Hungerstreik der letzten Generation

Energiewende Klima Termine

Plakat: "Hungerstreik der letzten Generation" mit dem Text "Der Generationenvertrag ist gebrochen. Die Verantwortlichen lassen uns im Stich. Sie bringen uns um. Sie geben dem Tod die Hand, anstatt die geliehene Erde an ihre Kinder zu vererben."Mittlerweile ist bundesweit bekannt, dass sich in Berlin 6 junge Menschen seit dem 30. August in einem unbefristeten Hungerstreik für effektiven Klimaschutz befinden. Einer von ihnen kollabierte und wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Diese sensiblen und unwahrscheinlich mutigen Menschen spüren existenziell, dass es bei Gelingen oder Nichtgelingen einer Eindämmung der Klimaerhitzung um Leben oder Tod geht und können nicht anders, als dies unter Einsatz ihres Lebens zum Ausdruck zu bringen. Vielleicht auch vor dem Hintergrund, dass von den ca. 180 Todesopfern, die das klimawandelbedingte Ahr-Hochwasser forderte, ja schon niemand mehr redet.

Die jungen Menschen zitieren Albert Einstein:
Diejenigen, die das Privileg haben zu wissen, haben die Pflicht zu handeln.
und schreiben weiter:

„Du bist angesichts des Klimakollaps verzweifelt und willst mehr tun? Siehst, wie politisch alles nichts wird und nichts bringt und willst einen Schritt weiter gehen, es endlich ernst meinen und die Gesellschaft wachrütteln?

Wir auch.

Wir sind die letzte Generation, die die Katastrophe des unumkehrbaren Klimazusammenbruchs aufhalten kann. … Wir wissen, dass das Mittel des Hungerstreiks kontrovers diskutiert wird, doch wir sind extrem verzweifelt.

Wir freuen uns, wenn Ihr uns unterstützt. Durch Nutzen Eurer Reichweite, Eurer Kontakte, um unserem Anliegen Gehör zu verschaffen. … Wir brauchen jetzt mutige Menschen, die mitanpacken. Was haben wir schon zu verlieren?

Im Briefing immer montags und donnerstags um 18:00 Uhr könnt Ihr mit den Hungernden sprechen. Zugangsdaten sind hier:

https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZAvcO6rqToqHtUAvs33s9N7rvPf1SyIyWHc

Wir freuen uns, Euch in den Briefings zu sehen oder anderweitig von Euch zu hören. …

Alle Informationen findet Ihr auf unserer Homepage www.hungerstreik2021.de und auf den dazugehörigen Twitter- und Instagram-Kanälen. Wir haben unser Camp im Spreebogenpark aufgeschlagen und informieren dort regelmäßig die Öffentlichkeit.

Euer Team des Hungerstreiks der letzten Generation.“

Konkret fordern sie ein öffentliches Gespräch mit den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz, Armin Laschet und und der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Bei Zusage würden sie ihren Hungerstreik sofort beenden. Diese bekommen sie bislang jedoch nicht. Ihre Aktion ist den Politikern und Politikerinnen extrem unangenehm. Baerbock und Scholz haben sich bei ihnen gemeldet, jedoch nicht, um über Klimaschutz zu diskutieren, sondern um sie zum Abbruch des Hungerstreiks zu veranlassen. –
Dieses Faustpfand geben die jungen Menschen jedoch nicht aus der Hand. Gut so!

Mit ihren Forderungen wenden sie sich an „die Politik“, an jene Größe also, die – abgesehen von jener Sternstunde, als im Jahr 2000 das „Ur-EEG“ als „Parlamentsgesetz“ im Bundestag verabschiedet wurde – sich stets für die Interessen der konventionellen fossil-atomaren Energieerzeugung und gegen die optimale Entwicklung der Erneuerbaren stark gemacht hat.

An dieser Linie hält die Politik auch aktuell fest: Wer glaubte, das Urteil des Bundes­verfassungs­gerichtes für mehr Klimaschutz habe allenthalben einen Paradigmenwechsel ausgelöst, muss sich angesichts der Wahlprogramme, die auch nach Analysen unabhängiger Experten nicht dem Pariser Abkommen entprechen, getäuscht sehen. Statt dass die politisch Verantwortlichen nun von sich aus – angestoßen durch das Urteil – den Klimaschutz voran bringen würden, muss die Deutsche Umwelthilfe eine ganze Serie von Prozessen gegen Landesregierungen1 starten als Versuch, dies zu erreichen.

Der Ausgang ist ungewiss. Dass erhebliche Kosten anfallen, die mal wieder von spendenbereiten klimabewussten Mitbürgern aufgebracht werden müssen, ist jedoch sicher.

Noch skandalöser ist, dass die Bundesregierung den Termin (30. Juni 2021) zur vollständigen Umsetzung der EU-Richtlinie für Ausbau der erneuerbaren Energien – und insbesondere der Bürgerenergie – einfach verstreichen ließ. Das Bündnis Bürgerenergie e.V. strebt ein Vertrags­verletzungs­verfahren gegen Deutschland an2.

Doch auch wenn es dazu kommt, werden Jahre vergehen, bis ein Ergebnis vorliegt. Diese Zeit lässt uns der Klimawandel aber nicht!

Um das Anliegen der Hungerstreikenden zu unterstützen, sollte man daher die Feststellung des Vaters des EEG, Hermann Scheer, beherzigen (Hervorhebungen von mir):

„Die autonome Aneignung Erneuerbarer Energien durch eine Vielzahl von Akteuren ist die einzige erfolgversprechende Methode, den Energiewechsel rechtzeitig und unumkehrbar gegen die Funktionslogik des überkommenen Energiesystems durchzusetzen. Dieser Weg zum Durchbruch erneuerbarer Energien führt zu einer durchgängig neuen Struktur der Energienutzung, die nur neben der gegenwärtigen entstehen kann – und diese Zug um Zug ersetzt und schließlich überflüssig macht.

Also: Selbst Verantwortung für die Energieversorgung übernehmen! Energiegemeinschaften bilden und alle Möglichkeiten der Eigenversorgung nutzen und ausbauen!

Christfried


  1. https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/klimaklagen-in-fuenf-weiteren-bundeslaendern-deutsche-umwelthilfe-reicht-mit-kindern-und-jungen-erwac/ 

  2. https://www.buendnis-buergerenergie.de/aktuelles/news/artikel/2021-8-6/eu-beschwerde 

5 Gedanken zu „Hungerstreik der letzten Generation“

  1. Danke Elisabeth!

    Habe das erst durch dich erfahren.

    Verspüre momentan keinen Impuls, mich etwa öffentlich dazu zu äußern.

    Mit meinem Artikel habe ich versucht, die moralische Betroffenheit in die Richtung eines „solaren Ungehorsams“ zu lenken, jedenfalls weg vom Leiden und hin zum Kämpfen.

    Liebe Grüße,
    Christfried

  2. Hinderungsgrund, die humanistische Forderung der Hungerstreikenden nicht zu erfüllen, sind Gesetze, die naturverträgliche Energieselbstversorgung an demokratiefeindliche Auflagen bindet.
    Politiker, die sich weigern, mit ihnen über erforderliche Veränderungen zu sprechen, sollten sich nicht Volksvertreter nennen.

    • Hallo Dieter,

      du siehst die Hinderung halt im fehlenden Gesetz. Es ist aber möglich – und wahrscheinlich sogar der einzige Weg – die Rechte, die fehlen, sich zu nehmen, auch ohne Gesetz. Die Gesetze kommen dann mitunter hinterher. Z.B. war in der BRD in den 1960er Jahren das gemeinsame Wohnen von Menschen unterschiedlichen Geschlechts, die nicht verheiratet waren, in einer Wohnung verboten. Wir machten es aber einfach – in der Folge wurde der lächerliche Kuppelei-$ abgeschafft. Analog ging es mit etlichen anderen Themen.

      Die Möglichkeit besteht bei der Nutzung erneuerbarer Energien genauso. Es ist sogar nicht einmal verboten, eine Inselanlage zu betreiben oder ein Balkonkraftwerk oder das Gartenhaus mit EE-Strom auszustatten. Aber anscheinend brauchen wir heute, bevor wir irgendwas machen, immer erst ein Gesetz.
      Da muss ich immer an Lenin denken, der gesagt haben soll: „Wenn es in Deutschland eine Revolution gibt, und ein Bahnhof soll besetzt werden, dann kaufen sich die Deutschen erst eine Bahnsteigkarte.“

      Viele Grüße,
      Christfried

      • Lebenswerte Zukunft der Jugend ist mit Nadelstichoptionen nicht zu retten.
        Selbst der Chemiekonzern BASF sieht mit gegenwärtiger Gesetzeslage keine wirtschaftliche Möglichkeit, sich selbst regenerativ mit Energie zu versorgen.
        So lange ordentliche Mitglieder des Bündnis Bürgerenergien Netzbetreibern für Energie aus Kohle, Erdgas und Erdöl helfen, zusätzliche Gewinne für den Transport von Energie aus Sonne und Wind zu erzielen, ist lebenswerte Zukunft der Jugend gefährdet.

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