatt der schwarzgelben Mogelpackung ‚Strompreisbremse‘.“

Die ökologischen Folgen sind übel. Nur ein kleines Beispiel: Durch die ab August 2013 geplante Streichung des Güllebonus (2009 eingeführt) sollen 150Mio € eingespart werden. Die Folge ist eine weitere „Vermaisung“ der Landschaft mit allen negativen Folgen: Verlust der Artenvielfalt und von Wiesen, Humusverlust und Erosionsanfälligkeit der Böden, weiter steigende Bodenspekulation usw..
Daran gemessen ist die geplante Einsparung lächerlich. Zum Vergleich: 2013 haben 2.057 Unternehmen bzw. Unternehmensteile Befreiungen von der EEG-Umlage für ca. 20 % des gesamten Stromverbrauches der Bundesrepublik beantragt. Das bringt der Industrie einen Vorteil von etwa 4 Mrd. €/a.

Auch bei der (mittelständischen) Wirtschaft ist das Konzept auf Widerspruch gestoßen. Mario Ohoven, der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW)  erklärte:

„Die von Bundesumweltminister Peter Altmaier und Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler vorgeschlagene Strompreisbremse wird allenfalls kurzfristig zur Dämpfung der Stromkosten beitragen. Mittelfristig ist ein völlig neues Marktdesign erforderlich. Das Ziel ist eine Stromversorgung so dezentral wie möglich, so zentral wie nötig. Zudem sollte der Eigenverbrauch Erneuerbarer Energien steuerlich gefördert und nicht behindert werden.

 

Wolfgang Borchardt
19.2.2013

 


1) Die Gründe für die steigenden Strompreise sind an anderen Stellen schon ausführlich behandelt worden, so dass das hier nicht wiederholt werden muss.
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2) Studie Befreiungen der energieintensiven Industrie in Deutschland von Energieabgaben – Abschätzung für 2013
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Climate Crimes

Der Regisseur und Naturschützer Ulrich Eichelmann zeigt in seinem neuen Film „Climate Crimes“, wie unsere Umwelt im Namen des Klimaschutzes zerstört wird. Im Interview mit der Berliner Zeitung erklärt er auf die Frage:
Warum ist für Sie die Ausweitung der Bioenergieerzeugung kontraproduktiv für das Klima?:

„Wasserkraft, Biogas und Biosprit zerstören nicht nur die Natur, sie leisten auch keinen Beitrag zum Klimaschutz. Im Gegenteil, sie tragen oft noch zur Erwärmung bei.
Stauseen etwa emittieren gleich viel Klimagase wie der gesamte Flugverkehr weltweit.
Biogasanlagen sind Landfresser, die größten überhaupt bei der Energieerzeugung. Um die gleiche Menge Strom zu produzieren, braucht die Windenergie nur vier Prozent der Fläche. Die Energiebilanz beim Biogas wird noch schlechter, wenn ich alles berücksichtige, was für die Maisproduktion nötig ist. Wenn ich dann auch noch einberechne, dass feuchtes Grünland umgepflügt wird, ist die Bilanz sogar negativ, das heißt klimaschädlich.“

Starke Worte, denen es sich lohnt, nachzugehen. Der Trailer kann hier angesehen werden. 1)

Die Vollversion auf Youtube finden Sie hier (klick).


[1↑] Bei der Gelegenheit könnte mensch sich auch gleich noch über die humorvolle Erklärung der Zusammenhänge durch Volker Pispers bei der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises 2011 erfreuen.

Großflächige Monokulturen zerstören Naturräume

Dass großflächige Monokulturen Naturräume zerstören, ist bekannt.
Verschärft wird die Situation gegenwärtig durch den massenhaften landwirtschaftlichen Anbau von Pflanzen für die Energiegewinnung (z. B. Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, Getreide, Gräser, Raps, Sonnenblumen).

Protestaktion

Rettet den Regenwald e.V. hat jetzt eine Protestaktion gestartet, mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesumweltminister Peter Altmaier aufgefordert werden, die Energiepolitik zu überprüfen und die Begrenzung der verfügbaren Biomasse zu berücksichtigen:

„… Es ist Zeit, auf die immer zahlreicher werdenden Warnrufe der Wissenschaftler zu hören. Nicht nur bei uns wird für unseren Energiehunger die Natur zerstört, sondern weltweit. Denn ohne Importe lässt sich schon jetzt der Bedarf an Biomasse nicht decken. Die heimischen Quellen werden überschätzt.

