Jeder Tropfen zählt

… Stadt für Stadt, Kommune für Kommune…

Maude Barlow, Trägerin des alternativen Nobelpreises stellt ihr Projekt
„Blue Community“ vor. Kann diese internationale Wasserinitiative auch für Berlin sinnvoll sein?

29. März 2017, 18-20 Uhr

in Saal 376 des Berliner Abgeordnetenhauses Niederkirchnerstraße 5, 10117 Berlin

Bereits 1995 prophezeite der Vizepräsident der Weltbank, Ismail Seralgeldin, dass die Kriege des 21. Jahrhunderts nicht um Öl, sondern um Wasser geführt würden. Um der Not und den Konflikten um Wasser zu begegnen, haben die Vereinten Nationen 2010 Wasser zum Menschenrecht erklärt. Maßgeblich daran beteiligt war die damalige Sonderbeauftragte der UN-Vollversammlung für Wasser, Maude Barlow (klick). Für ihr Engagement als „Water Warrior“ wurde ihr bereits 2005 der alternative Nobelpreis verliehen.

Heute führt Barlow als Vorstandsvorsitzende des Council of Canadians, der größten zivilgesellschaftlichen Vereinigung Kanadas, die Initiative Blue Community an. Mit ihr verpflichten sich Städte, Gemeinden und Organisationen zu den Grundsätzen der Anerkennung von Wasser als Menschenrecht, des Erhalts des Wassers als öffentlichem Gut und der Bereitstellung von gutem Leitungswasser an Stelle von Flaschenwasser. Bern, Paris und die Wasserbetriebe von Thessaloniki sind bereits ebenso wie der Weltkirchenrat Teil des Projektes geworden. Kann und soll auch Berlin Blue Community werden? Dieser Frage wollen wir im Rahmen einer Informationsveranstaltung mit Podiumsdiskussion nachgehen, zu der wir Sie herzlich einladen. Maude Barlow wird dabei das Projekt Blue Community vorstellen und im Anschluss in eine Diskussion eintreten mit Jens Feddern, dem Leiter Wasserversorgung der Berliner Wasserbetriebe, Dorothea Härlin vom Berliner Wassertisch sowie den Abgeordneten Daniel Buchholz (SPD), Silke Gebel (Bündnis 90/Die Grünen) und Marion Platta (Die Linke). Darüber hinaus haben sich auch Vertreterinnen und Vertreter von ver.di, AöW, der Verein a tip:tap und Gemeingut in BürgerInnenhand (GiB) angekündigt.

Durch den Abend führen wird das ehemalige Mitglied des Abgeordnetenhauses Heidi Kosche.

Im Anschluss an die Veranstaltung wird es einen kleinen Empfang geben. Um Voranmeldung wird gebeten unter: buero.gebel@gruene-fraktion-berlin.de
Daniel Buchholz, SPD-Fraktion
Silke Gebel, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Marion Platta, Fraktion Die Linke

Das könnte Sie auch interessieren:

Leben mit der Bedrohung

Vom 26. bis 28. Februar 2016 fan in der Urania, Berlin der Internationale IPPNW-Kongreß statt. Das Thema war „5 Jahre Leben mit Fukushima – 30 Jahre Leben mit Tschernobyl (klick zur IPPNW_Seite)„.

Dr. Alex Rosen, Kinderarzt und seit April 2013 stellvertretender Vorsitzender der IPPN eröffnete den Kongress mit der Rede „Leben mit der Bedrohung“ (klick zum Text).
Mit ihm führte der Schattenblick ein lesenswertes Interview (klick).

Das könnte Sie auch interessieren:

Papst Franziskus und die Frankfurter Allgemeine

eine Analyse

Erstmalig steht der Umgang mit unserem „gemeinsamen Haus“, der Erde, im Zentrum einer päpstlichen Enzyklika. Auch die FAZ/F.A.S. („Feine Marken. Feine Leser.“) konnte sie nicht ignorieren. Dem Grundgedanken zuzustimmen war dem Sprachrohr des Finanzkapitals jedoch noch weniger möglich. Die „erstklassige Leserschaft“ der FAZ/F.A.S. umfasst gemäß ihrer Selbstdarstellung einen besonders hohen Anteil „Experten in Politik oder Wirtschaft oder Steuerrecht“. Ihr wäre die Befürwortung der Enzyklika auch schwer zuzumuten, denn das widerspräche dem neoliberalen Mantra, das der Papst kritisiert.

Wie hat die FAZ/F.A.S. also über „Lautato si“ berichtet? Sie verteilte ihre Berichterstattung auf Einzelbeiträge verschiedener Autoren über mehrere Tage in unterschiedlichen Rubriken (Ausland/Europa, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik, Feuilleton/Medien). Der Effekt: Die Leser bekommen das Gefühl umfassender Information und verlieren das Interesse, die Enzyklika eventuell selbst zu lesen und sich ein eigenes Bild zu machen. Sie könnten womöglich nachdenklich werden. Im Verlauf der Berichterstattung wird die Enzyklika immer mehr auf Ökonomie reduziert und zum Teil werden bereits im Anreißer Zweifel an der Enzyklika gestreut. Nach Tagen sortiert liest sich das so:

erster Tag

Über den „Warnschrei für die Schöpfung“ gibt Jörg Bremer, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan, einen klaren, sachlichen Überblick. Unklar bleibt allerdings,was das in den Bericht eingebettete Video „Papst empfängt Putin zu Privataudienz“ auf dieser Seite soll – war Bremers Beitrag zu positiv? Wurde Franziskus deshalb in Zusammenhang mit dem „Buhmann Putin“ gebracht? (wer es nicht glaubt: hier klicken)

Dem Wirtschaftsjournalist Jan Grossarth obliegt es, die Auseinandersetzung zu führen. Er schreibt mehrere Beiträge, zunächst – offenbar basierend auf der italienischen geleakten Fassung – noch vor der Vorstellung der autorisieren Ausgabe in seinem Artikel „Ökologie-Enzyklika“ unter anderem:

… Wenn Unternehmen von Nachhaltigkeit sprächen, gehe es ihnen oft bloß um „Marketing und Image“, meint Franziskus. Er beklagt ein vermeintliches eindimensionales technisches Paradigma und führt aus, der „moderne Anthropozentrismus“ – die Vorstellung vom Menschen als Dreh- und Angelpunkt der Welt – habe paradoxerweise einen technischen Zugang zur Welt gebracht, so dass der Mensch sich nicht mehr als Teil der Natur wahrnehme. Dem setzt der Papst eine holistische Sicht entgegen.…“ (Hervorhebung von mir)

Grossarths Kritik drückt sich hier lediglich darin aus, dass er mit der Bezeichnung „vermeintlich“ Zweifel sät. Doch Franziskus beschreibt nicht nur das Mensch-Natur-Verhältnis, seine „holistische Sicht“ drückt sich darin aus, dass er eine Bestandsaufnahme der Umwelt- und der sozialen Probleme vornimmt und aus Mitgefühl und Verantwortung für die Armen (Menschen und Länder) und zukünftige Generationen argumentiert. Grossarth hat das offensichtlich gelesen, denn er schreibt weiter: „Papst Franziskus und die Frankfurter Allgemeine“ weiterlesen

Das könnte Sie auch interessieren:

Öko-Papst Franziskus – eine Fehlinterpretation

Die Zeitungen sind voll von Berichten über die „Umweltenzyklika“ „Laudato si“, die Papst Franziskus heute vorgestellt hat. Das ist nicht verwunderlich. Enzykliken sind die wichtigsten Schreiben eines Papstes, laut Wikipedia: bis heute eine wichtige Verlautbarungsform des kirchlichen Lehramtes der römisch-katholischen Kirche.“ Dass Prof. Schellnhuber, Direktor des Potsdamer Institus für Klimafolgenforschung zum Mitglied der päpstlichen Akademie der Wissenschaften berufen wurde – was die Ernsthaftigkeit Franziskus‘ in ökologischen Fragen unterstreicht – ging dagegen etwas unter – oder hat den Focus auf den Klimaschutz besonders deutlich gemacht.

einiges zum Inhalt

Franziskus wendet sich NICHT NUR an Katholiken:  „Ich lade dringlich zu einem neuen Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten … In dieser Enzyklika möchte ich in Bezug auf unser gemeinsames Haus in besonderer Weise mit allen ins Gespräch kommen. … Alle können wir als Werkzeuge Gottes an der Bewahrung der Schöpfung mitarbeiten, ein jeder von seiner Kultur, seiner Erfahrung, seinen Initiativen und seinen Fähigkeiten aus.“

Zum ersten Mal in der über 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche steht jetzt die Umwelt im Zentrum einer päpstlichen Enzyklika – wenngleich sich bereits  Johannes Paul II. und Benedikt XVI. mit der Bewahrung der Schöpfung beschäftigt haben[1].

