Wir haben es satt! 2018

Demonstration am 20. Januar

ab 8.30 Uhr

Traktoren-Demo zur Agrarministerkonferenz

11 Uhr

Der Agrarindustrie die Stirn bieten!

Gemeinsam für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft, gesundes Essen, artgerechte Tierhaltung, globale Bauernrechte und Gerechten Welthandel!

Treffpunkt:

Hauptbahnhof Berlin (Washingtonplatz).

Bitte Kochtopf mitbringen und pünktlich sein! Um 11.30 Uhr geht’s los zur Internationalen Agrarministerkonfererenz. Dort schlagen wir Alarm für die globale Agrar- und Ernährungswende!

alle weiteren Informationen: https://www.wir-haben-es-satt.de/

Thank you for calling

Am 15.9.2016 startet in Deutschland der Kinofilm
„Thank you for calling“ (klick zur Webseite).

Mobiltelefonie hat sich weltweit in kürzester Zeit als unersetzliche Kommunikationstechnologie durchgesetzt. Ähnlich wie beim Rauchen können sich mögliche fatale Folgen jedoch erst nach Jahrzehnten der konstant erhöhten Strahlungseinwirkung zeigen.
Die Dokumentation THANK YOU FOR CALLING von Klaus Scheidsteger führt den Zuschauer hinter die Kulissen der internationalen Forschung, des Industrie-Lobbyismus sowie aktuell laufender Schadensersatz-Prozesse in den USA, die medial weitgehend unbeachtet bleiben. Der Film zeichnet Verschleierungstaktiken der Mobilfunkindustrie nach und begleitet den Kampf einiger Wissenschaftler, die seit Jahren auf diesem Gebiet forschen, aber erst seit kurzem wirklich Gehör finden.
Ziel dieses Doku-Krimis ist es, dass sich die weltweit über fünf Milliarden Handynutzer ein eigenes, objektives Bild der aktuellen Forschungslage machen können, das nicht von der Industrie gefärbt ist. Die Deutschlandpremiere findet am 31. Juli 2016 auf dem 10. Fünf Seen Filmfestival statt. Bundesweiter Kinostart ist am 15. September 2016.

THANK YOU FOR CALLING geht nicht nur ernsthaften Hinweisen auf mögliche Gesundheitsrisiken nach, sondern vor allem der Frage, warum diese Forschung bisher kaum in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen ist. Anhand von Fakten, Insidern und spannenden Protagonisten rekonstruiert der Film eine groß angelegte Strategie der Mobilfunkindustrie. Wie das Beispiel der Autoindustrie einmal mehr gezeigt hat, sind große Branchen nicht daran interessiert, objektive Messergebnisse ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Das wird politisch immer dort toleriert, wo es um Milliarden an Umsatz und viele Zehntausende Arbeitsplätze geht. Doch die Untersuchungen von renommierten Strahlenforschern zeigen: Durch Handystrahlung kann es unter bestimmten Umständen bei bestimmten Personen zu Zelltod und Genschädigung kommen.

In den USA laufen derzeit mehrere Schadenersatzklagen gegen die Mobilfunkindustrie, die vom Washington D.C. Superior Court zu einer Sammelklage zusammengefasst wurden. Gehirntumorpatienten wollen beweisen, dass die Strahlungseinwirkung der Handynutzung für ihre Erkrankung mitverantwortlich ist. Der Dokumentarfilmer Klaus Scheidsteger begibt sich auf eine umfangreiche Recherchereise, an der er die Zuschauer in einer Mischung aus TV-Archivmaterial, nachgestellten Szenen und Originalbegegnungen teilhaben lässt.
„Thank you for calling“ weiterlesen

Ein schwarzes Loch

… verschlingt alles.

Offenbar existiert so etwas Ähnliches nicht nur im Zentrum unserer Galaxie, sondern viel, viel näher: in der EU-Kommission in Brüssel. Gespeist wird es durch die Interessen der Kohle-, Atom und Stromkonzerne; sein Ereignishorizont (die Grenze, hinter der nichts mehr entweichen kann) kann in unmittelbarer Nachbarschaft des EU-Kommissars für Energie vermutet werden, denn dort sind Zahlen verschwunden.

