Langener LINKE ist gegen weitere Bannwaldrodung

Das Regierungspräsidium Darmstadt hat der Firma Sehring die Rodung von weiteren 8,1 ha Bannwald (https://de.wikipedia.org/wiki/Bannwald) genehmigt. Für die LINKE Langen ist dies nicht nachvollziehbar, da über die Klage des BUND, die seit vier Jahren anhängig ist, bis heute noch nicht endgültig entschieden ist.  Hier werden Tatsachen geschaffen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Für die Natur im Rhein-Main-Gebiet ist diese Entscheidung eine Katastrophe. Hier wird wertvoller, nicht zu ersetzender Bannwald zerstört. Gerade in einem Ballungsgebiet ist der Wald für die Reinigung der Luft und das Klima unersetzlich. Auch die Auswirkungen auf unser Grundwasser sind nicht unerheblich. Und den Bürgerinnen und  Bürgern unserer Gegend geht ein unbezahlbarer Erholungsraum verloren. Dies lässt sich auch nicht durch ein paar Froschteiche wie an der ehemaligen Ostgrube vertuschen.

Marianne Wurm, Sprecherin der LINKEN Langen, äußert ihr Unverständnis über die Entscheidung.  Vor allem ist unverständlich, dass dies unter der Leitung einer grünen Regierungspräsidentin geschieht. Es kann nicht sein, dass immer weiterer Bannwald dem Profit einer Firma geopfert wird, die sich dann durch Spenden an Langener Vereine als „Heilsbringer“ feiern lässt. Unverständlich ist für die LINKE Langen auch, dass es weitere Genehmigungen zur Rodung gibt, obwohl die Firma Sehring mit der Renaturierung der gerodeten Flächen seit Jahren nicht nachkommt.

https://www.die-linke-kreis-offenbach.de/nc/aktuelles/presse/detail/news/langener-linke-gegen-weitere-bannwaldrodung/

Ein Prozent ist genug

Jørgen Randers (klick), der bereits am Club of Rome-Bericht “Die Grenzen des Wachstums“ von 1972 als Koautor mitgearbeitet hatte, und der Generalsekretär des Club of Rome Graeme Maxton haben eine neuen Bericht an den Club of Rome gerichtet mit dem Titel: „Ein Prozent ist genug“. Ursprünglich sollte dieser Bericht den Titel bekommen „Ihre Kinder und wie sie vermeiden können, sie umzubringen“. Dieser Titel hätte aber dem Inhalt nicht entsprochen, denn das gegenwärtige kapitalistische System soll nicht ausgehebelt und beseitigt werden, was bei diesem Titel unbedingt notwendig gewesen wäre, sondern Ziel ist nur ein besserer Kapitalismus mit gedämpfter Marktradikalität und Wegen zur Nachhaltigkeit. Es geht den Autoren um eine gerechte Umverteilung von Arbeit, Wohlstand und Einkommen im kapitalistischen System.

Im Zeitraum von 1950 bis 1980 war Wirtschaftswachstum auch für die Arbeiter positiv. Danach entstanden keine neuen Arbeitsplätze mehr, aber es entstand mehr Ungleichheit. Heutzutage profitieren vom geringen Wirtschaftswachstum nicht mehr alle Bürger. Dabei verdoppelte sich das BIP der reichen Länder von 1980 bis 2010. Die Autoren weisen nach, dass seit den 1980er Jahren in den reichen Industrieländern durch Wirtschaftswachstum genau das Gegenteil eingetreten ist, was die neoliberalen Wirtschaftslehrer verkünden: Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, besonders unter Jugendlichen; die Jahresarbeitszeit hat sich verlängert; der Reallohn ist gesunken; die Zahl der in Armut Lebenden hat sich vergrößert; die Kluft zwischen Arm und Reich ist gewachsen. Nur die Reichen haben vom Wirtschaftswachstum profitiert. Das westliche Wirtschafts- und Konsummodell ist kein Zukunftsmodell mehr für die Welt. Ursache dieser Entwicklung ist die vollständige Okkupation des Staatsapparates durch Banken, Shareholder und Unternehmer mit Hilfe ihrer vorzüglichen Lobbyarbeit. Die Autoren kommen zum Schluss, dass das Wirtschaftswachstum vermindert werden muss, um die gegenwärtigen Probleme zu lösen. Verwundern muss, dass bei dieser Analyse für die reichen Industrieländer immer noch 1 % Wachstum vorgeschlagen wird, wo doch ein Schrumpfen der Wirtschaft angebracht und notwendig wäre. Jedes „Weiter so“ der kapitalistischen Wirtschaft bringt die Menschheit voran auf dem Weg in den Abgrund. Seit 30 Jahren funktioniert die marktradikale Doktrin nicht mehr. Aber zu einer Forderung nach Abschaffung des kapitalistischen Systems können sich die Autoren nicht durchringen, weil die Mehrheit der Bürger diesen Weg nicht mitgehen würde, weil sie Angst vor einem Zusammenbruch haben, denn ohne Wachstum würde das System des Kapitalismus zusammenbrechen.

