Vogelgrippe im Agrarausschuss des Bundestags thematisiert

„Die aktuelle Vogelgrippe-Situation ist eine hohe Belastung. Nicht nur für die unmittelbar betroffenen Geflügelhaltungen, sondern auch die Behörden und die gesamte Region.“

bemerkt Dr. Kirsten Tackmann, Bundestagsabgeordnete der LINKEN, die für die Sitzung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft das Thema auf die Tagesordnung setzten ließ. Tackmann weiter:

„Auch in meinem Heimatwahlkreis mit relativ hoher Geflügeldichte sowohl in der gewerblichen als auch privaten Haltung ist das angesichts der Dauer des Seuchezugs eine schwerwiegende Belastung, auch wenn die Behörden mit Augenmaß handeln.

Wenn es auch nach Einschätzung des Friedrich Loeffler Instituts der schwerste Vogelgrippe-Seuchezug überhaupt ist, muss dringend über Ursachen, aber auch Minimierung von Risiken und Schäden nachgedacht werden.

Stallpflicht ist für Privathaltungen oft schwierig und zum Beispiel bei Wassergeflügel-, Tauben- oder Straußenhaltungen aus Tierschutzgründen schwierig. Freilandhaltungen können nach 12 Wochen die Eier nicht mehr als Eier aus Freilandhaltungen vermarkten.

Megaställe und extrem hohe regionale Geflügeldichten müssen angesichts dieser Situation endlich wirksam verhindert werden.“

Berlin, 15.02.2017

Für Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung. Die Mitteilung wird auch auf der Homepage von Dr. Kirsten Tackmann veröffentlicht. Nutzen Sie die angegebene Kommentarfunktion für Ihre Fragen und Bemerkungen. (http://www.kirstentackmann.de/vogelgrippe-im-agrarausschuss-des-bundestags-thematisiert/)

Büro Dr. Kirsten Tackmann (MdB)
Sprecherin für Agrarpolitik
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Tel: 030 – 227 74307
Fax: 030 – 227 76308
kirsten.tackmann.ma03@bundestag.de
http://www.kirstentackmann.de/

Das könnte Sie auch interessieren:

Düngerecht muss Schutz von Umwelt und Gewässern sicherstellen

Gemeinsame Pressemitteilung vom 16. Februar 2017

Berlin: Am späten Donnerstagnachmittag wird der Bundestag über eine Neufassung der Düngegesetzgebung abstimmen. Bereits zuvor hat sich der Landwirtschaftsausschuss mit den Stimmen der Großen Koalition für die Annahme des Beschlusses ausgesprochen. Damit gilt eine Zustimmung des Bundestags als sicher. Mehrere Umwelt- und Naturschutzverbände begrüßten den lange diskutierten und mehrfach verschobenen Gesetzentwurf als einen Schritt in die richtige Richtung. Er beinhalte eine Festschreibung zusätzlicher Beschränkungen in nitratsensiblen Gebieten, eine Reduzierung der Obergrenze für Stickstoff-Bilanzüberschüsse und verbesserte Kontrollmöglichkeiten für die Behörden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND; http://www.bund.net/), der WWF (http://www.wwf.de/), der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR; https://www.dnr.de/) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU; http://www.nabu.de/) bezweifeln jedoch, dass die vorgesehen Änderungen ausreichen werden, um die Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie einzuhalten sowie Umwelt und Gewässer wirksam zu schützen. Damit drohten der Bundesrepublik weiterhin Strafzahlungen in Milliardenhöhe aufgrund zu hoher Nitratbelastungen der Umwelt, insbesondere des Grundwassers.

Die Verbände forderten weitere gesetzliche Nachbesserungen, verstärkte Kontrollen der Betriebe und die Einführung einer bundesweiten Gülle-Datenbank. Nicht zufrieden zeigten sich die Verbände mit der Einarbeitung von Wirtschaftsdüngern in den Boden und forderten eine maximal einstündige Einarbeitungsfrist. Außerdem bemängelten sie, dass für besonders belastete Regionen keine Stickstoff-Obergrenzen von maximal 130 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr beschlossen wurden. Darüber hinaus sei es wichtig, dass für Betriebe, die mit Festmist arbeiten oder Tiere auf der Weide halten, günstigere Rahmenbedingungen geschaffen und bürokratische Hürden reduziert werden.

„Mit den längst überfälligen Korrekturen geht eine jahrelange Hängepartie dem Ende entgegen. Erst nach Androhung von empfindlichen Vertragsstrafen durch die Europäische Kommission haben sich die Agrarpolitiker endlich auf das vorliegende Gesetzespaket verständigt“,

sagte DNR-Generalsekretär Florian Schöne.

„Die neue Düngeverordnung trägt nicht genügend dazu bei, die EU-Nitratrichtlinie tatsächlich einzuhalten. Die Stickstoffeinträge in Bäche, Flüsse, Meere und das Grundwasser müssen dringend und drastisch reduziert werden, dafür sind flächendeckende Hoftorbilanzen für alle Betriebe erforderlich. Leider haben sich die Koalitionsfraktionen lediglich auf die Einführung von Stoffstrombilanzen ab 2023 bzw. für besonders große oder viehintensive Agrarbetriebe ab 2018 geeinigt. Das kommt dann viel zu spät“,

sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

„Die Schwächen des neuen Düngegesetzes stellen eine Planungsunsicherheit für die Landwirte und ein finanzielles Risiko für den Steuerzahler dar. Wir gehen davon aus, dass die neue Gesetzgebung nicht dazu führt, die EU-Nitratziele einzuhalten. Landwirte werden sich also bald auf veränderte Regeln und die Steuerzahler auf eine Milliarden Euro teure Strafzahlung einrichten müssen“,

betonte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland.

„Den Umweltverbänden ist nicht nur der Grundwasser-, sondern auch der Bodenschutz wichtig. Der Einsatz von hochwertigem Kompost zur Bodenverbesserung ist ein Gebot der Kreislaufwirtschaft. Bund und Länder sind daher gut beraten, in der jetzt entscheidenden Düngeverordnung klar zu formulieren, dass ausgewaschener Stickstoff aus Gülle und Gärresten das Grundwasser bedroht und Stickstoffverluste gar nicht erst toleriert werden sollten. Im Kompost ist Stickstoff jedoch mehrheitlich gebunden, ein moderates Aufbringen sollte für dieses Humus bildende Substrat in der Düngeverordnung möglich gemacht und dies eindeutig formuliert werden“,

sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Für Rückfragen:

  • Christian Rehmer, BUND-Agrarexperte, Tel. 0174-3932100 bzw.
  • Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher, Tel. 030-27586-425;
  • Matthias Meissner/WWF, Tel. 030-311777-220;
  • Florian Schöne/DNR, Tel. 030-6781775-99 bzw.
  • Angelika Lischka/NABU, Tel. 030-284984-1627

Das könnte Sie auch interessieren:

Stellungnahme des BUND

zum „Umweltbericht im Rahmen der Strategischen Umweltprüfung – Nationales Aktionsprogramm zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat – Teilprogramm zur Verordnung zur Neuordnung der guten fachlichen Praxis beim Düngen“

Vorwort

Der BUND hat seit vielen Jahren mehrfach auf die notwendigen Verbesserungen des Düngerechts hingewiesen und kritisiert, dass die dringende Novellierung des Düngerechts so lange verschleppt wurde. Die gegenwärtig geltende Düngeverordnung weist massive Umsetzungsdefizite auf, wie der Klageschrift der EU-Kommission vom Oktober 2016 zu entnehmen ist.

Die Verpflichtungen Deutschlands, die sich aus der EU-Nitratrichtlinie, der EU-Wasser-Rahmen-Richtlinie (WRRL) und der NERC-Richtlinie ergeben, sind nur durch deutliche Verbesserungen des Düngerechts erreichbar. Die in der EU-Nitratrichtlinie formulierten Ziele zur Reinhaltung der Gewässer vor zu hohen Stickstoffeinträgen werden nicht ausreichend umgesetzt. Daher hat die EU-Kommission Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland eingereicht. Aus der Klageschrift wird deutlich, dass die EU-Kommission davon ausgeht, dass die Novellierungsvorschläge der Dünge-Verordnung und des Dünge-Gesetzes vom Dezember 2015 ebenfalls nicht ausreichend sein werden, um die EU-Nitrat-Richtlinie einzuhalten.

Aus Sicht des BUND ist eine ambitionierte Novellierung des Düngerechts absolut unerlässlich. Der Umweltbericht im Rahmen der Strategischen Umweltprüfung unterstreicht diese Notwendigkeit. Nur so könnten Vertragsverletzungsverfahren z.B. im Bereich der WRRL und der NERC-Richtlinie vermieden werden. Da der größte Teil der Nährstoffe aus der intensiven Landwirtschaft kommt, stellt die Düngeverordnung aus Sicht es BUND das wichtigste Instrument zum Schutz der Gewässer dar. In vielen Regionen ist der Stickstoffüberschuss durch intensive Tierhaltung und Biogasanlagen deutlich angestiegen. Ein Teil der Überschüsse gelangt in das Wasser und die Luft. Dadurch werden das Grundwasser belastet, sowie Flüsse, Seen und die Nord- und Ostsee verunreinigt. Eine deutliche Verschärfung des Düngerechts ist dringend geboten, um das Trinkwasser, sowie Natur und Umwelt besser zu schützen. Zentraler Baustein muss die verbindliche Einführung der Hoftorbilanz für alle Betriebe sein. Wir verweisen auf unsere Stellungnahmen vom 22. Juni 2015 1) und vom 9. März 2016 2).