Bitte berücksichtigen Sie, dass Biomasse in diesem Mix nichts zu suchen hat. Denn sie zerstört die Zukunft aller Lebenwesen der Erde.“


In diesem Zusammenhang ruft auch die Berliner Regionalgruppe von Rettet den Regenwald auf, sich aktiv an der

Demo „Wir haben es satt“

am 19. Januar um 11 Uhr am Hauptbahnhof Berlin (Washingtonplatz) zu beteiligen und die Forderung nach einer gerechten und umweltfreundlichen Landwirtschaft ohne Massentierhaltung, Maiswüsten und Gentechnik zu unterstützen.

Bitte beteiligt Euch daran.

 

„Grüne“ Gentechnik geht in die zweite Runde

Das „Grüne“ an der Gentechnik kennzeichnet die Anwendung bei Pflanzen, in der Landwirtschaft. Es ist aber auch eine Beschönigung und wird verwendet, um die Gegner milder zu stimmen.

Neue gentechnische Verfahren

Das ist um so wichtiger, als zur Zeit neue gentechnische Verfahren in die Freiland-Erprobung gehen: Kartoffeln mit Resistenzgenen gegen Kraut- und Knollenfäule und Weizen, der mit Duftstoffen Läuse abwehrt. Der – zumindest theoretische – Vorteil ist, dass nicht Gifte eingesetzt werden müssen, um Schädlinge zu vernichten, sondern die Pflanzen diese selbst vertreiben bzw. widerstandsfähig werden.
Dazu wurde den Kartoffeln ein Resistenzgen von Wildkartoffeln übertragen. Bisher werden gegen Kraut- und Knollenfäule bis zu 15 Mal im Jahr Spritzungen mit Fungiziden durchgeführt, die entfallen könnten.
Weizen wurde so modifiziert, dass er – wie Hopfen oder Minze – einen Duftstoff bildet, den auch Blattläuse unter Stress erzeugen, wodurch sie sich gegenseitig vor Gefahren warnen. Wenn die Versuche erfolgreich sind, könnten auch hier Spritzungen entfallen.
Ob der Weizen dann ohne Hopfenzusatz zu Bier vergoren werden oder das Brot nach Minze schmecken soll, ist nicht bekannt.

In Schweden wurden in Gerste zwei Gene eingeführt, die zu einer besseren Stickstoffverwertung führen (sollen). Stickstoff wird ausser von Hülsenfrüchten nur aus dem Boden aufgenommen und muss diesem in Form von Kunstdünger oder Gülle zugeführt werden. Bei Überdosierung, die nicht selten vorkommt, gelangt er als Nitrat in das Grundwasser.

Den genannten Verfahren ist gemein, dass durch gentechnische Modifikationen der Einsatz chemischer Mittel (Gifte, Dünger) reduziert werden könnte. Insofern wären sie ein Beitrag zu Verbesserung der Ernährungssituation weltweit. Das wäre auch die Begründung dafür, dass das BMBF in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen den Anteil an Forschung zu gentechnisch veränderten Pflanzen in den einschlägigen Initiativen im Bereich Welternährung derzeit ca. 15 Prozent schätzt.

So viel zu den Heilsversprechen der „grünen“ Gentechnik. Wie sieht die Praxis aus?

Seit Jahren kämpft der Hobbyimker Karl Heinz Bablok aus Kaisheim im Landkreis Donau-Ries gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Bereits im Herbst 2011 hatten er und andere Imker beim Europäischen Gerichtshof erreicht, dass Honig mit Spuren genveränderter Pflanzen ohne Lebensmittelzulassung nicht verkauft werden darf.
Jetzt wollen sie vor Gericht einen Schutzanspruch erreichen, der den Freistaat verpflichtet, ihren Honig vor einer Verunreinigung mit gentechnisch modifiziertem Pollen zu schützen. Ohne die Entscheidung des EuGH konnte sich das Bayerische Verwaltungsgericht in einem früheren Verfahren nicht dazu entschliessen, den damals beklagten Freistaat zu Schutzmaßnahmen zu verpflichten. Das damalige Urteil hatte aber unter anderem zur Folge, dass seit 2009 kein Mais der Sorte MON810 mehr angebaut werden darf.