Die Autoren widmen ein Kapitel den gegenwärtigen und zukünftigen Problemen und Bedrohungen, die die Menschheit lösen muss, um zu überleben: Bevölkerungswachstum, Ressourcenende und Rohstoffverknappung, Klimawandel, Umweltverschmutzung, sinkende Artenvielfalt, zunehmende Zahl der Armen, zunehmende Arbeitslosigkeit, Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich sowie Kriege, Terrorismus und Migration. Als Ursache aller dieser Probleme erkennen die Autoren das gegenwärtige Wirtschaftssystem. Der Marktradikalismus sorgt nicht nur für die Umverteilung der Gewinne hin zu den Reichen, sondern er führt auch zu einem egoistischen, gierigen und verschwenderischen Verhalten der Menschen. Die Belastbarkeit des Planeten wird überschritten, was von den Regierungen und den Unternehmern in Kauf genommen wird. Das Tempo auf dem Weg zum Kipppunkt wird immer schneller.

Die Autoren fassen die Herausforderungen der reichen Welt zusammen: Automatisierung und im Gefolge mehr Arbeitslosigkeit, zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich, alternde Bevölkerung, erschwerter Zugang zu Rohstoffen, nur noch geringe Produktivitätssteigerungen, Sinken des Wohlstands.
Gegenwärtig wird nichts unternommen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Weil weder die Herrschenden noch die Beherrschten an den gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnissen aus Unkenntnis oder Verantwortungslosigkeit etwas verändern wollen, haben die Autoren 13 Vorschläge gemacht, die zu einer Milderung der Missstände führen können. Das sind Vorschläge, die im System des freien Marktes umgesetzt werden können, um Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und Klimawandel zu mildern: „Ein Prozent ist genug“ weiterlesen

Zweite Chance für die Natur

Von Dusan Deak
Nachdruck aus: junge welt vom 05.02.2016 (klick), Seite 10 / Feuilleton

Das EU-Parlament gibt der Natur eine zweite Chance. Es billigte am Mittwoch eine umstrittene Reform der neuen Abgastests für Dieselautos. Die Natur kann nach Meinung des Parlaments die strengen Umweltkriterien der Autoindustrie nicht einhalten. Sie wird aufgefordert, umzudenken und es erneut zu versuchen. Zur Unterstützung werden Grenzwerte für schädliche Autoabgase im Sinne der Autoindustrie nachgebessert. Die Grenzwerte werden verdoppelt, denn doppelt halte besser, verlautete aus dem Auto-Ausschuss des EU-Parlaments.

Es hat sich herausgestellt, dass der Mensch etwa 157mal mehr Schadstoffe verträgt, als bislang angenommen wurde. Das ist das Ergebnis der wissenschaftlichen Nachforschungen in Folge der »Abgasaffäre«, in die VW in den USA verwickelt war. Der Konzern wurde beschuldigt, mit spezieller Software die Abgaswerte zu manipulieren. In Wirklichkeit ging es darum, deutsche Autos in den USA gegen eine Verschwörung der US-Autoindustrie zu schützen.

Zusätzlich beschloss das Parlament, schon etwas veraltete Naturphänomene wie den Sonnenaufgang im Osten sowie die Neu- und Vollmondphasen auf den Prüfstand zu stellen und den Bedürfnissen von Google, Apple und der gesamten IT-Branche anzupassen und zu optimieren.

Genehmigt wurde vom EU-Parlament außerdem die Richtlinie, Weizen aus genmanipuliertem Mais herzustellen. Er schmeckt im Abgang leicht nach Brombeerbier und kann notfalls als Fensterkitt eingesetzt werden.

E.ON-Umstrukturierung und Fracking

Was hat die gestern so massiv publizierte E.ON-Umstrukturierung mit Fracking zu tun? Es ist das stillschweigende Einverständnis, dass sich die Förderung von Kohle, Erdöl und Erdgas nicht mehr rentiert. Erst recht nicht das überaus teure Fracking. RWE-dea hat derart hohe Schulden aufgehäuft, dass die Verkaufsabsichten dieser RWE-Sparte unrealistisch scheinen. Wann endlich werden der TTIP-Siggi und der Frac-Robby das begreifen???

