Zebrastreifen-Sterben verhindern – neue Vorschriften sinnvoll und flexibel anwenden

Pressemitteilung von FUSS e.V. (klick)

Durch geänderte Verwaltungsvorschriften der StVO sind für Zebrastreifen (im Amtsdeutsch „Fußgängerüberwege „kurz: „FGÜ“ genannt) erhöhte Anforderungen an die Beleuchtung Pflicht geworden. Das sei im Prinzip sinnvoll, meint die Fußverkehrslobby Fuss e.V anlässlich des Tags des Zebrastreifens am 1. September, da Fußgänger Zebrastreifen nutzen, damit sie für Autofahrer besser zu erkennen sind. Mit der neuen Vorschrift seien Zebrastreifen allerdings in vielen Kommunen gefährdet, da die Nachrüstung von Fußgängerüberwegen entsprechend den neuen Beleuchtungsnormen etwa je 10.000 Euro kostet. Das könnte klamme Kommunen veranlassen, Zebrastreifen zu entfernen.

Der Abbau von Zebrastreifen wegen Nichteinhaltung der Beleuchtungsvorschriften kann sich als Bumerang in Bezug auf die Verkehrssicherheit erweisen. Denn Untersuchungen zeigen: Die Anzahl, mehr noch als die Qualität, von Querungsanlagen beeinflusst die Verkehrssicherheit in einer Stadt.

FUSS e.V. wünscht sich daher möglichst viele Zebrastreifen. Um das zu erreichen, können nach Ansicht des Vereins in bestimmten Situationen Abstriche beim Beleuchtungsniveau in Kauf genommen werden. Besser wäre es allerdings, der Bund würde nicht einfach neue Vorschriften erlassen, sondern die Kommunen mit ausreichenden Finanzmitteln zu ihrer Umsetzung ausstatten.

Hintergrund-Info:

Seit 2013 überprüfen viele Städte ihren Zebrastreifenbestand. Anlass ist eine veröffentlichte Neufassung der Allgemeinen Verwaltungsvorschriften zur StVO (VwV-StVO). Diese geben nun ausdrücklich den Straßenverkehrsbehörden eine Verantwortung für die Einhaltung der Beleuchtungsvorschriften – auch bei bestehenden Altanlagen. Die Normen für die Beleuchtung werden in den „Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen 2001“ (R-FGÜ) des Bundesverkehrsministeriums definiert und in technischen Normen (DIN bzw. EN) präzisiert.

Interessantes zu Zebrastreifen und anderen Querungsanlagen für Fußgänger sind in der Broschüre „Querbuch – Wie Fußgänger sicher über die Straße kommen“ zu finden. Ein Probekapitel und weitere Informationen zu dieser Veröffentlichung des Fuss e.V. enthält www.querbuch.de (klick).

Download (klick) des Beitrags zum Thema Zebrastreifen und Beleuchtung aus der kommenden Ausgabe der mobilogisch mit Beispielen, in welchen Situationen von den Normen abgewichen werden könnte.

Kontakt:

FUSS e.V.
Fachverband Fußverkehr Deutschland
Stefan Lieb
Exerzierstr. 20
D-13357 Berlin
Mo – Fr: 9.00 – 15.00 Uhr
Tel 030/ 492 74 73
Außerhalb der Bürozeiten: 0176/ 80 235 524
Fax 030/ 492 79 72
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http://www.fuss-ev.de (klick)

Kopf hoch im Straßenverkehr

Pressemitteilung von FUSS e.V.; Fachverband Fußverkehr Deutschland (klick)

23.3.16

Der Fachverband Fußverkehr Deutschland Fuss e.V. bittet alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer um mehr Achtsamkeit bei der Benutzung mobiler Endgeräte. Von den etwa 2,4 Millionen Verkehrsunfällen in Deutschland pro Jahr wurden etwa ein Drittel durch Ablenkung verursacht, davon sind nach wissenschaftlichen Schätzungen wiederum mehr als ein Drittel der Handy-Nutzung zuzurechnen. Sie behindert die im komplexen Verkehrsgeschehen notwendigen schnellen Reaktionen.

