Jeder Tropfen zählt

… Stadt für Stadt, Kommune für Kommune…

Maude Barlow, Trägerin des alternativen Nobelpreises stellt ihr Projekt
„Blue Community“ vor. Kann diese internationale Wasserinitiative auch für Berlin sinnvoll sein?

29. März 2017, 18-20 Uhr

in Saal 376 des Berliner Abgeordnetenhauses Niederkirchnerstraße 5, 10117 Berlin

Bereits 1995 prophezeite der Vizepräsident der Weltbank, Ismail Seralgeldin, dass die Kriege des 21. Jahrhunderts nicht um Öl, sondern um Wasser geführt würden. Um der Not und den Konflikten um Wasser zu begegnen, haben die Vereinten Nationen 2010 Wasser zum Menschenrecht erklärt. Maßgeblich daran beteiligt war die damalige Sonderbeauftragte der UN-Vollversammlung für Wasser, Maude Barlow (klick). Für ihr Engagement als „Water Warrior“ wurde ihr bereits 2005 der alternative Nobelpreis verliehen.

Heute führt Barlow als Vorstandsvorsitzende des Council of Canadians, der größten zivilgesellschaftlichen Vereinigung Kanadas, die Initiative Blue Community an. Mit ihr verpflichten sich Städte, Gemeinden und Organisationen zu den Grundsätzen der Anerkennung von Wasser als Menschenrecht, des Erhalts des Wassers als öffentlichem Gut und der Bereitstellung von gutem Leitungswasser an Stelle von Flaschenwasser. Bern, Paris und die Wasserbetriebe von Thessaloniki sind bereits ebenso wie der Weltkirchenrat Teil des Projektes geworden. Kann und soll auch Berlin Blue Community werden? Dieser Frage wollen wir im Rahmen einer Informationsveranstaltung mit Podiumsdiskussion nachgehen, zu der wir Sie herzlich einladen. Maude Barlow wird dabei das Projekt Blue Community vorstellen und im Anschluss in eine Diskussion eintreten mit Jens Feddern, dem Leiter Wasserversorgung der Berliner Wasserbetriebe, Dorothea Härlin vom Berliner Wassertisch sowie den Abgeordneten Daniel Buchholz (SPD), Silke Gebel (Bündnis 90/Die Grünen) und Marion Platta (Die Linke). Darüber hinaus haben sich auch Vertreterinnen und Vertreter von ver.di, AöW, der Verein a tip:tap und Gemeingut in BürgerInnenhand (GiB) angekündigt.

Durch den Abend führen wird das ehemalige Mitglied des Abgeordnetenhauses Heidi Kosche.

Im Anschluss an die Veranstaltung wird es einen kleinen Empfang geben. Um Voranmeldung wird gebeten unter: buero.gebel@gruene-fraktion-berlin.de
Daniel Buchholz, SPD-Fraktion
Silke Gebel, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Marion Platta, Fraktion Die Linke

Leben mit der Bedrohung

Vom 26. bis 28. Februar 2016 fan in der Urania, Berlin der Internationale IPPNW-Kongreß statt. Das Thema war „5 Jahre Leben mit Fukushima – 30 Jahre Leben mit Tschernobyl (klick zur IPPNW_Seite)„.

Dr. Alex Rosen, Kinderarzt und seit April 2013 stellvertretender Vorsitzender der IPPN eröffnete den Kongress mit der Rede „Leben mit der Bedrohung“ (klick zum Text).
Mit ihm führte der Schattenblick ein lesenswertes Interview (klick).

Papst Franziskus und die Frankfurter Allgemeine

eine Analyse

Erstmalig steht der Umgang mit unserem „gemeinsamen Haus“, der Erde, im Zentrum einer päpstlichen Enzyklika. Auch die FAZ/F.A.S. („Feine Marken. Feine Leser.“) konnte sie nicht ignorieren. Dem Grundgedanken zuzustimmen war dem Sprachrohr des Finanzkapitals jedoch noch weniger möglich. Die „erstklassige Leserschaft“ der FAZ/F.A.S. umfasst gemäß ihrer Selbstdarstellung einen besonders hohen Anteil „Experten in Politik oder Wirtschaft oder Steuerrecht“. Ihr wäre die Befürwortung der Enzyklika auch schwer zuzumuten, denn das widerspräche dem neoliberalen Mantra, das der Papst kritisiert.