Hier Ausschnitte aus einem heutigen Tagsspiegel-Artikel:

„Der Weltklimarat, der die Expertise von mehr als 2000 Wissenschaftlern repräsentiert, lässt keinen Zweifel: Wenn die menschliche Zivilisation stabil bleiben soll, dann dürfen zwei Drittel der bekannten Reserven an fossilen Brennstoffen nicht genutzt werden. Wer eine moderne Wirtschaftspolitik betreiben will, muss darum jetzt den geordneten Ausstieg aus der Kohle planen. Wer das verweigert, fördert nur milliardenschwere Fehlinvestitionen.

Finanzexperten haben für dieses Phänomen längst einen eigenen Begriff: die Kohlenstoffblase. Gemeint ist, dass all die Unternehmen, die noch immer auf die unbegrenzte Fortsetzung der Energiegewinnung aus Kohle, Öl und Gas setzen, womöglich maßlos überbewertet sind, weil sich ihre auf Jahrzehnte angelegten Investitionen nicht mehr rentieren können.

Gewiss, noch läuft die Öl- und Kohleindustrie rund. Eine wirksame globale Klimapolitik, die ihr Geschäft verbauen würde, scheint in weiter Ferne. Aber noch ein paar Megastürme und Jahrhundertdürren in den USA und China könnten auch das politische Klima schnell kippen. Viele Kapitalverwalter nehmen die These von der „carbon bubble“ darum sehr ernst. In den USA und Großbritannien haben schon 837 Universitäten, Stiftungen, Pensionsfonds und Kirchenverwaltungen ihr Geld aus der Öl- und Kohlebranche abgezogen, darunter etwa die Rockefeller-Stiftung oder die Universität Stanford. (…) Wie riskant es ist, sich dem Unausweichlichen nicht rechtzeitig zu stellen, sollte Gabriel eigentlich von den Stromkonzernen E.ON und RWE wissen, für deren Kraftwerke er sich so einsetzt. Seit 2008 haben sie mehr als zwei Drittel ihres Börsenwertes verloren.“

Die Perspektive liegt eindeutig bei den erneuerbaren Energien, vor allem bei Power to Gas: Ausgehend von Energiedörfern und anderen Formen bürgerschaftlichen Engagements auf kommunaler Ebene (siehe z.B. Feldheim in Brandenburg und Zschadraß bei Leipzig) entsteht ein Zukunftsbild, das vollständig ohne fossile Energieträger auskommt. Aber: Das alles entsteht nicht von alleine. Es bedarf des organisierten Widerstands von Millionen Menschen in Tausenden Bürgerinitiativen, einschließlich der Antifracking-BI’en.

Frackingfreie, grünsozialistische Grüße von Hajü
2.12.2014

Schluss mit den Märchen – Nachhaltigkeit endlich ernst nehmen!

Rede von Heidrun Dittrich, DIE LINKE im Deutschen Bundestag am 17.01.2013

Der heute zu beratende Fortschrittsbericht zur Nachhaltigkeitsstrategie kommt genau richtig, denn das Jahr 2013 ist das Jahr der Gebrüder Grimm: 200 Jahre Märchen. Die Lektüre dieses Berichts ist zwar nicht so spannend wie die Märchen der Gebrüder Grimm; aber kaum weniger märchenhaft ist doch die Zauberformel von der Nachhaltigkeit. Wir leben in einer heilen Welt, möchte man bei der Lektüre meinen.

2052 – Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre

Der neue Bericht an den Club of Rome von Jørgen Randers

Rezension von Götz Brandt

Randers hat für die Erarbeitung seines Berichtes 41 Fachleute herangezogen, die zu einzelnen Themen ihren Beitrag geleistet haben. Er kommentiert die Sichten der Mitarbeiter durchweg positiv und steuert Schlussfolgerungen und eine Zusammenfassung bei. Im Folgenden sind die Auffassungen der Mitarbeiter nicht gesondert ausgewiesen, sondern als einheitliche Aussage des Berichts gewertet worden. Es geht in diesem Buch um keine wissenschaftliche Prognose, sondern um eine „wohl begründete Vermutung“. Eine Vorausschau über 40 Jahre ist eben ein schwieriges Unterfangen.

„Heute wissen wir aber, was in den letzten 40 Jahren von 1972 bis 2012 getan wurde und was nicht“, seitdem der Bericht des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ 1972 erschienen war. Es wurde sehr wenig getan und die Forderungen des Clubs of Rome von 1972 wurden nicht erfüllt. Randers stellt fest, dass in der westlichen Welt das Paradigma des stetigen, auf fossilen Brennstoffen basierten Wachstum nach wie vor dominiert und die Ratschläge aus dem Jahr 1972 nicht beachtet wurden.