Eine geänderte Düngegesetzgebung entbehrt jedoch nicht von der Notwendigkeit, die Tierhaltungsdichte der real vorhandenen, regionalen Fläche anzupassen und die Tierhaltung wieder an die Fläche zu binden. Anstatt die Gülle überregional zu verteilen, sollte die Tierhaltung wieder an die Fläche gebunden und Freilandhaltung gefördert werden. Neben den bekannten Problemen im Bereich der Haltungsbedingungen, Bestandsbetreuung und Tierzucht, trägt die Tierdichte an einigen Standorten und Regionen dazu bei, dass die Nutztierhaltung gesellschaftlich immer weniger akzeptiert wird. Hinzu kommt, dass insbesondere in den intensiven Tierhaltungsregionen die Wasserqualität durch die hohe Nitratbelastung gefährdet wird.

Darüber hinaus könnten die Anforderungen im Bereich der NERC-Richtlinie dazu führen, dass die Tierbestände in einigen Regionen Deutschlands reduziert werden müssten. Als zusätzliches dynamisch wirkendes marktwirtschaftliches Instrument neben dem Ordnungsrecht hält der BUND eine Abgabe auf Stickstoffüberschüsse für erforderlich. Diese Abgabe gibt einen Anreiz zur Verminderung der Stickstoffdüngung und fördert indirekt den betriebseigenen Eiweißpflanzenanbau. Sie würde den organischen Dünger konkurrenzfähiger machen, und hätte auch eine steuernde Wirkung zum möglichst gleichmäßigen Verteilung der organischen Dünger.

Hoftorbilanz für alle Betriebe einführen

Ein verbindlicher Nährstoffvergleich auf Berechnungsbasis der Hoftorbilanz ist aus Sicht des BUND unverzichtbar, um die Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie mittelfristig einhalten zu können. Die Einführung der Stoffstrombilanz ab 2018 für viehintensive Betriebe, die mehr als 2.000 Mastschweine halten oder mehr als 3 GVE / Hektar haben, ist zu wenig (Kompromiss zwischen CDU/CSU und SPD von Ende Oktober 2016). Damit würden nach Einschätzung des BUND bspw. in Niedersachen über 90 Prozent aller Betriebe von der Hoftorbilanz befreit werden. Das BMEL geht davon aus, dass es in Deutschland 600 Betriebe gibt, die 2.000 und mehr Mastschweine halten (Mai 2016 3). Im Jahr 2013 wurden in Deutschland rund 11.400 Betriebe mit einem Viehbestand von mehr als drei GVE pro Hektar laut dem BMEL gezählt (teilweise Überschneidung mit den erstgenannten 600 Betrieben). Im Jahr 2015 gab es laut dem Statistischen Bundesamt 280.800 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. Somit würden mit der vorgeschlagenen Regelung nur knapp über 4 Prozent aller Betriebe zur betrieblichen Stoffstrombilanz verpflichtet. Angesichts der gravierenden Umweltprobleme, die mit der Düngeausbringung und -lagerung einhergehen, ist das eine nicht akzeptable Regelung.

Der BUND fordert daher erneut, die sofortige Einführung einer verpflichtenden Hoftorbilanz für Stickstoff und Phosphor für alle Betriebe. Die maximal zugelassenen Nährstoffüberschüsse sollten auf 30 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr, statt der jetzt diskutierten 60 bzw. 50 Kilogramm Stickstoff, festgelegt werden.

Lagerung und Einarbeitung von Wirtschaftsdüngern

Der BUND unterstützt die Empfehlungen, die Anforderungen an die Ausbringungstechnik und Einarbeitung von organischen Düngemitteln zu verschärfen, um Nährstoffverluste zu vermindern. Die meisten Ammoniakverluste entstehen unmittelbar nach der Ausbringung. Aus Sicht des BUND müssen ausgebrachte Wirtschaftsdünger unverzüglich in den Boden eingearbeitet werden um die klimaschädigende Auswirkung der Düngemittel zu reduzieren. Eine Einarbeitungszeit von bis zu vier Stunden ist daher inakzeptabel. Der § 6 Absatz 1 (DüV) sollte so geändert werden, dass spätestens nach einer Stunde nach Beginn des Aufbringens auf unbestelltes Ackerland die Einarbeitung erfolgt. Die Sperrzeiten und Lagerkapazitäten haben sich an der Forderung der EU-Kommission von fünf bis sieben Monaten zu orientieren, um das Risiko einer Wasserverunreinigung durch Stickstoffverluste bei der Düngung zu reduzieren.

Rote Gebiete

In den besonders betroffenen so genannten „roten Gebieten“ sollte es ein einheitliches Vorgehen geben um bundesweit die Anforderungen der EU-Nitratrichtlinie und der EU-Wasser-Rahmen-Richtlinie einhalten zu können. Aus Sicht des BUND ist daher ein verpflichtender Maßnahme-Katalog für alle roten Gebiete in allen Bundesländern notwendig.

Festmist nicht benachteiligen

Die Ausbringung von festen Wirtschaftsdüngern (bspw. Festmist oder Kompost) bietet im Gegensatz zu flüssigen oder mineralischen Wirtschaftsdüngern viele Vorteile. Diese Düngung dient sowohl dem Tierschutz, dem Humusaufbau und der nachhaltigen Nährstoffversorgung der Pflanzen. Im Mist befinden sich ein hoher Anteil an organisch gebundenem Stickstoff und ein kleinerer an Nitrat und Ammonium. Durch diese Dünger werden geringere Probleme der Wasserqualität verursacht. Daher sollten Agrarbetriebe, die mit Festmist arbeiten, nicht benachteiligt werden. Festmist sollte nicht mit festen Gärrückständen gleichgesetzt werden (§5 Entwurf DüV).

Weidehaltung nicht benachteiligen

Während geschlossene Stallsysteme mit Gülle bei Durchschnittstemperaturen von 16 bis 22 Grad Celsius betrieben werden und hohe Emissionen aufweisen, emittieren Tierhaltungen im Außenklima wie Weide- bzw. Offenstallhaltung in der Regel weniger Stickstoff aufgrund der niedrigeren Durchschnittstemperaturen. Der BUND spricht sich daher gegen Verschärfungen für die Weidehaltung aus. Beispielsweise durch die Erhöhung der anzurechnenden Mindestwerte in der Anlage 2 der DüV (von vormals 25 Prozent auf 40-70 Prozent).

8.9.2016

Ansprechpartner

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (klick öffnet neues Fenster zur BUND-Seite)
Christian Rehmer
Leiter Agrarpolitik


Fussnoten

[1↑] http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/landwirtschaft/150722_bund_landwirtschaft_duengegesetz_duengeverordnung_stellungnahme.pdf
[2↑] http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/landwirtschaft/160309_bund_landwirtschaft_duengerecht_bundestag_anhoerung_stellungnahme.pdf
[3↑] Schreiben des BMEL an den BUND vom 15.11.2016

Das könnte Sie auch interessieren:

Steigende Gefahren durch Einsatz von Reserveantibiotika in der Massentierhaltung

Offener Brief

an

Christian Schmidt (CSU)
Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft (klick)

in Kopie zur Kenntnis an

Dr. Helmut Tschiersky
Präsident des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL – klick)

Betreff: Steigende Gefahren durch Einsatz von Reserve-Antibiotika in der Massentierhaltung

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

das zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gehörende Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 3. August 2016 die Abgabenmengen von Antibiotika an Tierärzte und Tierärztinnen bekanntgegeben. Demnach ist die Gesamttonnage der Antibiotika für Veterinärzwecke gesunken.

Zugleich weist das BVL in seiner Veröffentlichung darauf hin, dass die eingesetzte Menge „für den Menschen besonders relevanter Antibiotika“ im Erfassungszeitraum deutlich angestiegen ist (Fluorchinolone: + 82 %; Cephalosporine: + 52 %), die Behörde macht aber die schwerwiegenden Folgen dieser Entwicklung nicht deutlich. Bei diesen Antibiotika handelt es sich um hochpotente, so genannte Reserve-Antibiotika, die für die Behandlung beim Menschen gegen resistente Keime zurückgehalten werden. Da Flourchinolone von der Weltgesundheitsorganisation WHO als für den Menschen besonders wichtig eingestuft werden, sehen die unterzeichnenden Organisationen in dem vom BVL dokumentierten Wirkstoffwechsel keinen Anlass für eine Erfolgsmeldung, sondern deutlichen Handlungsdruck mit Blick auf den steigenden Absatz sogenannter Reserve-Antibiotika für die Verwendung in der Fleisch- und Milchproduktion.

Durch den flächendeckenden Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung ist die Entstehung resistenter Keime unvermeidbar, die z. B. über die Nahrungskette auch in den menschlichen Organismus gelangen können. Antibiotika-Resistenzen machen weder vor Grenzen noch vor Stall- oder Krankenhaustüren halt und selbst die Umwelt ist betroffen. Die Resistenzentwicklung in Intensivtierhaltungen und die Übertragung über tierische Lebensmittel sollten aus unserer Sicht weitaus stärker ins Bewusstsein rücken, zumal im staatlichen Zoonosen-Monitoring 2013 in 66 % der Proben von frischem Hähnchenfleisch ESBL-bildende E. coli (Kolibakterium) nachgewiesen wurden.

Ende der 1990er Jahre starben dem US-amerikanischen Wissenschaftler Dudley Williams zufolge weltweit bereits rund 200.000 Menschen, weil Antibiotika ihnen nicht mehr helfen konnten. In den USA sorgte 2005 allein ein multiresistenter „Staphylococcus aureus“-Keim für 18.650 Todesfälle. In der Bundesrepublik Deutschland sterben nach Angaben des Max-Planck-Institutes alljährlich ca. 15.000 Personen, weil Antibiotika nicht mehr wirken.

Wir sehen dringenden Handlungsbedarf für Nachbesserungen hinsichtlich der Regeln zum Antibiotikaeinsatz in Tierhaltungen. Anlässlich der anstehenden Agrarministerkonferenz vom 7. – 9. September in Rostock-Warnemünde bitten wir um Nachricht, inwieweit die Beschlüsse der Agrarministerkonferenz vom April 2016 insbesondere zu sogenannten Reserve-Antibiotika umgesetzt wurden.

Das BVL wertet die Zahlen mit dem Verweis auf einen Rückgang der verwendeten Mengen als Erfolg. Das ist aus unserer Sicht voreilig, denn die erwähnte Reduktion um 401 Tonnen erlaubt keinen Rückschluss auf einen sparsameren oder sachgerechteren Umgang mit den Mitteln, da das BVL die höhere Effektivität gerade der neueren Mittel unzureichend berücksichtigt. Im Zuge dieses Wirkstoffwechsels können etwa mit Antibiotika wie BAYERs Baytril und anderen Arzneien wesentlich mehr Tiere behandelt werden als mit den herkömmlichen Antibiotika-Klassen. Eine Tonne des zur Gruppe der Fluorchinolone gehörenden Baytril von BAYER würde beispielsweise für die Behandlung von über zwei Millionen Mastschweine ausreichen, eine Tonne Tetrazyklin gerade einmal für 39.000 Schweine. Hinter der im BVL-Bericht vorgestellten „Halbierung“ des Antibiotika-Einsatzes in Tierställen kann sich somit tatsächlich sogar eine erhöhte Anzahl der mit Antibiotika behandelten Tiere verbergen.

Aus den genannten Gründen ist die nach der jüngsten Arzneimittelnovelle (16. AMG-Novelle) vorgeschriebene Angabe der Antibiotika-Verordnungen in Tonnen als Gradmesser eines Rückgangs oder Anstiegs des Antibiotikaeinsatzes irreführend und steht im Gegensatz zu einer transparenten Aufklärung, wie es das BVL leisten sollte. Es müssten vielmehr Kriterien verwendet werden, die sowohl die Wirksamkeit der Antibiotika, die Anzahl der behandelten Tiere und insbesondere die Risiken für Mensch, Tier und Umwelt berücksichtigen.

Um die Risiken für die „Eine Gesundheit“ (WHO: One Health-Prinzip) Mensch, Tier und Umwelt adäquat zu berücksichtigen, fordern wir die folgenden Maßnahmen zeitnah umzusetzen.

  • Als wichtigsten Schritt, der die Vergleichbarkeit der Antibiotika-Mengen sicherstellen würde, ist eine Angabe als „Defined Daily Doses“, als Erfassungskriterium notwendig, also der Zahl der pro Tag oder Tier verabreichten Antibiotika-Mengen.
  • Erfassung des Antibiotika-Einsatzes in allen Tierhaltungen, nicht nur in ausgewählten Mastbetrieben wie bisher.
  • Durchführung eines Antibiogramms (Wirksamkeitstest) als Pflichtvorgabe bei Antibiotikaeinsätzen (anstelle der bisher freiwilligen Durchführung).
  • Verbannung des Einsatzes von Reserve-Antibiotika aus Intensivtierhaltungen.
  • Einschränkung der Umwidmungsmöglichkeiten von Wirkstoffen.
  • Weiterhin ist eine notwendige Voraussetzung für einen deutlich geringeren Antibiotikabedarf in Tierhaltungen in Deutschland die Verbesserung des gesetzlichen Tierschutzes über die Nutztierhaltungs-Verordnung. Die Verwendung von (Reserve-)Antibiotika zur Kompensation von Haltungs-, Management- oder Hygienemängeln in der Intensivtierhaltung widerspricht dem One-Health-Prinzip.

Äußerst bedenklich stimmt uns in diesem Zusammenhang auch der weiterhin dutzende Tonnen betragende Einsatz von Colistin bei Tieren. Die aus humanmedizinischer Sicht unverzichtbaren Reserve-Antibiotika (siehe auch die „WHO list of Critically Important Antimicrobials [CIA]“) der Fluorchinolone, Cephalosporine der 3. und 4. Generation sowie von Colistin sollten nicht in der Massentierhaltung eingesetzt werden!

Wir gehen davon aus, dass Sie unsere berechtigten Sorgen nachvollziehen können und möchten Sie bitten, zeitnah folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche Änderungen der Kriterien zur Erfassung der Antibiotika-Abgaben an Tierärzte und Tierärztinnen werden Sie veranlassen?
  • Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um den Einsatz von Antibiotika in der Massen-Tierhaltung generell und insbesondere der „Reserve-Antibiotika“ nachhaltig zu reduzieren?
  • Werden Sie sich für ein Verbot der Verwendung von „Reserve-Antibiotika“ in der Massen-Tierhaltung einsetzen?

Mit freundlichen Grüßen,

Antonius Michelmann (Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V. (CBG – klick))

Dr. Jutta Weinmann (Ärzte gegen Massentierhaltung – klick)

Susan Haffmans (Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany – klick))

Alexandra Caterbow (Health and Environment Justice Support e.V.)

Reinhild Benning (Germanwatch e.V. – klick)

Dr. Claudia Preuß-Ueberschär (Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e.V. – klick)

Düsseldorf, den 6. September 2016

Kontakt:

Antonius Michelmann (Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V. (CBG))
Postfach 150418, D-40081 Düsseldorf, Tel.: 0211 333 911, Fax.: 0211 – 33 39 40)

Das könnte Sie auch interessieren:

Tierwohl jetzt in den Vergaberichtlinien der Weltbank

Nicolas Entrup teilt auf seinem Blog (klick) mit, dass die Weltbank in ihren neuen Vergaberichtlinien vom 4.8.16 (klick) das Tierwohl in den Kriterienkatalog für Projektfinanzierungen mit aufgenommen hat. Das hat Auswirkungen auf internationale Finanzinstitutionen, also Banken, die mit öffentlichen Geldern agieren und auch politische und ökonomische Lenkungsfunktionen übernehmen.

Bereits 2014 hat die European Bank for Reconstruction and Development die EU-Tierhalterichtlinien als Mindeststandards für Projektvergaben vorgeschrieben. 2016 wurde der Tierschutz Bestandteil der Exportkredit-Richtlinien der Organisation for Economic Co-operation and Development.

Mit den neuen Richtlinien hat Humane Society International (HSI klick) einen weiteren Meilenstein erreicht, denn damit wird ein starkes Signal gesetzt für die Beendigung zumindest der schlimmsten Auswüchse intensiver Nutztierhaltung. Chetana Mirle von HSI sagt dazu in der Presseerklärung (klick):

„Die Good Practice Note der IFC hält fest, dass die Umsetzung höherer Tierwohlstandards die Kosten reduzieren, die Produktivität erhöhen und Wettbewerbsvorteile bringen kann. Nahrungsmittelfirmen und Verbraucher, in Industrie- wie in Entwicklungsländern, verlangen zunehmend nach ethisch höherwertigen Produkten. Die Tierwohlanforderungen der Safeguard Policies gelten zwar nur für Großanlagen, aber wir hoffen, dass die Weltbank und andere Entwicklungsorganisationen auch die Kleinbauern dabei unterstützen werden, höhere Tierwohlstandards umzusetzen und davon zu profitieren.“

Das könnte Sie auch interessieren:

systematisches Töten männlicher Eintagsküken – der Ausstieg ist machbar

Pressemitteilung von Kirsten Tackmann, 12.4.2016

„Die Bundesregierung erwartet bei der Geschlechterbestimmung im Ei als Alternative zum Töten männlicher Küken der Legelinien ein kostenneutrales Verfahren. Da stellt sich die Frage, warum diese tierschutzwidrige Praxis ohne Not so lange geduldet wurde statt sehr viel früher Druck für die Entwicklung dieses Verfahrens zu machen. Diese Antwort der Bundesregierung auf meine Nachfrage ist ein politischer Offenbarungseid, der das Staatsziel Tierschutz zum Nebenschauplatz erklärt,“

kommentiert Dr. Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion die Antwort der Bundesregierung auf die schriftliche Frage, welche Mehrkosten pro Ei erwartet werden, wenn als Alternative zum systematischen Töten männlicher Eintagsküken von Legelinien das Verfahren der Geschlechtsbestimmung im Ei in die Praxis umgesetzt wird. Laut Bundesregierung seien Mehrkosten zu vernachlässigen, weil die Anwendung des Verfahrens Kostenvorteile durch Einsparungen von Brutkapazitäten und bei den Energiekosten bringe.

Tackmann weiter:

„Ob die Geschlechtsbestimmung im Ei und die anschließende Aussortierung der männlichen Hühnerembryos tatsächlich kostenneutral sein wird, bleibt abzuwarten. Das Verfahren ist auch eher eine Scheinlösung. Als LINKE und Tierärztin sehe ich das Zweinutzungshuhn mit einer ausgewogenen Fleisch- und Legeleistung als einen Ausweg aus dem alljährlichen Töten von 50 Millionen Eintagsküken in unserem Land. Weil so nicht nur das Kükentöten vermieden, sondern auch mehr Tierwohl erreicht wird. Österreich, die Niederlande und selbst die USA sind uns auf diesem Weg meilenweit voraus.

Auch die Aufzucht und Vermarktung der Brüder der Legehennen ist ein akzeptabler Weg. Eine Erzeugergemeinschaft in Finkenthal, Landkreis Rostock hat bereits hunderttausend Bruderhähne eingestallt. Zwei bis vier Cent mehr pro Ei als Querfinanzierung der Hälfte der Mehrkosten ist ein verkraftbarer Beitrag für mehr Tierschutz.“

Berlin, 12.04.2016

Das könnte Sie auch interessieren:

Forderungen des brandenburgischen Volksbegehrens gegen Massentierhaltung umsetzten!

Presseerklärung von Dr. Kirsten Tackmann (klick)

„Das Brandenburgische Volksbegehren gegen „Massentierhaltung“ (klick) hat politisch viel bewegt. DIE LINKE Brandenburg hat die Forderungen unterstützt. Unterdessen sind viele umgesetzt oder auf dem Weg. Beim Verbandsklagerecht bleiben wir dran.“ betont Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag und Landesvorstandsmitglied zum Abschluss des Volksbegehrens.

Tackmann weiter: „Es ist gut, dass die zu Beginn sehr zugespitzte Diskussion unterdessen zu einem sehr wichtigen gesellschaftlichen Dialog geworden ist, der längst auch auf bundesweites Interesse stößt. Dass ist auch das Verdienst der Initiatorinnen und Initiatoren des Volksbegehrens, das ich persönlich unterstützt habe.
Mit dem vom Landeswahlleiter veröffentlichten vorläufigen Ergebnis von 103.891 Stimmen wird das Quorum sehr deutlich erreicht. Das ist auch ein Sieg der direkten Demokratie.

Mega-Stallbauprojekte haben auch in Brandenburg nichts mit regionaler Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung oder Verbesserung des Tierwohls zu tun. Sie Verschlechtern die Lebensbedingungen vor Ort und vernichten im Saldo Arbeitsplätze durch Verdrängung ortsansässiger Tierhaltung. Damit dienen sie vor allem dem Interesse von Agrarinvestoren, nicht aber dem der Regionen oder der regionalen Landwirtschaft.“

Berlin, 15.01.2016

Das könnte Sie auch interessieren:

Was kann, was will Rot-Rot?

Es ist

  • nicht einmal drei Monate her, dass sich über 40 000 Menschen in Berlin zu der bisher machtvollsten Demonstration für eine Agrarwende und gegen Massentierhaltung versammelt haben. Sie haben genug von Überdüngung und Monokulturen, Pestizid­einsatz, immer neuen Versuchen gentech­nisch modifiziertes Saatgut anzubauen, von Mega-Ställen, die durch weitere Fleisch-Überproduktion in Deutschland Dumping-Preise auf dem Weltmarkt schaffen und die Existenz von kleineren Erzeugern in anderen Ländern ruinieren, vom damit verbundenen Medikamenten­ein­satz, der unsere Gesundheit durch resistente Keime gefährdet;
  • eine Woche her, seit Brandenburgs Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger mitteilte, auf die Einsetzung eines die Landesregierung beratenden Nachhaltigkeits­beirats[1] zu verzichten.

Nach der erfolgreichen Unterschriftensammlung für die Volksinitiative Brandenburg “Stoppt Massentierhaltung” mit knapp 34 000 Unterschriften wurden die Forderungen am 4.3.2015 wiederholt im parlamentarischen Ausschuss für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft behandelt: Die Volksinitiative fordert: Brandenburg soll nur noch artgerechte Tierhaltung fördern und das Abschneiden von Schnäbeln und Schwänzen in der Tierhaltung verbieten. Ein Verbandsklagerecht und die Stelle eines Tierschutzbeauftragten sollen den Tierschutz wirksam umsetzen. Zudem soll über Bundesratsinitiativen der Antibiotikaeinsatz stark eingeschränkt und Immissionsschutzgrenzwerte verschärft werden.
Bis auf Bündnis 90 / die Grünen haben alle Fraktionen dem Landtag empfohlen, die Volksinitiative abzulehnen.

Damit setzt die rot-rote Landesregierung nur konsequent ihren antiökologischen Kurs fort. Von der SPD, die den brandenburgischen Chef-Lobbyisten der (konventionellen) Landwirtschaft, den Präsidenten des Landesbauernverbandes Brandenburg e.V. und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes Udo Folgart zu ihrem agrarpolitischen Sprecher gemacht hat, war wohl nichts anderes zu erwarten. Aber DIE LINKE? War der Verzicht auf das Umweltministerium – der Bereich wurde jetzt dem Landwirtschaftsminister zugeordnet – der Preis für die Aufnahme in die Regierung? Vor allem: Was kann sie bewirken? Was will sie? Auf die Menschen hören, die ihre Sorgen und Nöte vortragen oder weiterhin auf abstraktes Wirtschaftswachstum setzen?

Kommentar

`Was will die Linke und was kann sie bewirken`? Es ist geradezu lächerlich – die Linke ist an der Regierung beteiligt und schon ist der `Mainstream` angesagt. Hauptsache regieren!
Das sind keine guten Perspektiven. Denn so wird die Linke nicht mehr gebraucht und damit nichts bewirken.
Es wird mir unheimlich, wenn ich an eine Beteiligung der Linken an der Bundesregierung denke!
Ich finde das alles ziemlich frustrierend.

Solidarische Grüße
Uschi Kappeler
9.3.15


[1↑] Der Nachhaltigkeitsbeirat wurde im März 2007 unter der rot-schwarzen Regierung berufen. Seine Internetseite besteht (am 9.3.15) nach wie vor. Dort steht mit Stand vom 9.9.14:

„Ein zukunftsfähiges Brandenburg braucht eine Politik, die sich am Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung orientiert. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es auch des Sachverstands von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Region. „

Das scheint für die neue rot-rote Regierung nicht mehr zu gelten. Oder war die auf der gleichen Seite formulierte Kritik an der bisherigen rot-roten Politik zu unbequem?

„Nach Auffassung des Beirats für Nachhaltige Entwicklung sollte die Landespolitik einen grundlegenden Perspektivwechsel vornehmen, um den Herausforderungen vor allem des Klimawandels und der demografischen Entwicklung begegnen zu können und die Lebensqualität für die Menschen in Brandenburg zu verbessern. Dazu bedarf es einer klaren Neuorientierung der Politik am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung. Erste Anhaltspunkte für die Ausrichtung der Landespolitik am Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung liefern die in der Landesnachhaltigkeitsstrategie entwickelten vier Kernfragen:

  • Werden die natürlichen Lebensgrundlagen so genutzt, dass die ökologische Tragfähigkeit der Erde bewahrt bleibt?
  • Dienen das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Handeln dazu, die Wohlfahrt und das Wohlbefinden zu erhöhen?
  • Tragen die internationalen Beziehungen Brandenburgs zu einer größeren Solidarität und Entwicklungsstabilität in der Einen Welt bei?
  • Fördert das Handeln von Politik, Verwaltung und Unternehmen die Teilhabe Aller an den Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen und damit die Demokratie als Lebensform?“

Das könnte Sie auch interessieren:

„Wir haben es satt!“-Sommeraktion

Liebe Aktive für eine bäuerliche, faire und gesunde Landwirtschaft,

nach den erfolgreichen „Wir haben es satt!“-Demonstrationen im Januar 2011, 2012 und 2013 in Berlin, wird es dieses Jahr zum ersten Mal eine „Wir haben es satt!“-Sommeraktion geben.

Vor den Bundestagswahlen wollen wir die „Wir haben es satt!“-Bewegung an einen Brennpunkt der Agrarindustrie bringen: an den größten Geflügelschlachthof Europas in Wietze/Celle, Niedersachsen, in dem 430.000 Hühner täglich ge­schlach­tet werden sollen. Der Schlachthof ist ein Symbol für die verfehlte Agrarpolitik der Bundesregierung und steht für Exportdumping auf der einen Seite und Importe von gentechnisch veränderten Futtermitteln auf der anderen Seite, für Megaställe mit qualvoller Tierhaltung, hohe Umweltbelastungen und Bauern, die von der Agrarindustrie verdrängt werden. Das haben wir satt!

Am 31. August 2013 rufen wir gemeinsam mit vielen Partnerinnen und Partnern zur Demonstration und Menschenkette um den Schlachthof in Wietze auf. Parallel dazu findet vom 29. August bis 1. September 2013 das „Wir haben es satt!“-Sommercamp statt mit einem vielfältigen Workshop-Programm und Musik. Neben Kundgebung, Demonstration und der Menschen­kette wird ein weiterer Höhepunkt das Konzert mit der Band „Ratatöska“ sein. Für gutes Essen sorgen Wam Kat und die Fläming Kitchen.

Damit wir in Wietze mit vielen Menschen ein starkes Zeichen setzen können, braucht es Unterstützung! Kommen Sie zur Demonstration und laden Sie Ihre Freunde und Familie ein. Was Sie außerdem tun können: Machen Sie auf die Demonstration aufmerksam, verteilen Sie Flugblätter oder hängen Sie Plakate auf!

Den Aufruf zur Aktion gibt es unter: http://www.wir-haben-es-satt.de/start/sommeraktion-wietze/aufruf/.
Flyer und Plakate können über unsere Homepage bestellt werden: http://www.wir-haben-es-satt.de/material
Größere Mengen bitte per E-Mail bestellen (info@wir-haben-es-satt.de).
Informationen zur Anreise finden Sie unter http://www.wir-haben-es-satt.de/start/sommeraktion-wietze/anreise/
Dort wurden bereits zahlreiche Busse und Radtouren nach Wietze angemeldet. Auch von Berlin aus fährt ein Bus nach Wietze! Bei Interesse bitte bei Luise Körner anmelden: koerner@meine-landwirtschaft.de oder 030-28482437.
In der Mitfahrbörse können Sie auch Mitfahrgesuche eingeben oder selbst einen Bus organisieren.

Wir freuen uns auf eine starke und bunte Demonstration und Menschenkette! Seien Sie dabei!

Herzliche Grüße,

Iris Kiefer, Jochen Fritz, Luise Körner und Julian Maguhn
für das „Wir haben es satt!“-Team

PS:

Und im Vorfeld starten wir die erste bundesweite Grill-Demo – vom 23.-25. August 2013 wird gegen die Agrarindustrie gegrillt. Es wurden bereits über 560 Grill-Partys angemeldet. Sie wollen auch mitmachen? Weitere Infos unter: http://www.wir-haben-es-satt.de/grillen/

Das könnte Sie auch interessieren:

Massentierhaltungs-Gegner verhindern immer mehr Tierfabriken

Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.; 23.04.2013

Bürgerinitiativen- und Verbände-Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ stoppt binnen 4 Monaten 16 Tierfabriken für 880.000 Masthühner, 70.000 Schweine und 20.000 Puten.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) berichtet über die Verhinderung immer neuer Großmastanlagen durch das bundesweite Bürgerinitiativen- und Verbände-Netzwerk „Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken“. AbL-AgrarindustrieExperte Eckehard Niemann beglückwünschte die beharrlichen Agrarfabriken-GegnerInnen und Gemeinden zu diesen Erfolgen und wies darauf hin, dass in den letzten drei Jahren seit Gründung des Netzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ mehr als 50 Agrarfabriken erfolgreich verhindert oder vorläufig gestoppt worden seien. Hinzu kämen vermutlich mehrere hundert ursprünglich geplante Anlagen, deren Investoren jedoch wegen der zu erwartenden Auseinandersetzungen von ihren Vorhaben Abstand genommen hätten.

Allein in den letzten 4 Monaten sind laut AbL 16 Großanlagen gestoppt worden:

Ende 2012 setzte der BUND im mecklenburgischen Kuppentin (bei Plau) die vorläufige Stillegung einer 130.000er Hähnchenmastanlage gerichtlich durch, die zuvor vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt genehmigt worden war. DasOVG Greifswald forderte eine Umweltverträglichkeitsprüfung hinsichtlich eines benachbarten Europäischen Naturschutzgebiets.

Ebenfalls im Dezember erreichte die Bürgerinitiative Dielmissen die Versagung der Genehmigung einer Hähnchenmastanlage durch den Landkreis Holzminden.

Vor einigen Wochen erreichte die sächsische Gemeinde Zschepplin beim OVG Bautzen eine ähnlich aufschiebende Wirkung gegenüber den Bauplänen dänischer Investoren für eine 11.000erSchweinemastanlage im Ortsteil Krippehna. Vor einer letztinstanzlichen Entscheidung dürfte die Anlagen nicht gebaut oder betrieben werden.

Ende Januar war die mecklenburgische Gemeinde Mestlin vor dem Verwaltungsgericht Schwerin erfolgreich mit ihrer Forderung nach einer vorläufigen Stilllegung einer 2008 genehmigten 1500er Schweineanlage – deren Bau habe gegen die Vogelschutzrichtlinie verstoßen.
Das OVG Magdeburg entschied zugunsten der klagenden Stadt Genthin, dass der agrarindustrielle Straathof-Konzern eine auf 50.000 Ferkelplätze erweiterte frühere LPG-Anlage auf genehmigte 11.000 Tiere binnen 4 Monaten zurückbauen muss.

Im Februar erfolgte außerdem die vorläufige Stillegung zweier Hähnchenmastanlagen im emsländischen Wippingen mit 84.000 Stallplätzen. Gegen das Vorhaben hattengut 100 Privatpersonen und zehn Verbände Einwendungen erhoben und gegen die Genehmigung durch den Landkreis Emsland sowie gegen den sofortigen Baubeginn Widerspruch eingelegt. Das Verwaltungsgericht Osnabrück folgte der Klage des NABU und ihres Anwalts Peter Kremer, die die unzureichende gutachterliche Berücksichtigung der Stickstoff-Emissionen auf die benachbarte Natur und die Gefährdung der Anwohner durch Bioaerosole moniert hatten.

Ende Februar stoppte die Bürgerinitiative Diesdorf  (bei Salzwedel) mit Unterstützung des Bürgerinitiativen- Netzwerks und des BUND eine geplante 200.000er-Hähnchenmastanlage.

Und am 1. März gaben der BUND Thüringen und die Bürgerinitiative „Diamantene Aue“ den Erfolg der Klage beim Verwaltungsgericht Weimar gegen die Genehmigung einer 8000er Schweinemastanlage in Oldisleben bekannt. Die Beeinträchtigung benachbarter FFH-Gebiete und Biotope war bei der Genehmigung durch das Landesverwaltungsamt nicht richtig berücksichtigt worden.

Im mecklenburgischen Wattmannshagen wurde der Bau einer 200.000er Hähnchenmastanlage gestoppt.

Anfang März stoppte das Amt für Raumordnung und Landesplanung Region Rostock den Neubau einer Mastanlage für 7.900 Schweine in Suckwitz wegen fehlender Verträglichkeitsuntersuchungen zum Naturschutz und zur Betroffenheit des Tourismus unbefristet gestoppt.

Im März 2013 untersagte das Verwaltungsgericht Osnabrück in Bippen die Rodung von 1,7 ha Wald im Naturpark Teutoburger Wald für 2 x 50.000 Hähnchenmastplätze.

Ende März erreichte die Bürgerinitiative Hüllhorst/Tengern (bei Minden), dass der Investor seinen Antrag auf Bau einer 39.000er Hähnchenmastanlage zurücknahm.

Ebenfalls im März wies das OVG Münster die Beschwerde eines Investors zurück, der seine Putenmastanlage von 35.000 auf 55.000 Mastplätze auftstocken wollte, obwohl sie teilweise in einem Naturschutzgebiet lag.

Anfang April 2013 zog auch der Investor für zwei Hähnchenmastanlagen (85.000 Mastplätze) im niedersächsischen Springe/Boitzum unter dem Druck der örtlichen Bürgerinitiativen des Landesnetzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ seinen Bauantrag zurück.

Der Landkreis Stade versagte aus Immissionsschutzgründen die Genehmigung für einen 2.000er Schweinemaststall.

Der niederländische Agrarindustrielle muss laut Urteil des Landesverwaltungsgerichts eine ungenehmigte Biogasanlage bei seinen Schweine-Anlagen in Binde (bei Salzwedel) stilllegen, dies droht auch weiteren ungenehmigt gebauten Stallanlagen.

Der Druck dieser starken gesellschaftlichen Bewegung, so die AbL, führe auch bereits zu politischen Erfolgen: Die geplante Bundesbaugesetz-Novelle werde den Gemeinden endlich das Recht zuerkennen, gemäß ihrer Planungshoheit gewerbliche Großmastanlagen zu verhindern. Dieses Gesetz, deren Schärfe derzeit noch zwischen Bundesregierung und Bundesrat strittig sei, müsse nun rasch verabschiedet werden.

Auch die Filtererlasse in NRW und Niedersachsen begrenzten den Zubau agrarindustrieller Ställe und den damit verbundenen erzeugerpeis-drückenden Zuwachs an Überschüssen. Dies begünstige die große Mehrheit bäuerlicher Tierhalter. „Schlechte Perspektiven für die konzern- und antibiotika-abhängige Massentierhaltung in Agrarfabriken“, so AbL-Agrarindustrie-Experte Eckehard Niemann, „immer bessere Aussichten für eine flächengebundene, artgerechte Tierhaltung in unabhängigen bäuerlichen Strukturen mit fairen Erzeugerpreisen für Klasse statt Masse und mit gesellschaftlicher Akzeptanz!“

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.
Landesverband Niedersachsen/Bremen
Pressesprecher: Eckehard Niemann
Varendorferstr.24, 29553 Bienenbüttel

Das könnte Sie auch interessieren:

Rückgang der Schlachtzahlen in Deutschland

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt hat Daten des Statistischen Bundesamtes ausgewertet und festgestellt, dass die Schlachtzahlen in Deutschland 2012 erstmals seit 1997 rückläufig sind.
Das betrifft vor allem Masthühner, Schweine und Legehennen. Auch bei fast allen anderen Nutztierarten sind die Zahlen gesunken. Einzig die Schlachtung der Enten hat zugenommen.

Artikel lesen

Der weltweite Fleischverbrauch hat sich in den vergangenen 50 Jahren von 70.000.000 Tonnen im Jahr 1961 auf mittlerweile 283.000.000 Tonnen pro Jahr vervierfacht.
Wenn der hohe Fleischkonsum der Industrieländer gleich bleibt und sich städtische Mittelschichten in China und anderen Schwellenländern diesem Niveau weiter annähern, wird der Trend anhalten.[1]

Über die negativen ökologischen Auswirkungen der Tierzucht ist schon viel geschrieben worden (z.B. hier) – ohne dass „eingefleischte“ Landwirte die Fakten zur Kenntnis nehmen und für sich, die eigene Produktions- oder gar Lebensweise Schlussfolgerungen ziehen.
Statt dessen begegnen wir „Argumenten“ wie

  • „Die Landwirtschaft muss die Bevölkerung ernähren.“ (Deutschland ist Netto-Fleisch-Exporteur.) oder
  • „Ich will auf meinen Braten nicht verzichten“. (In Deutschland waren 2011 67,1 % der Männer und bei 53,0 % der Frauen übergewichtig – Tendenz steigend.)

Im Prinzip sind das die gleichen Verdrängungsmechanismen, wie bei bei Autofahrern, die sagen: „Auto fahren macht Spaß, schnell fahren macht noch mehr Spaß.“ oder „Mein SUV ist schon sparsam. Es verbraucht pro kg Eigengewicht gaaanz wenig Sprit.“

Fakt ist, dass die Viehhaltung enorme Auswirkungen auf die Umwelt hat. Auf ihr Konto gehen 18% der gesamten Treibhausgas-Emissionen und 9% aller von Menschen verursachten CO2-Emissionen. Weltweit verursacht sie etwa 8% des menschlichen Wasserverbrauchs, vor allem für die Bewässerung beim Anbau von Futtermitteln. 26% der globalen Landfläche sind Weideland, 33% des Ackerlandes dient der Futter-Produktion. 70% der landwirtschaftlichen Nutzfläche und 30% der globalen Landfläche werden so von der Tierhaltung beansprucht.
In den USA verursacht die Tierhaltung 55% der Bodenerosion und Sedimentation, 37% des Pestizid-Einsatzes, 50% des Antibiotika-Verbrauchs und ein Drittel der Süßwasser-Belastung mit Stickstoff und Phosphat. (Global, S. 518)

Die Tierärztin Anita Idel, Mitbegründerin der Gesellschaft für Ökologische Tierhaltung und des gen-ethischen Netzwerkes,  hat ein Buch herausgebracht mit dem Titel „Die Kuh ist kein Klima-Killer. Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können“.[2]
In ihrem Artikel „Eine Kuh ist kein Auto – Warum Kühe keine Klima-Killer sind“ schreibt sie zu ihrem Buch auf der Seite des BUND:

„In der öffentlichen Diskussion ist alles ganz einfach: Die Kuh ist ein Klima-Killer, Punkt! Das Rindvieh rülpst riesige Mengen Methan in die Atmosphäre und gelegentlich furzt es auch noch. Wegen dieser Emissionen werden Kühe gern mit Autos verglichen – und verlieren: Denn ihr Ausstoß besteht nicht aus Kohlendioxid, sondern aus Methan, das vielfach schädlicher ist fürs Klima als CO2.

Doch was ist an dieser Diskussion falsch? Beinahe alles. Erstens wirft man einen sehr oberflächlichen Blick auf die Landwirtschaft, statt zwischen den verschiedenen Agrarsystemen zu unterscheiden – von nachhaltig und ressourcenschonend bis energieaufwändig industrialisiert. Zweitens beschränkt sich der Blick auf nur ein Klimagas, das Methan, ohne das viel relevantere Lachgas einzubeziehen und über den Tellerrand zu schauen. Denn drittens zählen zum Gesamtbild auch die positiven Effekte grasender Wiederkäuer. Ihr Beitrag für die Humusbildung und damit für die Klimaentlastung wird in Gänze unterschlagen.

Ja, Kühe rülpsen Methan. Dennoch sind Rinder unverzichtbar für die Welternährung — durch ihren Beitrag zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und zur Begrenzung des Klimawandels in nachhaltiger Weidehaltung. Deshalb müssen wir nicht nur Kuh und Co rehabilitieren, sondern auch die Frage nach dem richtigen System stellen, Die Entscheidung, ob wir mit Kühen das Klima killen oder das Klima schützen, liegt bei uns.“

Wenn zur Fütterung Pflanzen verwendet werden, die zur direkten menschlichen Ernährung nicht geeignet sind, wird das Lebensmittelangebot gesteigert. Tiere liefern Dünger, können zur Bodenbearbeitung beitragen, als Zug- und Lasttiere arbeiten, Abfälle verwerten und die Ernährungssicherheit stabilisieren.
Das Problem der industriellen Landwirtschaft ist aber: Die Masttiere fressen nicht mehr Gras, sondern Mais, Soja, Weizen und anderes Getreide. Dafür werden Ackerflächen benötigt, die der direkten Lebensmittelproduktion verloren gehen.

Weitere Artikel zur Frage „Bio-/industrielle Landwirtschaft – Klimaschutz“


[1↑] siehe Weltagrarbericht

[2↑] Metropolis-Verlag, 2012; 210 Seiten;· 14,50 EUR; ISBN 978-3-89518-820-6

Das könnte Sie auch interessieren:

Verbraucher wollen keine Käfig-Eier

Rede von Karin Binder, DIE LINKE im Deutschen Bundestag am 21.03.2013

Eier und Fleisch sollen nicht aus einer quälerischen Massentierhaltung kommen. Das ist der klare Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher. Dazu muss man an der Ladentheke nachvollziehen können, woher die Erzeugnisse kommen und wie die Tiere gehalten wurden. Versprechen der Hersteller helfen hier wenig.


Das könnte Sie auch interessieren:

Bio-Bluff

Mit freundlicher Genehmigung der Kleine(n) Zeitung GmbH & Co KG; 8010 Graz, Schönaugasse 64 geben wir hier eine Rezension wieder:

Die Geschichte von den gestressten Bio-Hühnern

Eines scheint klar: Es wird wieder für Aufregung sorgen, das neue Buch von Clemens G. Arvay.
Wie schon in „Der große Bio-Schmäh“, scheut der Grazer Agrarbiologe auch in „Friss oder stirb“ den Kampf mit den großen Handelsketten in keiner Weise.

Arvay berichtet von Irreführung der Konsumenten, falscher Landwirtschaftsidylle und dreistem Etikettenschwindel im Lebensmittelhandel. Aktueller denn je, möchte man meinen – wenig verwunderlich ist dahin gehend, dass der ursprüngliche Erscheinungstermin des Buches nach vorne verlegt wurde.

Elf Wochen lang reiste Arvay quer durch Europa und besuchte Landwirte in Österreich, Deutschland, Wales oder England – am Ende der Reise stehen 210 Seiten, geprägt von abwechselnden Textgattungen und Schauplätzen. In Interviews lässt der 33-Jährige Bio-Bauern von der „Überschwefelung im Bio-Apfelbau“ erzählen – in reportageartigen Sequenzen schildert er, wie ihm mit fadenscheinigen Ausreden der Zutritt zu Stallungen von „Bio-Hühnern“ verweigert wurde.

Kosmetische Normen für Karotten, Federnkannibalismus bei gestressten Hühnern, falsch deklarierte Bio-Lebensmittel in österreichischen Supermärkten. Arvay schreibt schonungslos, bleibt dabei aber präzise und umfassend. Viele Kritikpunkte kennt man aus seinem Vorgängerwerk, neu ist der lösungsorientierte zweite Teil des Buches.

Der Autor verfasst ein Plädoyer für ein dezentrales Lebensmittelsystem und beschwört das Modell einer solidarischen Landwirtschaft. Weg von fixen Abnahmepreisen und weg von Supermärkten und Discountern, die für Arvay neben dem unkritischen Konsumenten das Problem darstellen. Die Hoffnung auf wirklich ökologisch produzierte Nahrungsmittel geht nach der Lektüre nicht verloren. Im Gegenteil: Viele positive Beispiele hat der Steirer gefunden – manchmal musste er halt länger suchen.

MARKUS ZOTTLER

Trailer zum Buch:


Clemens G. Arvay: Friss oder strirb; Ecowin Verlag GmbH, 232 Seiten, 21,90 €, ISBN 978-3-7110-0030-9

Das könnte Sie auch interessieren:

Nutztierhaltung tierschutzgerecht, sozial und ökologisch

Rede von Alexander Süßmair, DIE LINKE im Deutschen Bundestag am 23.1.2013

Die Tierhaltungssysteme in der Landwirtschaft müssen verbessert und an die Tiere angepasst werden. Nicht nur ökonomische Kriterien sondern auch die Einhaltung von ökologischen, sozialen und ethischen Faktoren sind zu beachten. Regionale Kreisläufe müssen ökologisch und ökonomisch nachhaltig gestaltet werden. Das Baurecht und das Immissionsrecht müssen so geändert werden, dass die Kommunalpolitik mehr Einflussmöglichkeiten bei Stallanlagen hat. Die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in der Tierhaltung müssen verbessert, ihre Löhne erhöht und der gesetzliche Mindestlohn eingeführt werden. Die Menschen wollen, dass sich in der Landwirtschaft einiges grundsätzlich verändert. Dafür werden wir von der LINKEN uns einsetzen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Unhaltbare Zustände in der Massentierhaltung

Rede von Dorothée Menzner, DIE LINKE im Deutschen Bundestag am 17.01.2013

Die intensive Putenhaltung ist in Niedersachsen ein Wachstumsbereich. Dadurch kommen die Haltungsbedingungen auch zunehmend mehr Menschen ins Bewusstsein und werden in der Öffentlichkeit diskutiert. Die Tatsache, dass Puten nicht in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung aufgeführt sind, hat zu skandalösen Zucht- und Haltungsbedingungen geführt.

 


Das könnte Sie auch interessieren:

Schwarz-Gelb versagt beim Tierschutz

Rede von Alexander Süßmair, DIE LINKE im Deutschen Bundestag am 13.12.2012

Anstatt die EU-Tierversuchsrichtline in deutsches Recht umzusetzen und Verbesserungen für den Tierschutz einzuführen, missbrauchen CDU/CSU und FDP diese Richtline dazu, mit ihrem Gesetzentwurf Verschlechterungen über die Hintertüre einzuführen. Schwaz-Gelb ignoriert die Erwartungen der Bevölkerung an mehr Tierschutz, und knickt vor der Agrarlobby, der Pferdezüchterlobby und vor der Lebensmittelindustrie ein. Das ist ein Skandal. DIE LINKE will ein unverzügliches Verbot des Schenkelbrandes bei Pferden, der betäubungslosen Kastration von Ferkeln, und der Haltung von Wildtieren in Wanderzirkussen. Es muss Schluss sein mit den Billiglöhnen und der Akkordarbeit in Schlachthöfen, Tiertransporte müssen auf vier Stunden begrenzt werden. Die Überwachungsbehörden müssen besser ausgestattet werden. Die Förderpolitik muss so geändert werden, dass tiergerechte Produktion unterstützt wird.


Das könnte Sie auch interessieren:

Antibiotika in der Tierhaltung: Aigner bemüht sich

Pressemitteilung

von Dr. Kirsten Tackmann (MdB); Sprecherin für Agrarpolitik; Fraktion DIE LINKE. im Bundestag; Berlin, 30.03.2012

„Die Bundesregierung ist bemüht aber zu zögerlich. Selbst kleinste Schritte zur Lösung des Problems will Ministerin Aigner noch nicht gehen,“ kommentiert Dr. Kirsten Tackmann die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion. In der Kleinen Anfrage „Maßnahmen zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung“ wurden der Bundesregierung 32 kritische Fragen gestellt (Bundestagsdrucksache 17/8744). Tackmann weiter:

„In der Kleinen Anfrage hat die Linksfraktion viele kritische Fragen auf Anregung von Tierärztinnen und Tierärzten gestellt. Wir wollen die Debatte versachlichen aber konsequent gemeinsam gegen Antibiotika-Missbrauch im Stall vorgehen. Wann der angekündigte Gesetzentwurf endlich dem Bundestag vorgelegt wird, wollte mir die Bundesregierung nicht beantworten. Die Linksfraktion hat ihre Vorschläge zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes bereits im Januar auf den Tisch gelegt.

Leider spricht sich die Bundesregierung nicht für ein Werbeverbot bei verschreibungspflichtigen Tiermedikamenten aus. Dabei könnte ein solches Verbot helfen, unnötige Begehrlichkeiten der tierhaltenden Betriebe zu reduzieren. Genauso wenig will die Regierung Mindeststandards für die tierärztliche Bestandbetreuung gesetzlich verbindlich regeln. Dabei wäre die Integration der veterinärmedizinischen Bestandbetreuung ein wichtiger Schritt um möglichst gesunde Bestände zu haben. Dazu gehört natürlich auch die entsprechende Betreuung durch qualifiziertes landwirtschaftliches Personal und tiergerechte Haltungsbedingungen.

Ich spreche mich für eine klare Trennung zwischen antibiotischen Wirkstoffen aus, wenn diese sowohl beim Menschen als auch beim Tier eingesetzt werden. Das sind 26 Wirkstoffe. Die Antwort der Bundesregierung zeigt ganz klar, dass es dabei nicht zu einem Therapienotstand in den Ställen kommen wird. Also, wieso sollten wir warten und weiterhin ein Risiko eingehen?“

Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Linksfraktion finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren:

Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung

Kleine Anfrage

der Abgeordneten Dr. Kirsten Tackmann, Jan van Aken, Dr. Dietmar Bartsch, Karin Binder, Eva Bulling-Schröter, Katja Kipping, Kersten Steinke, Sabine Stüber, Alexander Süßmair, Kathrin Vogler, Harald Weinberg, Sabine Zimmermann und der Fraktion DIE LINKE.

Maßnahmen zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung

Die Anwendung von Antibiotika zur Behandlung von bakteriellen infektiösen Erkrankungen in einem Nutztierbestand ist notwendig und auch tierschutzkonform, wenn Infektionskrankheiten bei Tieren im Bestand diagnostiziert wurden. Immer wieder steht jedoch die unverhältnismäßige oder gar missbräuchliche Anwendung von Antibiotika auch in der Tierhaltung in der Kritik. Zu Recht erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher einen sorgsamen Umgang nicht nur mit Antibiotika, sondern auch mit allen anderen Tierarzneimitteln.

Untersuchungen aus dem Jahr 2011 legen nahe, dass Antibiotika zu oft regelwidrig zur Verhütung von Infektionen, zur ungezielten Steigerung der Tiergesundheit oder auf Verdacht verabreicht werden. Besonders dort, wo es an Hygiene oder fachgerechter Betreuung mangelt, steigt das Risiko von Infektionskrankheiten. Durch die Haltung vieler Tiere auf engem Raum ergeben sich mehr Kontaktmöglichkeiten. Dadurch steigt das Risiko schwerwiegender Bestandserkrankungen und damit die Anforderungen an ein tierwohl-orientiertes Bestandsmanagement. Statt Haltungs- und Betreuungsmängel zu beseitigen, wird zu oft versucht, mit umfangreichen Antibiotika-Anwendungen die Bestandsgesundheit zu erhalten. Diese Praxis im rechtlichen Graubereich scheint in einigen Ställen gängige Praxis zu sein.

Wir fragen die Bundesregierung:

  1. Wann wird die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur Änderung des Arzneimittelgesetzes im veterinärmedizinischen Bereich in den Deutschen Bundestag einbringen?
  2. Welche Studien sind der Bundesregierung bekannt, die eine unterschiedlich hohe Infektionsrate bei unterschiedlichen Tierhaltungssystemen aufzeigen, und welches sind die Ergebnisse?
  3. Stimmt die Bundesregierung der Aussage zu, dass durch eine tierschutzkonforme Tierhaltung das Infektionsrisiko gesenkt werden kann?
    Falls ja, welche Maßnahmen wird die Bundesregierung diesbezüglich in die Wege leiten?
  4. Welche Hinweise sind der Bundesregierung bekannt, die die Tierhaltung als Quelle von Antibiotikaresistenzen nahelegen?
    Welche Bedeutung hat dies insbesondere auf multiresistente Keime?
    Welche Rückschlüsse zieht die Bundesregierung daraus?
  5. Welche Sonderregelungen gibt es für die Geflügelhaltung, und wie begründet die Bundesregierung diese?
    Welche Infektionsraten in der Geflügelhaltung im Vergleich zu Infektionsraten bei der Haltung anderer Tierarten sind der Bundesregierung bekannt,und welche Zusammenhänge sieht sie zu den genannten Sonderregelungen?
  6. Welche konkreten Bestandteile der Leitlinien zur Verabreichung von Antibiotika, die über das in der Bundestagsdrucksache 17/8338 in der Antwort zu Frage 15 genannte Beispiel hinausgehen, wird die Bundesregierung rechtsverbindlich festschreiben?
  7. Wie wird die Bundesregierung die Integration der veterinärmediznischen Bestandsbetreuung in den Produktionsprozess der Nutztierhaltung gesetzlich verankern?
  8. Welche wissenschaftlichen Projekte befassen sich nach Kenntnis der Bundesregierung mit der Identifizierung von häufig bzw. latent in Nutztierbeständen auftretenden Krankheiten und sich daraus ableitenden Empfehlungen zum Hygiene- und Haltungsmanagement bzw. zu Behandlungskonzepten?
  9. Sind weitere Projekte mit dieser Zielrichtung geplant (bitte beschreiben), und wie werden diese finanziert?
  10. Plant die Bundesregierung (analog zur Humanarzneimittelpreisverordnung) für Tierarzneimittel, insbesondere Antibiotika, eine Änderung der bisherigen Höchstpreis- in eine Mindestpreis-Verordnung (bitte begründen)?
  11. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Bestrebungen, auf EU-Ebene das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Tierarzneimittel zu lockern oder abzuschaffen, und welche Position vertritt sie dazu in Brüssel?
  12. Welche Aussichten haben nach Kenntnis der Bundesregierung Bestrebungen nach einer einheitlichen Verschreibungspflicht für Tierarzneimittel, und welche Position vertritt sie dazu in Brüssel?
  13. Wann und wie wird die Bundesregierung Forderungen nach einer gesetzlichen Verankerung gezielter Organentnahmen unter definierten Bedingungen zur besseren Diagnostik umsetzen?
  14. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung zur Verbesserung der Überwachung und der sicheren Entsorgung von Restmengen von Tierarzneimitteln in landwirtschaftlichen Betrieben und tierärztlichen Praxen?
  15. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung zur Unterbindung des illegalen grenzüberschreitenden Tierarzneimittelverkehrs und der effektiven Überwachung des Internethandels?
  16. Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung für notwendig und geeignet, um das Studium und die postgraduale Ausbildung von Tierärztinnen und Tierärzten hinsichtlich pharmakologischer und arzneimittelrechtlicher Kenntnisse zu qualifizieren, und wie und in welchem Zeitraum wird sie diese Maßnahmen umsetzen?
  17. Welchen Stellenwert misst die Bundesregierung dem Wissenschaftsgebiet Epidemiologie unter den aktuellen Bedingungen globalisierter Handels- und Personenströme zu?
  18. Welche finanziellen und personellen Mittel stellt der Bund für welche epidemiologischen Forschungsprojekte bereit?
  19. Hält die Bundesregierung gesetzlich verankerte und überwachte Qualitätssicherungsmaßnahmen in den tierärztlichen Praxen für notwendig, und welche Regelungen sollten zur guten Veterinärmedizinischen Praxis gehören?
  20. Muss nach Ansicht der Bundesregierung das Dispensierrecht für Tierarzneimittel geändert werden und wenn ja, wie?
    Wenn nein, warum nicht?
  21. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Belastung von Gewässern durch Rückstände von Tierarzneimitteln? Wie kann der Eintrag solcher Stoffe in die Umwelt weitgehend verhindert werden, und was sind die häufigsten Ursachen solcher Einträge?
  22. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über den Antibiotikaeinsatz bei Fischen, insbesondere in Aquakulturen, und davon ausgehende Umweltbeeinträchtigungen und Gesundheitsrisiken für Verbraucherinnen und Verbraucher?
  23. Welche Antibiotika werden sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin eingesetzt, und welche dieser Antibiotika hält die Bundesregierung in der Anwendung bei welchen Tierhaltungsformen für unersetzlich?
  24. Welche Behandlungsnotstände wären bei strikter Trennung von human- und veterinärmedizinisch verwendeten Wirkstoffen in der Tierhaltung zu erwarten?
  25. Welche Untersuchungen sind der Bundesregierung zur sachgerechten Anwendung antibiotischer Wirkstoffe in der Heim- und Haustierhaltung sowie im Gartenbau bekannt?
  26. Wie bewertet die Bundesregierung die Gabe des Spurenelementes Zink als Futtermittelzusatzstoff in der Tiermast, und welche Erfahrungen aus Dänemark oder anderen EU-Mitglieds- oder Drittstaaten sind ihr in diesem Zusammenhang bekannt?
  27. Welche Studien sind der Bundesregierung zur Wirkung des Spurenelementes Zink als Futtermittelzusatzstoff bekannt, und welche Rückschlüsse zieht sie aus diesen wissenschaftlichen Ergebnissen?
  28. Sieht die Bundesregierung Möglichkeiten bei der Bekämpfung von Faktorenkrankheiten in Beständen intensiver Tierproduktion auf den Einsatz von Antibiotika zu verzichten und Alternativen wie z. B. den Einsatz von Senfölen als Futterzusatz zu fördern (bitte begründen)?
  29.  Welche Rückschlüsse zieht die Bundesregierung aus dem Beschluss des Bundesrates vom 10. Februar 2012 (TOP 75) hinsichtlich
    a) einer Neudefinition von Tierhaltung mit europaweit klaren und umfassenden Standards einer tiergerechten Haltung;
    b) der Verpflichtung der Mitgliedstaaten zur Errichtung von nationalen Datenbanken, in denen die Antibiotikaabgabe und -anwendung vom Hersteller, Handel über den Tierarzt bis hin zum Landwirt lückenlos und umfassend dokumentiert wird;
    c) der Festlegung von Antibiotika, deren Anwendung allein der Humanmedizin vorbehalten bleiben soll (Reserveantibiotika) und für die eine Anwendung am Tier im Regelfall ausgeschlossen ist?
  30.   Gibt es aus Sicht der Bundesregierung einen generellen Zusammenhang der Bestandsgröße bzw. Bestandsdichte in der Tierhaltung und der Einsatzhäufigkeit von Antibiotika (bitte begründen)?
  31.   Kann der Antibiotikaeinsatz in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung nach Ansicht der Bundesregierung als ein Indikator tiergerechter Haltungsverfahren entwickelt werden (bitte begründen)?
  32.   Wann wird die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur Änderung des Baugesetzbuches – speziell für Bauten im Außenbereich – in den Deutschen Bundestag einbringen?

Berlin, den 27. Februar 2012
Dr. Gregor Gysi und Fraktion

Das könnte Sie auch interessieren:

Weniger Antibiotika bei der Tierhaltung

Rede von Heinz-Werner Jezewski, DIE LINKE im Deutschen Bundestag am 25.1.2012

Am 25.01.2012 versuchte Heinz-Werner Jezewski die anderen Parteien zu überzeugen, dass der übermäßige Einsatz von Antibiotika bei der Tierhaltung gesenkt werden muss, um den teilweise lebensbedrohlichen Gefahren, wie der wachsenden Resistenz von Bakterien, entgegen zu wirken.

==> ansehen

Das könnte Sie auch interessieren:

Neue Tierkrankheiten: Bundesregierung muss Notfonds einrichten

Pressemitteilung von Dr. Kirsten Tackmann, MdB

„Immer wieder sind Agrarbetriebe von existenzgefährdenden Tierkrankheiten betroffen, deren Ursachen zunächst und manchmal auch längere Zeit unbekannt sind. Ist der Fall nicht aufgeklärt, gibt es auch keine Entschädigung. Erinnert sei an das „Blutschwitzen“ von Kälbern oder aktuelle Berichte über den sogenannten „chronischen Botulismus“. Der wissenschaftliche Streit über die tatsächlichen Ursachen darf nicht auf dem Rücken der tierhaltenden Betriebe ausgetragen werden. Für solche Fälle muss die Bundesregierung einen Notfonds einrichten,“ fordert die agrarpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE, Dr. Kirsten Tackmann.

Die Linksfraktion hatte für den Bundeshaushalt 2012 eine Millionen Euro zur Unterstützung betroffener Betriebe gefordert. Dies wurde abgelehnt. In der Fragestunde am Mittwoch stellte die Bundesregierung noch einmal klar, dass sie ein solches Vorhaben nicht unterstützt.

Tackmann weiter:

„Staatssekretär Müller weicht meiner Frage aus. Schwerwiegende Tierkrankheiten mit unklarer Ursache gibt es immer wieder und immer häufiger. Nicht nur der so genannte chronische Botulismus stellt die Betriebe vor große Herausforderungen, sondern auch vollkommen neue, bisher hier unbekannte oder nicht mehr bekannte Tierseuchen. Beispiele sind die Blauzungenkrankheit und aktuell das Schmallenberg-Virus. Daher ist es für mich inakzeptabel, wenn politisch Verantwortliche die neue Situation ignorieren. Sind wissenschaftliche Fragen schwierig zu beantworten, dann darf das nicht zu Lasten der betroffenen Agrarbetriebe gehen. Ich erneuere daher die Forderung der LINKEN nach einem Notfonds für nutztierhaltende Betriebe mit existenzbedrohenden Krankheitsgeschehen unklarer Ursache.“

02.12.2011:

Die Antworten der Bundesregierung finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren: