Zentralafrika brennt

Karte Zentralafrikas mit Bränden
Brände in Zentralafrika 2021 (Quelle: https://gwis.jrc.ec.europa.eu/apps/gwis_current_situation/index.html; abgerufen: 23.8.21)

Buschbrände

Die namibische Allgemeine Zeitung zitiert im Artikel „Brände wie nie zuvor1“ einen Feuerwehrmann:

„Ich arbeite seit 19 Jahren bei der Feuerwehr und habe noch nie so etwas gesehen. Wenn das so weitergeht, könnten bis zu 300 000 Hektar abbrennen.“

Dabei ist die Situation zur Zeit in der Republik Namibia noch nicht einmal so brisant, wie in den nördlicher gelegenen Ländern Angola, Sambia, Kongo, Uganda, Tansania und Kenia oder auch Madagaskar (siehe oben: Wildfire-Karte vom 23.8.21).

Karte mit größten Waldbränden 2003-2016
Quelle: Global Fire Atlas (https://earthobservatory.nasa.gov/images/145417/a-new-global-fire-atlas)

Doch das muss nicht so bleiben: Wie der Global Fire Atlas zeigt, war von 2003 bis 2016 auch Namibia von größeren Bränden betroffen.

Buschholz

Aus der diesjährigen, in Relation zu den weiter nördlichen afrikanischen Ländern nicht ganz so schlimmen Situation nun aber abzuleiten, dass das (wenige) Holz, das in dem heißen und trockenen namibischen Klima wächst,2 in Deutschland verbrannt werden kann und das Ganze auch umweltfreundlich sein soll – dazu gehört schon ein gewaltiges Maß an Realitätsverlust. In der aktuellen (oberen) Karte zeigt die ocker/gelbe Farbe den Bewuchs als Mischung von trockener Buschsteppe mit Bäumen an. Namibische Behörden beobachten eine zunehmende Verbuschung offener Landschaften.

Nach Meinung der UNIQUE forestry and land use GmbH in der Studie „Greenhouse Gas Assessment of Bush Control and Biomass Utilization in Namibia (2019)3“, die im Auftrag der GIZ erstellt wurde, können eine vollständige Verbuschung mit dem drohenden Verlust von Weideflächen durch Ausdünnung verhindert und gleichzeitig die CO2-Emissionen über 20 Jahre minimiert werden.4

wissenschaftlicher Meinungsstreit

Nach heftiger Kritik an der UNIQUE-Studie durch ein Gutachten im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH)5 ist UNIQUE forestry and land use GmbH „abgetaucht“. Statt dessen sprang das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfAS) der Hochschule Trier für die Buschholznutzung mit einer „Kommentierung zur von der DUH vorgelegten Studie: Namibian ‘Bush encroachment’ in context: an ecological perspective on current and future dryland greening, its causes and consequences“ in die Bresche – vermutlich im Auftrag der GIZ oder der Stadt Hamburg, die an der Buschholzverbrennung interessiert sind6.

Auffällig ist dabei unter anderem die Sprache, die über den normalen wissenschaftlichen Disput hinausgeht. Nur ein einziges Beispiel:
Der DUH-Studie wird vorgeworfen:

„Ökostem als großes Reallabor für eine Form der Reaktion auf den Klimawandel, Ökozentrischer wissenschaftstheoretischer Ansatz“

und darauf geantwortet:

„Das ist ethisch und politisch schlicht indiskutabel. Nationale von demokratisch gewählten Volksvertretern festgelegte Ziele und Gesetze definieren die notwendigen Arbeiten. Namibia als vom Klimawandel betroffenes Land muss die Möglichkeit der Reaktion haben und sollte dabei auch Unterstützung erhalten. Die Verursacher des Klimaproblems können dieses nicht auf Kosten der Entwicklungs- und Schwellenländer lösen.“7

Es stimt zwar: die namibische Regierung hat 2015 zur Verminderung von Treibhausgasen geplant, 15 Mill. ha zu entbuschen, doch inzwischen wurde die zugrunde gelegte Annahme widerlegt: Eine Entbuschung mindert nicht die Emission von Klimagasen, im Gegenteil: sie wäre klimaschädlich. Daher ist die IfAS-Berufung auf diese 2015 festgelegte(n) Ziele und Gesetze nach neueren Erkenntnissen irrelevant.

Darüber hinaus kommt auch das Umweltbundesamt (UBA) zum Ergebnis:

Unsicher erscheinen Ausprägung, Dimension und Dynamik verschiedener Aspekte der adressierten Problematik „Verbuschung“ und der dafür angenommenen ökologischen und sozialen Vorteile von Maßnahmen zur Ausdünnung des Buschlandes bzw. nachfolgenden Nutzung von Buschholz.

Mit anderen Worten:

IfAS maskiert wirtschaftliche Interessen mit „wissenschaftlichen“ Argumenten unter dem Deckmantel der Unterstützung Namibias „als vom Klimawandel betroffenes Land“.

Geradezu pervers ist dabei die Umkehrung von Ursache und Wirkung, denn:
Durch Buschholzimport würde ein „Verursacher des Klimaproblems“ (=Deutschland) sein Energieversorgungsproblem teilweise auf Kosten des Entwicklungslandes Namibia lösen – und das auch noch als klimafreundlichen Beitrag zur Entwicklungshilfe verkaufen.

Diese altbekannte Art der Entwicklungs“hilfe“, die in erster Linie deutschen Interessen dient, wurde bereits in den Taranteln 558 im Abschnitt „Rohstoffe und Umwelt“ und 739 in „Neoimperialismus unter dem Deckmantel sogenannter Entwicklungshilfe“ thematisiert.

 


  1. https://www.az.com.na/nachrichten/brnde-wie-noch-nie-zuvor2021-08-09/ 

  2. Niederschläge im Süden mit unter 50 mm pro Jahr bis zu 600 mm im Nordosten 

  3. https://www.unique-landuse.de/images/publications/vereinheitlicht/2020-05_Greenhouse_Gas_Assessment_Namibia.pdf 

  4. a.a.O, siehe Tabelle S. 4 

  5. https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Kohlekraftwerke/DUH-Gutachten_Namibian.Bush.encroachment.in.context.pdf 

  6. siehe „Verfeuern von Regenwald?“ – https://www.oekologische-plattform.de/2021/05/verfeuern-von-regenwald/ 

  7. Hervorhebung durch IfAS 

  8. https://www.oekologische-plattform.de/2011/12/tarantel-nr-55-122011/ 

  9. https://www.oekologische-plattform.de/2016/06/tarantel-nr-73-62016-2/