Nach Meinung des Autors besteht wenig Hoffnung, dass das Wahlvolk, die Regierungen und die Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten vom Wachstumskurs ablassen. Das kurzfristige Denken im Rahmen der Wahlperiode oder des Quartalgewinns macht Kurskorrektur unmöglich. Der unkontrollierte Kapitalismus, der nur das Ziel der schnellen Rendite hat, führe zur Konzentration des Reichtums in immer wenigen Händen, die Armen würden immer ärmer und zahlreicher, die Hungernden immer mehr. Diese Prognose stellt Randers in Kenntnis der Wirkungsweise des Kapitalismus. Erst nach 2052 könnte es kritische Situationen geben und uns erwartet dann ein „gesteuerter Niedergang“ oder gar ein „Zusammenbruch“. Damit befindet sich Randers im Widerspruch zu anderen Wissenschaftlern, die schon viel früher Katastrophen auf uns zukommen sehen. Randers ist sich aber mit seiner Prognose sicher, denn „es erfüllt mich aufrichtig mit großer Freude, dass der Weltuntergang nicht zu meinen Lebzeiten passieren wird“. Was aus seinen Enkeln wird, scheint Randers nicht sonderlich zu interessieren.

Von Randers werden dagegen keine gesellschaftliche Veränderungen erwartet. Über die Rolle des Kapitalismus machen sich die Berichterstatter des Club of Rome keine Illusionen. Die großen multinationalen Konzerne sind nicht in der Lage, sich von ihrem Quartalsgewinndenken und der geforderten Aktionärsrendite zu verabschieden. Aber auch von den Konsumenten wird nicht erwartet, dass sie überredet werden können, auf potentielles Konsumwachstum zu verzichten. Prognostiziert wird aber, dass auch in den Industrieländern der Konsum und damit der Wohlstand sinken werden. Durch eine Verschärfung der Ungerechtigkeit entstehen in der Gesellschaft Spannungen und Unfrieden. „Ist die Elite allerdings so dumm und löst das Problem der Arbeitslosigkeit nicht in einem annehmbaren Zeitraum, kommt es unweigerlich zu einer Revolution“. Ein Eingriff in die Verteilung von Einkommen und Wohlstand wird aber zukünftig nicht geschehen, es wird sich nichts ändern. Die Klima- und Armutsproblematik kann durch den freien Markt nicht gelöst, sondern nur verschärft werden. „Als einzige Lösung bleibt, den verfügbaren Kuchen neu zu verteilen, indem man von den Reichen nimmt und den Armen gibt“. Ein „modifizierter“ Kapitalismus ist zwar nach Randers möglich, aber wenig wahrscheinlich. Investitionen müssten nicht mehr durch die Profitabilität gesteuert werden und Rechenschaft müsste nicht über den Profit, sondern über die ökologischen und gesellschaftlichen Konsequenzen des Wirtschaftshandelns abgelegt werden. Den Kapitalismus kann man aber nach Randers nicht umkehren zu einer ethischen, ökologisch und gesellschaftlich verantwortlichen Tätigkeit. Kommt es allerdings zur finanziellen Kernschmelze, wenn die Kreditvergabe an die Realwirtschaft zusammenbricht, dann kann nur die Notenpresse diesen Vorgang stoppen. Dieser Ratschlag wird gegenwärtig von den Regierungen befolgt. Das Finanzsystem hätte sich bisher weder als selbstregulierend noch als selbstheilend erwiesen. Wenn es einem großen Schock ausgesetzt wird, könnte es sich nicht selbst erneuern. Finanzmärkte könnten nur überleben, weil sie reguliert und von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Das ist die Auffassung der Autoren.

Die westliche Welt hat ein dominierendes Paradigma des stetigen, auf fossilen Brennstoffen basierten Wirtschaftswachstums. Randers schätzt ein, dass sich in den kommenden 40 Jahren das BIP mehr als verdoppeln wird, obwohl wir den Planeten bereits jetzt um 40 % übernutzen. Die Wachstumsraten werden aber sinken oder stagnieren. Deshalb wäre ein Wechsel zu einer „mehr vernünftig gesteuerten Wirtschaft“ gar nicht notwendig. Mit dieser Prognose kann jeder Politiker und Unternehmer gut leben. Allerdings könnte das auf Kredite gegründetes Konsumniveau der USA nicht ewig aufrecht erhalten werden. Das Wirtschaftswachstum würde auch durch die zusätzlichen Kosten gedämpft, die in den nächsten 40 Jahren auf uns zu kommen: Ersatz von Erdöl, Gas und Phosphordünger, Neutralisierung von Emissionen, Erhalt ökologischer Dienstleistungen, Entsorgung von Atomkraftwerken, Schutz vor Klimaschäden, Beseitigung von Extremwetterschäden, Abwehr von Immigranten, Verteidigung von Ressourcenvorräten. Dadurch werden Investitionsmittel gebunden, die Produktion von Waren wird sinken und damit der Wohlstand.