Wie hat die FAZ/F.A.S. also über „Lautato si“ berichtet? Sie verteilte ihre Berichterstattung auf Einzelbeiträge verschiedener Autoren über mehrere Tage in unterschiedlichen Rubriken (Ausland/Europa, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik, Feuilleton/Medien). Der Effekt: Die Leser bekommen das Gefühl umfassender Information und verlieren das Interesse, die Enzyklika eventuell selbst zu lesen und sich ein eigenes Bild zu machen. Sie könnten womöglich nachdenklich werden. Im Verlauf der Berichterstattung wird die Enzyklika immer mehr auf Ökonomie reduziert und zum Teil werden bereits im Anreißer Zweifel an der Enzyklika gestreut. Nach Tagen sortiert liest sich das so:

erster Tag

Über den „Warnschrei für die Schöpfung“ gibt Jörg Bremer, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan, einen klaren, sachlichen Überblick. Unklar bleibt allerdings,was das in den Bericht eingebettete Video „Papst empfängt Putin zu Privataudienz“ auf dieser Seite soll – war Bremers Beitrag zu positiv? Wurde Franziskus deshalb in Zusammenhang mit dem „Buhmann Putin“ gebracht? (wer es nicht glaubt: hier klicken)

Dem Wirtschaftsjournalist Jan Grossarth obliegt es, die Auseinandersetzung zu führen. Er schreibt mehrere Beiträge, zunächst – offenbar basierend auf der italienischen geleakten Fassung – noch vor der Vorstellung der autorisieren Ausgabe in seinem Artikel „Ökologie-Enzyklika“ unter anderem:

… Wenn Unternehmen von Nachhaltigkeit sprächen, gehe es ihnen oft bloß um „Marketing und Image“, meint Franziskus. Er beklagt ein vermeintliches eindimensionales technisches Paradigma und führt aus, der „moderne Anthropozentrismus“ – die Vorstellung vom Menschen als Dreh- und Angelpunkt der Welt – habe paradoxerweise einen technischen Zugang zur Welt gebracht, so dass der Mensch sich nicht mehr als Teil der Natur wahrnehme. Dem setzt der Papst eine holistische Sicht entgegen.…“ (Hervorhebung von mir)

Grossarths Kritik drückt sich hier lediglich darin aus, dass er mit der Bezeichnung „vermeintlich“ Zweifel sät. Doch Franziskus beschreibt nicht nur das Mensch-Natur-Verhältnis, seine „holistische Sicht“ drückt sich darin aus, dass er eine Bestandsaufnahme der Umwelt- und der sozialen Probleme vornimmt und aus Mitgefühl und Verantwortung für die Armen (Menschen und Länder) und zukünftige Generationen argumentiert. Grossarth hat das offensichtlich gelesen, denn er schreibt weiter: „Papst Franziskus und die Frankfurter Allgemeine“ weiterlesen

Öko-Papst Franziskus – eine Fehlinterpretation

Die Zeitungen sind voll von Berichten über die „Umweltenzyklika“ „Laudato si“, die Papst Franziskus heute vorgestellt hat. Das ist nicht verwunderlich. Enzykliken sind die wichtigsten Schreiben eines Papstes, laut Wikipedia: bis heute eine wichtige Verlautbarungsform des kirchlichen Lehramtes der römisch-katholischen Kirche.“ Dass Prof. Schellnhuber, Direktor des Potsdamer Institus für Klimafolgenforschung zum Mitglied der päpstlichen Akademie der Wissenschaften berufen wurde – was die Ernsthaftigkeit Franziskus‘ in ökologischen Fragen unterstreicht – ging dagegen etwas unter – oder hat den Focus auf den Klimaschutz besonders deutlich gemacht.

