Umsteuern ist überlebenswichtig!

„Eine regionale, umweltverträgliche und soziale Land- und Ernährungswirtschaft muss her!“ fordert Dr. Johanna Scheringer-Wright, Mitglied des Parteivorstandes der Partei DIE LINKE und Mitglied des Thüringer Landtages.

Die Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft in Deutschland und der Europäischen Union geht weiter in die falsche Richtung. Anstelle auf gesunde Nahrungsnahrungsmittel für alle, Vielfalt, Umweltverträglichkeit und Sicherung der Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu setzen, werden die Konzentration und das Wachstum in der Branche vorangetrieben. Als jüngste Beispiele sind hierfür das „Höfesterben“ während der Milchkrise oder auch die Übernahme von Monsanto durch Bayer zu nennen.

Die Orientierung in der Landwirtschaft auf den kapitalistischen Markt führt immer wieder zu Überproduktion in den industrialisierten Ländern, die mit Agrarsubventionen auch noch angekurbelt wird. Um der Überproduktion her zu werden, werden die Produkte dann durch wiederum subventionierte Exporte in Schwellen- und sogenannte Entwicklungsländer abgesetzt. Mit diesen Exporten einher geht insbesondere der Import von Futtermitteln in die industrialisierten Länder.

Dieser ausbeuterische Zweiklang raubt den Bauern die Existenzgrundlage.

Damit sind Überproduktion auf der einen Seite bei gleichzeitigem Hunger, Unterernährung und Armut auf der anderen Seite programmiert.

Nutznießer dieser Entwicklung sind die Konzerne der Branche. Zur Zementierung ihrer Macht werden CETA, TTIP und viele andere Freihandelsabkommen weltweit durchgedrückt. Dies geschieht zum Schaden von Milliarden Menschen weltweit und auf Kosten des Klimas und der Umwelt.

Ein Umsteuern ist überlebenswichtig.

Da geht es zum ersten um eine Ökologisierung und Regionalisierung der landwirtschaftlichen Produktion. Die Tiere, die uns Milch und Fleisch liefern, müssen mit regional angebauten Futtermitteln gefüttert werden. Dadurch werden die klimaschädlichen Transporte vermieden und auch der Raubbau in Drittländern eingeschränkt, weil dort weniger Fläche für die Erzeugung von Eiweißfuttermittel für die Industrienationen verbraucht wird.

Zudem müssen in den industrialisierten Ländern die Düngung und der chemische Pflanzenschutz reduziert werden. Wir müssen hin zu nachhaltigen Erträgen, die die Ernährung sichern aber gleichzeitig das Klima und die Umwelt schützen.

Dies ist nur möglich, wenn es eine Abkehr von der Exportorientierung der Land- und Ernährungswirtschaft gibt und einen Bruch mit dem kapitalistischen Wachstumszwang.

DIE LINKE ruft zur Teilnahme an der Demonstration „Wir haben es satt“ auf.
Die Demonstration findet am 21.01.2017 statt und startet um 12.00 Uhr am Potsdamer Platz in Berlin.

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Mehr davon!

Linke Herbstakademie

Müde, aber zufrieden verließen die Teilnehmer_innen der linken Herbstakademie ihren historisch und kulturell eindrücklichen Studienort, die ehemalige Synagoge und heutige pädagogisch-kulturelle Centrum (PKC) in Freudental. Hinter ihnen lagen dreieinhalb dicht gepackte, arbeitsreiche Studientage.

Carsten Krinn, einer der Initiatoren, Moderator und Organisator, kurz, der Mann für Alles, stellte jeden Morgen ein Zitat aus B. Brechts „Me-ti. Buch der Wendungen“ voran um in den Tag einzustimmen. Gemeinsame Arbeitsphasen mit Textstudien und Auseinandersetzung, wechselten sich die Tage über mit Inputs der AG-Leiter und Gastvorträgen ab.

Das gemeinsame Lernen begann mit einem Auszug aus dem Grundsatzprogramm der Partei um zum Auftakt noch einmal zu vergegenwärtigen, was DIE LINKE ausmacht. Gleich am ersten Tag wertete der Landesgeschäftsführer Bernhard Strasdeit mit uns die vergangene Landtagswahl aus. Deutlich wurde die notwendige künftige regionale Verankerung auf breiter Basis, ohne die wir keinen Stich machen können. Mit den kommenden Wahlen und den damit verbundenen Aufgaben beschäftigten sich auch unser Parteivorsitzender aus Stuttgart, Bernd Riexinger und Heidi Scharf aus Schwäbisch Hall. In ihren Vorträgen und den folgenden Diskussionen ging es um Inhalte und der Ausrichtung des kommenden Wahlkampfes zur Bundestagswahl im kommenden Jahr.

Zwei Hauptstränge zogen sich durch alle dreieinhalb Tage in zwei AG‘s hindurch. Einmal das Thema: Armut, Hartz IV und Flüchtlingskrise geleitet von der Reutlinger Stadträtin Jessica Tatti. Und zweitens das Thema: Ökologie, Klimawandel und sozial ökologischen Wende durch daß uns der Stuttgarter Stadtrat Christoph Ozasek führte.

Wolfgang Kämmerer, einer der drei Sprecher der LAG „Ökologische Plattform“ präsentierte in der AG 1 zum Einstieg den „Plan B, die Energiewende mit Links“. Mit Christoph zusammen wurden dann die erstaunlich jungen historischen Grundlagen zur ökologischen Frage – die nach der entscheidenden UN-Konferenz von Rio 1992 als Existenzfrage der Menschheit diskutiert wird – und die wichtigsten Begriffe (Grenzen des Wachstums, Earth-Overshoot-Day, ökologischer Fußabdruck etc.) in Kleingruppen erarbeitet. Durchdacht und diskutiert wurden Wachstumsmodelle, wie die Postwachstumsökonomie oder ökologische Produktionskreisläufe nach dem Konzept ‚Cradle-to-Cradle‘. Spannende Einblicke lieferten uns Untersuchungen, die aufzeigten, welche Relevanz, das Thema Ökologie für potentielle – insbesondere jüngere – Wählergruppen hat: Dabei steht Ökologie nicht mehr im Zentrum der Wahlentscheidung, wird aber bei allen anderen wahlentscheidenden Themen – insbesondere der sozialen Gerechtigkeit – als zentrales Querschnittsthema aktiv mitgedacht und durchdringt so alle Politikfelder. Viele junge Wähler_innen wünschen sich daher eine tiefgreifende Transformation ihrer Lebensweise und fordern von der Politik Lösungen für die globalen Umwelt- und Gerechtigkeitsfragen.

Wir konnten zahlreiche Schnittmengen zu linken Kernthemen herausarbeitet. Neben ÖNPV und Ressourcengerechtigkeit kam dabei der oben erwähnte „Plan B“ der Partei DIE LINKE ins Spiel, der den wenigsten bekannt war. Christoph zeigte sehr praxisnah einige seiner Anträge als Stadtrat in Stuttgart und Mitglied der Regionalversammlung. An ihnen war abzulesen, wie scheinbar abstrakte Umwelt- und Klimaschutzziele auf die kommunalen Praxis erfolgreich herunter gebrochen werden können. Am Beispiel der Debatte um Wohnraumnot und -versorgung wurden abschließend die vielfältigen Herausforderungen zum Ausgleich der sozialen und ökologischen Frage zusammen getragen, um politische Zielkonflikte zu vermeiden.

Jessica Tatti leitete die zweite Arbeitsgruppe, mit ihr vertrauteren Themen wie: prekäre Beschäftigung und Armut, in Verbindung mit der Flüchtlingsfrage. Ihre AG beschäftigte sich u.a. mit verschiedenen Modellen des Bedingungslosen-Grundeinkommen. Dabei wurde die Problematik einiger Modelle deutlich, die tendenziell weder emanzipatorisch noch gerecht sind, sondern neue Abhängigkeiten entstehen lassen. So das mehrheitliche Fazit der Gruppe: Noch scheint es zu früh für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Idee ist noch nicht genug entwickelt.

Die letzte Arbeitsphase eines Tages begann jeweils um 20 Uhr, nach dem hervorragenden Abendessen. Am ersten Abend analysierte Christoph zahlengesättigt das Wählerverhalten und die wahlentscheidenden Themen bei der zurückliegenden Landtagswahl. Carsten führte am Abend darauf aus materialistischer Sicht in die Grundzüge des Islam ein.

Am Sonntagmorgen berichtete Rudolf Bürgel aus Karlsruhe, ergänzt von Gökay Akbulut, über die aktuelle Situation in Kurdistan und der Türkei. Er zeigte beklemmende Bilder von dem Ausmaß der Zerstörung in den kurdischen Gebieten. Dieser aktuelle Block war wegen der schwierigen Lage in Kurdistan relativ kurzfristig flexibel eingeschoben worden.