Dennoch wurden beim Bundesamt für Verbraucherschutz insgesamt 330 ha in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt für den Anbau von MON810 angemeldet – für den Fall, dass der Anbau vor Beginn der Aussaat wieder zugelassen wird. Sachsen ist mit 11 von 21 Anmeldungen (in Dreiheide, Bad Düben, Laußig, Wiednitz und Zabeltitz) führend bei der Anbauplanung.
Dabei wird offenbar ignoriert, dass in den USA eine Gruppe von Wissenschaftlern die EPA darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Wirksamkeit (Insektenresistenz) des Bt-Mais gegen den Maiswurzelbohrer in bedrohlichem Ausmaß sinkt („Scientists warn EPA on Monsanto corn rootworm“).

Auch der Bt-Mais (MON810 ist eine Bt-Mais-Sorte) wurde entwickelt, um den Pestizideinsatz zu senken, weil der Mais selbst ein Gift produziert. Tatsächlich konnte die Umweltbelastung durch Pestizide um ca. 30% gesenkt werden. Im Zusammenhang mit den aufgetretenen Resistenzen rät Monsanto1) nun, beim Anbau mit anderen Biotech-Pflanzen zu rotieren oder Insektizide einzusetzen. Zwar wäre das sicher im Interesse des Chemieriesen, würde aber die Resistenzbildung wahrscheinlich noch mehr verschärfen.
Es wäre für viele Farmer ein Leichtes, auf Bt-Mais zu verzichten, aber seine Verbreitung ist bereits so weit fortgeschritten, dass in einigen Gebieten gentechnikfreie Ware einfach nicht verfügbar ist.

Das Resistenzproblem wird möglicherweise durch eine unerwartete Wechselwirkung verschärft:
Chinesische Wissenschaftler von der Universität Tianjin haben bei Bakterien nachgewiesen, dass Aluminiumoxid-Nanopartikel die Verbreitung von Resistenzgenen fördern können.
Genaustausch ist bei miteinander verwandten Organismen nichts Neues; bei Bakterien führt er zu einer besonders schnellen Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen und im Speziellen durch Austausch von Resistenzgenen zur Bildung von Resistenzen bei ganzen Stämmen. Allerdings tritt das normalerweise nur bei nah verwandten Arten auf, z.B. bei Escheria coli untereinander. Als die Forscher jedoch verschiedene Nanopartikel zu den Proben gaben, führte das dazu, dass wesentlich mehr Resistenzgene aus E. coli-Bakterien in Salmonellen auftraten, als üblich. Besonders hoch war der Einfluss von Aluminiumoxid, wobei auch Titan-, Eisen- und Siliziumoxid in Nano-Größe getestet wurden. Das ist besonders bedeutsam, weil Nanoteilchen aus Aluminiumoxid sehr weit verbreitet sind. Sie kommen zum Beispiel in vielen Farben, Lacken, Putzen, Schleif- und Poliermitteln vor. Was davon letztendlich in den Boden gelangt, ist nicht vorauszusagen.
Auch kann aus den Laboruntersuchungen zur Zeit keine direkte Umweltrelevanz abgeleitet werden, denn in der natürlichen Umwelt ist mit geringeren Konzentrationen zu rechnen als in den Laborversuchen und außerdem  können die Teilchen leicht verklumpen und ihre Wirkung dadurch verlieren. Eine Entwarnung ist damit aber keinesfalls gegeben….

Was kann Mensch tun?

Es gibt viele Indizien und Beweise, dass „grüne“ Gentechnik nicht die versprochene Lösung der Ernährungsprobleme liefert.
Im Gegenteil: Auch das BMBF schätzt in seiner oben genannten Antwort ein, „dass sehr unterschiedliche Auffassungen von Bedeutung und Umfang der sozioökonomischen Dimension des Anbaus von GVO bestehen. Dies betrifft auch den Beitrag zur Sicherung der Welternährung…:“
Lobby-„Arbeit“ im Interesse der profitierenden Konzerne ist dagegen die treibende Kraft für die Gentechnikbefürworter. Die muss niemand unterstützen und wer sich gegen ihre wirtschaftliche Stärkung wehren und gleichzeitig kein unnötiges Risiko eingehen will, kann beispielsweise handeln, wie Mailin und Heiner und sein persönliches Einkaufen und Handeln entsprechend anpassen…

 

Wolfgang Borchardt; 7.4.2012

1)   Zu Monsanto und seinen Produkten siehe zum Beispiel

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