einiges zum Inhalt

Franziskus wendet sich NICHT NUR an Katholiken:  „Ich lade dringlich zu einem neuen Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten … In dieser Enzyklika möchte ich in Bezug auf unser gemeinsames Haus in besonderer Weise mit allen ins Gespräch kommen. … Alle können wir als Werkzeuge Gottes an der Bewahrung der Schöpfung mitarbeiten, ein jeder von seiner Kultur, seiner Erfahrung, seinen Initiativen und seinen Fähigkeiten aus.“

Zum ersten Mal in der über 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche steht jetzt die Umwelt im Zentrum einer päpstlichen Enzyklika – wenngleich sich bereits  Johannes Paul II. und Benedikt XVI. mit der Bewahrung der Schöpfung beschäftigt haben[1].

Die Situation heute

Franziskus fordert, „auf die Situation heute zu schauen, indem man die neuesten Ergebnisse der Wissenschaft zu Hilfe nimmt“. Das bedeutet für ihn:

  • Die Klimaänderung ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen; sie stellt eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar.“ Er meint viele, „die mehr Ressourcen oder ökonomische oder politische Macht besitzen, scheinen sich vor allem darauf zu konzentrieren, die Probleme zu verschleiern oder ihre Symptome zu verbergen … Der Mangel an Reaktionen angesichts dieser Dramen unserer Brüder und Schwestern ist ein Zeichen für den Verlust jenes Verantwortungsgefühls für unsere Mitmenschen, auf das sich jede zivile Gesellschaft gründet“.
  • Die Wasserfrage: Für Franziskus ist „der Zugang zu sicherem Trinkwasser ein grundlegendes, fundamentales und allgemeines Menschenrecht, weil es für das Überleben der Menschen ausschlaggebend und daher die Bedingung für die Ausübung der anderen Menschenrechte ist“
  • Schutz der Biodiversität“: „Jedes Jahr verschwinden Tausende Pflanzen- und Tierarten, die wir nicht mehr kennen können, die unsere Kinder nicht mehr sehen können, verloren für immer“. Er lobt zwar „die Anstrengungen der Wissenschaftler und Techniker, die versuchen, Lösungen für die vom Menschen verursachten Probleme zu schaffen“, aber wenn menschliches Eingreifen nur der Welt der Finanzen und des Konsum dient, wird „die Erde, auf der wir leben, in Wirklichkeit weniger reich und schön, immer begrenzter und trüber“.
  • „Die ökologische Schuld“ gibt Franziskus den Industrieländern: Er nennt für den Klimawandel „diversifizierte Verantwortlichkeiten“, und sieht die größere Verantwortlichkeit bei den „entwickelten Ländern“. Doch es fehlt auch eine angemessene Kultur des Umgangs mit dem Problem und die Breitschaft, Lebensstile, Produktionsweisen und Konsum zu ändern.

Ursachen

Im dritten Kapitel geht Franziskus im „Dialog mit Philosophie und den Humanwissenschaften“ auf die „tiefsten Ursachen“ der gegenwärtigen Situation ein. Sein Ausganspunkt sind Technologien, die „denen, welche die Kenntnis und vor allem die wirtschaftliche Macht besitzen, sie einzusetzen, eine beeindruckende Gewalt über die gesamte Menschheit und die ganze Welt“ geben. Inhaltlich startet er somit beim Mumfordschen Konzept der „Megamaschine“ bzw. Illichs „radikalem Monopol“ und nennt das „technokratisches Paradigma“. Dieses ist für ihn das Hindernis zu erkennen, dass „der Markt von sich aus … nicht die ganzheitliche Entwicklung des Menschen und die soziale Inklusion“ sichert. Als Hauptursache macht er den „exzessiven Antropozentrismus“ aus, demzufolge „Menschen … nicht mehr ihren wirklichen Ort in der Welt [erkennen], sondern … selbstbezogen [denken] und … nur sich selbst und die eigenen Möglichkeiten [sehen].“ Daraus folgen für ihn Erscheinungen, wie Wegwerfmentalität, Naturverschwendung, Kinderausbeutung, Einsamkeit älterer und allein gelassener Menschen, Sklaverei, Marktradikalität, Menschenhandel, Handel mit Fellen vom Aussterben bedrohter Tiere und mit Blutdiamanten, Organe- und Drogenhandel sowie „Wegwerfen“ von unerwünschten Kindern. Eine „ganzheitliche Ökologie“ muss den Menschen und den Wert seiner Arbeit einbeziehen, daher ist es nötig, aufzuhören „in den Menschen zu investieren, um einen größeren Sofortertrag zu erzielen“[2].