Nicht unerwähnt bleiben soll eine Einführung in die Projektarbeit für alle, mit anschließenden Beispielen, erarbeitet von den Teilnehmern. Die beiden Hauptreferenten Jessica und Christoph stellten anschließend Praxisbeispiele ihrer Arbeit vor. Jessica wählte die Reutlinger „Arbeiterbildung“, eine kostenlose und ehrenamtliche Beratungsinitiative, in der sie aktiv ist. Hier werden hauptsächlich Hartz 4- Betroffene beraten und unterstützt (Anträge ausfüllen etc.). Der Verein hat zum Ziel, die Isolation aufzuheben, mit gemeinsamem Kochen oder Frühstücken, Vorträgen, etc. Diese parteiunabhängige Initiative bietet u.a. Schulungen für die Beratung bei Hartz IV.

Christoph stellte seinen Antrag „Divest Now!“ vor, der zum Ziel hatte, die 600 Millionen Euro schweren Spezialfonds der Stadt Stuttgart aus Beteiligungen an Unternehmen, die in fossile Energieträger, Waffengeschäfte, Kinderarbeit etc. verwickelt sind, umzuschichten und in ökologisch und sozial vertretbare Geschäftsfelder zu investieren. An diesem Beispiel wurde deutlich, wie das für viele abstrakte Ziel des Klimaschutzes kommunalpolitisch ganz praktisch angepackt werden kann. Die Stadt Stuttgart schichtete ihre Finanzen tatsächlich um, und setzt nun soziale und ökologische Leitplanken in ihren Anlagerichtlinien. Voraus gegangen waren zahlreiche Aktionen zu dem Thema. Dadurch gelang es, Presseöffentlichkeit herzustellen. Aus einer städtischen Diskussion wurde bald eine landesweite, und das nächste Ziel, die LBBW zum „Divestment“ zu bewegen, wird bereits ins Auge gefasst.

Trotz massivem Einsatz von Inhalten und Papier blieb dennoch Zeit für Kultur und Austausch, zum Beispiel bei einem Spaziergang zum jüdischen Friedhof von Freudental. Die Leitung des Hauses lud uns am Sonntagabend zu einem grandiosen Kletzmerkonzert mit der polnischen Gruppe KROKE ein. Im Vorfeld wurde ein Bildvortrag gezeigt, über den Lebensalltag der Bewohner des Ortes Auschwitz heute, wie die Menschen mit der Nähe des Lagers umgehen.

Bei der Nachbesprechung zu dieser landesweit ersten linken Akademie wurde deutlich: alle Teilnehmer nahmen sehr, sehr viele Informationen, neue Impulse und Inspirationen für die Arbeit in ihren KV´s und OV´s mit. Mit dieser Mischung von Arbeit, Kultur und Zeit für Austausch fühlten sich alle wohl und es war sowohl für Neulinge als auch für alte Hasen bereichernd. Wünschenswert wäre noch mehr Zeit für die Verarbeitung dieser Inhaltsfülle gewesen. Ausnahmslos Alle wünschten sich die Fortsetzung der Akademie im kommenden Jahr!

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Ein Prozent ist genug

Jørgen Randers (klick), der bereits am Club of Rome-Bericht “Die Grenzen des Wachstums“ von 1972 als Koautor mitgearbeitet hatte, und der Generalsekretär des Club of Rome Graeme Maxton haben eine neuen Bericht an den Club of Rome gerichtet mit dem Titel: „Ein Prozent ist genug“. Ursprünglich sollte dieser Bericht den Titel bekommen „Ihre Kinder und wie sie vermeiden können, sie umzubringen“. Dieser Titel hätte aber dem Inhalt nicht entsprochen, denn das gegenwärtige kapitalistische System soll nicht ausgehebelt und beseitigt werden, was bei diesem Titel unbedingt notwendig gewesen wäre, sondern Ziel ist nur ein besserer Kapitalismus mit gedämpfter Marktradikalität und Wegen zur Nachhaltigkeit. Es geht den Autoren um eine gerechte Umverteilung von Arbeit, Wohlstand und Einkommen im kapitalistischen System.

Im Zeitraum von 1950 bis 1980 war Wirtschaftswachstum auch für die Arbeiter positiv. Danach entstanden keine neuen Arbeitsplätze mehr, aber es entstand mehr Ungleichheit. Heutzutage profitieren vom geringen Wirtschaftswachstum nicht mehr alle Bürger. Dabei verdoppelte sich das BIP der reichen Länder von 1980 bis 2010. Die Autoren weisen nach, dass seit den 1980er Jahren in den reichen Industrieländern durch Wirtschaftswachstum genau das Gegenteil eingetreten ist, was die neoliberalen Wirtschaftslehrer verkünden: Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, besonders unter Jugendlichen; die Jahresarbeitszeit hat sich verlängert; der Reallohn ist gesunken; die Zahl der in Armut Lebenden hat sich vergrößert; die Kluft zwischen Arm und Reich ist gewachsen. Nur die Reichen haben vom Wirtschaftswachstum profitiert. Das westliche Wirtschafts- und Konsummodell ist kein Zukunftsmodell mehr für die Welt. Ursache dieser Entwicklung ist die vollständige Okkupation des Staatsapparates durch Banken, Shareholder und Unternehmer mit Hilfe ihrer vorzüglichen Lobbyarbeit. Die Autoren kommen zum Schluss, dass das Wirtschaftswachstum vermindert werden muss, um die gegenwärtigen Probleme zu lösen. Verwundern muss, dass bei dieser Analyse für die reichen Industrieländer immer noch 1 % Wachstum vorgeschlagen wird, wo doch ein Schrumpfen der Wirtschaft angebracht und notwendig wäre. Jedes „Weiter so“ der kapitalistischen Wirtschaft bringt die Menschheit voran auf dem Weg in den Abgrund. Seit 30 Jahren funktioniert die marktradikale Doktrin nicht mehr. Aber zu einer Forderung nach Abschaffung des kapitalistischen Systems können sich die Autoren nicht durchringen, weil die Mehrheit der Bürger diesen Weg nicht mitgehen würde, weil sie Angst vor einem Zusammenbruch haben, denn ohne Wachstum würde das System des Kapitalismus zusammenbrechen.

Die Autoren widmen ein Kapitel den gegenwärtigen und zukünftigen Problemen und Bedrohungen, die die Menschheit lösen muss, um zu überleben: Bevölkerungswachstum, Ressourcenende und Rohstoffverknappung, Klimawandel, Umweltverschmutzung, sinkende Artenvielfalt, zunehmende Zahl der Armen, zunehmende Arbeitslosigkeit, Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich sowie Kriege, Terrorismus und Migration. Als Ursache aller dieser Probleme erkennen die Autoren das gegenwärtige Wirtschaftssystem. Der Marktradikalismus sorgt nicht nur für die Umverteilung der Gewinne hin zu den Reichen, sondern er führt auch zu einem egoistischen, gierigen und verschwenderischen Verhalten der Menschen. Die Belastbarkeit des Planeten wird überschritten, was von den Regierungen und den Unternehmern in Kauf genommen wird. Das Tempo auf dem Weg zum Kipppunkt wird immer schneller.

Die Autoren fassen die Herausforderungen der reichen Welt zusammen: Automatisierung und im Gefolge mehr Arbeitslosigkeit, zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich, alternde Bevölkerung, erschwerter Zugang zu Rohstoffen, nur noch geringe Produktivitätssteigerungen, Sinken des Wohlstands.
Gegenwärtig wird nichts unternommen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Weil weder die Herrschenden noch die Beherrschten an den gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnissen aus Unkenntnis oder Verantwortungslosigkeit etwas verändern wollen, haben die Autoren 13 Vorschläge gemacht, die zu einer Milderung der Missstände führen können. Das sind Vorschläge, die im System des freien Marktes umgesetzt werden können, um Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und Klimawandel zu mildern: „Ein Prozent ist genug“ weiterlesen

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Rechnung für Ressourcenverbrauch

Anlässlich des earth overshoot day (Erderschöpfungstag am 8.8.2016) haben Moskauer gestern in einigen Geschäften und Kaffees zusätzlich zu den normalen Rechnungen Quittungen bekommen, auf denen ausgewiesen ist, dass die Ressourcen der Erde erschöpft sind. Die Aktion wurde vom WWF iniitiiert und von verschiedenen Handelsketten durchgeführt. Insgesamt wurden auf diese Weise mehr als 4000 „Rechnungen der Erde“ ausgegeben.

Außerdem haben 2,7 Mio. Abonnenten des Moskauer Telefonnetzes Informationen über die Ressourcenerschöpfung auf normalen Telefonquittungen bekommen und lebensgroße Panda-Puppen haben diese Rechnungen in fünf Handelszentren ausgegeben.

Der CO2-Anteil am ökologischen Fußabdruck der Menschen wächst besonders schnell. In Russland ist er höher als im weltweiten Durchschnitt.
Andere Länder:

  • Schweiz: 54%
  • Großbritannien: 63%
  • China: 69%

 

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Ab heute sägen wir wieder

am Ast, auf dem wir sitzen

Tag im Jahr, an dem die Belastungsgrenze der Erde erreicht ist

In Deutschland haben wir damit bereits am 29.April begonnen.

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Herr Kapital und Frau Erde.
Blauer Planet im Würgegriff

Unter dieser Überschrift hält Prof. Gerhard Armanski bei der Sitzung des Koodinierungsrates (klick) am 9.7.2016 einen Vortrag mit anschließender Diskussion.

Dazu sind alle Interessenten herzlich eingeladen.

Die nachfolgende Rezension von Götz Brandt aus der Tarantel Nr. 73 (klick) gibt einen Eindruck von dem, das wir erwarten können.

Rezension

Unter dem Titel „Monsieur le Capital und Madame la Terre. Blauer Planet im Würgegriff“ hat Prof. Gerhard Armanski ein Kaleidoskop sozialökologischer Gesellschafts- und Kulturgeschichte in Zusammenhang mit den Umweltkrisen bis hin zu Lösungsvorschlägen für die Zukunft der Erde geschaffen. Wer Freude an philosophischer Sicht und Diktion hat, wird die 255 Seiten mit Genuss lesen. Armanski ist Marxist im Sinne der Weiterentwicklung und heutiger Nutzbarmachung marxistischer Theorie. Bemerkenswert sind seine umfassenden Kenntnisse der Kultur- und Sozialgeschichte in Verbindung mit der Naturnutzung.

Auf den ersten 45 Seiten wird ein Überblick zur „Fieberkurve“ der Übernutzung der Erde gegeben: Klimawandel, Artenschwund, Bodenerosion, Meeresspiegelanstieg, Gentechnologie, Trinkwassermangel, Korallenbleiche, Regenwaldabholzung bis hin zur elektromagnetischen Strahlung von Handys. Diese Auflistung findet man auch in anderen aktuellen Veröffentlichungen, allerdings hat Armanski das gut belegt und eindringlich geschildert.

Es folgt ein kurzes Kapitel zum „grünen Kapitalismus“, in dem bewiesen wird, dass ein ökologischer Kapitalismus nicht möglich ist. Leserinnen und Lesern, die sich über dieses Problem näher informieren wollen, sei das Buch „Kritik der grünen Ökonomie“ von Fatheuer, Fuhr und Unmüßig empfohlen (siehe Rezension in der Tarantel Nr. 72 (klick)).

Auf den folgenden 70 Seiten wird die „Natur in Geschichte und Gesellschaft“ behandelt. Beginnend mit einem Rückblick ins archaische Erbe wird der Wandel der Naturbetrachtung in Hinblick auf das Soziale, die Naturwissenschaften, die Philosophie und Poesie untersucht. Ebenso die Wandlung der Ansichten in der Kulturgeschichte des Natur-Mensch-Tier-Verhältnisses. Auch das Verhältnis von Kirche und Natur wird breit behandelt. Der Leser findet hier neue Zusammenhänge, Denkanstöße, Einsichten und Schlussfolgerungen.

Eine Kritik der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise schließt sich an. Armanski kommt zu dem Schluss, dass die kapitalistische Wirtschaft die Natur vernichten wird, wenn sie nicht gestoppt werden kann. Er untersucht die „Mentalität der herrschenden Produktions- und Lebensform“. Nicht nur die gewachsene Trennung der Menschen von der Natur, sondern auch die große Kluft zwischen ökologischen Einsichten und entsprechendem Handeln wird erhellt.

In einem eingefügten Kapitel zur Umweltkrise werden die „Menetekel“, die bereits zu Beginn aufgezählt und beschrieben wurden, noch einmal in ihrer Wirkung und Gefahr für den Fortbestand der Menschheit aufgezeigt: Abschmelzen der Polkappen und Gletscher, Korallenbleiche, Verschwinden der Regenwälder, kranke Pflanzen- und Tierwelt, Leitbild Auto usw.

Anthropo- und Ökozentrismus führen manchmal zu extremen Forderungen. Armamski legt offen, dass die Regelkreise der Natur auch ohne den Menschen funktionieren, was aber Menschen nicht veranlasst, die Systemfrage zu stellen. Grüne Politik verlangt aber politische Aktionen und einen Strukturwandel. Kapitalistische Wachstumsdynamik in Produktion und Konsumtion müssen durchbrochen werden. Den Problemen der ökologischen Befreiung der Menschheit widmet Armanski mehrere Kapitel und beleuchtet diese Problematik von allen Seiten.

Es schließt sich ein Abschnitt an, der die zukünftigen Aussichten der Ökologiebewegung untersucht. Grundlage der Untersuchungen sind die Rechte künftiger Generationen und der Natur. Wenn dem gegenwärtig vorherrschenden Profitmotiv nicht mindestens Zügel angelegt werden, werden die Ausplünderung des Planeten und die Ausbeutung der Menschen weiter voranschreiten. Armaskis Vorschläge, wie der Kampf für die Erhaltung der Natur zu organisieren wäre, welche Methoden anzuwenden seien und welche psychologischen Einsichten zu nutzen wären, sind für die Ökologische Plattform bei der LINKEN als Kompendium zu nutzen.

Armanski, Gerhard: Monsieur le Capital und Madame la Terre. Blauer Planet im Würgegriff. 2015. ISBN 978-3-89691-721-9, 24,90 €

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Kapitalismus ohne Wachstum?

Oder: Warum kapitalistisches Wachstum und (Natur)zerstörungen untrennbar sind

Einblicke und Ausblicke aus politisch-ökonomischer Sicht

Wenn von Naturzerstörungen, vom Klimawandel oder vom Umweltschutz die Rede ist, werden sowohl in öffentlichen Diskursen als auch im wissenschaftlichen „Mainstream“ zumeist Fragen der technischen „Beherrschbarkeit“ von Natur thematisiert. Insbesondere geht es dabei um die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz, aber auch um gesetzliche Forderungen oder normative und moralische Leitbilder, aus denen die Schonung der Natur folgen soll.

Wann

Donnerstag, 25. Februar 2016, 19:00 bis 21:00 Uhr

Wo

Helle Panke
Kopenhagener Str. 9
10437 Berlin (klick zur Karte)

 

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Wie Überschriften die Meinung beeinflussen.

Das Magazin für erneuerbare Energien „neue energie„, sich selbst als „Fachmagazin der Energiewende“ bezeichnend, macht ihre aktuelle Nummer 1/2015 auf mit dem Text: „Wir brauchen beides! Artenvielfalt und Erneuerbare sind vereinbar“ und erfindet auch gleich zu Naturschutzgebieten „Klimaschutzgebiete“. Beim Anblick dieses Titels fragt mensch sich nur: „Wie sollen die Windräder vor den Vögeln geschützt werden?“

neue energie
Quelle: neue energie Nr. 1/2015

Na gut, das ist nicht ernst gemeint. Natürlich brauchen wir beides, aber mit dem Postulat auf der Titelseite ist es nicht getan. Deutlich wird das im Interview das der Bundesgeschäftsführer des NABU, Leif Miller, dem Chefredakteur Jörg-Rainer Zimmermann gegeben hat. Für ihn ist nicht nur wichtig, „Klima- und Artenschutz zusammen zu denken“ und – wie es in der Einleitung heißt – „gerade bei Windparks die Standortwahl“.

In seiner Antwort auf die Frage: „Wie lässt sich das [Klima- und Naturschutz] argumentativ überein bringen, wo doch beide Seiten Natur und Umwelt schützen wollen?“ verweist er darüber hinaus auf ein ungelöstes Problem:

„Eine naturverträgliche und bedarfsgerechte Energiewende ist nur mit Energieeinsparungen zu erreichen. Nur wenn wir den Energiebedarf reduzieren, kann der Druck auf Lebensräume von Mensch und Natur gemindert werden, indem weniger Kraftwerke oder Stromleitungen gebaut werden.“

Trotz aller bisherigen Bemühungen zur Energieeinsparung hat sich das Bruttoinlandsprodukt nicht vom Primärenergieverbrauch abgekoppelt, das heißt, die Effizienzsteigerungen wurden durch Wachstumsteigerungen des BIP „aufgefressen“ (rebound-Effekt).

Quelle: AGEB "Ausgewählte Effizienzindikatoren zur Energiebilanz Deutschland. Daten für die Jahre von 1990 bis 2012"
Quelle: AGEB „Ausgewählte Effizienzindikatoren zur Energiebilanz Deutschland. Daten für die Jahre von 1990 bis 2012“

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Wachstum – was nun?

Am Freitag, 07.11.2014 um 8:55 Uhr und am Samstag, 15.11.2014 um 11:55 Uhr wiederholt arte den Film von Marie-Monique Robin Wachstum – was nun?

Anschauen lohnt sich!

Einleitung zum script

„Mehr Wachstum!“ wird in Zeiten von Wirtschafts-, Umwelt- und Finanzkrisen gefordert, denn die amerikanische Immer-mehr-Ideologie gilt als Garant für eine gesunde Ökonomie. Doch wie zeitgemäß ist dieser Mythos angesichts der weltweiten Ressourcenknappheit noch? Dieser Frage geht der Dokumentarfilm auf den Grund – und zeigt Alternativen auf, die sich bereits bewährt haben.

„Mehr Wachstum!“ – diese Forderung ist besonders in Zeiten von Wirtschafts-, Umwelt- und Finanzkrisen beliebt, denn die amerikanische Immer-mehr-Ideologie gilt weltweit als Garant für eine gesunde Ökonomie. Doch wie zeitgemäß ist dieser Mythos noch – angesichts immer knapperer Ressourcen weltweit? Dieser Frage gehen die Filmemacher von „Wachstum, was nun?“ auf den Grund – und zeigen Alternativen auf, die sich bereits vielerorts in der Praxis bewährt haben.

So machen sich immer mehr Experten für ein Ende des grenzenlosen Wachstums stark. Nahrungsmittelproduktion, Energieverbrauch und Geldkreislauf müssen wieder unter Kontrolle gebracht werden. Im Norden und Süden der Welt experimentiert man mit neuen Wirtschaftsmodellen und erzielt inzwischen erste Ergebnisse. So zeichnen sich neue, umweltbewusste und regionalisierte Modelle ab, die für absehbare Probleme wie Klimawandel, Mangel an fossilen Brennstoffen und Finanzkrisen besser gewappnet sind. Oft werden sie sogar von den lokalen Behörden bereits unterstützt.

Um etwas zu verändern, müssen Produktion und Arbeitsplätze in die Heimatregionen zurückgeholt werden. Das ermöglicht vielen Initiativen und Kooperativen die Möglichkeit, ihren Platz zurückerobern und die Bedeutung von Reichtum neu zu definieren. „Wachstum, was nun?“ zeichnet anhand von Experten und konkreten Beispielen das Bild der neuen Post-Wachstums-Gesellschaft.

Film ansehen:


Interview mit Marie-Monique Robin ansehen:


einzelne Szenen auf Youtube:

Otaciana: Eine Währung gegen die Armut – Wachstum, was nun ?

Pabitra: Energie im Dienst der Entwicklung – Wachstum, was nun ?

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Brandenburgische Landesnachhaltigkeitsstrategie

Am 22.11.2013 begann die Online-Konsultation des Entwurfs der Brandenburgischen Landesnachhaltigkeitsstrategie.

Aus der Mitteilung des Ministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg und der IFOK GmbH:

Sie finden die aufbereitete Strategie unter nachhaltig.brandenburg.de und sind herzlich eingeladen, diese dort mit Ihren Anmerkungen zu bereichern. Wir haben das Dokument in kleinere Sinneinheiten geteilt, um eine einfachere und zielgerichtete Kommentierung zu ermöglichen.

Bis zum 20. Dezember haben Sie die Gelegenheit, den aktuellen Entwurf der Landesnachhaltigkeitsstrategie zu kommentieren.

Die Nachhaltigkeitsstrategie gliedert sich in die fünf inhaltlichen Schwerpunkte:

  • Wirtschaft und Arbeit in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg
  • Lebenswerte Dörfer und Städte
  • Brandenburg als Modellregion im Umgang mit Energie und Klimawandel
  • Zukunftsfähige Finanzpolitik
  • Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung

Darüber hinaus legt die Landesregierung dar, was der Begriff Nachhaltigkeit für sie bedeutet und wie die Strategie umgesetzt werden soll.

Um möglichst viele und unterschiedliche Ideen und Kommentare einzusammeln, bitten wir Sie, diese Mitteilung auch in Ihrem persönlichen Freundes-, Bekannten-, und Kollegenkreis weiterzuleiten.

Der Entwurf der Landesnachhaltigkeitsstrategie und Anregungen aus der Online-Konsultation werden auch Thema bei einer Dialogveranstaltung am 6. Dezember 2013 in Potsdam sein. Mehr Informationen zur Veranstaltung und die Möglichkeit zur Anmeldung erhalten Sie hier.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Martin Pohlmann, Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

Lena Judick, IFOK GmbH

 

Ministerium für Umwelt,
Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
www.mugv.brandenburg.de
Albert-Einstein-Straße 42-46
14473 Potsdam
Tel. 03 31-8 66 79 23
martin.pohlmann@mugv.brandenburg.de
IFOK GmbH
www.ifok.de
Reinhardtstr. 58
10117 Berlin
Tel. 030-53 60 77 37
lena.judick@ifok.de

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Lügen durch Verschwinden lassen?

Der in „Wohlstand und Wachstum sind gegenläufig“ zitierte Text der „Freien“ Universität Berlin

„Im November 2011 haben die Urheber des ‚Nationalen Wohlfahrtsindex‘ (NWI) von der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) und dem Forschungszentrum für Umweltpolitik der FU Berlin (FFU) den NWI erstmals fortgeschrieben. Es handelt sich dabei um eine andere Sichtweise auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bzw. Bruttonationaleinkommen (BNE); diese soll das BIP nicht ersetzen, jedoch kommt man im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung zu einer anderen Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. …

Die Berechnung des monetären Indexes führt mit den neuen Werten für die Jahre 2008 und 2009 zu bemerkenswerten Ergebnissen: Der NWI wird 2008 und 2009 durch die Finanz- und Wirtschaftskrise erheblich weniger beeinflusst als BNE und BIP. Gerade von 2008 bis 2009 ist ein drastischer Rückgang beim BNE zu verzeichnen, während der Wohlfahrtsindex in diesem Zeitraum dagegen sogar leicht ansteigt. Die Ergebnisse des NWI für Deutschland für 2008 und 2009 zeigen zum einen, dass die Wirtschaftskrise in diesen Jahren den Konsumbereich weit weniger betroffen hat als den Bereich der Produktion. Die gegenläufige Entwicklung zum BNE lässt sich aber zu einem guten Teil auch darauf zurückführen, dass die im NWI berücksichtigten negativen externen Effekte der Produktion — der Verbrauch von Ressourcen und die Belastung der Umwelt mit Schadstoffen — durch den Rückgang der Wirtschaftsaktivitäten ebenfalls deutlich abgenommen haben.”

fand sich noch am 1.9.2013 auf der FU-Seite /http://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/forschung/systeme/ffu/forschung-alt/projekte/laufende/07_wohlfahrtsindex/NWI_II_Aktualisierung_2008_2009_Presseversion_2011.pdf?1367711012.
Die Pressemitteilung existiert inzwischen nicht mehr.
Auch eine Suche nach „NWI“ liefert auf der FU-Seite kein Ergebnis, nur die Suche nach „Wohlfahrtsindex“ ergibt drei Verweise ohne inhaltliche Aussagen.

Ist die FU zu weit vorgeprescht und wurde zurück gepfiffen? Schämt sie sich ihrer eigenen Forschungsergebnisse? „Lügen durch Verschwinden lassen?“ weiterlesen

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„Sozialökologische Transformation: Strategische Bedingungen eines Politikwechsels“

Summer Factory des ISM

16.-18. August 2013, Frankfurt am Main, Studierendenhaus der Uni Frankfurt, Campus Bockenheim, Mertonstraße 26-28

Die Summer Factory ist ein Labor für mosaiklinke Wissensproduktion. Akteur_innen aus Politik, Kultur, Wissenschaft, Gewerkschaft, sozialen Bewegungen und NGOs diskutieren vom 16. bis 18. August in Frankfurt die strategischen Bedingungen gesellschaftlicher Veränderung.