Die Situation heute

Franziskus fordert, „auf die Situation heute zu schauen, indem man die neuesten Ergebnisse der Wissenschaft zu Hilfe nimmt“. Das bedeutet für ihn:

  • Die Klimaänderung ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen; sie stellt eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar.“ Er meint viele, „die mehr Ressourcen oder ökonomische oder politische Macht besitzen, scheinen sich vor allem darauf zu konzentrieren, die Probleme zu verschleiern oder ihre Symptome zu verbergen … Der Mangel an Reaktionen angesichts dieser Dramen unserer Brüder und Schwestern ist ein Zeichen für den Verlust jenes Verantwortungsgefühls für unsere Mitmenschen, auf das sich jede zivile Gesellschaft gründet“.
  • Die Wasserfrage: Für Franziskus ist „der Zugang zu sicherem Trinkwasser ein grundlegendes, fundamentales und allgemeines Menschenrecht, weil es für das Überleben der Menschen ausschlaggebend und daher die Bedingung für die Ausübung der anderen Menschenrechte ist“
  • Schutz der Biodiversität“: „Jedes Jahr verschwinden Tausende Pflanzen- und Tierarten, die wir nicht mehr kennen können, die unsere Kinder nicht mehr sehen können, verloren für immer“. Er lobt zwar „die Anstrengungen der Wissenschaftler und Techniker, die versuchen, Lösungen für die vom Menschen verursachten Probleme zu schaffen“, aber wenn menschliches Eingreifen nur der Welt der Finanzen und des Konsum dient, wird „die Erde, auf der wir leben, in Wirklichkeit weniger reich und schön, immer begrenzter und trüber“.
  • „Die ökologische Schuld“ gibt Franziskus den Industrieländern: Er nennt für den Klimawandel „diversifizierte Verantwortlichkeiten“, und sieht die größere Verantwortlichkeit bei den „entwickelten Ländern“. Doch es fehlt auch eine angemessene Kultur des Umgangs mit dem Problem und die Breitschaft, Lebensstile, Produktionsweisen und Konsum zu ändern.

Ursachen

Im dritten Kapitel geht Franziskus im „Dialog mit Philosophie und den Humanwissenschaften“ auf die „tiefsten Ursachen“ der gegenwärtigen Situation ein. Sein Ausganspunkt sind Technologien, die „denen, welche die Kenntnis und vor allem die wirtschaftliche Macht besitzen, sie einzusetzen, eine beeindruckende Gewalt über die gesamte Menschheit und die ganze Welt“ geben. Inhaltlich startet er somit beim Mumfordschen Konzept der „Megamaschine“ bzw. Illichs „radikalem Monopol“ und nennt das „technokratisches Paradigma“. Dieses ist für ihn das Hindernis zu erkennen, dass „der Markt von sich aus … nicht die ganzheitliche Entwicklung des Menschen und die soziale Inklusion“ sichert. Als Hauptursache macht er den „exzessiven Antropozentrismus“ aus, demzufolge „Menschen … nicht mehr ihren wirklichen Ort in der Welt [erkennen], sondern … selbstbezogen [denken] und … nur sich selbst und die eigenen Möglichkeiten [sehen].“ Daraus folgen für ihn Erscheinungen, wie Wegwerfmentalität, Naturverschwendung, Kinderausbeutung, Einsamkeit älterer und allein gelassener Menschen, Sklaverei, Marktradikalität, Menschenhandel, Handel mit Fellen vom Aussterben bedrohter Tiere und mit Blutdiamanten, Organe- und Drogenhandel sowie „Wegwerfen“ von unerwünschten Kindern. Eine „ganzheitliche Ökologie“ muss den Menschen und den Wert seiner Arbeit einbeziehen, daher ist es nötig, aufzuhören „in den Menschen zu investieren, um einen größeren Sofortertrag zu erzielen“[2].

Eine weiteres Problem ist die Begrenztheit des wissenschaftlichen Fortschritts: So hat die (grüne) Gentechnik zu wirtschaftlichem Wachstum in einigen Regionen geführt, aber auch zu „bedeutenden Schwierigkeiten, die nicht relativiert werden dürfen“. Er wendet sich gegen eine technizistische Sicht und fordert „eine verantwortungsbewusste und breite wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte, … die in der Lage ist, alle verfügbaren Informationen in Betracht zu ziehen und die Dinge beim Namen zu nennen“.[3]

Eine ganzheitliche Ökologie

… bezieht die menschliche Umwelt in ihrer Gesamtheit ein, d.h. nicht nur die Natur, sondern auch unsere Mitmenschen ebenso, wie Ökonomie und Politik: „Heute ist die Analyse der Umweltprobleme nicht zu trennen von einer Prüfung des menschlichen Umfelds, des familiären Kontextes, der Arbeitsbedingungen und der urbanen Verhältnisse sowie der Beziehung jedes Menschen zu sich selbst. … Es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern eine einzige und komplexe sozio-ökologische Krise.“ – wobei sich Franziskus konkret auf die weltweite Gesellschaft bezieht.

Leitlinien für Orientierung und Handlung

Doch Analysen alleine reichen nicht, wir benötigen „ausführliche Leitlinien für Dialog und Aktion, die sowohl jeden von uns als auch die internationale Politik betreffen, … die uns helfen sollen, aus der Spirale der Selbstzerstörung herauszukommen, in der wir untergehen“. Diese Leitlinien können nur im Dialog gefunden werden, nicht auf ideologischen oder oberflächlichen Positionen beruhen. Es ist nicht der Anspruch der Kirche, „die wissenschaftlichen Fragen zu lösen, noch die Politik zu ersetzen, doch ich fordere zu einer ehrlichen und transparenten Debatte auf, damit Sonderbedürfnisse oder Ideologien nicht das Gemeinwohl schädigen“. Mit Blick auf den bevorstehenden Klimagipfel in Paris meint er, dass die „Umwelt-Gipfeltreffen der letzten Jahre nicht den Erwartungen entsprochen [haben], denn aus Mangel an politischer Entscheidung haben sie keine wirklich bedeutungsvollen und wirksamen globalen Umweltvereinbarungen erreicht“. Das Kapitel schließt mit einem Appel an die politisch Verantwortlichen, die sich zur Zeit der an „Effizienz und Unmittelbarkeit ausgerichteten Logik“ unterwerfen.

Ökologische Erziehung und Spiritualität

Ausgangspunkt einer „ökologischen Umkehr“ sind für Franziskus Bildung und ein „anderer Lebensstil, … der die Möglichkeit eröffnet, einen heilsamen Druck auf diejenigen auszuüben, die politische, wirtschaftliche und soziale Macht besitzen“. Als Beispiele dienen ihm Produktboykotte, die die Politik der Produzenten beinflussen, “ sie zwingen, die Umweltbelastung und die Produktionsmuster zu überdenken“.

Schlußfolgerung

Franziskus ruft nicht nur auf zum globalen Kampf gegen den Klimawandel, für politische Programme, um den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen drastisch zu reduzieren, zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern und eine schnellstmögliche Umstellung auf erneuerbare Energien, zum Schutz des Wassers und der biologischen Vielfalt.
Indem er nicht zwischen Umwelt- und Armutsproblemen trennt, sondern beide auf eine Wurzel zurückführt, geht seine Enzyklika weit über den herkömmlichen Umweltschutz hinaus. Franziskus liefert die Bergründung dafür, dass beide gemeinsam gelöst werden müssen und ist insofern kein „Öko-Papst“, sondern ein Beispiel ganzheitlichen Denkens – auch für viele Politiker DER LINKEN, für die Ökologie immer noch ein Spezial- bzw. Randproblem ist.

Dabei geht er allerdings nicht so weit, den Kapitalismus als Wurzel allen Übels zu benennen; er bleibt beim Appell an jeden Einzelnen. Dieser Appell ist berechtigt, aber unzureichend.
Die Hoffnung, dass sich die politisch Verantwortlichen von der an „Effizienz und Unmittelbarkeit ausgerichteten Logik“ trennen, d.h. über Wahlperioden hinaus denken und bereit sind, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen – sofern ihnen „die Wirtschaft“ das überhaupt ermöglicht[4] – diese Hoffnung teile ich nicht.

Ohne Druck von der Straße wird der Appell wirkungslos bleiben.

Wolfgang Borchardt
18.6.2015

 


Fussnote(n)


[1↑] Johannes Paul II.: Enzykliken „Centesimus annus“, „Evangelium vitae“
Benedikt XVI.: Enzyklika „Caritas in veritate“ [zurück zum Text hier klicken]

[2↑] Marx nennt das kurz Ausbeutung. [zurück zum Text hier klicken]

[3↑] Wir nennen das „Wirtschaftsdemokratie“ [zurück zum Text hier klicken]

[4↑] Ich denke nur an das aktuelle Gezerre um die Klimaabgabe für die ältesten Kohlekraftwerke. [zurück zum Text hier klicken]

Das könnte Sie auch interessieren:

Vier Jahre Fokushima-Gau

ausgestrahlt

Der Super-GAU in Fukushima jährt sich zum vierten Mal. Und noch immer kommt es jeden Tag zur radioaktiven Verseuchung des Meeres und der Luft. Die Zahl der Krebs-Erkrankungen in der Region steigt stetig und viele Menschen leiden unter dem Verlust ihrer Heimat, die auf Generationen hinaus unbewohnbar geworden ist.

Um der Opfer der Katastrophe zu gedenken, findet am Samstag, den 7. März eine Demo in Berlin statt. An diesem Tag soll zugleich daran erinnert werden, dass auch in unserem Land täglich neun AKW am Netz sind und jederzeit eine Katastrophe ähnlichen Ausmaßes auch bei uns möglich ist!

Die InitiatorInnen der Mahnwache – der Trägerkreis um Sayonara Nukes, AntiAtom Berlin und Naturfreunde Berlin – haben sich in diesem Jahr etwas Besonderes ausgedacht: Zur japanischen Folkloremusik aus Fukushima  „Kansho Odori“ soll ein gemeinsamer, einfacher Tanz aufgeführt werden.

Treffpunkt ist am Brandenburger Tor um 13 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren:

3 Jahre alt und trotzdem aktuell

Anläßlich der Fukushima-Katastrophe am 11. März 2011 bringen wir hier die Zusammenfassung einer UBA-Studie vom Mai 2011 „Hintergrundpapier zur Umstrukturierung der Stromversorgung in Deutschland„, in der gezeigt wird, dass ein schneller Atomausstieg in Deutschland möglich ist. Zwar hat sich auf diesem Weg nicht allzu viel getan, aber die Voraussetzungen dafür sind besser geworden.

„Das Umweltbundesamt hält einen schnellen Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft ab dem Jahr 2017 für möglich und mit den Klimaschutzzielen vereinbar. Das Umweltbundesamt empfiehlt ein gestuftes Vorgehen:

Die 17 deutschen Atomkraftwerke haben eine Gesamtleistung von 20,5 GW (netto). Die ältesten sieben Atomkraftwerke und das Atomkraftwerke Krümmel mit einer Leistung von 8,4 GW sollten schnellstmöglich außer Betrieb gehen. Unter dem Aspekt der gesicherten Leistung ist dies möglich, da im deutschen Kraftwerkspark derzeit ausreichend überschüssige Reservekapazitäten von rund 10 GW Leistung bestehen. Mit der Abschaltung der 7+1 Atomkraftwerke ist die Netzstabilität nach übereinstimmender Einschätzung der Übertragungsnetzbetreiber und der Bundesnetzagentur derzeit zwar angespannt, aber beherrschbar. Um einen sicheren Netzbetrieb auch im Winter 2011/12 zu gewährleisten, fordern die Übertragungsnetzbetreiber eine Erhöhung der Kraftwerkseinspeisung in Süddeutschland um 2000 MW gegenüber dem jetzt geltenden Moratorium. Dies entspricht einem befristeten Weiterbetrieb von höchstens zwei der vom Moratorium betroffenen Atomkraftwerke bis zum Frühjahr 2012. Da jedoch nach unserer Einschätzung offenbar in den Untersuchungen der Übertragungsnetzbetreiber zentrale Alternativen nicht oder nicht genügend berücksichtigt wurden, sind die Ergebnisse nicht ausreichend belastbar. Es hat keine hinreichende Berücksichtigung aller Maßnahmen stattgefunden, die zur Gewährleistung der Netzsicherheit eingesetzt werden können.

Für die verbleibenden Atomkraftwerke sollte geprüft werden, in welcher Reihenfolge die restlichen Atomkraftwerke zeitnah stillgelegt werden können. Deutschland kann nach unseren Berechnungen ab 2017 vollständig auf Atomkraft verzichten. Über die derzeit in Bau befindlichen Kraftwerke und die zu erwartenden zusätzlichen Biomassekraftwerke hinaus besteht hierfür bis 2017 ein zusätzlicher Kapazitätsbedarf von höchstens 5 GW, der durch neue hochflexible und hocheffiziente Erdgas-GuD-Kraftwerke, sowie teilweise durch Lebensdauer verlängernde Maßnahmen an Bestandskraftwerken, durch einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien und der KWK und zusätzliche Energieeffizienzmaßnahmen rechtzeitig gedeckt werden kann. Auch in Hinblick auf einen sicheren und zuverlässigen Betrieb der Übertragungsnetze gilt, dass ein vollständiger Atomausstieg ab dem Jahr 2017 realisiert werden kann.

Denn wenn es für einen sicheren Netzbetrieb erforderlich sein sollte, könnten neue Erdgas-GuD-Kraftwerke zur Netzstützung als Ersatz in den Regionen gebaut werden, in denen heute die Atomkraftwerke stehen. Bei einer Realisierungszeit von 3-6 Jahren ist dies bis zum Jahr 2017 möglich.

Mit diesen Vorschlägen können die Sicherheit der Bevölkerung, die Versorgungssicherheit Deutschlands und die Klimaschutzziele auch langfristig gewährleistet werden. Durch den verstärkten Betrieb von Kohle- und Erdgaskraftwerken – bei einem Atomausstieg ab 2017 – entstehen durch den Emissionshandel EU-weit keine höheren CO2-Emissionen.
Stromimporte aus dem Ausland sind aus Gründen der Versorgungssicherheit nicht nötig. Die aktuell gestiegenen Importe sind vornehmlich preisgetrieben. Zudem stehen die Atomkraftwerke in unseren Nachbarländern in der europäischen Merit-Order soweit vorne, dass sie auch ohne Moratorium in Deutschland weitgehend ausgelastet sind und daher auf die veränderte Marktlage in Deutschland kaum reagieren können. Die zusätzlichen Importe stammen überwiegend aus fossilen Kraftwerken.

Ein vorgezogener Atomausstieg ab 2017 würde lediglich zu moderaten Strompreissteigerungen zwischen 6 und 8 Euro je Megawattstunde (0,6 und 0,8 Cent pro Kilowattstunde) im Mittel bis 2030 und zu keinen nennenswerten Wachstumseinbußen führen.

Ein vollständiger Atomausstieg ab 2017 verringert die Gefahren und Risiken der Atomenergie deutlich. Dies hätte erhebliche gesellschaftliche Vorteile, die die moderaten Strompreiserhöhungen aufwiegen.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Wetterbeeinflussung ist kein Geoengeneering

Die Onlinezeitung Schattenblick stellt in einem detaillierten Artikel klar, dass das chinesische Programm zur Wetterbeeeinflussung kein Geoengeneering darstellt:
„Chinas Pläne zur Wettermodifikation sind kein Geoengineering“.

Wir bitten, die falsche Überschrift in unserem Beitrag zu entschuldigen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Geoengeneering in China beschlossen

Die China Meteorological Administration hat am 25.12.2014 folgendes bekannt gegeben:

Am 17. Dezember haben die chinesische Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) und die China Meteorological Administration (CMA) gemeinsam einen Entwicklungsplan für die Nationale Wettermodifizierung (2014-2020) bekannt gegeben. Die Planung bekräftigt die Grundideen, Absichten, die allgemeine Ausgestaltung, die primären Aufgaben und die Art und Weise der Wetterbeeinflussung. 

Gemäß dieser Planung will China bis 2020 ein umfassendes System zur Wetterbeeeinflussung aufbauen und sechs regionale Entwicklungszentren bilden, wichtige Ergebnisse der Grundlagenforschung und Anwendungstechnologie erreichen, Unterstützungskapazitäten und das Sicherheitskontrollniveau verbessern und den Nutzen für die öko-soziale Entwicklung erhöhen. In dieser Zeit wird der künstliche Niederschlag um mehr als 60 Mrd. m3 pro Jahr zunehmen, außerdem wird auf  540.000 km2  künstlich der Hagel verhindert.

„Geoengeneering in China beschlossen“ weiterlesen

Das könnte Sie auch interessieren:

Fukushima – zehn Jahre danach

Nein, wir sind nicht der Zeit voraus, aber die folgende Langzeitsimulation des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigt, wie der (Nord-)Pazifik in zehn Jahren mit Cs-137 verseucht sein wird:

Fukushima+10_Jahre

Aber keine Sorge: Bisher sind ja erst drei Jahre vergangen, daher ist die Verseuchung noch nicht so weit fortgeschritten:

Fukushima+3_Jahre

Falls jemand der Meinung ist, es sei ja nur eine Simulation, die könnte auch falsch sein, bitte sehen Sie sich die Karte hier an.