Eine weiteres Problem ist die Begrenztheit des wissenschaftlichen Fortschritts: So hat die (grüne) Gentechnik zu wirtschaftlichem Wachstum in einigen Regionen geführt, aber auch zu „bedeutenden Schwierigkeiten, die nicht relativiert werden dürfen“. Er wendet sich gegen eine technizistische Sicht und fordert „eine verantwortungsbewusste und breite wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte, … die in der Lage ist, alle verfügbaren Informationen in Betracht zu ziehen und die Dinge beim Namen zu nennen“.[3]

Eine ganzheitliche Ökologie

… bezieht die menschliche Umwelt in ihrer Gesamtheit ein, d.h. nicht nur die Natur, sondern auch unsere Mitmenschen ebenso, wie Ökonomie und Politik: „Heute ist die Analyse der Umweltprobleme nicht zu trennen von einer Prüfung des menschlichen Umfelds, des familiären Kontextes, der Arbeitsbedingungen und der urbanen Verhältnisse sowie der Beziehung jedes Menschen zu sich selbst. … Es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern eine einzige und komplexe sozio-ökologische Krise.“ – wobei sich Franziskus konkret auf die weltweite Gesellschaft bezieht.

Leitlinien für Orientierung und Handlung

Doch Analysen alleine reichen nicht, wir benötigen „ausführliche Leitlinien für Dialog und Aktion, die sowohl jeden von uns als auch die internationale Politik betreffen, … die uns helfen sollen, aus der Spirale der Selbstzerstörung herauszukommen, in der wir untergehen“. Diese Leitlinien können nur im Dialog gefunden werden, nicht auf ideologischen oder oberflächlichen Positionen beruhen. Es ist nicht der Anspruch der Kirche, „die wissenschaftlichen Fragen zu lösen, noch die Politik zu ersetzen, doch ich fordere zu einer ehrlichen und transparenten Debatte auf, damit Sonderbedürfnisse oder Ideologien nicht das Gemeinwohl schädigen“. Mit Blick auf den bevorstehenden Klimagipfel in Paris meint er, dass die „Umwelt-Gipfeltreffen der letzten Jahre nicht den Erwartungen entsprochen [haben], denn aus Mangel an politischer Entscheidung haben sie keine wirklich bedeutungsvollen und wirksamen globalen Umweltvereinbarungen erreicht“. Das Kapitel schließt mit einem Appel an die politisch Verantwortlichen, die sich zur Zeit der an „Effizienz und Unmittelbarkeit ausgerichteten Logik“ unterwerfen.

Ökologische Erziehung und Spiritualität

Ausgangspunkt einer „ökologischen Umkehr“ sind für Franziskus Bildung und ein „anderer Lebensstil, … der die Möglichkeit eröffnet, einen heilsamen Druck auf diejenigen auszuüben, die politische, wirtschaftliche und soziale Macht besitzen“. Als Beispiele dienen ihm Produktboykotte, die die Politik der Produzenten beinflussen, “ sie zwingen, die Umweltbelastung und die Produktionsmuster zu überdenken“.

Schlußfolgerung

Franziskus ruft nicht nur auf zum globalen Kampf gegen den Klimawandel, für politische Programme, um den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen drastisch zu reduzieren, zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern und eine schnellstmögliche Umstellung auf erneuerbare Energien, zum Schutz des Wassers und der biologischen Vielfalt.
Indem er nicht zwischen Umwelt- und Armutsproblemen trennt, sondern beide auf eine Wurzel zurückführt, geht seine Enzyklika weit über den herkömmlichen Umweltschutz hinaus. Franziskus liefert die Bergründung dafür, dass beide gemeinsam gelöst werden müssen und ist insofern kein „Öko-Papst“, sondern ein Beispiel ganzheitlichen Denkens – auch für viele Politiker DER LINKEN, für die Ökologie immer noch ein Spezial- bzw. Randproblem ist.

Dabei geht er allerdings nicht so weit, den Kapitalismus als Wurzel allen Übels zu benennen; er bleibt beim Appell an jeden Einzelnen. Dieser Appell ist berechtigt, aber unzureichend.
Die Hoffnung, dass sich die politisch Verantwortlichen von der an „Effizienz und Unmittelbarkeit ausgerichteten Logik“ trennen, d.h. über Wahlperioden hinaus denken und bereit sind, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen – sofern ihnen „die Wirtschaft“ das überhaupt ermöglicht[4] – diese Hoffnung teile ich nicht.

Ohne Druck von der Straße wird der Appell wirkungslos bleiben.

Wolfgang Borchardt
18.6.2015

 


Fussnote(n)


[1↑] Johannes Paul II.: Enzykliken „Centesimus annus“, „Evangelium vitae“
Benedikt XVI.: Enzyklika „Caritas in veritate“ [zurück zum Text hier klicken]

[2↑] Marx nennt das kurz Ausbeutung. [zurück zum Text hier klicken]

[3↑] Wir nennen das „Wirtschaftsdemokratie“ [zurück zum Text hier klicken]

[4↑] Ich denke nur an das aktuelle Gezerre um die Klimaabgabe für die ältesten Kohlekraftwerke. [zurück zum Text hier klicken]

Vier Jahre Fokushima-Gau

ausgestrahlt

Der Super-GAU in Fukushima jährt sich zum vierten Mal. Und noch immer kommt es jeden Tag zur radioaktiven Verseuchung des Meeres und der Luft. Die Zahl der Krebs-Erkrankungen in der Region steigt stetig und viele Menschen leiden unter dem Verlust ihrer Heimat, die auf Generationen hinaus unbewohnbar geworden ist.

Um der Opfer der Katastrophe zu gedenken, findet am Samstag, den 7. März eine Demo in Berlin statt. An diesem Tag soll zugleich daran erinnert werden, dass auch in unserem Land täglich neun AKW am Netz sind und jederzeit eine Katastrophe ähnlichen Ausmaßes auch bei uns möglich ist!

Die InitiatorInnen der Mahnwache – der Trägerkreis um Sayonara Nukes, AntiAtom Berlin und Naturfreunde Berlin – haben sich in diesem Jahr etwas Besonderes ausgedacht: Zur japanischen Folkloremusik aus Fukushima  „Kansho Odori“ soll ein gemeinsamer, einfacher Tanz aufgeführt werden.

Treffpunkt ist am Brandenburger Tor um 13 Uhr.

3 Jahre alt und trotzdem aktuell

Anläßlich der Fukushima-Katastrophe am 11. März 2011 bringen wir hier die Zusammenfassung einer UBA-Studie vom Mai 2011 „Hintergrundpapier zur Umstrukturierung der Stromversorgung in Deutschland„, in der gezeigt wird, dass ein schneller Atomausstieg in Deutschland möglich ist. Zwar hat sich auf diesem Weg nicht allzu viel getan, aber die Voraussetzungen dafür sind besser geworden.