Noch immer scheint vielen Autofahrerinnen und Autofahrern nicht klar zu sein, dass sich ihr Fahrzeug selbst bei Tempo 30 in nur einer Sekunde Unaufmerksamkeit mehr als 8 Meter weiter bewegt, bei 50 km/h sind es sogar fast 14 Meter! Nach der Rechtsprechung der letzten Jahre ist selbst im Stand bei laufendem Motor das Ablesen der Uhrzeit vom Display untersagt und kann mit einem Bußgeld von 60 Euro belegt werden. 1)

Der Fußgängerverband bemängelt insbesondere die Unaufmerksamkeit beim Einbiegen in eine andere Straße, bei dem der absolute Vorrang der diese Fahrbahn querenden Fußgänger zu beachten ist. Im Jahr 2014 war bei etwa jedem 10. Verkehrsunfall mit Personenschäden und auch mit Getöteten innerorts Fehlverhalten der Kraftfahrzeugführer beim Abbiegen die Unfallursache. Darüber hinaus weist der Bundesgeschäftsführer Stefan Lieb darauf hin: „Auch ein kurzes Halten für ein Telefonat an einer Haltestelle oder im 5-Meter-Bereich an StraßenkreFUSS e.V.
Fachverband Fußverkehr Deutschlanduzungen oder Einmündungen ist unakzeptabel, gefährdet insbesondere Kinder und mobilitätseingeschränkte Fußgänger und ist laut StVO untersagt.“

Die Fußgängerlobby stellt allerdings klar, dass auch Fußgängerinnen und Fußgänger Verantwortung für die Verkehrssicherheit tragen. Deshalb ruft der Fuss e.V. die Fußgängerinnen und Fußgänger auf, insbesondere vor und beim Queren der Fahrbahnen stets jedwede Beschäftigung mit dem Handy zu unterbrechen. Durch mangelnde Aufmerksamkeit kann man sich selbst und andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer gefährden oder sogar in Lebensgefahr bringen. Auch auf Gehwegen sollte beachtet werden, dass Menschen mit Sehbeeinträchtigungen besondere Rücksicht und Aufmerksamkeit von den anderen Verkehrsteilnehmern erwarten müssen, da sie selbst nicht kurzfristig ausweichen können.

Daneben sind allerdings nach Ansicht des Verbandes auch die Kommunen aufgerufen, soweit wie möglich die Gefahren für den Fußverkehr insbesondere durch den Abbiegeverkehr an Kreuzungen und Einmündungen zum Beispiel durch Gehwegvorstreckungen zu vermindern. Auf für den Fußverkehr vorgesehenen Flächen sollte eine weitestgehende Barrierefreiheit angestrebt werden. Es ist nach Stefan Lieb „grundsätzlich davon auszugehen, dass Menschen zu Fuß sich hier frei und unaufmerksam bewegen können. Hier bewegen sie sich nicht geradlinig wie Fahrzeuge, sondern verweilen, sprechen miteinander oder telefonieren.“

Kontakt:

FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland (klick)
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Fussnote(n)

[1↑] Datenquelle: Schätzung von Verkehrsforscher Prof. Michael Schreckenberg, Universität Duisburg-Essen, aus: Hamburger Abendblatt 3.9.2015 (klick)

Tod am Rio Doce

Brasilien: Nach Dammbruch an Eisenerzmine sind große Landstriche am Flusslauf ­verseucht. Die Betreiber wiegeln ab

Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
Nachdruck aus: junge welt vom 19.11.2015 (klick)

Foto: Bento Rodrigues, Mariana, Minas Gerais - nach dem Dammbruch
Bento Rodrigues, Mariana, Minas Gerais (Foto: Senado Federal; cc-by 2.0)