Die Klimaänderung durch hohe Schadgasemissionen wird in den nächsten 40 Jahren weiter voranschreiten. Die internationale Gemeinschaft wird aber auch in den nächsten 40 Jahren keine robuste Emissionsbegrenzung einführen. Das wurde schon in den letzten Jahrzehnten trotz internationaler Forderungen verhindert. Ursache wäre der Triumph des Finanzkapitalismus und die Übernahme der Regierungen durch eine Oligarchie aus Unternehmen und Finanzwirtschaft. Deshalb würde eine Internalisierung der Umweltverschmutzung in die Kosten der Produkte nicht stattfinden. Auch in anderen Bereichen, wie z. B. Energie, Landwirtschaft, Verkehr und Industrieproduktion würde es in den nächsten 40 Jahren keine Änderungen geben. Es bleiben also nach Randers noch 40 Jahre bis zur unvermeidlichen Katastrophe, obwohl er der Meinung ist, dass der ungebremste und unkontrollierte Klimawandel erst nach 2080 beginnt. Eine freiwillige Selbstregulierung der Märkte würde nicht staatfinden, die Umwelt verschmutzenden Industrien würden weiterhin von den Regierungen und den Parlamenten bevorzugt. Aber bereits nach 30 Jahren wird die 2°C-Grenze überschritten, wenn die Emissionen nicht verringert werden. Der Weltklimarat geht davon aus, dass wir 2100 ein Plus von 4,8°C erreichen. Was uns erwartet, haben die Klimawissenschaftler skizziert: Mehr Dürren, Hochwasser, Sturmfluten, Eisfreiheit der Arktis, Meeresspiegelerhöhung um 0,36 m durch Erwärmung der Ozeane. Das Klimaproblem könnte gelöst werden, wenn 1 bis 4 % des Welt-BIP verwendet würde, um den Energiewandel voranzubringen. Dafür müssten nur 1 % der Arbeitskräfte eingesetzt werden. In der realen kapitalistischen Welt hätte sich das aber als „nahezu unmöglich“ erwiesen. Diktaturen und staatskapitalistische Länder können da schneller reagieren, wie man bei China sieht. Randers meint: „Wir werden uns durchwursteln auf einem `hellgrünen` Wachstumspfad bis 2052“. Nur plötzliche und extrem auffallende Ereignisse könnten die Öffentlichkeit und die Politiker von energischen Maßnahmen überzeugen. Wir würden es nicht erleben, dass die Welt frühzeitig Geld investiert, um das Klimaproblem zu beheben. Daher besteht die reale Gefahr eines sich selbst verstärkenden Klimawandels, wenn die Tundra schmilzt und Methan in großen Mengen frei wird. „Es ist `kosteneffizient`, die Welt am Klimawandel zugrunde gehen zu lassen“, meint Randers, „solange der Zusammenbruch nur mehr als 40 Jahre in der Zukunft erfolgt“. Wenn ein sich selbst verstärkender Klimawandel nach 2052 zum durch die Natur ausgelösten Zusammenbruch führt, würde ein gesteuerter Niedergang nicht mehr möglich sein, es käme zum Zusammenbruch. Woher nimmt Randers die Gewissheit, dass das nicht früher eintritt?

Unser Planet hat Grenzen. Nicht alle könnten so leben und konsumieren wie die Leute in den USA. Etwa 2 Mrd. Menschen werden es nach Randers Einschätzung schaffen. Würden alle dieses Wohlstandsniveau in Anspruch nehmen, dann würden die Umweltbelastungen um das 5 – 10-fache steigen. Der Fußabdruck der Menschen übersteigt die Tragfähigkeit der Erde bereits heute um 40 %. Die früher vorhandenen zusammenhängenden Ökosysteme würden zu winzigen Habitatinseln zusammenschrumpfen. Große Teile des Planeten würden für Tier und Pflanzen und damit auch für Menschen unbewohnbar werden. Die mittleren und unteren Breitengrade werden 2050 unbewohnbare Wüsten und Halbwüsten. Dadurch würde „die illegale Einwanderung aus Afrika und Asien nach Europa explosionsartig zunehmen“. „Was von unberührter Natur noch übrig ist, wird mit rasanter Geschwindigkeit Richtung Pole gedrängt oder in Naturparken koserviert“. Natur würd kaum noch zu bewahren sein. Wenn die Leistungen der Natur zusammenbrechen (Nahrung, Wasser), würd der Wohlstand um die Hälfte schrumpfen, weil es diese Leistungen nicht mehr umsonst gibt.