Übrigens: Es soll auch Menschen geben, die den Pazifik-Lachs bevorzugen … und Menschen, die keine Alternativen haben!

Zu Hintergründen des katastrophalen Krisenmagements empfiehlt sich die Sendung von frontal 21 [1] vom 17.12.2013 und zum Nachlesen das Script der Sendung.

Hier sehen Sie die o.g. Simulation im Zeitverlauf:



[1↑] Der Link musste entfernt werden, da der Beitrag in der ZDF-Mediathek nicht mehr verfügbar ist.

Das könnte Sie auch interessieren:

„Der geplünderte Planet“ – Neuer Bericht an den Club of Rome

Die Verknappung zentraler Ressourcen ist absehbar  – Hinweis auf ein Interview auf Kontext TV

Mehr als 40 Jahre nach dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ stellte der Club of Rome nun seinen neuen Bericht vor: „Der geplünderte Planet“. Autor Ugo Bardi[1] erläutert im Kontext-TV-Interview, welche Folgen der Raubbau an der Erde hat und warum es in den kommenden Jahrzehnten zu Ressourcen-Knappheiten kommen wird. Neben Öl könnte es auch bei Uran und Kupfer bald zu Engpässen kommen. Noch gravierender aber  sind laut Bardi die Umweltfolgen des Raubbaus: Radioaktive Materialien und Schwermetalle vergiften die Erde, der wachsende CO2-Ausstoß führt zu einem katastrophalen Klimawandel.

Interview ansehen

„Der geplünderte Planet“

erschien beim oekom-Verlag [2]. In der Pressemitteilung des Verlages wird es so beschrieben:

„Wir pumpen Millionen Liter mit giftigen Chemikalien und Bioziden versetztes Wasser in unsere Böden, um ihnen auch die letzten Gasvorkommen zu entziehen, nennen es Fracking und erklären es zur fortschrittlichen Methode. Wir führen Kriege um die sogenannten „Seltenen Erden“, damit wir uns jedes Jahr ein neues Smartphone leisten können, sehen darin die Zukunft und denken doch nicht daran, was sein wird. Hier wiederholen sich – an neuen Orten, mit neuen Protagonisten – alte Handlungsmuster: seit Jahrhunderten führt der Mensch einen Raubzug gegen die Erde ohne dessen Folgen im Blick zu haben. Der Chemiker Ugo Bardi erzählt die Geschichte dieser Plünderung und liefert zugleich eine umfassende Bestandsaufnahme der Rohstoffsituation unseres Planeten. In „Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen“, dem neuen Bericht an den „Club of Rome“, der am 6. 6.2013 in Berlin präsentiert (wurde).

Unser Planet liefert uns eine Fülle von Rohstoffen, die der Mensch seit jeher abbaut und nutzt. Anfangs in moderatem Maß; doch bald geht es um Gold, Geld und Macht: auf Edelmetallen werden Weltreiche errichtet. Wenig später bilden fossile Brennstoffe die Basis dieser Imperien – auch hier wiederholt sich Geschichte. Doch am Ende scheitert der Mensch immer wieder an zwei Problemen, die sich wechselseitig bedingen: an der Ressourcenverknappung durch Wachstumsgrenzen sowie der Zerstörung des Ökosystems durch permanente Abfallproduktion.

Ugo Bardi blickt zurück an den Anfang: wie sind die Rohstoffvorkommen entstanden, warum hat der Mensch begonnen sie zu nutzen, welche Konflikte gab es? Er erläutert die gegenwärtige Situation, diskutiert Verknappungskonzepte und bewertet Alternativen. Aber er wagt vor allem auch den Blick nach vorne: welche zukünftigen Szenarien sind vorstellbar, wie können wir zu einem nachhaltigen Umgang mit unserem Planeten kommen? Flankiert werde seine Betrachtungen durch mehrere Ausblicke: Einschätzungen von Experten zu besonders relevanten Ressourcen, wie etwa Öl, Kohle, Kupfer oder Lithium, sowie zu mit dem Ressourcenmanagement verknüpften Problemen und Lösungsansätzen, beispielsweise Fracking oder Upcycling.

Auch wenn der Ideenreichtum nahezu unerschöpflich scheint – das Auswaschen von Mineralien aus dem Meerwasser, das Anzapfen des Tiefseebodens oder gar der Abbau von Helium 3 auf dem Mond – „in Wirklichkeit ist das ein Krieg gegen den Planeten, ein erbarmungsloser Krieg. Es ist aber auch ein Krieg, den man nicht gewinnen kann. Auf lange Sicht wird sich der Planet vom Angriff der die Bodenschätze ausbeutenden Menschheit erholen, und die einzig möglichen Opfer sind am Ende wir selber“, so Ugo Bardi.



[1↑]Ugo Bardi, Professor für physikalische Chemie an der Universität Florenz, ist Mitglied der NGO Association for the Study of Peak Oil (ASPO) und betreibt ein Blog namens Cassandra’s Legacy. Er ist Autor des Berichts an den Club of Rome „Der geplünderte Planet“

[2↑]Ugo Bardi: Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen, oekom verlag, München 2013, 360 Seiten, 22.95 €, ISBN 978-3-86581-410-4

Das könnte Sie auch interessieren:

„Water Makes Money“ – der Kampf geht weiter

Mitteilung des Umweltinstitutes München

Im Februar fand in Paris ein Prozess gegen den Film „Water Makes Money“ statt. Das Verfahren gegen den französischen Filmvertrieb und den Protagonisten Jean-Luc Touly entwickelte sich zu einem politischen Tribunal gegen die privaten Wasserkonzerne. Ausführlich berichteten der Angeklagte und zahlreiche Zeugen über die Machenschaften des Konzerns Veolia. Im abschließenden Plädoyer sah die Staatsanwältin keinen berechtigten Anlass mehr für eine Klage. In Kürze wird nun das Urteil erwartet.

Seit einigen Tagen ist jetzt aber die Homepage des Films „Water Makes Money“ gezielten Hackerangriffen ausgesetzt. Ein Erster konnte abgewehrt werden. Der zweite und dritte Angriff haben dann alle Webseiten zerstört. Die Hacker gingen dabei sehr professionell vor. Da drängt sich die Frage auf: Wer könnte ein Interesse daran haben, den Filmemachern zu schaden? Wem nützt es, die kritischen Informationen der Öffentlichkeit vorzuenthalten?

Wir sagen „jetzt erst recht“ und laden Sie anlässlich des „Tages des Wassers“ herzlich zur kostenlosen Filmvorführung von „Water Makes Money“ ein. Die Filmemacherin Leslie Franke wird im Anschluss über ihre Erfahrungen und den aktuellen Prozess berichten.

Termin: 22. März 2013, 17 Uhr
Ort: NEUES ROTTMANN Kino, Rottmannstraße 15, München, U Stiglmaierplatz
Diskutierende: Leslie Franke (Regisseurin „Water Makes Money“), Veolia (angefragt), Anja Sobczak (Referentin am Umweltinstitut München)


Aktueller Stand der Petition gegen die Privatisierung der Wasserversorgung (15.3.2013)

Bis zum September müssen 1 Mio. Unterschriften eingesammelt sein, um das Vorhaben zu stoppen.

Bis jetzt sind es bereits 1.262.334 Unterschriften! Wir machen weiter!

Das könnte Sie auch interessieren:

Climate Crimes

Der Regisseur und Naturschützer Ulrich Eichelmann zeigt in seinem neuen Film „Climate Crimes“, wie unsere Umwelt im Namen des Klimaschutzes zerstört wird. Im Interview mit der Berliner Zeitung erklärt er auf die Frage:
Warum ist für Sie die Ausweitung der Bioenergieerzeugung kontraproduktiv für das Klima?:

„Wasserkraft, Biogas und Biosprit zerstören nicht nur die Natur, sie leisten auch keinen Beitrag zum Klimaschutz. Im Gegenteil, sie tragen oft noch zur Erwärmung bei.
Stauseen etwa emittieren gleich viel Klimagase wie der gesamte Flugverkehr weltweit.
Biogasanlagen sind Landfresser, die größten überhaupt bei der Energieerzeugung. Um die gleiche Menge Strom zu produzieren, braucht die Windenergie nur vier Prozent der Fläche. Die Energiebilanz beim Biogas wird noch schlechter, wenn ich alles berücksichtige, was für die Maisproduktion nötig ist. Wenn ich dann auch noch einberechne, dass feuchtes Grünland umgepflügt wird, ist die Bilanz sogar negativ, das heißt klimaschädlich.“

Starke Worte, denen es sich lohnt, nachzugehen. Der Trailer kann hier angesehen werden. 1)

Die Vollversion auf Youtube finden Sie hier (klick).