Programm

Freitag, 16. August

18.30h:  Begrüßung und Einführung
19h: Podiumsdiskussion

„…ein Umbruch, der ansteht, aber nicht eintritt.“
Strategische Überlegungen zur sozialökologischen Transformation
Mit: Alex Demirovic (Vorstandsmitglied RLS),
Franziska Wiethold (ehem. Vorstandsmitglied ver.di),
Tom Strohschneider(Chefredakteur neues deutschland),
Benjamin Mikfeld (Geschäftsführer Denkwerk Demokratie).
Moderation: Katja Maurer(medico international)

Samstag 17. August

9h:  Anmeldung
10-13h:  Workshops und Arbeitsgruppen Phase 1
13-14h:  Mittagspause
14-16h:  Workshops und Arbeitsgruppen Phase 2
16h:     Kaffeepause
16.30h  Ergebnisdiskussion: Fishbowl-Runden
18.20h:  Forum
19-20h: Abendessen, danach Party im Casablanca

Sonntag 18.August

09h:         Frühstücksbuffet
09.30 h: Ergebnisdiskussion: Open Space
13h:  Abschlussveranstaltung
14h:  Ende

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Das Cochabamba Protokoll

Heute ist der 21.7.2013.  In genau zwei Monaten findet die Bundestagswahl statt.

In der Öffentlichkeit spielen ökologische Fragen immer noch eine zu geringe Rolle. Im Zentrum stehen soziale Probleme und die deutsche Nabelschau. Beim Klimaschutz geht es jedoch um weit mehr.

Aus diesem Anlass erinnern wir hier an die globale Dimension der Probleme mit einem zeitgeschichtlichen Dokument von herausragender Bedeutung, der

Erklärung der Weltkonferenz über den Klimawandel und die Rechte der Mutter Erde
22. April 2010 Cochabamba, Bolivia
Abkommen der Völker

Cochabamba.jpg

Heute ist unsere Mutter Erde verletzt und die Zukunft der Menschheit in Gefahr.

„Sollte die globale Erwärmung auf mehr als 2°C steigen, wohin uns die so genannte „Kopenhagener Vereinbarung“ führen wird, gibt es eine 50 %ige Wahrscheinlichkeit, dass die unserer Mutter Erde zugefügten Verletzungen vollständig unumkehrbar werden.

Zwischen 10 und 30 % der Arten sind vom Verschwinden bedroht. Große Waldflächen werden betroffen sein, Dürren und Überschwemmungen werden verschiedene Gebiete des Planeten beeinträchtigen, die Wüsten werden sich ausbreiten und das Abschmelzen der Polkappen und der Gletscher in den Anden und im Himalaya wird sich verstärken. Viele Inselstaaten werden verschwinden und Afrika wird einen Temperaturanstieg von mehr als 3 °C erleiden. Damit wird sich die Erzeugung von Lebensmitteln auf der Welt mit katastrophalen Auswirkungen für das Überleben der Bewohner weiter Regionen des Planeten verringern und die Zahl der Hungernden in der Welt, die bereits 1,02 Millionen Menschen übersteigt, dramatisch zunehmen.

Die Konzerne und Regierungen der sogenannten „entwickelten“ Länder haben uns in Komplizenschaft mit einem Teil der wissenschaftlichen Gemeinsachaft dazu gebracht, den Klimawandel als Problem zu diskutieren, das sich auf den Temperaturanstieg beschränkt, ohne die Ursache, das kapitalistische System zu hinterfragen.

Wir stehen vor einer Endzeitkrise des Zivilisations-Modells, das auf Patriarchat und auf einer sich seit der Industriellen Revolution beschleunigenden Unterwerfung und Zerstörung der Menschen und der Natur beruht.

Das kapitalistische System hat uns eine Logik der Konkurrenz, des Fortschritts und grenzenloses Wachstum auferlegt. Dieses Regime der Produktion und des Verbrauchs strebt nach grenzenlosem Gewinn, Trennung des Menschen von der Natur, gebietet Überlegenheit über die Natur, verwandelt alles in Waren: Wasser, Erde, menschliches Erbgut, Kultur der Vorfahren, Artenvielfalt, Justiz, Ethik, Rechte der Völker und das Leben selbst.

Im Kapitalismus werden die Mutter Erde in eine Rohstoffquelle und Menschen zu Konsumenten und in Produktionsmittel verwandelt, in Menschen, die nur das wert sind, was sie besitzen, und nicht, was sie sind.

Der Kapitalismus erfordert eine leistungsfähige Rüstungsindustrie für seine Akkumulationsprozesse und die Kontrolle von Territorien, Naturressourcen und die Unterdrückung des Widerstandes der Völker. Es ist ein imperialistisches System der Kolonisierung des Planeten.

Die Menschheit steht vor einer großen Entscheidung: den Weg des Kapitalismus, von Plünderung und Tod fortzusetzen oder den Weg der Harmonie mit der Natur und den Respekt für das Leben zu wählen.

Es ist zwingend notwendig, dass wir ein neues System formen, das die Harmonie mit der Natur und unter den Menschen wieder herstellt. Und um im Gleichgewicht mit der Natur zu sein, muss zuerst Gerechtigkeit unter den Menschen herrschen. Wir schlagen den Völkern der Welt die Wiederherstellung, Wiederaufwertung und Stärkung der Kenntnisse, des Verstands und der überlieferten Praktiken der indigenen Völker vor, die auf dem Gedanken und den Methoden des „Guten Lebens“ beruhen, die Mutter Erde als ein Wesen anerkennen, mit dem wir eine unteilbare, voneinander abhängige, sich ergänzende und geistige Beziehung haben. Um den Klimaveränderungen zu begegnen, müssen wir Mutter Erde als die Quelle des Lebens anerkennen und ein neues System schmieden, das auf die Grundsätze gestützt ist:

  • Harmonie und Gleichgewicht unter allen und mit allen Dingen;
  • Komplementarität, Solidarität und Gleichheit;
  • Kollektives Wohlbefinden und Zufriedenheit der Grundbedürfnisse aller;
  • Menschen in Harmonie mit der Natur;
  • Anerkennung der Menschen für das, was sie sind, und nicht, was sie besitzen;
  • Beseitigung aller Formen von Kolonialismus, Imperialismus und Interventionismus;
  • Frieden unter den Völkern und mit der Mutter Erde;

Das Modell, das wir vorschlagen, ist nicht das einer destruktiven und unbegrenzten Entwicklung.  Die Länder sind darauf angewiesen, Güter und Dienstleistungen zu erzeugen, um die grundlegenden Bedürfnisse ihrer Bevölkerung zu befriedigen, aber sie dürfen auf keinen Fall weiter den Entwicklungsweg verfolgen, bei dem die reichsten Länder einen fünfmal größeren ökologischen Fußabdruck verursachen als unser Planet zu verkraften vermag. Derzeit ist dieser bereits auf mehr als 30 % der Regenierungsfähigkeit des Planeten angewachsen. Bei diesem Rhythmus der übermäßigen Ausbeutung unserer Mutter Erde würden für 2030 zwei Planeten benötigt.

In einem interdependenten System, in dem wir Menschen einer der Bestandteile sind, kann man nicht allein dem menschlichen Teil Rechte zugestehen, ohne dem Gesamtsystem Schaden zuzufügen. Um die Menschenrechte zu gewährleisten und die Harmonie mit der Natur wieder herzustellen, müssen die Rechte von Mutter Erde anerkannt und wirkungsvoll durchgesetzt werden.

Wir schlagen dazu das an der Universalen Erklärung der Rechte von Mutter Erde angefügte Projekt vor, in dem gefordert wird:

  • Recht auf Leben und auf Existenz;
  • Recht darauf, geachtet zu werden;
  • Recht auf Fortsetzung ihrer Zyklen und Lebensprozesse frei von menschlicher Beeinträchtigung;
  • Recht auf Wahrung ihrer Identität und Integrität als unterschiedliche, sich selbst steuernde und mit einander in Beziehung stehende Wesen;
  • Recht auf Wasser als Quelle des Lebens;
  • Recht auf saubere Luft;
  • Recht auf umfassende Gesundheit;
  • Recht auf Freiheit von Verseuchung und Verschmutzung durch toxische und radioaktive Abfälle;
  • Recht darauf, nicht genetisch beeinträchtigt oder in ihrer Struktur verändert zu werden, was ihre Integrität oder Lebens- und Gesundheitsfunktionen bedroht;
  • Recht auf rasche und vollständige Rückgängigmachungen der in dieser Erklärung anerkannten Verletzungen von Rechten durch menschliche Aktivitäten.

Die gemeinsame Vision besteht darin, die Konzentrationen von Treibhausgasen zu stabilisieren, um Artikel 2 des Rahmenabkommens der Vereinten Nationen über den Klimawandel zur Geltung zu bringen, in dem es heißt: „die Stabilisierung der Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf einem Niveau, das für das Klimasystem gefährliche antropogene Interferenzen ausschließt“. Unsere Vision besteht darin, auf der Grundlage des Prinzips der gemeinsamen, aber differenzierten historischen Verantwortung zu fordern, dass sich die entwickelten Länder zu messbaren Zielen bei der Verringerung der Emissionen verpflichten, die eine Reduzierung der Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf 300 ppm ermöglicht und damit den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf maximal 1 °C beschränkt.

Das Bedürfnis nach dringendem Handlungsbedarf betonend, um diese Vision mit der Unterstützung von Völkern, Bewegungen und Ländern zu erreichen, sollten sich die entwickelten Länder zu ehrgeizigen Zielen verpflichten, um die Emissionen zu reduzieren, die das Erreichen der Kurzzeitziele erlauben, ohne unsere Vision für das Gleichgewicht im Klimasystem der Erde in Übereinstimmung mit dem Endziel aus den Augen zu verlieren.
[…]
Wir weisen die Welt darauf hin, dass die Emissionen der entwickelten Staaten ungeachtet ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Verringerung zwischen 1990 und 2007 um 11,2 % stiegen. Aufgrund des unbegrenzten Verbrauchs erhöhten die USA ihre Treibhausgas-Emissionen im Zeitraum von 1990 bis 2007 um 16,8 % und stießen im Durchschnitt zwischen 20 und 30 Tonnen CO2 pro Jahr und Einwohner aus, was das Neunfache der entsprechenden Emissionen eines Durchschnittsbewohners der Dritten Welt ausmacht und mehr als das Zwanzigfache eines Bewohners des subsaharischen Afrikas.

Wir weisen die unrechtmäßige “Verständigung von Kopenhagen” absolut zurück. Sie erlaubt diesen entwickelten Ländern das Angebot unzureichender Verringerungen von Treibhausgasen auf der Grundlage freiwilliger und individueller Kompromisse, die die Umweltintegrität von Mutter Erde verletzen und uns zu einem Temperaturanstieg von mehr als 4 ºC führen.
Die nächste Konferenz über den Klimawandel Ende des Jahren in Mexiko muss den Zusatz zum Kyoto-Protokoll bestätigen, für den zweiten Zeitraum von Verpflichtungen für 2013 bis 2017, in dem die entwickelten Staaten sich zu beträchtlichen verbindlichen Verringerungen ihrer eigenen Emissionen um mindestens 50 % in Bezug auf 1990 zu verpflichten haben, ohne Einbeziehung von Kohlenstoff-Märkten oder andere Ablenkungssysteme, die die Nichteinhaltung der realen Verringerung der Treibhausgasemissionen nur verschleiern sollen.
[…]
Die enorme Herausforderung, vor der wir als Menschheit bei der Begrenzung der globalen Erwärmung und der Abkühlung des Planeten stehen, kann nur bewältigt werden, wenn wir eine tiefgründige Umgestaltung der Landwirtschaft, hin zu einem Modell nachhaltiger, bäuerlicher und indigener/ursprünglicher Wirtschaft und anderer jahrhundertealter ökologischer Praktiken und Modelle, die dazu beitragen, das Problem des Klimawandels zu lösen und Lebensmittelsouveränität gewährleisten. Diese ist zu verstehen als das Recht der Völker auf Kontrolle ihres eigenen Saatguts, ihrer Böden, ihres Wassers und der Erzeugung von Lebensmitteln zur Gewährleistung einer Produktion im Einklang mit Mutter Erde, örtlich und kulturell angemessen, Zugang der Völker zu abwechslungsreichen und nahrhaften Lebensmitteln in ausreichendem Maße, in Ergänzung mit Mutter Erde und verbunden mit einer Stärkung der autonomen Erzeugung (partizipativ, gemeinschaftlich und arbeitsteilig) durch jede einzelne Nation und jedes einzelne Volk. eine jede Nation und jedes einzelne Volk.
[…]
Die UNO-Erklärung über die Rechte der indigenen Völker ist bei den Klimaverhandlungen umfassend anzuerkennen, durchzusetzen und einzubeziehen. Die beste Strategie und Aktion zur Verhinderung von Abholzungen und Schädigungen und zum Schutz der ursprünglichen Wälder und Regenwälder besteht in der Anerkennung der kollektiven Rechte an Grund und Boden, insbesondere da die meisten Wälder und Urwälder in den Gebieten liegen, in denen indigene Völker und Nationen sowie bäuerliche und traditionelle Gemeinschaften leben.
[…]
Die den Entwicklungsländern derzeit zugedachten Finanzierungen für den Klimawandel und die Verständigung von Kopenhagen sind minimal. Die entwickelten Länder müssen sich zusätzlich zur offiziellen Entwicklungshilfe zu einer neuen jährlichen Finanzierung von mindestens 6 % ihres BIP verpflichten, um dem Klimawandel in den Entwicklungsländern zu begegnen. Das ist machbar, wenn man in Betracht zieht, dass sie eine ähnliche Summe für die nationale Verteidigung aufwenden und das Fünffache dieser Summer für die Rettung von bankrotten Banken und Spekulanten aufbrachten, was ihre weltweiten Prioritäten und ihren politischen Willen unter Beweis stellt. Diese Finanzierung muss direkt sein und darf weder an Bedingungen geknüpft sein, noch die nationale Souveränität und Selbstbestimmung der am meisten betroffenen Gemeinschaften und Gruppen beeinträchtigen.
[…]
Wir rufen die Völker dazu auf, eine tiefgreifende Reform der Organisation der Vereinten Nationen vorzuschlagen und voranzubringen, damit alle ihre Mitgliedstaaten an die Beschlüsse des Internationalen Tribunals für Klima- und Umweltgerechtigkeit erfüllen.
[…]
Der erfolgreiche Durchführung des Welt-Referendums, eines Volksentscheid oder einer Volksbefragung muss durch einen entsprechenden Vorbereitungsprozesses zum Erfolg geführt werden.
Zur Koordinierung unseres internationalen Vorgehens und zur Umsetzung der Ergebnisse der vorliegenden “Übereinkunft der Völker” rufen wir auf zur Schaffung einer Weltbewegung der Völker für Mutter Erde, auf der Grundlage der Prinzipien der Komplementarität und der Achtung der unterschiedlichen Herkunft und Visionen ihrer Mitglieder, durch Schaffung eines breiten, demokratischen Raums der Abstimmung und Artikulierung der Aktionen im weltweiten Rahmen.

Zu diesem Zweck nehmen wir einen Welt-Aktionsplan an, damit die entwickelten Länder des Anhangs I in Mexiko den geltenden rechtlichen Rahmen einhalten, ihren Treibhausgasausstoß um 50 % verringern und die einzelnen Vorschläge dieser Übereinkunft akzeptieren. Schließlich kommen wir überein, die 2. Weltkonferenz der Völker über den Klimawandel und die Rechte von Mutter Erde 2011 als Teil dieses Prozesses der Schaffung einer Weltbewegung der Völker für Mutter Erde durchzuführen und auf die Ergebnisse der Konferenz über den Klimawandel Ende des Jahres in Cancún/Mexiko zu reagieren.“

vollständig hier lesen (in deutsch nach der englischen und französischen Fassung, etwa in Seitenmitte)

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„Der geplünderte Planet“ – Neuer Bericht an den Club of Rome

Die Verknappung zentraler Ressourcen ist absehbar  – Hinweis auf ein Interview auf Kontext TV

Mehr als 40 Jahre nach dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ stellte der Club of Rome nun seinen neuen Bericht vor: „Der geplünderte Planet“. Autor Ugo Bardi[1] erläutert im Kontext-TV-Interview, welche Folgen der Raubbau an der Erde hat und warum es in den kommenden Jahrzehnten zu Ressourcen-Knappheiten kommen wird. Neben Öl könnte es auch bei Uran und Kupfer bald zu Engpässen kommen. Noch gravierender aber  sind laut Bardi die Umweltfolgen des Raubbaus: Radioaktive Materialien und Schwermetalle vergiften die Erde, der wachsende CO2-Ausstoß führt zu einem katastrophalen Klimawandel.

Interview ansehen

„Der geplünderte Planet“

erschien beim oekom-Verlag [2]. In der Pressemitteilung des Verlages wird es so beschrieben:

„Wir pumpen Millionen Liter mit giftigen Chemikalien und Bioziden versetztes Wasser in unsere Böden, um ihnen auch die letzten Gasvorkommen zu entziehen, nennen es Fracking und erklären es zur fortschrittlichen Methode. Wir führen Kriege um die sogenannten „Seltenen Erden“, damit wir uns jedes Jahr ein neues Smartphone leisten können, sehen darin die Zukunft und denken doch nicht daran, was sein wird. Hier wiederholen sich – an neuen Orten, mit neuen Protagonisten – alte Handlungsmuster: seit Jahrhunderten führt der Mensch einen Raubzug gegen die Erde ohne dessen Folgen im Blick zu haben. Der Chemiker Ugo Bardi erzählt die Geschichte dieser Plünderung und liefert zugleich eine umfassende Bestandsaufnahme der Rohstoffsituation unseres Planeten. In „Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen“, dem neuen Bericht an den „Club of Rome“, der am 6. 6.2013 in Berlin präsentiert (wurde).

Unser Planet liefert uns eine Fülle von Rohstoffen, die der Mensch seit jeher abbaut und nutzt. Anfangs in moderatem Maß; doch bald geht es um Gold, Geld und Macht: auf Edelmetallen werden Weltreiche errichtet. Wenig später bilden fossile Brennstoffe die Basis dieser Imperien – auch hier wiederholt sich Geschichte. Doch am Ende scheitert der Mensch immer wieder an zwei Problemen, die sich wechselseitig bedingen: an der Ressourcenverknappung durch Wachstumsgrenzen sowie der Zerstörung des Ökosystems durch permanente Abfallproduktion.

Ugo Bardi blickt zurück an den Anfang: wie sind die Rohstoffvorkommen entstanden, warum hat der Mensch begonnen sie zu nutzen, welche Konflikte gab es? Er erläutert die gegenwärtige Situation, diskutiert Verknappungskonzepte und bewertet Alternativen. Aber er wagt vor allem auch den Blick nach vorne: welche zukünftigen Szenarien sind vorstellbar, wie können wir zu einem nachhaltigen Umgang mit unserem Planeten kommen? Flankiert werde seine Betrachtungen durch mehrere Ausblicke: Einschätzungen von Experten zu besonders relevanten Ressourcen, wie etwa Öl, Kohle, Kupfer oder Lithium, sowie zu mit dem Ressourcenmanagement verknüpften Problemen und Lösungsansätzen, beispielsweise Fracking oder Upcycling.

Auch wenn der Ideenreichtum nahezu unerschöpflich scheint – das Auswaschen von Mineralien aus dem Meerwasser, das Anzapfen des Tiefseebodens oder gar der Abbau von Helium 3 auf dem Mond – „in Wirklichkeit ist das ein Krieg gegen den Planeten, ein erbarmungsloser Krieg. Es ist aber auch ein Krieg, den man nicht gewinnen kann. Auf lange Sicht wird sich der Planet vom Angriff der die Bodenschätze ausbeutenden Menschheit erholen, und die einzig möglichen Opfer sind am Ende wir selber“, so Ugo Bardi.



[1↑]Ugo Bardi, Professor für physikalische Chemie an der Universität Florenz, ist Mitglied der NGO Association for the Study of Peak Oil (ASPO) und betreibt ein Blog namens Cassandra’s Legacy. Er ist Autor des Berichts an den Club of Rome „Der geplünderte Planet“

[2↑]Ugo Bardi: Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen, oekom verlag, München 2013, 360 Seiten, 22.95 €, ISBN 978-3-86581-410-4

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Sozial-ökologische Transformation – gerecht und demokratisch

Rede von Ulla Lötzer, DIE LINKE im Deutschen Bundestag am 6.6.2013

Die globale Krise dauert an: die globale europäische Finanzkrise, wachsende soziale Ungleichheit, die Umweltkrise mit ihren katastrophalen Folgen. Insofern war die Einrichtung der Enquete-Kommission ein wichtiger Schritt. Wachstum ist heute immer noch an einen steigenden Ressourcenverbrauch gekoppelt und Wachstum garantiert schon lange nicht mehr Wohlstand und Lebensqualität für alle.

Wir wollen deshalb, dass soziale Entwicklungsziele – die Bekämpfung von Armut zum Beispiel -, ökologische Entwicklungsziele – die Senkung des Ressourcenverbrauchs – und nicht das Starren auf Wachstum zum Gegenstand der Politik werden.


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Wohlstand – wie anders?

Einladung zur Veranstaltung:

WOHLSTAND – WIE ANDERS?

Linke Perspektiven nach der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung möchte den Abschluss der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ dazu nutzen, linke Perspektiven für Wachstum und Wohlstand zu diskutieren.

Mit

Ulrich Brand, Michael Brie, Achim Brunnengräber, Eva Bulling-Schröter, Marco Clausen, Judith Dellheim, Kristina Dietz, Dagmar Enkelmann, Jana Flemming, Karin Gabbert, Maja Göpel, Daniela Gottschlich, Friederike Habermann, Dieter Klein, Steffen Kühne, Sabine Leidig, Ulla Lötzer, Ulrike Meinel, Cornelia Möhring, Tadzio Müller, Katharina Pühl, Norbert Reuter, Tom Strohschneider, Hans Thie, Nina Treu, Axel Troost, Heike Walk, Christa Wichterich

10. April 2013
ganztägig ab 9.30 Uhr
Rosa-Luxemburg-Stiftung
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin
Münzenbergsaal

Anmeldung

bitte bis 8. April an Uta Tackenberg, Email

Falls Bedarf an Kinderbetreuung besteht, kann dieser bei Uta Tackenberg mit Angabe der gewünschten Zeiten bis zum 3. April angemeldet werden.

Programm

09:30-09:45 Eröffnung und Einführung

  • Prof. Dr. Ulrich Brand; Universität Wien, z.Z. Fellow am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Katharina Pühl; Referentin für feministische Gesellschafts- und Kapitalismusanalyse in der Rosa-Luxemburg-Stiftung

09:45-11:00 Auftakt: Ergebnisse und verpasste Chancen

  • Dr. Maja Göpel; Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Büroleitung Berlin
  • Sabine Leidig; MdB DIE LINKE, Mitglied der Enquete-Kommission
  • PD Dr. Norbert Reuter; Ver.di, Sachverständiger der Enquete-Kommission
  • Nina Treu; enquetewatch.de
  • Dr. Axel Troost; MdB DIE LINKE, stellv. Parteivorsitzender
  • Moderation: PD Dr. Achim Brunnengräber; Forschungszentrum für Umweltpolitik, Freie Universität Berlin

11:00-11:15 Pause

11:15-12:45 Wohlstand aus feministischer Perspektive: Anforderungen an linke Politik 

  • Daniela Gottschlich; Leuphana Universität Lüneburg, AG Frauen Forum Umwelt&Entwicklung
  • Dr. Friederike Habermann; freie Wissenschaftlerin
  • Cornelia Möhring; MdB DIE LINKE
  • Dr. Christa Wichterich; Soziologin, Publizistin und Beraterin in der Entwicklungszusammenarbeit
  • Moderation: Katharina Pühl

12:45-14:00 Mittagspause

14:00-14:30 Einspruch: Plan B, Enquete-Kommission, sozial-ökologische Transformation

  • Dr. Dagmar Enkelmann; MdB DIE LINKE, Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung

14:30-16:00 Wohlstand aus sozial-ökologischer Perspektive: Anforderungen an linke Politik

  • Prof. Dr. Dieter Klein; Mitglied des Vorstandes der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Ulrike Meinel, Referentin für Ressourcenpolitik, Naturschutzbund Deutschland e.V.
  • Dr. Hans Thie; Referent für Wirtschaftspolitik der Fraktion DIE LINKE im Bundestag
  • PD Dr. Heike Walk; Zentrum Technik und Gesellschaft, Technische Universität Berlin
  • Moderation: Steffen Kühne; Referent für Nachhaltigkeit und sozial-ökologischen Umbau in der Rosa-Luxemburg-Stiftung

16:00-16:15 Pause

16:15-17:15 Erfahrung, Debatte, Austausch

  • 1. Arbeitsgruppe Arbeit. Moderation: Dr. Christa Wichterich; Soziologin, Publizistin und Beraterin in der Entwicklungszusammenarbeit
  • 2. Arbeitsgruppe Konsum. Moderation: Jana Flemming; Referentin der Enquete-Kommission für die Fraktion DIE LINKE im Bundestag
  • 3. Arbeitsgruppe Mobilität. Moderation: Sabine Leidig; MdB DIE LINKE, Mitglied der Enquete-Kommission
  • 4. Arbeitsgruppe Umwelt/Energie. Moderation: Dr. Kristina Dietz; Freie Universität Berlin
  • 5. Arbeitsgruppe Wachstumskritik. Moderation: Dr. Tadzio Müller, forscht bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung zum Thema Energiewende

17:15-17:30 Pause

17:30-18:30 Rückschlüsse für eine feministische und sozial-ökologische Transformationsperspektive

  • Prof. Dr. Michael Brie; Direktor des Instituts für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Dr. Judith Dellheim; Referentin für Solidarische Ökonomie in der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Moderation: Katharina Pühl und Ulrich Brand

18:30-20:30 Abendveranstaltung: Vom Wachstumszwang zum guten Leben. Ansatzpunkte für linke Wohlstandspolitik

  • Prof. Dr. Ulrich Brand
  • Eva Bulling-Schröter, MdB DIE LINKE Mitglied der Enquete-Kommission
  • Ulla Lötzer; MdB DIE LINKE, Mitglied der Enquete-Kommission
  • Tom Strohschneider; Chefredakteur Neues Deutschland
  • Moderation: Dr. Karin Gabbert; Zentrum für internationalen Dialog und Zusammenarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung

ab 20:30 Get-together, Snacks und Umtrunk im Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Gespräch und Präsentation mit Marco Clausen vom Prinzessinnengarten in Berlin: Urbane Gärten: das gute Leben in der Stadt und eine ganz andere Form des Wachstums

Kontakt:

Stefan Thimmel, Stv. Leiter Bereich POLITISCHE KOMMUNIKATION, Öffentlichkeitsarbeit

Rosa Luxemburg Stiftung
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin
www.rosalux.de
Tel.: 030 44310-434
thimmel@rosalux.de

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Wohlstand und Wachstum sind gegenläufig

Am 31.12.2012 endete das Projekt der Freien Universität Berlin/ Forschungszentrum für Umweltpolitik Weiterentwicklung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie – Vorschlag für einen nationalen Wohlfahrtsindex. In diesem wurde die Entwicklung des „Nationalen Wohlfahrtsindex“ (NWI) aus dem Jahre 2008 und des Bruttonationaleinkommens (BNE) untersucht.

In der Pressemitteilung [1] der FUB heißt es zu den Mängeln des Indikators Bruttoinlandsprodukt”:

“… das BIP weist … einige Schwächen auf. Zum einen werden viele Umweltschäden gänzlich ausgeblendet.

  • Zum anderen werden Maßnahmen gegen Umweltbelastungen als positiv verbucht, obwohl es kompensatorische Kosten sind, die noch keine Steigerung der gesellschaftlichen Wohlfahrt bewirken, wie Altlastensanierung und Ausgleichsmaßnahmen für Naturverbrauch.
  • Ähnliches gilt im sozialen Bereich, etwa die Ausgaben für Drogen,Alkohol und Tabak, welche Folgekosten in Höhe von rund 56 Milliarden Euro jährlich nach sich ziehen.
  • Außerdem fließen in das BIP auch Konsumausgaben und Investitionen ein, die nur über Staatsschulden möglich werden, jedoch gleichzeitig die finanzielle Handlungsfähigkeit der Länder nachhaltig untergraben.
  • Schließlich werden Arbeitsbereiche in das BIP nicht einbezogen,welche die Wohlfahrt steigern, vor allem ehrenamtliche Arbeit und auch Hausarbeit.”

Wie wird statt dessen der NWI berechnet?

Dazu heißt es:

“Der NWI stellt eine monetäre Kenngröße dar, dass heißt, alle einbezogenen Komponenten liegen bewertet in Euro als jährliche Größe vor. Insgesamt umfasst der NWI in seiner Grundvariante 19 Komponenten.

  • Die Berechnung geht von der Basisgröße„Privater Verbrauch“ aus. Dieser Ausgangspunkt beruht auf der Annahme, dass der Private Verbrauch – der Konsum von Gütern und Dienstleistungen durch die Haushalte – einen positiven Nutzen stiftet und damit zur Wohlfahrt der Menschen beiträgt.
  • Da ein zusätzliches Einkommen für einen armen Haushalt eine höhere zusätzliche Wohlfahrt stiftet als für einen reichen Haushalt, wird der Private Verbrauch mit der Einkommensverteilung gewichtet. Je ungleicher verteilt das Einkommen einer Gesellschaft ist, desto niedriger ist – unter sonst gleichen Bedingungen – der NWI.
  • Außerdem wird die nicht über den Markt bezahlte Wertschöpfung durch Hausarbeit und Ehrenamt einbezogen, was im BIP/BNE nicht geschieht.

Sechs Komponenten bilden zusätzliche soziale Faktoren ab,

  • wobei einerseits Wohlfahrt stiftende Ausgaben des Staates für Gesundheit und Bildung addiert,
  • andererseits Kosten etwa von Kriminalität oder Verkehrsunfällen abgezogen werden.

Ökologische Faktoren werden durch neun Komponenten (berücksichtigt):

  • Ausgaben zur Kompensation von Umweltschäden,
  • Schadenkosten aufgrund unterschiedlicher Umweltbelastungen und
  • Ersatzkosten für den Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen.

Eine zusätzlich ausgewiesene Variante des NWI, die aber noch nicht mit empirischen Daten unterlegt werden konnte, bezieht darüber hinaus als negative Position die Nettoneuverschuldung öffentlicher Haushalte ein und positiv die öffentlichen Ausgaben zum ökologischen Umbau der Wirtschaft.”

JedeR kann selbst prüfen, ob diese Annahmen sinnvoll sind. Interessant ist das Ergebnis der Berechnungen von BNE und NWI seit 1990 (siehe Abbildung).

„Wohlstand und Wachstum sind gegenläufig“ weiterlesen

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Intellektuelle Leere dokumentiert

Hallo,

dieser wohlformulierte und empörte Verriss (aus der Wirtschaftswoche!) der schwarzgelben “Polit-Eliten” und ihrer „Leistung“ in 2 AGs der Bundestags-Enquetekommission „Wohlstand/Wachstum“ ist lesenswert (wenngleich das Objekt Tränen oder aber Ohrfeigen auslösen könnte) – und nicht nur für diesen Themenbereich sympomatisch.
Da gibt’s ein paar Ähnlichkeiten mit den Hofschranzen von Ludwig XIV: Obsoletheit…

Merke: Mensch muss nicht unbedingt italienischer Clown sein, um schlechte, unangemessene Politik zu machen.

Umso interessanter, geradezu Hoffnung erweckend, dass so etwas derart deutlich in der WiWo artikuliert wird.

Beste Grüße

Dr. Edgar Göll

„If the odds don’t look promising, it is time to apply insights and practices that draw out our best response.
Then hope becomes active; it is something WE DO rather than have.“ (Chris Johnstone)

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Wachstumsdiskussion

Streifzüge bringt unter dem Titel „Blind in die Apokalypse“ eine lesens- und bedenkenswerte Diskussion darüber, wie wir leben wollen bzw. sollten.

Zum Vergleich:

„Wie wollen wir leben? Gute Arbeit, soziale Sicherheit und Gerechtigkeit“ ist auch ein Kapitel des aktuellen Parteiprogrammes DER LINKEN.

Im Wahlprogramm DER LINKEN gibt es ebenfalls einen Abschnitt „Damit wir leben können, wie wir wollen“.

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Warten auf das Wachstum

14.02.2013 | 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Universität Karlsruhe, Gebäude 20.12, Karlsruhe
Mit Alexis Passadakis

Gibt es eine Lösung der Eurozonen-Krise jenseits eines neuen Booms?

Die gegenwärtige Bearbeitung der Eurozonenkrise setzt auf Austerität, führt zu Rezession und hofft auf neue Blasen und Wachstum. Als Alternative schlagen einige Akteure mehr oder weniger elaborierte euro-keynesianische Konzepte vor. In einigen Fällen sogar mit einer ökologischen Komponente – z.B. einen Green New Deal. Was aber sind die gesellschaftspolitischen Voraussetzungen eines Euro-Keynesianismus, und ist «grünes Wachstum» tatsächlich eine Antwort auf die ökologischen Krisen und Peak Oil? Welche Konturen könnte eine Ökonomie jenseits des Wachstums haben und wie sehen die politischen Auseinandersetzungen um eine Solidarische Postwachstumsökonomie aus?

Alexis Passadakis, Jahrgang 1976, ist Politikwissenschaftler (M.A. Global Political Economy/Sussex) und Mitglied im Rat von Attac. Er beschäftigt sich mit Fragen der Weltwirtschaft, Klimagerechtigkeit und der Eurozonen-Krise.

Kontakt

RLS-Regionalbüro Baden-Württemberg
Ludwigstr. 73a
70176 Stuttgart

Telefon: 0711 99797090
Fax: 0711 99797091
Email: schlager@rosalux.de

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