Das Bevölkerungswachstum soll um 2040 seinen Höchststand mit 8,1 Mrd. Menschen erreichen. Danach soll es bis 2075 auf 7 Mrd. sinken, etwa so viel Menschen, wie es jetzt gibt. Ein großes Problem ist die zunehmende Urbanisierung. Die Stadtbevölkerung würde von jetzt 3,5 Mrd. auf 5 Mrd. anwachsen. Es würde etwa 1,5 Mrd. Slumbewohner geben. In den Slums erfolgt 70 % der Bevölkerungszunahme. In den Großstädten würde sich die Armut konzentrieren. 2052 würden 80 % der Menschen in Großstädten wohnen. Die Städte werden vom Klimachaos stärker getroffen. Drei Milliarden Menschen würden arm sein, also mehr als in den Slums zukünftig wohnen werden.

Der Energieverbrauch wird sich bis 2050 verdoppeln. 2050 würde erst 37 % der Wärmeenergie und des Stromes aus der Sonnenenergie gewonnen werden. Bereits 2020 würde erneuerbare Energie kostengünstiger gewonnen als fossile oder uranbasierte Energie. Die Energiegewinnungskosten würden bei den fossilen Energien erheblich steigen und diese Energiegewinnung wird klimaschädlicher werden. Die aufwendige Gewinnung von Schiefergas wird die Strompreise verdoppeln. Künftige Energie würde 30 % teurer sein als heutige fossile Energie. Kohle ist als Energieträger noch mehrere 100 Jahre vorhanden und würde in Verbindung mit CCS die Preise langfristig auf „annehmbarem Niveau“ halten. Es ist zu erwarten, dass sich in Europa Mikronetze lokaler Stromerzeugung etablieren und sich mit großen Netzen verbinden.

Rohstoffe werden zunehmend aufgezehrt. Die Rohstoffpreise würden schneller steigen als das Wirtschaftswachstum. Die Rohstoffknappheit führe zu „sozialen Verwerfungen“ mit Währungsverfall, Überschuldung, Insolvenzen, sozialen Unruhen und Bürgerkrieg. Recycling würde zunehmen, aber das Rohstoffproblem nicht lösen. Es wäre falsch zu glauben, dass eine Ressource durch eine andere ersetzt werden kann und die Technik einfach der nächsten Platz macht. Dennoch kommt Randers zur Überzeugung: „Auch in den nächsten 40 Jahren wird es keine unlösbaren Probleme geben bei Öl, Nahrung, Wasser oder anderen Ressourcen“. Eine bei den angeführten Fakten kaum verständliche Vermutung.

China wird nach Randers die neue Hegemonialmacht, 2050 die Arbeitsproduktivität der westlichen Länder erreichen und zur stärksten Wirtschaftsmacht aufsteigen. 2052 würd China weltweit führend sein und die treibende Kraft des Planeten. Insbesondere auf den Gebieten Solar- und Windenergie und Hochgeschwindigkeits-Massenverkehrsmitteln würd China die technologische Führung übernehmen. Eine globale Machtstruktur mit China als Führungsmacht könnte eine Katastrophe möglicherweise aufhalten.

Die Ernährung der Menschen wird immer schwieriger. Von 1970 bis 2010 hat sich zwar die Nahrungsmittelproduktion verdoppelt, von 2,4 auf 4,6 t/ha. Gegenwärtig werden weltweit 4 Mal so viel Nahrungsmittel verbraucht, wie das Existenzminium verlangt. Die Anbaufläche würde sich aber durch Ausbreitung von Wüsten, Steigen des Meeresspiegels und Degradation verringern. „Nur die werden genug Nahrungsmittel haben, die sich das leisten können“. „Weiterhin werden viele Menschen verhungern“. Die Armen der Welt werden sich keine ausgewogene Ernährung leisten können, eine Mrd. Menschen werden auch zukünftig unterernährt sein. Da zukünftig kein billiges Erdöl mehr zur Verfügung steht, werden die Preise für Nahrungsmittel erheblich ansteigen. Beim Fischfang werden die Fangmengen stagnieren. Aquakulturen hätten nur Zukunft, wenn sie mit Pflanzenfütterung auskommen. Die Fischbestände würden in den nächsten 20 Jahren zusammen brechen. Durch das Absinken des ph-Wertes in den Ozeanen durch Eintrag von mehr Kohlendioxid von jetzt 8,05 auf 7,97 werden das Phytoplankton und die Fische nordwärts wandern.

„Der Krieg ist im globalen Wirtschaftssystem fest verwurzelt, dass wir erwarten müssen, dass er so lange präsent bleibt, wie es Rohstoffe gibt, um die sich zu kämpfen lohnt“.

Randers gibt am Schluss seiner Betrachtungen „Empfehlungen“ für Leute, die genug Geld haben, um den negativen Auswirkungen der sich verschlechternden Situation zeitweilig zu entkommen: Legen Sie mehr Wert auf Zufriedenheit als auf Einkommen, vermeiden Sie eine Vorliebe für Dinge, die bald verschwunden sind, kaufen Sie hochwertige Unterhaltungselektronik als Ersatz für die Realität, erziehen Sie ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern, weil es die Natur bald nicht mehr geben wird, genießen Sie das Leben, solange sie noch können, wohnen Sie an einem Ort, der vom Klimawandel möglichst wenig betroffen ist, ziehen Sie in ein Land, in dem Entscheidungen getroffen werden, wo mit Hilfe der Demokratie und der freien Marktwirtschaft die komplexen Probleme gelöst werden, finden Sie heraus, welche Folgen fehlende Nachhaltigkeit ihre Lebensqualität am meisten beeinträchtigen werden (Wetter, Flüchtlinge, Energieengpässe, hohe Steuern, kulturellen Zerfall), raten Sie ihren Kindern, Mandarin zu lernen, verabschieden Sie sich von der Vorstellung, jedes Wachstum sei gut, denken Sie daran, dass ihre fossilen Aktien eines Tages ihren Wert verlieren werden, investieren Sie in Dinge, die robust gegen soziale Unruhen sind usw. Für Unternehmer und Politiker werden gesonderte Empfehlungen gegeben. Rette sich wer kann und nach uns die Sintflut, kann man da nur sagen.

Zusammenfassend kann eingeschätzt werden, dass Randers mit dem Kapitalismus nicht einmal einen Green New Deal für möglich hält und ein Weiterbestehen der herrschenden Verhältnisse mit einem „hellgrünen“ Kapitalismus für die wahrscheinlichen Zukunftsverhältnisse einschätzt. Dass sich bei dieser Prognose die Widersprüche im kapitalistischen System zuspitzen werden, ist den Autoren nicht entgangen. Dass wir mit dem System der Profitwirtschaft und dem globalisierten freien Markt bestenfalls einem „Niedergang“ und schlimmstenfalls einem „Zusammenbruch“ entgegengehen, ist immanenter Bestandteil der Studie. Die von Lovelock in seinem Buch „Gaias Rache“ beschriebene Heißzeit über die nächsten 100.000 Jahre mit dem Untergang großer Teile der Menschheit und der weitgehenden Unbewohnbarkeit der Erde wird dann Realität.

Politisch ist diese Prognose als verschärfter „Plan A“ als kapitalhörig zu bewerten und die Autoren sind sich offenbar bewusst, dass diese neue Prognose des Clubs of Rome bei den Unternehmern genauso wenig Beachtung finden wird wie die Prognose in den „Grenzen des Wachstums“ von 1972.

Die LINKEN sehen im roten Projekt für einen sozial-ökologischen Umbau, dem „Plan B“, die privatwirtschaftlichen Interessen der Kapitalfraktion und des Finanzmarktes als Haupthindernis für einen Umbau der Wirtschaft und Gesellschaft. Im Unterschied zu Randers glauben die LINKEN aber, dass auf dem Wege der Demokratie eine Änderung dieser Verhältnisse in den nächsten 40 Jahren möglich und notwendig ist. Für alle fortschrittlichen, antikapitalistischen und ökologischen Kräfte ist dieses Buch ein Signal, den Kampf zur Rettung unserer Erde wesentlich zu verstärken.

2052 Der neue Bericht an den Club of Rome von Jørgen Randers. 2012
ISBN 978-3-86581-398-5, 24,95 €, www.oekom.de

5 Milliarden Euro Extraprofit

Bericht über die Jahrestagung des Verbandes der Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) 2006

Götz Brandt

Der Vorsitzende des VIK, Dr. Volker Schwich, rechnete der stromerzeugenden Industrie vor, dass sie durch die von der Regierung kostenlos erhaltenen CO2 – Zertifikate jährlich 5 Mrd. € zusätzliche Einnahmen durch Strompreiserhöhungen hat, sogenannte windfall-profits.  Selbst wenn der Zertifikatspreis an der Strombörse sinkt, bleibt der Strompreis oben. Der Politik ist das bekannt, es wird aber nichts korrigiert und das wäre „unterlassene Hilfeleistung“ für die Stromverbraucher und ein Schaden für den Standort Deutschland. Vom Vorstandsvorsitzenden der E.ON Energie AG, Dr. Johannes Teyssen, gab es keinen Widerspruch: das wäre politisch so gewollt und eben Marktwirtschaft.
Stromverbrauchende und stromerzeugende Industrie liegen schon lange im Clinch und die gegenseitigen Beschuldigungen sind hart. Die stromverbrauchende Industrie meint, dass durch das Netzregulierungsgesetz die Monopolstrukturen nicht angetastet wurden. Die Kürzungen von Netzentgelten kämen beim Verbraucher nicht an. Die Netzkosten als Grundlage der Bewertung würden zur Aufblähung der Kalkulationen führen. Die Spanne zwischen den niedrigsten und den höchsten Kosten der Netzbetreiber liegen im Verhältnis von 1 : 50. Da ist eine Anreizregulierung zur Kostensenkung unbedingt erforderlich.

Insbesondere das „Schneckentempo“ bei der Wettbewerbsentwicklung auf dem Gasmarkt erregt die Verbraucher. An den Netzeigentumsgrenzen wurden 19 „Marktgebiete“ gebildet: „die Kleinstaaterei im Gas-Deutschland ist Realität“. Nur im selben Marktgebiet wäre derzeit ein Lieferantenwechsel möglich. Das Energiewirtschaftsgesetz würde nicht umgesetzt.

Der Saal füllte sich, als Bundeswirtschaftsminister Glos seine Ausführungen zur Energiepolitik machte. Glos beklagte die 80 %ige Abhängigkeit Deutschlands vom Energieimport. Nur Kohle und Uran stünden uns noch längere Zeit zur Verfügung. Uran gäbe es noch 200 Jahre. Bisher gingen Berechnungen von 60 Jahren aus. Diese Diskrepanz ist eine Anfrage der Links-Abgeordneten wert, wie die Ministerialbürokratie im Wirtschaftsministerium auf diese Zahl gekommen ist.
Der vorhandene Energiemix dürfe nicht in Frage gestellt werden, bei dem die Atomkraftwerke 50 % der Grundlast stellen und diese preiswert liefern. Die Laufzeit müsste verlängert werden und eine Quotenübertragung wäre richtig. Es würden durch die Atomkraftwerke auch bis zu 150 Mio t CO²- Ausstoss verhindert. Auch diese Zahl muß geprüft werden. Eine Koalitionsvereinbarung schien für Minister Glos nicht zu existieren.

Von der deutschen Ratspräsidentenschaft bei der EU erwarte Minister Glos 2007 einen Energieaktionsplan zur Effizienzsteigerung und über eine Binnenmarktrichtlinie sollten allen Verbrauchern in der EU der Strom- und Gasmarkt offenstehen. Dazu bedarf es einer europäischen Strombörse. Aber der Strommarkt dürfe nicht reguliert werden. Zur erneuerbaren Energie sagte er, dass deren Ausbau „kosteneffizient“ gemacht werden müsste und das EEG müsse auf „Überförderung“ überprüft werden. Keine guten Aussichten für diese Branche.

Der Vorstandsvorsitzende von E.ON , Dr. Johannes Teyssen, nahm im anschließenden Vortrag den Ball von Minister Glos auf und will die deutsche Probleme auf dem Energiemarkt mit einer „Europäisierung“ lösen. Auf dem Europamarkt hätte E.ON nur noch 7 % Marktanteil und nicht mehr 25%. Das wäre ja dann keine Marktbeherrschung mehr.
Mit einem E.ON-Programm versuchte er die „populistischen Forderungen“ der Stromkunden zu unterlaufen, was ihm auch gelang. Hauptmerkmale: Europäisierung des Marktes, klimaschonende Stromerzeugung durch CO² – Minimierung fossiler Kraftwerke, zuverlässige bezahlbare Netze, Wettbewerb im Vertrieb, Investitionen in den Kraftwerkspark bei Stillegung alter Werke (3 KW sind im Bau, 6 geplant), 2,8 Mrd.€ Investitionen sind zugesagt und für die Netze 2,8 Mrd. €.
Die „Vision für Europa“ sei eine „schnelle intensive Europäisierung und Wettbewerbsorientierung unserer Branche statt nationaler Alleingänge und staatlicher Eingriffe in die Märkte“

Fazit: Die Strompreise in Deutschland und Europa werden weiter steigen, die Monopolstellung der Stromkonzerne wird auf höherem europäischen Niveau zunehmen und die Profite der Branche werden weiter wachsen. Mit der jetzigen Regierung wird es keine Energiewende geben, eher wird das Erreichte zurückgedreht.