[1↑] Bei der Gelegenheit könnte mensch sich auch gleich noch über die humorvolle Erklärung der Zusammenhänge durch Volker Pispers bei der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises 2011 erfreuen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Wasser ist Menschenrecht

Wochenlang überhäuften Bürgerinnen und Bürger die Europaabgeordneten mit Post, um die Pläne zur europaweiten Privatisierung von Wasser zu verhindern (siehe hier). Ohne Erfolg. Eine Mehrheit der Abgeordneten aus Konservativen und Sozialdemokraten im federführenden Binnenmarktausschuss stimmte heute für die Richtlinie zur Vergabe von Konzessionen. DIE LINKE. im Europäischen Parlament lehnt diese ab.

Hierzu Thomas Händel (DIE LINKE), Mitglied im Ausschuss für Verbraucherschutz und Binnenmarkt:

„Es geht jetzt darum, die Abstimmung im Plenum des Europäischen Parlaments zu gewinnen – damit das Allgemeingut Wasser weiter in öffentlicher Hand bleibt. Der Zugang zu Wasser ist ein Menschenrecht.“

Die Richtlinie zur Vergabe von Konzessionen erhöht den Druck zur europaweiten Ausschreibung von Konzessionen, zum Beispiel bei der städtischen Wasserversorgung erheblich. Dies betrifft insbesondere Stadtwerke und kommunale Zweckverbände.

Thomas Händel: „Bisher konnten Konzessionen mangels eines europäischen Rechtsrahmens auch direkt von der öffentlichen Hand vergeben werden. Dies möchte die Europäische Kommission ändern. Ab einer Auftragshöhe von 8 Mio. Euro wird eine europaweite Ausschreibung von Konzessionen Pflicht, auch bei einer Neuvergabe von bereits bestehenden Konzessionen.“ Zwar ließe dies auch die Bewerbung von städtischen Unternehmen zu – bewerben können sich allerdings auch große, europa- und weltweit tätige private Konzerne mit all ihren Möglichkeiten, so Händel.

Soziale Kriterien oder gar eine Tariftreue schreibe die Richtlinie entgegen unserer Forderungen nicht vor. „Da viele Gemeinden verschuldet sind, könnte das zu Druck zur Vergabe von Konzessionen und damit Liberalisierung und Privatisierung führen, den Preis zahlen die Arbeitnehmer durch Druck auf die Löhne und die Bürger durch explodierende Wasserpreise.“ so der Abgeordnete.

„Nach der heutigen Abstimmung im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz reiben sich Großkonzerne wie Nestlé bereits die Hände“, fügt die umweltpolitische Sprecherin der LINKEN im Europäischen Parlament, Sabine Wils, hinzu, „Wasser als Spekulationsobjekt wäre ein Milliardengeschäft. Im Privatisierungs- und Sparwahn der neoliberalen Regierenden in der EU wird Stück für Stück die allgemeine Daseinsvorsorge zum Privatgut multinationaler Konzerne, die nur Profitmaximierung im Sinn haben. Neben der Wasserversorgung geht es dabei auch um die Privatisierung von Post, Bahn und Transportgesellschaften.“

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Siemens: Menschenrechte missachten und Gewinne einstreichen

Pressemitteilung Nr. 3/2013  München, 23. Januar 2013

Organisationsbündnis protestiert bei Aktionärsversammlung gegen Beteiligung von Siemens am brasilianischen Belo Monte-Staudamm

Anlässlich der heutigen Hauptversammlung der Siemens AG in München demonstriert ein Bündnis von Menschenrechts- und Umweltorganisationen gegen den verantwortungslosen Einsatz von Siemens beim Staudammprojekt Belo Monte in Brasilien. Vor dem Eingang der Olympiahalle begrüßten Vertreter des Bündnisses die Aktionärinnen und Aktionäre u.a. mit dem Banner „Keinen Profit auf Kosten von Amazonas und Menschen“ und verteilten Flugblätter. Auf der Hauptversammlung wurden von zwei Vertreterinnen Redebeiträge angemeldet, um ihre Forderungen direkt an die Entscheidungsträger in Vorstand und Aufsichtsrat zu richten.

„Die Rechtsbrüche und Menschenrechtsverletzungen müssen ein Ende haben. Wenn Siemens dies nicht herbeiführen kann, muss der Konzern aus dem Projekt aussteigen“, so Heike Drillisch von GegenStrömung. „Auch ein Unternehmen wie Siemens muss sich an die internationalen Umwelt und Menschenrechtsstandards halten. Dafür müssen Strukturen im Konzern etabliert werden, die eine Beteiligung an zerstörerischen Projekten wie Belo Monte in Zukunft ausschließen“, fordert Drillisch.

Mit der Lieferung von Turbinen, Generatoren und Transformatoren ist Siemens, über sein Joint Venture Voith Hydro, für die Inbetriebnahme des Wasserkraftwerks mitverantwortlich und somit auch für die damit einhergehende Missachtung grundlegender internationaler Menschen- und Arbeitsrechte sowie nationaler Gesetzgebung: Das Staudamm-Projekt verstößt gegen UN-Leitprinzipien und Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Darüber hinaus werden die Empfehlungen der Weltstaudammkommission außer Acht gelassen. „Siemens missachtet selbst die eigenen Corporate-Governance-Richtlinien. Im Zusammenhang mit dem Staudamm-Projekt kann weder von einer verantwortungsbewussten, wertebasierten Führung noch von einem angemessenen Umgang mit Risiken die Rede sein“, so Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

„Belo Monte ist der Todesstoß ins Herz der indigenen Völker am Xingu. Auch wenn europäische Firmen mit diesem Wahnsinnsprojekt astronomische Gewinne machen, ist dadurch Belo Monte noch lange nicht ethisch vertretbar. Jede Firma, die sich an Belo Monte beteiligt, zeichnet mitverantwortlich für diese Menschenrechts- und Umweltkatastrophe“, empört sich Erwin Kräutler, katholischer Bischof am Xingu, dessen Beitrag von einer Vertreterin des Bündnisses vorgestellt wurde.

„Der Versuch des Siemens Konzerns, sich als Vorreiter im Bereich sauberer Energie zu profilieren, wirkt durch die Beteiligung an Belo Monte grotesk“, kommentiert Martin Glöckle von Pro REGENWALD. Durch die Flutung der Staubecken würden 400 km² Regenwald vernichtet, dabei einzigartige Schutzgebiete zerstört und gleichzeitig klimaschädliche Treibhausgase in großem Ausmaß freigesetzt. Das Amazonasgebiet ist eines der sensibelsten Ökosysteme der Erde und wirkt stabilisierend auf das globale Klima. „Eine Zerstörung ist nicht umkehrbar und zeigt die Missachtung der Rechte künftiger Generationen durch den Siemens-Vorstand“, so Glöckle.

AnsprechpartnerInnen:

GegenStrömung, Heike Drillisch, Tel: 0331 / 70 48 212, Mobil: 0177 / 345 26 11,
heike.drillisch@gegenstroemung.org

urgewald, Katrin Ganswindt, Tel: 02583 / 1031, Mobil: 0176 / 324 111 29, katrin@urgewald.de

Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Markus Dufner,
Tel: 0221 / 599 56 47, mobil: 0174 / 403 8806, dachverband@kritischeaktionaere.de

Unterstützende Organisationen:

Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Earth Peoples, Brasilieninitiative Freiburg, FDCL, GegenStrömung, POEMA Stuttgart, Pro REGENWALD, Rettet den Regenwald, Robin Wood, urgewald

Weitere Informationen:

Den Gegenantrag finden Sie auf der Homepage der Kritischen Aktionäre: www.kritischeaktionaere.de.
Einen ausführlichen Bericht über die Hauptversammlung werden Sie nachträglich auf www.urgewald.org finden.

Hintergrund – Staudamm Belo Monte:

Mit dem Belo Monte-Projekt soll am Xingu-Fluss im brasilianischen Amazonasbecken der drittgrößte Staudamm der Erde realisiert werden. Für eine Kapazität von bis zu 11.000 MW soll er eine Fläche von 668 km² (z.Vgl.: Bodensee = 536 km²) fluten, während ein anderer Flussabschnitt, die „Volta Grande“ oder „Große Flussschlinge“, deutlich weniger Wasser erhalten wird. Die ökologischen Folgen sind die Zerstörung von Schutzgebieten und Regenwaldflächen, mit gleichzeitiger Emission klimaschädlicher Treibhausgase.