„Das Umweltbundesamt hält einen schnellen Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft ab dem Jahr 2017 für möglich und mit den Klimaschutzzielen vereinbar. Das Umweltbundesamt empfiehlt ein gestuftes Vorgehen:

Die 17 deutschen Atomkraftwerke haben eine Gesamtleistung von 20,5 GW (netto). Die ältesten sieben Atomkraftwerke und das Atomkraftwerke Krümmel mit einer Leistung von 8,4 GW sollten schnellstmöglich außer Betrieb gehen. Unter dem Aspekt der gesicherten Leistung ist dies möglich, da im deutschen Kraftwerkspark derzeit ausreichend überschüssige Reservekapazitäten von rund 10 GW Leistung bestehen. Mit der Abschaltung der 7+1 Atomkraftwerke ist die Netzstabilität nach übereinstimmender Einschätzung der Übertragungsnetzbetreiber und der Bundesnetzagentur derzeit zwar angespannt, aber beherrschbar. Um einen sicheren Netzbetrieb auch im Winter 2011/12 zu gewährleisten, fordern die Übertragungsnetzbetreiber eine Erhöhung der Kraftwerkseinspeisung in Süddeutschland um 2000 MW gegenüber dem jetzt geltenden Moratorium. Dies entspricht einem befristeten Weiterbetrieb von höchstens zwei der vom Moratorium betroffenen Atomkraftwerke bis zum Frühjahr 2012. Da jedoch nach unserer Einschätzung offenbar in den Untersuchungen der Übertragungsnetzbetreiber zentrale Alternativen nicht oder nicht genügend berücksichtigt wurden, sind die Ergebnisse nicht ausreichend belastbar. Es hat keine hinreichende Berücksichtigung aller Maßnahmen stattgefunden, die zur Gewährleistung der Netzsicherheit eingesetzt werden können.

Für die verbleibenden Atomkraftwerke sollte geprüft werden, in welcher Reihenfolge die restlichen Atomkraftwerke zeitnah stillgelegt werden können. Deutschland kann nach unseren Berechnungen ab 2017 vollständig auf Atomkraft verzichten. Über die derzeit in Bau befindlichen Kraftwerke und die zu erwartenden zusätzlichen Biomassekraftwerke hinaus besteht hierfür bis 2017 ein zusätzlicher Kapazitätsbedarf von höchstens 5 GW, der durch neue hochflexible und hocheffiziente Erdgas-GuD-Kraftwerke, sowie teilweise durch Lebensdauer verlängernde Maßnahmen an Bestandskraftwerken, durch einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien und der KWK und zusätzliche Energieeffizienzmaßnahmen rechtzeitig gedeckt werden kann. Auch in Hinblick auf einen sicheren und zuverlässigen Betrieb der Übertragungsnetze gilt, dass ein vollständiger Atomausstieg ab dem Jahr 2017 realisiert werden kann.

Denn wenn es für einen sicheren Netzbetrieb erforderlich sein sollte, könnten neue Erdgas-GuD-Kraftwerke zur Netzstützung als Ersatz in den Regionen gebaut werden, in denen heute die Atomkraftwerke stehen. Bei einer Realisierungszeit von 3-6 Jahren ist dies bis zum Jahr 2017 möglich.

Mit diesen Vorschlägen können die Sicherheit der Bevölkerung, die Versorgungssicherheit Deutschlands und die Klimaschutzziele auch langfristig gewährleistet werden. Durch den verstärkten Betrieb von Kohle- und Erdgaskraftwerken – bei einem Atomausstieg ab 2017 – entstehen durch den Emissionshandel EU-weit keine höheren CO2-Emissionen.
Stromimporte aus dem Ausland sind aus Gründen der Versorgungssicherheit nicht nötig. Die aktuell gestiegenen Importe sind vornehmlich preisgetrieben. Zudem stehen die Atomkraftwerke in unseren Nachbarländern in der europäischen Merit-Order soweit vorne, dass sie auch ohne Moratorium in Deutschland weitgehend ausgelastet sind und daher auf die veränderte Marktlage in Deutschland kaum reagieren können. Die zusätzlichen Importe stammen überwiegend aus fossilen Kraftwerken.

Ein vorgezogener Atomausstieg ab 2017 würde lediglich zu moderaten Strompreissteigerungen zwischen 6 und 8 Euro je Megawattstunde (0,6 und 0,8 Cent pro Kilowattstunde) im Mittel bis 2030 und zu keinen nennenswerten Wachstumseinbußen führen.

Ein vollständiger Atomausstieg ab 2017 verringert die Gefahren und Risiken der Atomenergie deutlich. Dies hätte erhebliche gesellschaftliche Vorteile, die die moderaten Strompreiserhöhungen aufwiegen.“

Wetterbeeinflussung ist kein Geoengeneering

Die Onlinezeitung Schattenblick stellt in einem detaillierten Artikel klar, dass das chinesische Programm zur Wetterbeeeinflussung kein Geoengeneering darstellt:
„Chinas Pläne zur Wettermodifikation sind kein Geoengineering“.

Wir bitten, die falsche Überschrift in unserem Beitrag zu entschuldigen.

Geoengeneering in China beschlossen

Die China Meteorological Administration hat am 25.12.2014 folgendes bekannt gegeben:

Am 17. Dezember haben die chinesische Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) und die China Meteorological Administration (CMA) gemeinsam einen Entwicklungsplan für die Nationale Wettermodifizierung (2014-2020) bekannt gegeben. Die Planung bekräftigt die Grundideen, Absichten, die allgemeine Ausgestaltung, die primären Aufgaben und die Art und Weise der Wetterbeeinflussung. 

Gemäß dieser Planung will China bis 2020 ein umfassendes System zur Wetterbeeeinflussung aufbauen und sechs regionale Entwicklungszentren bilden, wichtige Ergebnisse der Grundlagenforschung und Anwendungstechnologie erreichen, Unterstützungskapazitäten und das Sicherheitskontrollniveau verbessern und den Nutzen für die öko-soziale Entwicklung erhöhen. In dieser Zeit wird der künstliche Niederschlag um mehr als 60 Mrd. m3 pro Jahr zunehmen, außerdem wird auf  540.000 km2  künstlich der Hagel verhindert.

„Geoengeneering in China beschlossen“ weiterlesen

Fukushima – zehn Jahre danach

Nein, wir sind nicht der Zeit voraus, aber die folgende Langzeitsimulation des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigt, wie der (Nord-)Pazifik in zehn Jahren mit Cs-137 verseucht sein wird:

Fukushima+10_Jahre

Aber keine Sorge: Bisher sind ja erst drei Jahre vergangen, daher ist die Verseuchung noch nicht so weit fortgeschritten:

Fukushima+3_Jahre

Falls jemand der Meinung ist, es sei ja nur eine Simulation, die könnte auch falsch sein, bitte sehen Sie sich die Karte hier an.

Übrigens: Es soll auch Menschen geben, die den Pazifik-Lachs bevorzugen … und Menschen, die keine Alternativen haben!

Zu Hintergründen des katastrophalen Krisenmagements empfiehlt sich die Sendung von frontal 21 [1] vom 17.12.2013 und zum Nachlesen das Script der Sendung.

Hier sehen Sie die o.g. Simulation im Zeitverlauf:



[1↑] Der Link musste entfernt werden, da der Beitrag in der ZDF-Mediathek nicht mehr verfügbar ist.

„Der geplünderte Planet“ – Neuer Bericht an den Club of Rome

Die Verknappung zentraler Ressourcen ist absehbar  – Hinweis auf ein Interview auf Kontext TV

Mehr als 40 Jahre nach dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ stellte der Club of Rome nun seinen neuen Bericht vor: „Der geplünderte Planet“. Autor Ugo Bardi[1] erläutert im Kontext-TV-Interview, welche Folgen der Raubbau an der Erde hat und warum es in den kommenden Jahrzehnten zu Ressourcen-Knappheiten kommen wird. Neben Öl könnte es auch bei Uran und Kupfer bald zu Engpässen kommen. Noch gravierender aber  sind laut Bardi die Umweltfolgen des Raubbaus: Radioaktive Materialien und Schwermetalle vergiften die Erde, der wachsende CO2-Ausstoß führt zu einem katastrophalen Klimawandel.

Interview ansehen

„Der geplünderte Planet“

erschien beim oekom-Verlag [2]. In der Pressemitteilung des Verlages wird es so beschrieben:

„Wir pumpen Millionen Liter mit giftigen Chemikalien und Bioziden versetztes Wasser in unsere Böden, um ihnen auch die letzten Gasvorkommen zu entziehen, nennen es Fracking und erklären es zur fortschrittlichen Methode. Wir führen Kriege um die sogenannten „Seltenen Erden“, damit wir uns jedes Jahr ein neues Smartphone leisten können, sehen darin die Zukunft und denken doch nicht daran, was sein wird. Hier wiederholen sich – an neuen Orten, mit neuen Protagonisten – alte Handlungsmuster: seit Jahrhunderten führt der Mensch einen Raubzug gegen die Erde ohne dessen Folgen im Blick zu haben. Der Chemiker Ugo Bardi erzählt die Geschichte dieser Plünderung und liefert zugleich eine umfassende Bestandsaufnahme der Rohstoffsituation unseres Planeten. In „Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen“, dem neuen Bericht an den „Club of Rome“, der am 6. 6.2013 in Berlin präsentiert (wurde).

Unser Planet liefert uns eine Fülle von Rohstoffen, die der Mensch seit jeher abbaut und nutzt. Anfangs in moderatem Maß; doch bald geht es um Gold, Geld und Macht: auf Edelmetallen werden Weltreiche errichtet. Wenig später bilden fossile Brennstoffe die Basis dieser Imperien – auch hier wiederholt sich Geschichte. Doch am Ende scheitert der Mensch immer wieder an zwei Problemen, die sich wechselseitig bedingen: an der Ressourcenverknappung durch Wachstumsgrenzen sowie der Zerstörung des Ökosystems durch permanente Abfallproduktion.

Ugo Bardi blickt zurück an den Anfang: wie sind die Rohstoffvorkommen entstanden, warum hat der Mensch begonnen sie zu nutzen, welche Konflikte gab es? Er erläutert die gegenwärtige Situation, diskutiert Verknappungskonzepte und bewertet Alternativen. Aber er wagt vor allem auch den Blick nach vorne: welche zukünftigen Szenarien sind vorstellbar, wie können wir zu einem nachhaltigen Umgang mit unserem Planeten kommen? Flankiert werde seine Betrachtungen durch mehrere Ausblicke: Einschätzungen von Experten zu besonders relevanten Ressourcen, wie etwa Öl, Kohle, Kupfer oder Lithium, sowie zu mit dem Ressourcenmanagement verknüpften Problemen und Lösungsansätzen, beispielsweise Fracking oder Upcycling.

Auch wenn der Ideenreichtum nahezu unerschöpflich scheint – das Auswaschen von Mineralien aus dem Meerwasser, das Anzapfen des Tiefseebodens oder gar der Abbau von Helium 3 auf dem Mond – „in Wirklichkeit ist das ein Krieg gegen den Planeten, ein erbarmungsloser Krieg. Es ist aber auch ein Krieg, den man nicht gewinnen kann. Auf lange Sicht wird sich der Planet vom Angriff der die Bodenschätze ausbeutenden Menschheit erholen, und die einzig möglichen Opfer sind am Ende wir selber“, so Ugo Bardi.



[1↑]Ugo Bardi, Professor für physikalische Chemie an der Universität Florenz, ist Mitglied der NGO Association for the Study of Peak Oil (ASPO) und betreibt ein Blog namens Cassandra’s Legacy. Er ist Autor des Berichts an den Club of Rome „Der geplünderte Planet“

[2↑]Ugo Bardi: Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen, oekom verlag, München 2013, 360 Seiten, 22.95 €, ISBN 978-3-86581-410-4