5,3% Wachstum

Mit dieser Geschwindigkeit beschleunigen „die Deutschen“ im Durchschnitt die Selbstzerstörung der Menschheit.

„Am 24. April hat die deutsche Bevölkerung rechnerisch die gesamte Menge an natürlichen Ressourcen verbraucht, die ihr an Biokapazität im Jahr 2017 zusteht.“ (Quelle: https://germanwatch.org/overshoot)

2016 haben wir (Menschen in Deutschland) noch 119 Tage – bis zum 29. April – gebraucht, um die uns im Jahr zustehenden Ressourcen zu verbrauchen.
Dieses Tempo konnten wir 2017 noch steigern. Statt die Kapazität von „nur“ 3,1 Erden wie im Jahr 2016 zu vernutzen, werden wir bei Fortsetzung dieses Trends in diesem Jahr 3,2 erreichen:

Das sind 5,3% Wachstum – mehr als doppelt so viel wie das der Wirtschaft!

Was kostet uns diese Wirtschafts- und Lebensweise?

12 – 15 Arbeitsplätze in der Kohle: rechnerisch ein Toter pro Jahr – das das nur ein kleiner Teil der Schäden durch fossile Energiewirtschaft ist, macht Prof. Volker Quaschning von der HTW (https://www.volker-quaschning.de/index.php) in diesem Video deutlich.

Am 26.April vor 31 Jahren ereignete sich im AKW Tschernobyl der erste atomare Super-GAU (Kategorie „katastrophaler Unfall“).
Wir sollten uns daran erinnern, dass auch in Deutschland trotz Ausstiegsbeschluss immer noch AKWs in Betrieb sind, immer noch atomarer Müll produziert wird, von dem nur klar ist dass er sicher über eine Million Jahre isoliert gelagert werden muss, nicht aber wo und wie.

Was für eine Erde hinterlassen wir unseren Enkeln und Urenkeln?

Umsteuern ist überlebenswichtig!

„Eine regionale, umweltverträgliche und soziale Land- und Ernährungswirtschaft muss her!“ fordert Dr. Johanna Scheringer-Wright, Mitglied des Parteivorstandes der Partei DIE LINKE und Mitglied des Thüringer Landtages.

Die Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft in Deutschland und der Europäischen Union geht weiter in die falsche Richtung. Anstelle auf gesunde Nahrungsnahrungsmittel für alle, Vielfalt, Umweltverträglichkeit und Sicherung der Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu setzen, werden die Konzentration und das Wachstum in der Branche vorangetrieben. Als jüngste Beispiele sind hierfür das „Höfesterben“ während der Milchkrise oder auch die Übernahme von Monsanto durch Bayer zu nennen.

Die Orientierung in der Landwirtschaft auf den kapitalistischen Markt führt immer wieder zu Überproduktion in den industrialisierten Ländern, die mit Agrarsubventionen auch noch angekurbelt wird. Um der Überproduktion her zu werden, werden die Produkte dann durch wiederum subventionierte Exporte in Schwellen- und sogenannte Entwicklungsländer abgesetzt. Mit diesen Exporten einher geht insbesondere der Import von Futtermitteln in die industrialisierten Länder.

Dieser ausbeuterische Zweiklang raubt den Bauern die Existenzgrundlage.

Damit sind Überproduktion auf der einen Seite bei gleichzeitigem Hunger, Unterernährung und Armut auf der anderen Seite programmiert.

Nutznießer dieser Entwicklung sind die Konzerne der Branche. Zur Zementierung ihrer Macht werden CETA, TTIP und viele andere Freihandelsabkommen weltweit durchgedrückt. Dies geschieht zum Schaden von Milliarden Menschen weltweit und auf Kosten des Klimas und der Umwelt.

Ein Umsteuern ist überlebenswichtig.

Da geht es zum ersten um eine Ökologisierung und Regionalisierung der landwirtschaftlichen Produktion. Die Tiere, die uns Milch und Fleisch liefern, müssen mit regional angebauten Futtermitteln gefüttert werden. Dadurch werden die klimaschädlichen Transporte vermieden und auch der Raubbau in Drittländern eingeschränkt, weil dort weniger Fläche für die Erzeugung von Eiweißfuttermittel für die Industrienationen verbraucht wird.

Zudem müssen in den industrialisierten Ländern die Düngung und der chemische Pflanzenschutz reduziert werden. Wir müssen hin zu nachhaltigen Erträgen, die die Ernährung sichern aber gleichzeitig das Klima und die Umwelt schützen.

Dies ist nur möglich, wenn es eine Abkehr von der Exportorientierung der Land- und Ernährungswirtschaft gibt und einen Bruch mit dem kapitalistischen Wachstumszwang.

DIE LINKE ruft zur Teilnahme an der Demonstration „Wir haben es satt“ auf.
Die Demonstration findet am 21.01.2017 statt und startet um 12.00 Uhr am Potsdamer Platz in Berlin.

Mehr davon!

Linke Herbstakademie

Müde, aber zufrieden verließen die Teilnehmer_innen der linken Herbstakademie ihren historisch und kulturell eindrücklichen Studienort, die ehemalige Synagoge und heutige pädagogisch-kulturelle Centrum (PKC) in Freudental. Hinter ihnen lagen dreieinhalb dicht gepackte, arbeitsreiche Studientage.

Carsten Krinn, einer der Initiatoren, Moderator und Organisator, kurz, der Mann für Alles, stellte jeden Morgen ein Zitat aus B. Brechts „Me-ti. Buch der Wendungen“ voran um in den Tag einzustimmen. Gemeinsame Arbeitsphasen mit Textstudien und Auseinandersetzung, wechselten sich die Tage über mit Inputs der AG-Leiter und Gastvorträgen ab.

Das gemeinsame Lernen begann mit einem Auszug aus dem Grundsatzprogramm der Partei um zum Auftakt noch einmal zu vergegenwärtigen, was DIE LINKE ausmacht. Gleich am ersten Tag wertete der Landesgeschäftsführer Bernhard Strasdeit mit uns die vergangene Landtagswahl aus. Deutlich wurde die notwendige künftige regionale Verankerung auf breiter Basis, ohne die wir keinen Stich machen können. Mit den kommenden Wahlen und den damit verbundenen Aufgaben beschäftigten sich auch unser Parteivorsitzender aus Stuttgart, Bernd Riexinger und Heidi Scharf aus Schwäbisch Hall. In ihren Vorträgen und den folgenden Diskussionen ging es um Inhalte und der Ausrichtung des kommenden Wahlkampfes zur Bundestagswahl im kommenden Jahr.

Zwei Hauptstränge zogen sich durch alle dreieinhalb Tage in zwei AG‘s hindurch. Einmal das Thema: Armut, Hartz IV und Flüchtlingskrise geleitet von der Reutlinger Stadträtin Jessica Tatti. Und zweitens das Thema: Ökologie, Klimawandel und sozial ökologischen Wende durch daß uns der Stuttgarter Stadtrat Christoph Ozasek führte.

Wolfgang Kämmerer, einer der drei Sprecher der LAG „Ökologische Plattform“ präsentierte in der AG 1 zum Einstieg den „Plan B, die Energiewende mit Links“. Mit Christoph zusammen wurden dann die erstaunlich jungen historischen Grundlagen zur ökologischen Frage – die nach der entscheidenden UN-Konferenz von Rio 1992 als Existenzfrage der Menschheit diskutiert wird – und die wichtigsten Begriffe (Grenzen des Wachstums, Earth-Overshoot-Day, ökologischer Fußabdruck etc.) in Kleingruppen erarbeitet. Durchdacht und diskutiert wurden Wachstumsmodelle, wie die Postwachstumsökonomie oder ökologische Produktionskreisläufe nach dem Konzept ‚Cradle-to-Cradle‘. Spannende Einblicke lieferten uns Untersuchungen, die aufzeigten, welche Relevanz, das Thema Ökologie für potentielle – insbesondere jüngere – Wählergruppen hat: Dabei steht Ökologie nicht mehr im Zentrum der Wahlentscheidung, wird aber bei allen anderen wahlentscheidenden Themen – insbesondere der sozialen Gerechtigkeit – als zentrales Querschnittsthema aktiv mitgedacht und durchdringt so alle Politikfelder. Viele junge Wähler_innen wünschen sich daher eine tiefgreifende Transformation ihrer Lebensweise und fordern von der Politik Lösungen für die globalen Umwelt- und Gerechtigkeitsfragen.

Wir konnten zahlreiche Schnittmengen zu linken Kernthemen herausarbeitet. Neben ÖNPV und Ressourcengerechtigkeit kam dabei der oben erwähnte „Plan B“ der Partei DIE LINKE ins Spiel, der den wenigsten bekannt war. Christoph zeigte sehr praxisnah einige seiner Anträge als Stadtrat in Stuttgart und Mitglied der Regionalversammlung. An ihnen war abzulesen, wie scheinbar abstrakte Umwelt- und Klimaschutzziele auf die kommunalen Praxis erfolgreich herunter gebrochen werden können. Am Beispiel der Debatte um Wohnraumnot und -versorgung wurden abschließend die vielfältigen Herausforderungen zum Ausgleich der sozialen und ökologischen Frage zusammen getragen, um politische Zielkonflikte zu vermeiden.

Jessica Tatti leitete die zweite Arbeitsgruppe, mit ihr vertrauteren Themen wie: prekäre Beschäftigung und Armut, in Verbindung mit der Flüchtlingsfrage. Ihre AG beschäftigte sich u.a. mit verschiedenen Modellen des Bedingungslosen-Grundeinkommen. Dabei wurde die Problematik einiger Modelle deutlich, die tendenziell weder emanzipatorisch noch gerecht sind, sondern neue Abhängigkeiten entstehen lassen. So das mehrheitliche Fazit der Gruppe: Noch scheint es zu früh für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Idee ist noch nicht genug entwickelt.

Die letzte Arbeitsphase eines Tages begann jeweils um 20 Uhr, nach dem hervorragenden Abendessen. Am ersten Abend analysierte Christoph zahlengesättigt das Wählerverhalten und die wahlentscheidenden Themen bei der zurückliegenden Landtagswahl. Carsten führte am Abend darauf aus materialistischer Sicht in die Grundzüge des Islam ein.

Am Sonntagmorgen berichtete Rudolf Bürgel aus Karlsruhe, ergänzt von Gökay Akbulut, über die aktuelle Situation in Kurdistan und der Türkei. Er zeigte beklemmende Bilder von dem Ausmaß der Zerstörung in den kurdischen Gebieten. Dieser aktuelle Block war wegen der schwierigen Lage in Kurdistan relativ kurzfristig flexibel eingeschoben worden.

Nicht unerwähnt bleiben soll eine Einführung in die Projektarbeit für alle, mit anschließenden Beispielen, erarbeitet von den Teilnehmern. Die beiden Hauptreferenten Jessica und Christoph stellten anschließend Praxisbeispiele ihrer Arbeit vor. Jessica wählte die Reutlinger „Arbeiterbildung“, eine kostenlose und ehrenamtliche Beratungsinitiative, in der sie aktiv ist. Hier werden hauptsächlich Hartz 4- Betroffene beraten und unterstützt (Anträge ausfüllen etc.). Der Verein hat zum Ziel, die Isolation aufzuheben, mit gemeinsamem Kochen oder Frühstücken, Vorträgen, etc. Diese parteiunabhängige Initiative bietet u.a. Schulungen für die Beratung bei Hartz IV.

Christoph stellte seinen Antrag „Divest Now!“ vor, der zum Ziel hatte, die 600 Millionen Euro schweren Spezialfonds der Stadt Stuttgart aus Beteiligungen an Unternehmen, die in fossile Energieträger, Waffengeschäfte, Kinderarbeit etc. verwickelt sind, umzuschichten und in ökologisch und sozial vertretbare Geschäftsfelder zu investieren. An diesem Beispiel wurde deutlich, wie das für viele abstrakte Ziel des Klimaschutzes kommunalpolitisch ganz praktisch angepackt werden kann. Die Stadt Stuttgart schichtete ihre Finanzen tatsächlich um, und setzt nun soziale und ökologische Leitplanken in ihren Anlagerichtlinien. Voraus gegangen waren zahlreiche Aktionen zu dem Thema. Dadurch gelang es, Presseöffentlichkeit herzustellen. Aus einer städtischen Diskussion wurde bald eine landesweite, und das nächste Ziel, die LBBW zum „Divestment“ zu bewegen, wird bereits ins Auge gefasst.

Trotz massivem Einsatz von Inhalten und Papier blieb dennoch Zeit für Kultur und Austausch, zum Beispiel bei einem Spaziergang zum jüdischen Friedhof von Freudental. Die Leitung des Hauses lud uns am Sonntagabend zu einem grandiosen Kletzmerkonzert mit der polnischen Gruppe KROKE ein. Im Vorfeld wurde ein Bildvortrag gezeigt, über den Lebensalltag der Bewohner des Ortes Auschwitz heute, wie die Menschen mit der Nähe des Lagers umgehen.

Bei der Nachbesprechung zu dieser landesweit ersten linken Akademie wurde deutlich: alle Teilnehmer nahmen sehr, sehr viele Informationen, neue Impulse und Inspirationen für die Arbeit in ihren KV´s und OV´s mit. Mit dieser Mischung von Arbeit, Kultur und Zeit für Austausch fühlten sich alle wohl und es war sowohl für Neulinge als auch für alte Hasen bereichernd. Wünschenswert wäre noch mehr Zeit für die Verarbeitung dieser Inhaltsfülle gewesen. Ausnahmslos Alle wünschten sich die Fortsetzung der Akademie im kommenden Jahr!

Ein Prozent ist genug

Jørgen Randers (klick), der bereits am Club of Rome-Bericht “Die Grenzen des Wachstums“ von 1972 als Koautor mitgearbeitet hatte, und der Generalsekretär des Club of Rome Graeme Maxton haben eine neuen Bericht an den Club of Rome gerichtet mit dem Titel: „Ein Prozent ist genug“. Ursprünglich sollte dieser Bericht den Titel bekommen „Ihre Kinder und wie sie vermeiden können, sie umzubringen“. Dieser Titel hätte aber dem Inhalt nicht entsprochen, denn das gegenwärtige kapitalistische System soll nicht ausgehebelt und beseitigt werden, was bei diesem Titel unbedingt notwendig gewesen wäre, sondern Ziel ist nur ein besserer Kapitalismus mit gedämpfter Marktradikalität und Wegen zur Nachhaltigkeit. Es geht den Autoren um eine gerechte Umverteilung von Arbeit, Wohlstand und Einkommen im kapitalistischen System.

Im Zeitraum von 1950 bis 1980 war Wirtschaftswachstum auch für die Arbeiter positiv. Danach entstanden keine neuen Arbeitsplätze mehr, aber es entstand mehr Ungleichheit. Heutzutage profitieren vom geringen Wirtschaftswachstum nicht mehr alle Bürger. Dabei verdoppelte sich das BIP der reichen Länder von 1980 bis 2010. Die Autoren weisen nach, dass seit den 1980er Jahren in den reichen Industrieländern durch Wirtschaftswachstum genau das Gegenteil eingetreten ist, was die neoliberalen Wirtschaftslehrer verkünden: Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, besonders unter Jugendlichen; die Jahresarbeitszeit hat sich verlängert; der Reallohn ist gesunken; die Zahl der in Armut Lebenden hat sich vergrößert; die Kluft zwischen Arm und Reich ist gewachsen. Nur die Reichen haben vom Wirtschaftswachstum profitiert. Das westliche Wirtschafts- und Konsummodell ist kein Zukunftsmodell mehr für die Welt. Ursache dieser Entwicklung ist die vollständige Okkupation des Staatsapparates durch Banken, Shareholder und Unternehmer mit Hilfe ihrer vorzüglichen Lobbyarbeit. Die Autoren kommen zum Schluss, dass das Wirtschaftswachstum vermindert werden muss, um die gegenwärtigen Probleme zu lösen. Verwundern muss, dass bei dieser Analyse für die reichen Industrieländer immer noch 1 % Wachstum vorgeschlagen wird, wo doch ein Schrumpfen der Wirtschaft angebracht und notwendig wäre. Jedes „Weiter so“ der kapitalistischen Wirtschaft bringt die Menschheit voran auf dem Weg in den Abgrund. Seit 30 Jahren funktioniert die marktradikale Doktrin nicht mehr. Aber zu einer Forderung nach Abschaffung des kapitalistischen Systems können sich die Autoren nicht durchringen, weil die Mehrheit der Bürger diesen Weg nicht mitgehen würde, weil sie Angst vor einem Zusammenbruch haben, denn ohne Wachstum würde das System des Kapitalismus zusammenbrechen.

Die Autoren widmen ein Kapitel den gegenwärtigen und zukünftigen Problemen und Bedrohungen, die die Menschheit lösen muss, um zu überleben: Bevölkerungswachstum, Ressourcenende und Rohstoffverknappung, Klimawandel, Umweltverschmutzung, sinkende Artenvielfalt, zunehmende Zahl der Armen, zunehmende Arbeitslosigkeit, Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich sowie Kriege, Terrorismus und Migration. Als Ursache aller dieser Probleme erkennen die Autoren das gegenwärtige Wirtschaftssystem. Der Marktradikalismus sorgt nicht nur für die Umverteilung der Gewinne hin zu den Reichen, sondern er führt auch zu einem egoistischen, gierigen und verschwenderischen Verhalten der Menschen. Die Belastbarkeit des Planeten wird überschritten, was von den Regierungen und den Unternehmern in Kauf genommen wird. Das Tempo auf dem Weg zum Kipppunkt wird immer schneller.

Die Autoren fassen die Herausforderungen der reichen Welt zusammen: Automatisierung und im Gefolge mehr Arbeitslosigkeit, zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich, alternde Bevölkerung, erschwerter Zugang zu Rohstoffen, nur noch geringe Produktivitätssteigerungen, Sinken des Wohlstands.
Gegenwärtig wird nichts unternommen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Weil weder die Herrschenden noch die Beherrschten an den gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnissen aus Unkenntnis oder Verantwortungslosigkeit etwas verändern wollen, haben die Autoren 13 Vorschläge gemacht, die zu einer Milderung der Missstände führen können. Das sind Vorschläge, die im System des freien Marktes umgesetzt werden können, um Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und Klimawandel zu mildern: „Ein Prozent ist genug“ weiterlesen

Rechnung für Ressourcenverbrauch

Anlässlich des earth overshoot day (Erderschöpfungstag am 8.8.2016) haben Moskauer gestern in einigen Geschäften und Kaffees zusätzlich zu den normalen Rechnungen Quittungen bekommen, auf denen ausgewiesen ist, dass die Ressourcen der Erde erschöpft sind. Die Aktion wurde vom WWF iniitiiert und von verschiedenen Handelsketten durchgeführt. Insgesamt wurden auf diese Weise mehr als 4000 „Rechnungen der Erde“ ausgegeben.

Außerdem haben 2,7 Mio. Abonnenten des Moskauer Telefonnetzes Informationen über die Ressourcenerschöpfung auf normalen Telefonquittungen bekommen und lebensgroße Panda-Puppen haben diese Rechnungen in fünf Handelszentren ausgegeben.

Der CO2-Anteil am ökologischen Fußabdruck der Menschen wächst besonders schnell. In Russland ist er höher als im weltweiten Durchschnitt.
Andere Länder:

  • Schweiz: 54%
  • Großbritannien: 63%
  • China: 69%

 

Herr Kapital und Frau Erde.
Blauer Planet im Würgegriff

Unter dieser Überschrift hält Prof. Gerhard Armanski bei der Sitzung des Koodinierungsrates (klick) am 9.7.2016 einen Vortrag mit anschließender Diskussion.

Dazu sind alle Interessenten herzlich eingeladen.

Die nachfolgende Rezension von Götz Brandt aus der Tarantel Nr. 73 (klick) gibt einen Eindruck von dem, das wir erwarten können.

Rezension

Unter dem Titel „Monsieur le Capital und Madame la Terre. Blauer Planet im Würgegriff“ hat Prof. Gerhard Armanski ein Kaleidoskop sozialökologischer Gesellschafts- und Kulturgeschichte in Zusammenhang mit den Umweltkrisen bis hin zu Lösungsvorschlägen für die Zukunft der Erde geschaffen. Wer Freude an philosophischer Sicht und Diktion hat, wird die 255 Seiten mit Genuss lesen. Armanski ist Marxist im Sinne der Weiterentwicklung und heutiger Nutzbarmachung marxistischer Theorie. Bemerkenswert sind seine umfassenden Kenntnisse der Kultur- und Sozialgeschichte in Verbindung mit der Naturnutzung.

Auf den ersten 45 Seiten wird ein Überblick zur „Fieberkurve“ der Übernutzung der Erde gegeben: Klimawandel, Artenschwund, Bodenerosion, Meeresspiegelanstieg, Gentechnologie, Trinkwassermangel, Korallenbleiche, Regenwaldabholzung bis hin zur elektromagnetischen Strahlung von Handys. Diese Auflistung findet man auch in anderen aktuellen Veröffentlichungen, allerdings hat Armanski das gut belegt und eindringlich geschildert.

Es folgt ein kurzes Kapitel zum „grünen Kapitalismus“, in dem bewiesen wird, dass ein ökologischer Kapitalismus nicht möglich ist. Leserinnen und Lesern, die sich über dieses Problem näher informieren wollen, sei das Buch „Kritik der grünen Ökonomie“ von Fatheuer, Fuhr und Unmüßig empfohlen (siehe Rezension in der Tarantel Nr. 72 (klick)).

Auf den folgenden 70 Seiten wird die „Natur in Geschichte und Gesellschaft“ behandelt. Beginnend mit einem Rückblick ins archaische Erbe wird der Wandel der Naturbetrachtung in Hinblick auf das Soziale, die Naturwissenschaften, die Philosophie und Poesie untersucht. Ebenso die Wandlung der Ansichten in der Kulturgeschichte des Natur-Mensch-Tier-Verhältnisses. Auch das Verhältnis von Kirche und Natur wird breit behandelt. Der Leser findet hier neue Zusammenhänge, Denkanstöße, Einsichten und Schlussfolgerungen.

Eine Kritik der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise schließt sich an. Armanski kommt zu dem Schluss, dass die kapitalistische Wirtschaft die Natur vernichten wird, wenn sie nicht gestoppt werden kann. Er untersucht die „Mentalität der herrschenden Produktions- und Lebensform“. Nicht nur die gewachsene Trennung der Menschen von der Natur, sondern auch die große Kluft zwischen ökologischen Einsichten und entsprechendem Handeln wird erhellt.

In einem eingefügten Kapitel zur Umweltkrise werden die „Menetekel“, die bereits zu Beginn aufgezählt und beschrieben wurden, noch einmal in ihrer Wirkung und Gefahr für den Fortbestand der Menschheit aufgezeigt: Abschmelzen der Polkappen und Gletscher, Korallenbleiche, Verschwinden der Regenwälder, kranke Pflanzen- und Tierwelt, Leitbild Auto usw.

Anthropo- und Ökozentrismus führen manchmal zu extremen Forderungen. Armamski legt offen, dass die Regelkreise der Natur auch ohne den Menschen funktionieren, was aber Menschen nicht veranlasst, die Systemfrage zu stellen. Grüne Politik verlangt aber politische Aktionen und einen Strukturwandel. Kapitalistische Wachstumsdynamik in Produktion und Konsumtion müssen durchbrochen werden. Den Problemen der ökologischen Befreiung der Menschheit widmet Armanski mehrere Kapitel und beleuchtet diese Problematik von allen Seiten.

Es schließt sich ein Abschnitt an, der die zukünftigen Aussichten der Ökologiebewegung untersucht. Grundlage der Untersuchungen sind die Rechte künftiger Generationen und der Natur. Wenn dem gegenwärtig vorherrschenden Profitmotiv nicht mindestens Zügel angelegt werden, werden die Ausplünderung des Planeten und die Ausbeutung der Menschen weiter voranschreiten. Armaskis Vorschläge, wie der Kampf für die Erhaltung der Natur zu organisieren wäre, welche Methoden anzuwenden seien und welche psychologischen Einsichten zu nutzen wären, sind für die Ökologische Plattform bei der LINKEN als Kompendium zu nutzen.

Armanski, Gerhard: Monsieur le Capital und Madame la Terre. Blauer Planet im Würgegriff. 2015. ISBN 978-3-89691-721-9, 24,90 €

Kapitalismus ohne Wachstum?

Oder: Warum kapitalistisches Wachstum und (Natur)zerstörungen untrennbar sind

Einblicke und Ausblicke aus politisch-ökonomischer Sicht

Wenn von Naturzerstörungen, vom Klimawandel oder vom Umweltschutz die Rede ist, werden sowohl in öffentlichen Diskursen als auch im wissenschaftlichen „Mainstream“ zumeist Fragen der technischen „Beherrschbarkeit“ von Natur thematisiert. Insbesondere geht es dabei um die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz, aber auch um gesetzliche Forderungen oder normative und moralische Leitbilder, aus denen die Schonung der Natur folgen soll.

Wann

Donnerstag, 25. Februar 2016, 19:00 bis 21:00 Uhr

Wo

Helle Panke
Kopenhagener Str. 9
10437 Berlin (klick zur Karte)

 

Wie Überschriften die Meinung beeinflussen.

Das Magazin für erneuerbare Energien „neue energie„, sich selbst als „Fachmagazin der Energiewende“ bezeichnend, macht ihre aktuelle Nummer 1/2015 auf mit dem Text: „Wir brauchen beides! Artenvielfalt und Erneuerbare sind vereinbar“ und erfindet auch gleich zu Naturschutzgebieten „Klimaschutzgebiete“. Beim Anblick dieses Titels fragt mensch sich nur: „Wie sollen die Windräder vor den Vögeln geschützt werden?“

neue energie
Quelle: neue energie Nr. 1/2015

Na gut, das ist nicht ernst gemeint. Natürlich brauchen wir beides, aber mit dem Postulat auf der Titelseite ist es nicht getan. Deutlich wird das im Interview das der Bundesgeschäftsführer des NABU, Leif Miller, dem Chefredakteur Jörg-Rainer Zimmermann gegeben hat. Für ihn ist nicht nur wichtig, „Klima- und Artenschutz zusammen zu denken“ und – wie es in der Einleitung heißt – „gerade bei Windparks die Standortwahl“.

In seiner Antwort auf die Frage: „Wie lässt sich das [Klima- und Naturschutz] argumentativ überein bringen, wo doch beide Seiten Natur und Umwelt schützen wollen?“ verweist er darüber hinaus auf ein ungelöstes Problem:

„Eine naturverträgliche und bedarfsgerechte Energiewende ist nur mit Energieeinsparungen zu erreichen. Nur wenn wir den Energiebedarf reduzieren, kann der Druck auf Lebensräume von Mensch und Natur gemindert werden, indem weniger Kraftwerke oder Stromleitungen gebaut werden.“

Trotz aller bisherigen Bemühungen zur Energieeinsparung hat sich das Bruttoinlandsprodukt nicht vom Primärenergieverbrauch abgekoppelt, das heißt, die Effizienzsteigerungen wurden durch Wachstumsteigerungen des BIP „aufgefressen“ (rebound-Effekt).

Quelle: AGEB "Ausgewählte Effizienzindikatoren zur Energiebilanz Deutschland. Daten für die Jahre von 1990 bis 2012"
Quelle: AGEB „Ausgewählte Effizienzindikatoren zur Energiebilanz Deutschland. Daten für die Jahre von 1990 bis 2012“

Wachstum – was nun?

Am Freitag, 07.11.2014 um 8:55 Uhr und am Samstag, 15.11.2014 um 11:55 Uhr wiederholt arte den Film von Marie-Monique Robin Wachstum – was nun?

Anschauen lohnt sich!

Einleitung zum script

„Mehr Wachstum!“ wird in Zeiten von Wirtschafts-, Umwelt- und Finanzkrisen gefordert, denn die amerikanische Immer-mehr-Ideologie gilt als Garant für eine gesunde Ökonomie. Doch wie zeitgemäß ist dieser Mythos angesichts der weltweiten Ressourcenknappheit noch? Dieser Frage geht der Dokumentarfilm auf den Grund – und zeigt Alternativen auf, die sich bereits bewährt haben.

„Mehr Wachstum!“ – diese Forderung ist besonders in Zeiten von Wirtschafts-, Umwelt- und Finanzkrisen beliebt, denn die amerikanische Immer-mehr-Ideologie gilt weltweit als Garant für eine gesunde Ökonomie. Doch wie zeitgemäß ist dieser Mythos noch – angesichts immer knapperer Ressourcen weltweit? Dieser Frage gehen die Filmemacher von „Wachstum, was nun?“ auf den Grund – und zeigen Alternativen auf, die sich bereits vielerorts in der Praxis bewährt haben.

So machen sich immer mehr Experten für ein Ende des grenzenlosen Wachstums stark. Nahrungsmittelproduktion, Energieverbrauch und Geldkreislauf müssen wieder unter Kontrolle gebracht werden. Im Norden und Süden der Welt experimentiert man mit neuen Wirtschaftsmodellen und erzielt inzwischen erste Ergebnisse. So zeichnen sich neue, umweltbewusste und regionalisierte Modelle ab, die für absehbare Probleme wie Klimawandel, Mangel an fossilen Brennstoffen und Finanzkrisen besser gewappnet sind. Oft werden sie sogar von den lokalen Behörden bereits unterstützt.

Um etwas zu verändern, müssen Produktion und Arbeitsplätze in die Heimatregionen zurückgeholt werden. Das ermöglicht vielen Initiativen und Kooperativen die Möglichkeit, ihren Platz zurückerobern und die Bedeutung von Reichtum neu zu definieren. „Wachstum, was nun?“ zeichnet anhand von Experten und konkreten Beispielen das Bild der neuen Post-Wachstums-Gesellschaft.

Film ansehen:


Interview mit Marie-Monique Robin ansehen:


einzelne Szenen auf Youtube:

Otaciana: Eine Währung gegen die Armut – Wachstum, was nun ?

Pabitra: Energie im Dienst der Entwicklung – Wachstum, was nun ?