Zudem sind die sozialen Folgen des Dammbaus verheerend: Mehr als 30.000 Menschen steht die Zwangsumsiedlung bevor. Die Lebensweisen indigener Völker sind bedroht und tausende Fischer stehen vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) stellte fest, dass die brasilianische Regierung bei dem Projekt Menschenrechte verletzt. Der Widerstand vor Ort gegen die Gesetzesbrüche ist immens: Die regionale Staatsanwaltschaft macht sich seit langem mit Gerichtsklagen gegen das Projekt stark; Demonstrationen, Streiks und Bauplatzbesetzungen wegen schlechter Arbeitsbedingungen und Missachtung von gesetzlichen Vorschriften sind an der Tagesordnung.Der Bau des Damms wurde dadurch wiederholt unterbrochen, konnte aber bisher nicht verhindert werden.

Der Belo Monte-Staudamm wird voraussichtlich nicht der letzte sein, der den Xingu bedroht: UmweltschützerInnen befürchten, dass weitere Staudämme gebaut werden sollen, um die Wirtschaftlichkeit des Wasserkraftwerks sicherzustellen. Dessen geplante Leistung kann durch die unbeständige Wasserführung des Xingu nur 3–4 Monate voll genutzt werden. Insgesamt sind noch über 50 Wasserkraftwerke im brasilianischen Amazonasbecken geplant.

Hintergrund – Siemens-Beteiligung am Belo Monte-Projekt:

Siemens ist über das Joint Venture Voith Hydro mit der Lieferung von vier Francisturbinen und Generatoren sowie allen Transformatoren am Belo Monte-Projekt beteiligt. Darüber hinaus wird die gesamte Automatisierung von Voith Hydro ausgestattet. Das Auftragsvolumen für Voith Hydro liegt bei rund 443 Millionen Euro. Das Joint Venture entstand im Jahr 2000 aus dem Zusammenschluss der Wasserkraftsparten von Siemens und dem Heidenheimer Familienunternehmen Voith. Siemens hält 35 % der Anteile, Voith 65 %. 2009 wurde der Name von Voith Siemens Hydro Power zu Voith Hydro geändert. Auch in der Vergangenheit waren die Unternehmen schon an hoch umstrittenen Großstaudämmen beteiligt, z.B. den Itaipu- und Estreito-Staudämmen in Brasilien, dem Drei-Schluchten-Staudamm in China (2003), dem Omkaresh-war-Staudamm in Indien (2007).

Hintergrund – UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte

Im Mai 2011 hat die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen Leitprinzipien für Unternehmen und Menschenrechte angenommen. In diesen ist die Verpflichtung von Unternehmen, die Menschenrechte zu achten, klar festgelegt,und zwar nicht nur bei den eigenen Aktivitäten, sondern auch im geschäftlichen Umfeld. Unternehmen sind gefordert, Prozesse zu etablieren, mit denen sie Abhilfe für die Menschenrechtsverletzungen schaffen können, die sie verursachen oder zu denen sie beitragen. Können sie das Projekt nicht beeinflussen, sind sie gefordert, daraus auszusteigen. (http://www.business-humanrights.org/SpecialRepPortal/Home/Protect-Respect-Remedy-Framework/GuidingPrinciples)

Hintergrund – Empfehlungen der Weltstaudammkommission:

Die aus Wissenschaftlern, Unternehmensvertretern und Projektkritikern zusammengesetzte Weltstaudammkommission (WCD) hat nach zweijähriger umfangreicher Analyse zahlreicher Fallstudien im Jahr 2000 Empfehlungen für den Bau weiterer Staudämme vorgestellt. Hierzu gehört vor allem, einen rechtebasierten Ansatz zu verfolgen und sieben strategische Prioritäten zu berücksichtigen, darunter andere Optionen umfassend zu prüfen, öffentliche Akzeptanz zu erreichen, bestehende Staudämme zu optimieren, den Nutzen des Projekts mit den Betroffenen zu teilen sowie Flüsse und Existenzgrundlagen zu erhalten.

Das könnte Sie auch interessieren:

Petition gegen die Privatisierung der Wasserversorgung

Liebe Freundinnen und Freunde,

die EU-Kommission will den Markt für die Privatisierung der Wasserrecht freigeben. Monitor hat darüber am 13.12.2012 eine Sendung ausgestrahlt: Geheimoperation Wasser: Wie die EU-Kommission Wasser zur Handelsware machen will.

Wenn ihr wie ich gegen diese Privatisierung seid, dann unterschreibt bitte jetzt!
Bis Mitte Januar müssen 300.000 Unterschriften und bis Sept. 1 Mio. Unterschriften eingesammelt sein, um das Vorhaben zu stoppen.

Ziel der Rechtsvorschrift ist es, dass die EU-Zuständigen den Markt für eine Privatisierung der Wasserrechte öffnen. Portugal wurde bereits dazu gezwungen und muss jetzt den 4-fachen Wasserpreis bezahlen. Griechenland wird es nicht anders gehen. Privatisierung bedeutet, die öffentliche Hand kontrolliert nichts mehr, wir hängen von Konzernen wie Veolia ab, der Wasserpreis kann zukünftig vom Börsenkurs abhängen, Wasser könnte ein Exportschlager werden, die Qualität wird nicht mehr nach gängigen Richtlinien bestimmt. Bis Mitte Januar werden 1.000.000 Stimmen benötigt, damit die EU sich hierzu erklären muss.

Ercan Ayboga
17.1.2013

Das könnte Sie auch interessieren:

Der Wasser-Konzern Veolia klagt gegen den Film „Water Makes Money“. Es droht das Verbot des Films.

Angesichts des weltweiten Erfolges des Filmes „Water Makes Money“ hat der Konzern Veolia nicht den Versuch gewagt, frontal dagegen vorzugehen. Doch die französische Vertriebfirma La Mare aux Canards und der zentrale Protagonist des Films, der Veolia – Mitarbeiter Jean-Luc Touly, wurden verklagt.
Am 14.02.2013 beginnt um 13:30 der Prozess im Pariser Justizpalast.

Aus Solidarität zeigt ARTE den Film am Dienstag, 12.02.2013   um   22:00 Uhr1) und am 21.02.2013 um 13:55 Uhr.
Bitte sehen Sie sich den Film an, um zu verstehen,  welche kriminellen Vorhaben in der EU Kommission entwickelt werden. Das ARD-Magazin Monitorhat bereits am 13.12.2012 gezeigt: In der „Steering Group of the European Innovation Partnership on Water“ (Lenkungsgruppe zur Europäischen Erneuerung der Wasserpartnerschaft), in der fast alle privaten Wasserkonzerne der Welt vertreten sind, wurde ein Gesetz ausgearbeitet, das die leichtere Privatisierung ermöglichen soll: Ab einem Auftragsvolumen von 8 Mio. Euro wird die europaweite Ausschreibung von Konzessionen Pflicht. Soziale und Umweltbelange werden nicht berücksichtigt – ein Milliardengeschäft für Großkonzerne. Wenn Unternehmen der EU-Kommission die Hand beim Schreiben der Gesetze führen dürfen, ist das ein direkter Angriff auf die Demokratie.
Genau das wird im Film „Water Makes Money“ gezeigt.
Auf der Webseite http://www.watermakesmoney.com/ lesen wir:

„Derartige Verquickung von Öffentlichem und Privaten stellt der Film ‚Water Makes Money‚ in den vielen Varianten der Wirklichkeit dar. Nein, das ist nicht einfach Korruption, das ist „strukturelle Korruption“ auf Kosten von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. An dieser Bewertung werden wir auf jeden Fall festhalten!“

Jean-Luc Touly ist ein Whistleblower, der schon mehrere Prozesse mit seinem Arbeitgeber erfolgreich geführt hat.
Veolia klagt in dem Prozess gegen seine Behauptung, der Konzern habe ihm eine Million Euro geboten, und gegen die seiner Meinung nach verleumderische Verwendung des Begriffes „Korruption„.
Nicht die im Film gezeigten Fakten werden bestritten, nur „Korruption“ hätte man sie nicht nennen dürfen!

Angeblich will Veolia den Film nicht verbieten. Vielleicht. Nur, falls Veolia den Prozess gewinnen sollte, wird der Konzern erfolgreich die Filmstellen zensieren lassen, die er im Prozess bestreitet.

Bitte, lesen Sie hier weiter, wie die Macher des Filmes unterstützt werden können.


nächster Termin

Film und Diskussion: Water makes money – Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen
18. Feb. 2013, 19-21 Uhr, Münchner Zukunftssalon, Waltherstr. 29 Rgb., München:


Angesichts derartiger Angriffe auf unser Gemeinwesen und die Demokratie fragt mensch sich, was dagegen zu tun ist?

Natürlich helfen Massenproteste.  Das hat der Protest gegen neue Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Kartoffeln gezeigt. Allerdings hatte die „Petition gegen die Privatisierung der Wasserversorgung“ noch keine Wirkung.
Doch letztendlich geht es um’s Geld. Wenn der Profit in Gefahr ist, sind die Unternehmen sehr schnell bereit, einzulenken. Bei Veolia ist das aber nicht ganz einfach, weil die Geschäftsbereiche so ausgerichtet sind, dass z.B. Boykottentscheidungen Einzelner eine geringe Wirkung haben: Veolia hat vor allem Verträge mit Kommunen, die in erster Linie meist den billigsten Anbieter nehmen (müssen) sowie mit Unternehmen.
Wikipedia:

„Veolia ist als Dienstleister für Kommunen in öffentlich-privaten Partnerschaften und für die Industrie tätig.“

Die Geschäftsbereiche sind

  • Veolia Transdev, in Deutschland: Veolia Verkehr ist „der führende private Nahverkehrsanbieter in Deutschland. Das Unternehmen ist an 33 Verkehrsbetrieben beteiligt…. Mit rund 300 Regionalzügen sind bundesweit neun Veolia-Verkehr-Tochterunternehmen sowie Beteiligungsgesellschaften auf insgesamt 48 Strecken unterwegs… Mit dem InterConnex betreibt Veolia Verkehr den bislang einzigen privaten Fernverkehrszug in Deutschland. Als preiswerte Alternative verbindet der InterConnex zweimal täglich Berlin und Leipzig sowie einmal täglich Berlin und Rostock/Warnemünde.“ (Selbstdarstellung)
  • Veolia Umweltservice bietet Entsorgungsdienstleistungen, Industrie-Reinigung, Rohr- und Kanalservice, Gebäude- und Industrie-Service sowie Technischen Service an.
  • Veolia Water, in Deutschland: Veolia Wasser; „Zur Veolia Wasser-Gruppe gehören das Tochterunternehmen OEWA in Leipzig sowie Beteiligungen an den Berliner Wasserbetrieben, der MIDEWA in Merseburg, der MHWA mit Sitz in Neu-Isenburg sowie an der OTWA in Gera.“ (Selbstdarstellung)
    Die Beteiligung an den Berliner Wasserbetrieben, dem größten deutschen Wasserwirtschaftsunternehmen, beträgt 24,9%. Während sich RWE bald nach dem erfolgreichen Volksentscheid in Berlin bereit erklärte, seine Anteile an die Stadt zurückzugeben, sträubte sich Veolia mit allen Mitteln – bis die Konditionen schließlich doch lukrativ genug waren: Der Rückkauf soll sich aus den überhöhten Wasserpreisen selbst tragen, das heißt faktisch: Die Stadt zahlt RWE den entgangenen Gewinn, ohne dass RWE weiterhin die Betriebskosten hat. So eine öffentlich-private „Partnerschaft“ ist für Unternehmen natürlich lukrativ.2)

Der verstärkte Kampf um die Rekommunalisierung der privatisierten Betriebe ist die richtige Antwort auf die Klage von Veolia gegen den Film „Water Makes Money“.


1) Themenabend: „Die Macht der Lobbyisten“

In Brüssel gibt es etwa 15.000 Lobbyisten, die hoffen, die Europa-Politiker in ihrem Sinne beeinflussen zu können. Auf der anderen Seite kämpfen Aktivisten für mehr Transparenz in der europäischen Politik. ARTE zeigt an diesem Themenabend den Dokumentarfilm „The Brussels Business – Wer steuert eigentlich die Europäische Union?“ und die Reportage „Im Vorzimmer der Macht“.
zurück

 

2) Es ist nicht bewiesen, dass die Verwässerung der Wasser-Rekommunalisierung in Berlin ein Ausdruck „struktureller Korruption“ ist. (siehe: „Der Sonderausschuss „Wasserverträge“ des Abgeordnetenhauses zeigt: Direkte und parlamentarische Demokratie passen nicht wirklich zueinander„)
zurück

Das könnte Sie auch interessieren:

Baustopp für Ilisu-Staudamm

Mitteilung der Initiative zur Rettung von Hasankeyf und von GegenStrömung

Mit einem unerwarteten Urteil verhängte das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei am vergangenen Montag einen Baustopp für den hoch umstrittenen Ilisu-Staudamm im Südosten des Landes. Das Gericht folgte damit der Klage der türkischen Architekten- und Ingenieurskammer (TMMOB), dass bei dem Projekt die Umweltgesetzgebung nicht eingehalten wurde.

Für das Projekt war keine Umweltverträglichkeitsprüfung nach türkischem Gesetz erfolgt. Bereits 2011 hatte daher das Oberste Gericht der Architekten- und Ingenieurskammer Recht gegeben, doch reagierte die türkische Regierung darauf mit einem Erlass, der das Ilisu-Projekt und weitere Staudammarbeiten von Umweltverträglichkeitsprüfungen ausnahm. Auch bei anderen Projekten, wie dem Yortanli-Staudamm, der 2011 das antike Bad Allianoi überflutete, ignorierte oder umging die Regierung zahlreiche Gerichtsurteile. Nun hat sie sieben Tage Zeit, gegen den Baustopp für den Ilisu-Damm Berufung einzulegen.

„Das Urteil bestätigt unseren langjährigen Widerstand gegen das Projekt, das den Menschen aus 200 Dörfern die Lebensgrundlage entziehen und die 10.000 Jahre alte Stadt Hasankeyf zerstören würde“, freut sich Ercan Ayboga von der Initiative zur Rettung von Hasankeyf. „Dies ermutigt uns, noch mehr für die Einhaltung unserer Rechte zu kämpfen.“ Die Initiative umfasst über 80 Organisationen aus dem betroffenen Gebiet, darunter auch die Regionalverbände  von TMMOB.

Im Jahr 2009 hatten die Regierungen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs Exportbürgschaften für das Projekt zurückgezogen, da die türkische Regierung Auflagen, die das Vorhaben mit internationalen Standards in Einklang bringen sollten, nicht erfüllte. Der österreichische Anlagenbauer Andritz und Schweizer Consultants verblieben dennoch im Projekt und treiben es voran. „Nach dem jetzigen Gerichtsurteil können die europäischen Unternehmen endgültig nicht mehr die Augen davor verschließen, dass sie sich an einem Rechtsbruch beteiligen und müssen Konsequenzen daraus ziehen“, stellt Heike Drillisch von der Initiative GegenStrömung fest, die sich dafür einsetzt, dass  Unternehmen und Finanzinstitutionen bei ihren Auslandsaktivitäten Menschenrechte und Umweltschutz beachten.

Kontakt

Ercan Ayboga: e.ayboga@gmx.net
Heike Drillisch: heike.drillisch@gegenstroemung.org

Weitere Informationen

www.stopilisu.com

Das könnte Sie auch interessieren:

Staudämme für die Sicherheit oder zur Verschärfung des Konflikts?

Die Türkei baut seit drei Jahren Staudämme an der Grenze zum Irak – mit dem Ziel, die HPG-Guerilla zu bekämpfen

Seit 2009 und verstärkt seit 2011 wird in der türkischen und kurdischen Öffentlichkeit immer wieder von Staudämmen berichtet, die an der Grenze zum Irak gebaut werden sollen oder bereits gebaut werden, um aus Sicht des türkischen Staates einen Beitrag zur „Sicherheit“ zu leisten. Sowohl türkische als auch kurdische Medien erwähnen insgesamt elf Staudämme auf Flüssen und Bächen in den bergigen Provinzen Şirnex (Şırnak) und Colemêrg (Hakkari), die die Bewegungsmöglichkeiten der kurdischen Guerilla HPG (Volksverteidigungskräfte), die seit vielen Jahren mit der türkischen Armee in militärischen Auseinandersetzungen steht, eingrenzen sollen. Verschiedene bürgerliche türkische Medien schreiben offen darüber, dass die Grenzen mit Hilfe dieser Staudämme besser gegen das „Einsickern“ von HPG-Guerillas gesichert werden könnten und zum „Kampf gegen den Terror“ damit ein nennenswerter Beitrag geleistet werden würde. 1)

„Staudämme für die Sicherheit oder zur Verschärfung des Konflikts?“ weiterlesen

Das könnte Sie auch interessieren:

Der Kampf ums Wasser

Gern veröffentlichen wir hier folgende

E-Mail von Kontext TV

Sehr geehrte Damen und Herren,

das unabhängige Nachrichtenmagazin Kontext TV hat eine neue Sendung veröffentlicht:

Der Kampf ums Wasser

Die Sendung ist online zu finden unter: http://www.kontext-tv.de/de/sendungen/der-kampf-ums-wasser (klick) oder direkt im Fenster unten.

Mit

Maude Barlow, Council of Canadians/Blue Planet Project, Trägerin des „Alternativen Nobelpreises“
Wenonah Hauter, Vorsitzende von Food and Water Watch, Washington DC
Oscar Olivera, Wasseraktivist aus Cochabamba, Bolvien
Mary Ann Manahan, Focus on the Global South, Manila
Olcay Ünver, Leiter des Water Assessment Programme der UNESCO
Gerlinde Schermer, Berliner Wassertisch
und anderen Gästen des Alternativen Weltwasserforums und des Weltwasserforums in Marseille

Vor knapp zwei Jahren hat die UN-Vollversammlung den Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung zu einem Menschenrecht erklärt – nach langen Kämpfen sozialer Bewegungen. Doch nach wie vor haben fast 900 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die Übernutzung und Verschmutzung von Süßwasserreserven durch Industrie und Landwirtschaft, der Klimawandel sowie Privatisierung und Landraub gefährden die Zukunft der Wasserversorgung – vor allem für die ärmsten Menschen im globalen Süden. Eine globale Wasserkrise zeichnet sich ab.
Kontext TV sprach auf dem Alternativen Weltwasserforum, das vom 14. bis 17. März 2012 in Marseille stattfand, und auf dem parallel stattfindenden 6. Weltwasserforum mit AktivistInnen und VertreterInnen von Nichtregierungsorganisationen über die Ursachen der Wasserkrise und Perspektiven für Wassergerechtigkeit.

Die Sendung gliedert sich in sieben Teile:

  1. Stimmen vom Alternativen Weltwasserforum in Marseille
  2. Maude Barlow: „Unserer Erde geht das saubere Wasser aus“: Ursachen der sich anbahnenden globalen Wasserkrise
  3. Widerstand gegen Wasserprivatisierung wächst / Profitinteressen von industrieller Landwirtschaft und Flaschenwasserkonzernen gefährden die Wasserversorgung
  4. Wasser als Menschenrecht / UN-Millenniumsziel de facto verfehlt
  5. Fracking bedroht Grundwasserreserven in den USA und Europa
  6. Asien: Wasserprivatisierung auf Kosten der Ärmsten / Kriege ums Wasser drohen
  7. Oscar Olivera: Der „Wasserkrieg“ von Cochabamba und die Rechte der Natur

Kontext TV sendet über verschiedene lokale Fernseh- und Radiostationen, darunter Alex TV Berlin und Okto TV Wien. Die Sendetermine finden Sie hier: http://www.kontext-tv.de/tv-radio (klick)

Kontext TV ist auch auf Facebook vertreten: http://www.facebook.com/KontextTV

Kontext TV braucht Ihre Unterstützung!
Kontext schaltet grundsätzlich keine Werbung und akzeptiert auch keine Form von Sponsoring. Um weiter existieren zu können, sind wir daher auf die Unterstützung unser Zuschauerinnen und Zuschauer angewiesen.

Sie können Fördermitglied des gemeinnützigen Vereins Kontext Medien e.V werden oder spenden. Weitere Informationen sind hier zu finden: http://www.kontext-tv.de/de/foerdermitgliedschaft

Mit freundlichen Grüßen

Fabian Scheidler
Kontext TV

Brandenburgische Str. 25
12167 Berlin
Ph: ++49-(0)30-79 78 63 50

Quelle: kontext tv (klick)

Das könnte Sie auch interessieren:

Marsh Arabs protestieren in Hasankeyf gegen Ilisu Projekt

Wiege der Menschheit würde zur Wüste – Tigris Deklaration an die Vereinten Nationen geschickt

Unterzeichnet die Unesco Petition für den Erhalt des Welterbes in Mesopotamien und gegen das Ilisu Staudammprojekt:

http://www.change.org/petitions/unesco-world-heritage-committee-save-world-heritage-on-the-tigris-river-in-mesopotamia

Hasankeyf /Türkei 22.5.2012

Weil niemand zu uns in den Irak kommt, um uns zu hören, kommen wir zu euch, um zu sprechen. Wir leben einer der bedeutendsten Regionen der Welt – den Mesopotamischen Sümpfen – und die ist wegen Ilisu in Gefahr.“ Mit diesen Worten begann heute Scheich Sayed Abbas in der türkischen Felsenstadt Hasankeyf  eine Protestveranstaltung, die es so noch nie gegeben hat. Er ist mit acht weiteren Stammesführern (Scheichs) der Marsh Arabs nach Hasankeyf gekommen, um gegen Ilisu zu protestieren.

Die Sheichs vom Iraqi Marsh am 22. Mai 2012 mit Ulrich Eichelmann in Hasankeyf, Türkei. © Agata Skowronek
Die Sheichs vom Iraqi Marsh am 22. Mai 2012 mit Ulrich Eichelmann in Hasankeyf, Türkei. © Agata Skowronek
Scheichs vom Iraqi Marsh signieren die Tigris Deklaration am 22. Mai 2012 in Hasankeyf, Türkei. © Agata Skowronek
Scheichs vom Iraqi Marsh signieren die Tigris Deklaration am 22. Mai 2012 in Hasankeyf, Türkei. © Agata Skowronek

Zusammen mit den Bewohnern von Hasankeyf, ECA Watch, der türkischen Umweltorganisation Doga Dernegi und der irakischen NGO Nature Iraq unterzeichneten sie heute die  „Tigris Deklaration“, in der die Vereinten Nationen (UNEP) zur Unterstützung im Kampf gegen Ilisu aufgerufen werden. „Die Folgen von Ilisu sind weitaus größer, als bisher angenommen. Wir hoffen, die UNO bringt die Türkei und den Irak an den Verhandlungstisch. Sonst wird die Wiege unserer Zivilisation zur Wüste,“ so Ulrich Eichelmann von ECA Watch.

Wird das im Bau befindliche Ilisu wie geplant fertig gestellt, hätte das über 1.000 Kilometer flussabwärts des Dammes verheerende Folgen. Im Stausee würde nämlich das Wasser zurückhalten, dass die Sümpfe und deren Bewohner so dringend brauchen. Besonders die Frühjahrshochwässer sind entscheidend für die Überschwemmungsgebiete nahe Basra. Und genau die sollen im Stausee abgefangen werden. Im Irak und vor allem in den Sümpfen würde dann nur noch ein schmutziges Rinnsal ankommen. Doch in den jahrelangen Debatten um Ilisu waren die Konsequenzen für dieses Gebiet bisher nie ein Thema. Das soll sich ändern.

Die Marsh Arabs sind die Bewohner der wohl bedeutendsten Kulturlandschaften der Welt, den Mesopotamischen Sümpfen im Süden des Irak. Am Zusammenfluss von Euphrat und Tigris entwickelten vor über 6.000 Jahren die Sumerer die erste Schrift, die ersten Gesetze und die Grundzüge unserer Landwirtschaft. Der Sage nach soll dies der Garten Eden gewesen sein, das Paradies. In der nahen Stadt Ur soll Abraham geboren sein, der Stammvater des Christentums, Judentums und des Islams. Trotz zahlreicher Eingriffe existiert hier noch eine einmalige Landschaft, in der die Menschen wie eh und je in ihren Schilfhäusern leben, fischen, jagen und Wasserbüffel züchten, von denen es hier über 200.000 Tiere gibt.

„Wir sind aus Hasankeyf und den Mesopotamischen Sümpfen, wir sind Menschen aus Mesopotamien, wir sind verbunden über den Tigris. Dieser Fluss ist unsere gemeinsame Wurzel, unsere Lebensader und unsere Zukunft,“ so Scheich Sayed Abbas und macht zum Abschluss noch einen einfachen Vorschlag: „Wir müssen den Staudamm gar nicht ganz verhindern. Reduzieren wir die Stauhöhe von 130 Meter soweit, dass Hasankeyf nicht überflutet und unsere Sümpfe nicht austrocknen würden.“  Das würde etwa eine Reduktion von 65 Metern bedeuten. 65 Meter für die Wiege der Menschheit. Zuviel verlangt?

Asien, Irak, Basra, Schilfhütten der Ma´dan Araber in Al Wnais am 5. Mai 2010 in Irak. (c) Agata Skowronek
Asien, Irak, Basra, Schilfhütten der Ma´dan Araber in Al Wnais am 5. Mai 2010 in Irak. (c) Agata Skowronek

Fotos von Agata Skowronek; ECA Watch Österreich

Weitere Information:

  • Ulrich Eichelmann – ECA Watch              ulrich.eichelmann@eca-watch.at  0043 676 6621512

 

Das könnte Sie auch interessieren: