Nachruf
Götz Brandt
18.01.1931 – 14.10.2026

Im Juli 2003 erschien in der Tarantel Nr. 21 unter dem Titel „Die Umwelt in der Globalisierungsfalle“ ein Bericht zum Kongress McPlanet.com, der im Juni desselben Jahres erstmals Globalisierungskritiker und Umweltschützer auf einer gemeinsamen Konferenz vereinte. – Das war der Beginn der Zusammenarbeit eines unheimlich kompetenten, fleißigen, auf allen Umweltfeldern bewanderten und liebenswerten Menschen mit der ÖPF, deren Sprecherrat er dann fast 20 Jahre lang angehörte.
Götz Brandt, 1931 geboren, studierte als Landwirt Agrarwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er war fünf Jahre Vorsitzender einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Als Dr. agr. habil. wurde er 1966 Dozent für die Mechanisierung der Nahrungsgüterproduktion und 1968 zum Professor und Direktor des Instituts für landwirtschaftliches Maschinen- und Bauwesen an der Humboldt-Universität berufen. Danach wirkte er als Professor für landwirtschaftlichen Anlagenbau an der neu gegründeten Ingenieurhochschule für Landtechnik in Berlin und wurde 1975 „disziplinarisch“ abberufen.
Er engagierte sich weiter, wirkte als Abteilungsleiter Anlagenbau im Kombinat für landtechnische Instandhaltung und promovierte später bei seiner Arbeit in der Bauakademie zum Dr.-Ing.
Nach der Wende wurde er als Professor rehabilitiert und als politisch Verfolgter anerkannt. Er musste 1990 als kaufmännischer Direktor die Bauakademie der DDR abwickeln und arbeitete später noch in leitenden Stellungen in Bauunternehmungen. 2003 veröffentlichte er dann einen umfangreichen Band zur Abwicklung der Bauakademie („Die Abwicklung der Bauakademie der DDR. Dokumentation aus eigenem Erleben“, trafo verlag 2003).
Als Rentner, aber weiterhin rastlos und voller Energie, suchte er nach einem neuen Betätigungsfeld, das er bei der Ökologischen Plattform fand – ein wahrer Glücksfall für uns.
Er wurde zwar nicht Mitglied in der PDS oder der LINKEN. Aber mit seinen Bemühungen, die ökologische Frage und die bevorstehende multiple Umweltkatastrophe (und nicht nur den Klimawandel) in den Blickpunkt zu stellen und zu zeigen, dass jeder Kampf um soziale Reformen und Verbesserungen gegenstandslos werden wird, wenn die Existenzgrundlagen der Menschheit nicht bewahrt werden, und dass dies nicht ohne einen grundlegenden Systemwechsel, ohne die weitgehende Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und damit die Überwindung des Kapitalismus funktionieren wird, war und ist er den meisten Mitgliedern der LINKEN auch heute in der Klarheit dieser Erkenntnis voraus. Mit Wachstumswahn und Profitgier wird die Menschheit nicht überleben. Die kapitalistische Produktionsweise hat keine Fehler – sie ist der Fehler. Bekanntlich sagte selbst der bedeutende britische Ökonom John Maynard Keynes: „Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden“.
Nicht zu zählen sind die vielen Artikel, die er in der Zeitschrift Tarantel veröffentlichte und die vielen Bücher, die er für die Bücherecke rezensierte. Es ist nur schwer abzuschätzen, wie viel Rechercheaufwand und ungezählte Schreibstunden dafür erforderlich waren.
Ausschnitte seiner zahlreichen Veröffentlichungen finden sich in zwei Sammelbänden, die nach seinem 80. Geburtstag erschienen: „Ökologische Umbrüche und Technik. Leitlinien für eine ökologische Linke“, Edition Zeitsprung 2011 und „Leben in der Vielfachkatastrophe“, Edition Zeitsprung 2013.
Götz gab die Initialzündung für die Reihe „Beiträge zur Umweltpolitik“, die von 2005 an bis zur Coronakrise mit 29 Heften erschien, von denen Götz ca. ein Drittel selbst verfasste bzw. Mitautor war, von den außerdem erschienenen Konferenzbroschüren der ÖPF abgesehen. Er war nicht zuletzt auch maßgeblicher Initiator, Mitgestalter und Leiter dieser wissenschaftlichen Konferenzen, so z. B. die in der ersten Hälfte der Zehnerjahre durchgeführten Tagungen zu Militär und Umwelt, zur Energiespeicherung sowie zu Energiepreisen.
Und außerdem war es wiederum Götz, der die Grundlagen für die Herausgabe thematischer Faltblätter zu fast allen Gebieten der Umweltpolitik schuf und bei fast allen Flyern auch die Hauptarbeit machte. So sind im Laufe der Jahre ca. 50 Faltblätter zu vielen Schwerpunkten erschienen.
Wenn die Arbeit der Ökologischen Plattform auch immer Teamwork war, so war Götz doch die inhaltlich prägende Gestalt der Ökologischen Plattform der Nuller- und Zehnerjahre.
Von seinem umfangreichen Wissen zehren wir heute noch. Wir werden ihn sehr vermissen!
In seinem Sinne werden wir weiter diskutieren, publizieren und propagieren, um die Welt zu bewahren und vielleicht ein bisschen besser machen zu können!
Autor: Detlef Franek