Ein von Schlammassen weggerissenes Dorf, zehn Tote, 18 Vermisste und Tausende von Hektar fruchtbaren Bodens unter giftigem Schlamm begraben: Der in Südostbrasilien Richtung Atlantik fließende Rio Doce (»Süßer Fluß«) ist auf 666 Flusskilometern ökologisch zerstört. Das ist die vorläufige Bilanz einer Tragödie, die sich Anfang des Monats nahe der Stadt Mariana im Bundesstaat Minas Gerais ereignete. Sie wurde ausgelöst durch den Bruch zweier Staudämme, die Becken voller Abraum und Abwässer der Eisenerzmine Samarco begrenzt hatten. Minenbetreiber ist eine Gesellschaft, die zu gleichen Teilen den weltgrößten Bergwerkskonzernen Vale (Brasilien) und BHP Billiton (Australien/Großbritannien) gehört. Es war eine Katastrophe mit Ansage – die sich so oder ähnlich seit Jahren in nahezu regelmäßigen Abständen in Brasilien ereignet. Das größte Land Lateinamerikas hat sein enormes Wirtschaftswachstum der zurückliegenden 15 Jahre zu großen Teilen einer intensiven und oft rücksichtslosen Ausbeutung seiner natürlichen Ressourcen zu verdanken.

Am 5. November führte dies zur bislang größten Bergbaukatastrophe in der Geschichte Brasiliens. Zwei von insgesamt drei Dämmen brachen. Unaufhaltsam wälzen sich seitdem die Schlammassen entlang des Rio Doce über Hunderte von Kilometern durch Minas Gerais und den angrenzenden Bundesstaat Espirito Santo Richtung Meer.

Leichtes Erdbeben

Ersten Mitteilungen des Minenbetreibers zufolge wird ein leichtes Erdbeben der Stärke 3 auf der Richter-Skala als Ursache vermutet. Von Vale und BHP Billiton unabhängige Geologen und Bergbauexperten schließen dies allerdings aus. Jegliche Talsperre sollte solchen, in der Region nicht ungewöhnlichen, schwachen Erdbeben standhalten können. Wahrscheinlicher als eine vermeintlich natürliche Ursache seien Sicherheitsmängel. Solche waren von den Behörden bereits 2013 gerügt worden. Hinzu käme eine kürzlich erfolgte Erhöhung der Belastung der Talsperren: Trotz weltweiten Verfalls der Preise für Eisenerz hatten beide Multis die Produktion ihrer Samarco-Mine im vergangenen Jahr um fast 40 Prozent auf 30,5 Millionen Tonnen erhöht – mit entsprechender Zunahme des Minenabraums.

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Mehr Hintergrundinformationen

über die Rolle der großen multinationalen Konzerne, unter anderem der Miteigentümer des Bergbauunternehmens Samarco, BHP und Vale, liefert eine Reportage von Frederico Füllgraf auf RT Deutsch (klick) vom 4.12.2015.

Hier wird nicht nur gezeigt, wie die Menschen unter der Katastrophe leiden oder welche Umweltschäden entstanden sind, sondern auch, wie die Beteiligten Konzerne bzw. ihre Manager aus Profitgründen Auflagen ignoriert haben, sich vor ihrer Verantwortung drücken und sogar dass Voscovi, der Chef von Vale „über Nacht umgerechnet 80 Millionen Euro von den Samarco-Konten verschwinden ließ, die der Richter Frederico Gonçalves, vom Landgericht Mariana, als Rettungsfonds für die Bedienung der Opfer blockieren ließ.“

Schwerstverletzte Unfallopfer endlich berücksichtigen!

Am Sonntag, den 15. November erinnert der Fachverband Fußverkehr Deutschland Fuss e.V. anlässlich des „Weltgedenktags für die Straßenverkehrsopfer“ an die Verunglückten und ihre Angehörigen. Gleichzeitig macht der Verband darauf aufmerksam, dass bei der Erfassung von Unfallopfern immer noch nicht die notwendige Differenzierung zwischen Schwerverletzen und Schwerstverletzten vorgenommen wird. Eine solche Unterscheidung würde die Planung und Bewertung von Maßnahmen hinsichtlich ihrer Sicherheit verbessern, besonderen Handlungsbedarf aufzeigen und die Dimension der immensen Folgen von Unfällen verdeutlichen.

Im letzten Jahr starben innerorts in Deutschland insgesamt 983 Menschen in Folge von Verkehrsunfällen. Vier von zehn dieser Unfallopfer waren Fußgänger. Die Hälfte der als Fußgänger tödlich verunglückten Personen wiederum waren Senioren über 65 Jahre, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Angesichts des demografischen Wandels muss allein aufgrund der Alterung der Bevölkerung Deutschlands von mehr Verkehrstoten in Zukunft ausgegangen werden, insbesondere bei den unmotorisierten Fortbewegungsarten.

Was man allerdings den offiziellen Daten nicht entnehmen kann, ist die Anzahl der „Schwerstverletzten“. Diese Gruppe wird noch nicht statistisch gesondert erhoben, sondern fließt in die Gruppe der Schwerverletzen ein. Da man bereits mit einem stationären Krankenhausaufenthalt von 24 Stunden als schwerverletzt gilt, wird so die Unterscheidung zu schwerstverletzten Opfern mit Langzeitschäden unmöglich. „Neben dem großen individuellen Leid der schwerstverletzten Unfallopfer verschwindet auf diese Weise eine ganze Betroffenengruppe aus dem Blickfeld“, so Stefan Lieb, Sprecher von FUSS e.V.

Der „ Weltgedenktag für die Straßenverkehrsopfer“ wurde durch die UN-Generalversammlung initiiert und wird seit 1995 (also seit 20 Jahren) am dritten Sonntag im November begangen. Angeregt hatten diesen Gedenktag die WHO und die Weltbank.

 

Atomausstieg konsequent fortschreiben und wasserdicht machen!

Rede von Dorothée Menzner, DIE LINKE im Deutschen Bundestag am 15.3.2013

Deutschland ist nach wie vor Globaler Player im nuklearen Geschäft. Die Urananreicherungsanlage in Gronau produziert weit mehr, als die deutschen Anlagen brauchen. Die Brennelementeproduktion in Lingen, der Export von Atomkraftwerkstechnik und Investitionen in AKWs in anderen Ländern. Es waren genug dramatische Unfälle, die reichen sollten, dass die Menschheit dazulernt. Vor zwei Jahren haben wir alle unsere Trauer und Solidarität mit den Japanerinnen und Japanern bekundet. Es ist richtig: Japan braucht unsere Solidarität, und zwar nach wie vor.


Bild zum Chemieunfall in Oberbayern

Zu unserer Nachricht zum Chemieunfall in Oberbayern erreichte uns folgendes Bild vom Alzfluss:

Foto v.d. Alz (Brücke Emmerting)

Man kann genau sehen, wie und wo die Chemikalien das Flussbett vergiftet haben: Die Steine sind blank, es gibt kein Algenbewuchs mehr. Zu sehen ist die Breite der Alz an den Tag, an dem der Industriepark Gendorf 9 Stunden lang den Fluss vergiftet hat. Selbst nach einen starken Hochwasser war der Flussboden noch nie algenfrei!

Kellermann Erwin
19.4.2012

Folgenreichste Vergiftung während der letzten 30 Jahre

Chemieunfall in Oberbayern

Am Abend des 6.3.12 kam es um 19.45 Uhr zu einem Brand in einem Produktionsgebäude des Gendorfer Werkes der Clariant AG.

Das Feuer hatten die Feuerwehren nach wenigen Minuten unter Kontrolle gebracht, aber auf zunächst ungeklärte Weise gelangten 800kg bis max. 1000kg Genamin – ein Waschmittelrohstoff – in die benachbarte Alz. Die erste Erklärung war, dass der Stoff durch das Löschwasser in den Vorfluter geschwemmt wurde. Diese Version wird auch von InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG, dem Betreiber des „Industriepark Werk GENDORF“ in der Pressemitteilung vom 9.3.12 vertreten, wobei darauf verwiesen wird, dass „das Werk seit Jahren hohe Sicherheits- und Umweltstandards einhält und immer alle erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutze der Umwelt unternommen hat.“ Dass dem nicht so ist, lesen wir im RegioWiki für Niederbayern und Altötting unter dem Suchwort „Alz„:

„Infolge eines Unfalls im damaligen Hoechst-Werk Gendorf verpesteten am 9. März 1983 rund 200 Kilogramm Amine die Alz. Mehrere tausend tote Fische waren die Folge. Von zwei Tonnen Fischkadavern war in der damaligen Ausgabe der Heimatzeitung zu lesen.“

Leidet Clariant AG, die 1997 das Spezialchemikaliengeschäft der Hoechst AG und damit das Werk Gendorf gekauft hat, unter Gedächnisverlust oder hofft sie auf denselben bei den Lesern?

In der InfraServ-Pressemitteilung heisst es auch: „Genamin ist als sehr giftig für Wasserorganismen eingestuft, aber biologisch leicht abbaubar.“
Offenbar soll der Nebensatz beruhigen. Das ist angesichts 6 Tonnen toter Fische, die die Feuerwehren innerhalb fünf Tagen aus dem Fluss bergen mussten, kaum möglich; die Fischer sprachen zur gleichen Zeit sogar von 12 Tonnen toter Fische. Die „Passauer Neue Presse“ berichtete am 8.3.12 von der Sorge der Ornithologen und Umweltschützer, dass sich Wasser- und Greifvögel entlang der 14km Alz bis zum Inn über die Aufnahme der Fische ebenfalls vergiften könnten, denn Genamin konnte auch in noch lebenden Fischen nachgewiesen werden.
Das Landratsamt gab eine eine offizielle Warnung heraus, entlang des Flusses Grundwasser zu entnehmen. Allerdings sei die Trinkwasserversorgung nicht gefährdet. Für die Zukunft teilt der BUND diese Auffassung  jedoch nicht.

Am 12.3.12 meldete die Passauer Neue Presse mit Bezug auf eine Erklärung des Landratsamtes, dass das Genamin LA 302 D nicht über das Löschwasser in die Alz gelangte. Der Weg, den das Gift genommen hat, sei aber weiter unklar.

Am 24.3.12 teilte Landrat Erwin Schneider beim 12. Landrats-Diskurs mit, dass die „Sicherheitsvorkehrungen verbessert werden müssten“, und dass „erste bauliche Veränderungen am Werk bereits vom Landratsamt genehmigt und von der Industrie in die Wege geleitet“ sind. Das ging schnell: Analyse der Ursachen für den Störfall, Planung der technischen Lösung, Bauantrag stellen, bearbeiten und genehmigen und die Veränderungen in die Wege leiten. Oder waren die Schwachstellen und Lösungsmöglichkeiten schon lange bekannt?

Eine mögliche Erklärung dafür liefert der Alt-Neuöttinger Anzeiger am 30.3.12: Dr. Christian Magerl, der Vorsitzender des Umweltausschusses, hat das Werk selbst besucht und erfahren, dass es bereits vor dem Brand einen anderen Störfall gegeben hat. Dieser hat dazu geführt, dass die Notsysteme des Werkes Alarm gegeben und das Kühlwasser zeitweise in die Rückhaltebecken umgeleitet haben. Demzufolge waren die Schieber und/oder Rückhaltebecken zum Zeitpunkt des Brandes nicht voll einsatzbereit. Das sei der Grund dafür, dass das Kühlwasser erst 13 Minuten nach der Brandmeldung vollständig in die Becken gepumpt werden konnte.
Ausserdem sind die Messsonden im Kühlwasserkanal falsch – am Boden – angebracht während das Genamin in erster Linie obenauf schwimmt. Die Sensoren können daher den Schadstoff, den sie überwachen sollen, nicht (vollständig) registrieren.

Es fragt sich, ob die Anbringung bewusst gewählt wurde, um niedrigere Messwerte zu liefern? Immerhin kann die Überschreitung von Grenzwerten für Einleiter von Wasser in Vorfluter teuer werden.

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Störfalles steht noch am Anfang. …