Am 14. Oktober 2013 berichtete Cerstin Gammelin in der Süddeutschen Zeitung zum Thema „Förderung der Energiebranche“, dass die Generaldirektion Energie, die dem EU-Kommissar Günther Oettinger untersteht,

Oettinger
Foto: EnergieAgentur.NRW (CC BY 2.0)
einen Bericht über staatliche Subventionen „geschönt“[1] hat. Ursprünglich sollte die Vorlage laut Süddeutscher Zeitung die Frage beantworten, „wie staatliche Hilfen im Energiemarkt wirksamer ansetzen können, vor allem bei der Erzeugung von Strom aus Wind, Wasser und Sonne„.Doch die Beamten waren gründlich – zu gründlich, denn sie haben auch die Milliarden aufgelistet, die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke erhalten. Und diese Zahlen, diese lästigen Fakten widersprechen Oettingers Intention, die Förderung der Erneuerbaren auf den Prüfstand zu stellen: Von den in den EU-Ländern jährlich aufzubringenden mehr als 130 Milliarden Euro Subventionen für die Energiebranche erhalten die erneuerbaren Energien gerade mal 30 Mrd. €.In dem nun vorliegenden endgültigen  Subventionsbericht ist davon keine Rede mehr. Die Zahlen sind weg und angeblich habe es „nie gesicherte Zahlen“ gegeben, behauptete die Sprecherin des Kommissars auf Nachfrage der SZ.Dumm nur, dass der SZ zwei Entwurfsfassungen mit diesen Zahlen vorliegen – im Korrekturmodus mit rot markierten Änderungen.

 


[1↑]„Eine Fälschung beziehungsweise ein Falsifikat ist die bewusste Herstellung eines Objektes oder einer Information zur Täuschung Dritter.“ (Quelle: Wikipedia)

Auch der IWF verlangt, Subventionen für fossile Energien abzuschaffen

klimaretter.info berichtet über eine Studie des IWF, in der eine Senkung oder Abschaffung von Subventionen für fossile Energien verlangt wird. Das könnte die globalen Kohlendioxidemissionen um 13 Prozent senken. Auch erneuert der IWF seine Forderung nach einer CO2-Steuer und Verbraucherpreise, die die ökologische Wahrheit sagen.

Im Jahr 2011 wurden Subventionen (vor Steuern) von ca. 480 Milliarden US-Dollar gezahlt. Nach Abzug von Steuern fielen die Kosten noch weit höher aus: Der IWF geht von 1,9 Billionen US-Dollar nachsteuerlichen Kosten oder 2,5 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes aus. Unter den nachsteuerlichen Kosten versteht der IWF die Kosten für die negativen Auswirkungen der fossilen Energieproduktion, vor allem bezogen auf Umwelt und Gesundheit. Diese lasse sich der Staat in keinem Land ausreichend bezahlen.

Vorsteuerliche Subventionen werden vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern gezahlt. In Industrieländern machen sich vordergründig nachsteuerliche Subventionen bemerkbar – 40 Prozent der Zahlungen weltweit gehen auf ihr Konto. Am meisten nachsteuerliche Subventionen fließen in den USA: Die Regierung gebe dafür jährlich fast eine halbe Billion US-Dollar aus, so der IWF. Es folgen Russland und China.

Konsumenten zur Kasse bitten

Schlussfolgerung des IWF ist allerdings nicht etwa, dass die Unternehmen stärker zur Kasse gebeten werden müssten. Stattdessen sollen die Konsumenten tiefer in die Tasche greifen. Verbraucher sollen für Kohle und Öl-Produkte wie Benzin mehr bezahlen, um ihnen die negativen Auswirkungen ihres Konsums bewusst zu machen und sie für die Schäden, die sie damit verursachen, selbst zahlen zu lassen. Der IWF unterstrich darüber hinaus seine bereits früher geäußerte Forderung nach einer CO2-Steuer.

weiter lesen

In Deutschland werden zur Zeit ca. 17 Mrd. € umweltschädliche Subventionen ausgegeben und nicht als Subventionen bezeichnete Vergünstigungen gewährt (siehe: Flyer „Bundesregierung subventioniert Naturzerstörung (klick)„; UBA-Studie „Umweltschädliche Subventionen in Deutschland – Aktualisierte Ausgabe 2010„; FES-Studie „Wege zum Abbau umweltschädlicher Subventionen„; „Umweltschützer: Subventionsbericht des Bundes irreführend„).

Darunter sind auch Vergünstigungen, die unter dem Deckmantel der Energiewende (des EEG) gewährt werden, die dem Zweck des EEG direkt zuwider laufen, z.B. ist Vattenfall für seine Kraftwerke von der EEG-Umlage befreit, obwohl laut EEG die Befreiung ausgeschlossen ist, sofern „hierdurch die Ziele des Gesetzes gefährdet werden„. Das EEG heißt mit „vollem Namen“: „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien„. Und nun Vattenfall …

Weitere Informationen über Unternehmen, die von der EEG-Umlage befreit sind, siehe „Welche Unternehmen bezahlen die EEG-Umlage NICHT?„.

Auch Großstädte können zu 100% mit erneuerbarer Energie versorgt werden

Inter Press Service berichtet von einer Studie [1], in der gezeigt wird, dass New York bis 2030 zu 100% aus erneuerbaren Energien versorgt werden kann.

Der Energieexperte an der Stanford University Mark Jacobson ist sicher, dass sich der gesamte Energiebedarf des Bundesstaates New York mit Wind-, Wasser- und Sonnenkraft decken lässt. Im Interview mit IPS hat er erklärt:

„New York mit grüner Energie zu betreiben ist nicht nur machbar, sondern nachhaltig und preiswert und würde Menschenleben retten und die Gesundheitskosten verringern.“

Gegenwärtig sterben im Bundesstaat New York 4.000 Menschen pro Jahr an den Folgen der Luftverschmutzung. Die Gesundheitskosten betragen 33 Milliarden Dollar jährlich.

„Auf Wind-, Wasser- und Sonnenkraft umzustellen, würde die Energiekosten stabilisieren und Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig ließen sich die Klimaschäden verringern.“

Lokal lassen sich 40 Prozent des New Yorker Energiebedarfs durch Wind- und 38 Prozent durch Solarenergie decken. Der Rest kann durch eine Mischung aus Wasser-, Geothermie-, Gezeiten- und Wellenstrom abgedeckt werden.

Die Fahrzeuge können mit Batteriestrom und/oder Brennstoffzellen angetrieben, Privathaushalte und Büros durch Luft-Wasser-Wärmepumpen wahlweise beheizt oder gekühlt werden. Solarbetriebene Warmwassererhitzer erzeugen warmes Wasser, geothermische Wärmepumpen, Wärmetauscher und elektrische Heizungen machen Erdgas und Erdöl überflüssig. Die in Industrieprozessen benötigten hohen Temperaturen lassen sich mit Strom und oder Wasserstoffverbrennung erzeugen.

Für all diese Energiegewinnungsprozesse sind die notwendigen Technologien vorhanden. Neueste Elektroautos haben Reichweiten von 300 Kilometern. Angesichts sinkender Gesundheits- und Benzinkosten amortisieren sich die Kosten für den Bau von Biogasanlagen, Wärmepumpen und andere Ausrüstungen innerhalb von zehn bis 15 Jahren. Außerdem können die Verbraucher mit einem Rückgang der Strompreise um 37 Prozent rechnen, weil der grüne Strom weitaus effizienter ist.

„Auch Elektroautos sind fünf Mal energieeffizienter als benzinbetriebene Autos und Busse, denn sie setzen 90 Prozent in Antriebsenergie um, die herkömmlichen Verbrennungsmotoren hingegen nur 20 bis 25 Prozent. Die Energieeffizienz von Kraftwerken, die mit Kohle und Erdöl betrieben werden und zu allem Übel die Luft verpesten und die Erde erwärmen, liegt bei 33 Prozent.“

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Kosten der Verschmutzung durch fossile Brennstoffe weitgehend unterschätzt werden. Kanadische Wissenschaftler gehen davon aus, dass jeder einzelne Pkw und jeder Lastwagen pro Jahr Gesundheitskosten in Höhe von 300 bis 800 Dollar verursacht. Amir Hakami von der ‚Carleton University‘ in Ottawa sagt dazu:

„Nicht nur die Verringerung der Emissionen, die von Fahrzeugen und Kraftwerken verursacht werden, sondern auch die Nicht-Reduzierung der Emissionen kostet Geld. Unsere Untersuchungen legen nahe, dass es auf lange Sicht viel teurer kommt, die Verschmutzung zu ignorieren.“

Für Zeiten ohne Sonnenschein und Wind gibt es mehrere Alternativen. In allen Stromnetzen existieren mehrere Stromquellen. Das bietet schon gegenwärtig die Möglichkeit, konventionelle Kraftwerke und AKWs zu Reparatur- oder Wartungszwecken zum Teil monate- oder jahrelang abzuschalten.

Die Umstellung New Yorks auf grünen Strom wird nicht einfach, „denn die Produzenten fossiler Brennstoffe und Energie sind gleichzeitig die weltweit größten Konzerne, die über einen enormen politischen Einfluss verfügen“, meint Jacobson. Sie behindern vor allem Bemühungen um Energieeinsparung und -effizienz, weil sie dadurch Einkommenseinbußen erleiden. Die Verringerung des Energiebedarfs ist jedoch wesentlich für die Energiewende. Hierbei sind die Anstrengungen zu gering, denn die Mehrheit der Forschungsmittel fließt  in Projekte, die nicht auf Energieeinsparung, sondern -gewinnung setzten. Dagegen könnten die Stromkosten und die CO2-Emissionen durch die Herstellung von kostengünstigen und hocheffizienten Kühlschränken deutlich gesenkt werden. Ein großes Energieeinsparpotenzial gibt es auch bei Gebäuden. Aber Politiker sind an der energetischen Gebäudesanierung wenig interessiert. Deshalb unterstützen sie lieber neue Kraftwerke mit öffentlichen Geldern.

Jacobson:

„Führungsstärke ist notwendig, um bis 2030 für ein sauberes, gesundes und schadstofffreies New York zu sorgen. Ich bin mir sicher, dass die Öffentlichkeit zu 100 Prozent hinter der Idee stünde, wüsste sie Bescheid.“

Anthony Ingraffea, Professor für Ingenieurswissenschaften an der Cornell University und Mitautor der Studie stellt fest:

„Wirtschaftlich macht der Plan auf jeden Fall Sinn. Jetzt ist die Politik am Zuge.“


[1↑] „Visions of a Sustainable, Pollution-Free New York by 2030“

Gesundheitliche Folgen von Fukushima

IPPNW-Presseinformation vom 6. März 2013

Zum zweiten Jahrestag der von einem Erdbeben ausgelösten Atomkatastrophe vom 11. März 2011 in Japan legt die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW eine quantitative Abschätzung der „Gesundheitlichen Folgen von Fukushima“ vor.

Der Report dokumentiert besorgniserregende Befunde, die schon jetzt, nur zwei Jahre nach dem Super-GAU sichtbar werden. Der Nürnberger Wissenschaftler Dr. Alfred Körblein fand für ganz Japan einen signifikanten Rückgang der Geburten genau 9 Monate nach Fukushima. Von 4.362 fehlenden Geburten im Dezember 2011 entfielen nur 209 auf die Präfektur Fukushima. Eine erhöhte Säuglingssterblichkeit u.a. „exakt“ neun Monate nach Beginn der Katastrophe ist ein weiteres Anzeichen dafür, wie sehr dieses Land insgesamt und eben keineswegs nur die Präfektur Fukushima von diesem Atomunfall betroffen ist. Besonders erschreckend sind die jüngsten Zahlen über Schilddrüsenzysten und -knoten bei mehr als 55.000 Kindern allein in der Präfektur Fukushima – und diese ist nur eine von 47 japanischen Präfekturen dieser dicht besiedelten Inseln, über die rund 20 Prozent der in die Atmosphäre freigesetzten Radionuklide niederging (ca. 80% der atmosphärischen Freisetzungen kontaminierten das Meer). Anders als bei Erwachsenen sind derartige Schilddrüsenveränderungen bei Kindern „als Krebsvorstufen“ anzusehen, so der ehemalige Chefarzt der Herforder Kinderklinik, Dr. Winfrid Eisenberg, einer der Autoren der IPPNW-Studie. Die Ärzteorganisation empfiehlt daher eindringlich, in ganz Japan systematische Schilddrüsenuntersuchungen bei Kindern durchzuführen.

Prognosen über die zu erwartenden Krebserkrankungen infolge der deutlich erhöhten „Hintergrundstrahlung“ in Japan wie auch aufgrund des Verzehrs von radioaktiv kontaminierten Nahrungsmitteln sind mit vielen Unsicherheiten behaftet. Die Ärzteorganisation IPPNW hielt es dennoch für erforderlich, der Weltöffentlichkeit zumindest auf der Grundlage der bislang verfügbaren Daten näherungsweise die Dimension dieser Nuklearkatastrophe vor Augen zu führen. Auf der Basis von Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften über die Bodenkontamination mit radioaktivem Cäsium bzw. aufgrund von Messungen der Ortsdosisleistungen im Herbst 2012 kommen die IPPNW-Autoren Henrik Paulitz, Dr. Winfrid Eisenberg und Reinhold Thiel in drei alternativen Abschätzungen auf rund 20.000 bis 40.000 Krebserkrankungen aufgrund der „äußeren Strahlungsbelastung“ in Japan. Diese Zahlen ergeben sich, wenn man mit dem Risikofaktor von 0,1/Sv rechnet, den auch die Weltgesundheitsorganisation WHO inzwischen annimmt. Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen muss man allerdings von einem doppelt so hohen Risiko und somit von bis zu 80.000 Krebserkrankungen aufgrund der externen Strahlenbelastung ausgehen.

Für die Abschätzung der zu erwartenden Krebserkrankungen aufgrund von kontaminierten Nahrungsmitteln wurden gut 133.000 vom japanischen Gesundheitsministerium veröffentlichte Messergebnisse herangezogen, von denen allerdings nur gut 17.000 Daten tatsächlich als konkrete Messwerte veröffentlicht wurden. Unter konservativen Annahmen ergeben sich laut IPPNW rechnerisch rund 18.000 bzw. 37.000 Krebserkrankungen nach dem anzunehmenden aktuellen Stand der Wissenschaft.

Für die Arbeiter, die laut Betreibergesellschaft Tepco im Jahr 2011 in der havarierten Atomanlage tätig waren, liegen keine auch nur halbwegs auswertbaren Daten vor. Aufgrund der Erfahrungen nach Tschernobyl rechnet die IPPNW mit mehr als 17.000 schweren Erkrankungsfällen.

Die Ergebnisse des IPPNW-Berichts stehen in deutlichem Widerspruch zu dem von der Weltgesundheitsorganisation WHO am 28. Februar vorgelegten Fukushima-Report „Health risk assessment”. IPPNW-Mitglied Dr. Alex Rosen weist in einer Analyse darauf hin, dass die WHO von fehlerhaften Annahmen ausgeht und lediglich ausgewählte Gebiete in der Präfektur Fukushima in den Blick nahm.

IPPNW-Bericht „Gesundheitliche Folgen von Fukushima“ (deutsch): http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Fukushima/Gesundheitliche_Folgen_Fukushima_final.pdf
Englische Zusammenfassung des Reports: http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Fukushima/Health_consequences_Fukushima_en.pdf
Japanische Zusammenfassung des Reports: http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Fukushima/Health_consequences_Fukushima_jp.pdf

IPPNW-Analyse des WHO Berichts
Deutsch: „Kritische Analyse der WHO-Bewertung von Gesundheitsrisiken der Fukushima-Atomkatastrophe“: http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Fukushima/WHO_Fukushima_Bericht2013_Kritik_dt.pdf
Englisch: „Critical Analysis of the WHO’s health risk assessment of the Fukushima nuclear catastrophe“: http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Fukushima/WHO_Fukushima_Report2013_Criticism_en.pdf
Japanisch: „Critical Analysis of the WHO’s health risk assessment of the Fukushima nuclear catastrophe“: http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Fukushima/WHO_Fukushima_Report2013_Criticism_jp.pdf

Kontakt: Angelika Wilmen (Presse), Tel. 030 – 69 80 74-15, Mobil 0162 – 205 79 43, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Email: ippnw@ippnw.de

Die IPPNW ist eine berufsbezogene, friedenspolitische Organisation, die 1981 von einer Gruppe von Ärzten aus den USA und Russland gegründet wurde. Ihre Überzeugung: Als Arzt hat man eine besondere Verpfl ichtung zu sozialer Verantwortung. Daraus entstand eine weltweite Bewegung, die 1984 den UNESCO-Friedenspreis und 1985 den Friedensnobelpreis erhielt. Heute setzen sich Mediziner und Medizinerinnen der IPPNW in über 60 Ländern auf allen fünf Kontinenten für eine friedliche, atomtechnologiefreie und menschenwürdige Welt ein.

IPPNW – Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges/ Ärzte in sozialer Verantwortung
Deutsche Sektion
Körtestr. 10 | 10967 Berlin
Tel.: 030 / 698 07 40
Fax: 030 / 693 81 66
E-Mail: ippnw@ippnw.de
www.ippnw.de

Einen Haufen Giftmüll in einem Land mit Niedriglöhnen zu entsorgen, ist nicht zu beanstanden …

Der heutige oberste Wirtschaftsberater von Präsident Obama und damaliger (2002) Chefökonom der Weltbank äußerte in einem Memorandum folgende Ansicht:

„Die wirtschaftliche Logik, einen Haufen Giftmüll in einem Land mit Niedriglöhnen zu entsorgen, ist nicht zu beanstanden, und wir sollten es daher ins Auge fassen. Die Kalkulationen der Kosten gesundheitlicher Belastungen ist abhängig von den voraussichtlichen Einnahmen aufgrund von erhöhter Krankheits- und Sterblichkeitsraten. Von diesem Gesichtspunkt aus sollte eine gegebene Menge  an gesundheitsschädlichen Belastungen dem Land mit den niedrigsten Kosten auferlegt werden, das für gewöhnlich das Land mit den niedrigsten Löhnen sein wird“.

Quelle: John Bellamy Foster; Ecology Against Capitalism. 2002. S. 60

Ist die Katholische Kirche beim Schutz vor Strahlenbelastung weiter als DIE LINKE?

Der Kreisverband Cloppenburg DER LINKEN berichtet auf seiner Webseite unter der Überschrift:

Mobilfunksender wird aus dem Essener Kirchturm entfernt

Essens Kirchturm soll nicht länger eine Sendeanlage für den Mobilfunk beherbergen, sagt die Katholische Kirche.
Dr. Ludger Heuer vom bischhöflichen Offizialat verwies auf ein Rundschreiben des Offizialats vom Oktober 2001, nach dem langfristig aus steuerlichen Gründen und wegen der Frage der Strahlenbelastung keine Sendeanlagen mehr auf Kirchtürmen installiert bleiben. Münsterländische Tageszeitung 06.02.2013

Ist die Katholische Kirche in dieser Frage weiter als  DIE LINKE ?

Als einzige Partei nimmt DIE LINKE das Problem ernst und hat diverse Anfragen zum Thema im Bundestag gemacht.  Die Ökologische Plattform der Partei hat eine kritische Bewertung der Mobilfunkproblematik veröffentlicht  „Mobilfunk – Fluch oder Segen?“ (klick)

Allen Bedenken zum Trotz ist in das Programm zur Niedersächsischen Landtagswahl ein Änderungantrag des KV Aurich übernommen worden, der kostenloses öffentliches W-LAN-Funk-Netz in allen Innenstädten und Dorfzentren mit Unterstützung des Landes fordert. Auf die gesundheitlichen Risiken für elektrosensible Menschen angesprochen erwiderten die Antragssteller: „Für uns ist das eine soziale Frage“.  Änderungsantrag des KV Aurich

Auch in dem Entwurf zur Bundestagswahl 2013 findet sich eine Passage, die eine flächendeckende Bestrahlung der Dorfzentren und Innenstädte vorsieht. Wenn das so in unserem Programm landet,  können wir unser Engagement im Zusammenwirken mit zahllosen Bürgerinitiativen gegen Mobilfunkelektrosmog beenden, was die Frage aufwirft, ob die Möglichkeit überall ungehemmt zu daddeln  gegenüber den gesundheitlichen Risiken und Bedenken als sozial höherwertige  Errungenschaft einzustufen ist.
Entwurf BT-Wahlprogramm S.86 Z 7-11:

  • Wir wollen ein Förderprogramm für öffentliche Einrichtungen (Bibliotheken, Verwaltungen, Schulen, Krankenhäuser, etc.) auflegen, damit diese in der Lage sind, kostenlosen Zugang zum Netz anzubieten. Auch in Städten und Gemeinden wollen wir kostenfreie Funknetze einrichten. Die so genannte Störerhaftung ist dahingehend zu ändern, dass es Privatpersonen erlaubt wird, ihre Internetanschlüsse jederzeit mit anderen zu teilen.

Ist die Menschheit noch zu retten?

Vortrag in der Offenen Akademie Recklinghausen am 9.10.2008

von Prof. Dr. Dr. Götz Brandt

Sie alle kennen die Prophezeiung der Apokalypse, den zu erwartenden Weltuntergang. Dabei geht es nicht um einen Kometeneinschlag oder eine andere Naturkatastrophe, sondern es geht in den alten Religionen um den Sieg des Bösen über das Gute. Offensichtlich haben die großen Denker der Vorzeit in den Anlagen des Menschen Potenziale erkannt, die zur Selbstvernichtung führen. Also die Möglichkeit, dass die Menschen so träge, so gierig, so verblendet sein können und so massenhaft verdummt werden können, dass sie sich ihr eigenes Grab schaufeln.

Die Erfindung der industriellen Massenproduktion in Verbindung mit dem Wachstum-Kapitalismus in Europa lässt diese uralte Prophezeiung in geschichtliche Nähe rücken. Mal abgesehen von einem Atomkrieg der Supermächte, der noch nicht gebannt ist, gibt es weitere

reale Möglichkeiten zur Ausrottung der Menschheit.

  1. Der menschengemachte Klimawandel bewirkt die Unbewohnbarkeit weiter Landstriche.
    Die Völker der Industrienationen sind erstmalig in der Menschheitsgeschichte dabei, Erdgeschichte zu schreiben. Sie bewirken durch den Klimagasausstoß eine Heißzeit auf der Erde.
    Entgegen allen verkündeten Zielen zur Reduzierung des Klimagasausstoßes steigt weltweit der Ausstoß gegenwärtig jährlich um 3.1 %. Das gilt auch für Deutschland. Hier wird bis 2018 der Neubau von 60 neuen Kraftwerken mit 34500 MW und 38 Mrd. Investitionen vorbereitet, wie auf der letzten Hannovermesse verkündet wurde. Die Kanzlerin weiht neue Kohlekraftwerke persönlich ein.
    Um 1850 hatten wir einen Kohlendioxidgehalt von 280 ppm, 2005 bereits 379 ppm. Steigt der Gehalt über 500 ppm, was bei der jetzigen Zunahme in wenigen Jahrzenten zu erwarten ist, dann sind die Auswirkungen Folgende: Wüstenbildung und Gletscherschmelze verringern die Wasservorräte, Herausfallen großer Gebiete aus der Nahrungsmittelerzeugung, was zu Mangelernährung und Hungergebieten führt. Der Ozean wird so warm, dass sich die Algenpopulationen in das Nord- und Südpolargebiet zurückziehen und die Ozeane weltweit zu Wasserwüsten ohne Fische werden. Durch Abschmelzen des Eisschildes von Grönland wird der Meeresspiegel um 7 m steigen. Das wird nicht nur in der ozeanischen Inselwelt zum Verschwinden von Inseln und Überschwemmung von Flussdeltas führen, sondern auch in Europa liegt gegenwärtig Holland zu 90 % unter dem Meeresspiegel. Durch die Hitze und Trockenheit werden nicht nur weite Gebiete in Afrika und Südamerika unbewohnbar, sondern auch alle Gebiete Europas, die südlich der Alpen liegen. Der Europa wärmende Golfstrom kann versiegen. Nördlich der Alpen würde das Klima dann noch erträglich bleiben.
  1. Übernutzung der erneuerbaren Ressourcen
    Seit dem Ende des 2. Weltkrieges wird immer klarer, dass die Menschheit, allen voran die Industrieländer, mehr erneuerbare Ressourcen verbrauchen als sich im gleichen Zeitabschnitt erneuern.
    Wir haben genug Wasser auf der Erde, aber 96 % sind Salzwasser, 3 % sind Eis und nur 1% ist Süßwasser im hydrologischen Kreislauf. Mehr als die Hälfte davon wird von den Menschen bereits genutzt. Vor allem für die landwirtschaftliche Produktion. Regional gibt es bereits Probleme. Etwa 2 Mrd. Menschen haben kein sauberes Trinkwasser.
    Jährlich verringert sich die Waldfläche der Welt um eine Fläche so groß wie Österreich. Fast die Hälfte der Waldfläche der Erde wurde in den letzten hundert Jahren zerstört. Allein in den letzten 40 Jahren hat sich der Nutzholzverbrauch in den Industrieländern verdreifacht und der Papierverbrauch versechsfacht.
    Die Wüstenbildung schreitet auf allen Kontinenten ungebremst voran. Nach UNO-Angaben sind heute schon 30 % der Landmasse Asiens, 75 % Australiens, 55 % Afrikas und 20 % des amerikanischen Kontinents verwüstet und versteppt.
    Die Weltmeere werden überfischt. Ein Viertel aller Fischbestände ist erschöpft, weitere 50 % werden am biologischen Limit befischt. Zwischen 1970 und1990 hat sich der Fischbestand halbiert.
  1. Progressiver Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen
    Bereits 1972 warnte der Club of Rome vor dem Ende der Rohstoffvorräte. Das wurde damals abgetan und von der Politik ignoriert. Heute berechnen selbst die großen Monopole, wann die Rohstoffe zur Neige gehen. In etwa 40 Jahren gehen Erdöl, Erdgas und auch die Uranvorräte zur Neige. Es bleibt nur noch Kohle als Energieträger, die dann schneller als heute verbraucht wird und noch einige Jahrzehnte zur Verfügung steht. Der Erzgehalt der noch verbleibenden Lagerstätten nimmt ab, die Abraummassen nehmen zu, das Öl muss immer tiefer gewonnen werden. Auch deshalb sind die Preise für alle Rohstoffe in den letzten Jahren stark angestiegen. In 50 Jahren werden wir zur Eisenzeit zurückkehren. Die Industrieproduktion im jetzigen Umfang kann nicht aufrecht gehalten werden.
  1. Die Artenvielfalt wird eingeschränkt, die Landschaft und die Ökosysteme werden zerstört.
    Experten sprechen von der sechsten großen Artenaussterbungsperiode der Erdgeschichte. Auch das kommt auf das Konto des Säugetiers Mensch. Von den 4400 Säugetierarten ist ein Drittel vom Aussterben bedroht. Vor allem durch den Klimawandel können in den nächsten 25 Jahren 1,5 Mio. Arten aussterben. Der Genfonds für die Pflanzenzüchtung und die Herstellung von Medikamenten wird erheblich eingeschränkt bzw. geht unwiederbringlich verloren.
  1. Gefährdung der menschlichen Gesundheit
    Bei den Verbrennungs- und Produktionsprozessen in Industrie und Landwirtschaft werden organische und anorganische Stoffe freigesetzt, die zu einer schleichenden Vergiftung der Biosphäre führen. Beim Menschen nimmt das Krebsrisiko zu, das Immunsystem wird geschwächt, die Spermiendichte nimmt ab, die Unfruchtbarkeit nimmt zu, es gibt mehr Allergiefälle. In der Natur finden wir Waldsterben, Sommersmog, Eutrophierung von Gewässern, Erosion von Ackerflächen.

Alle diese möglichen Katastrophenszenarien werden durch die Übervölkerung der Erde verschärft. Gegenwärtig haben wir etwa 6,7 Mrd. Menschen auf dieser Welt. Um 1930 waren es nur 2,6 Mrd. Die UNO schätzt ein, dass wir 2050 etwa 8,5 bis 9 Mrd. Einwohner auf der Erde haben werden. Erst dann, so wird prognostiziert, soll die Bevölkerungszunahme abnehmen. Die Erde hat nicht so viel Anbaufläche, um eine solche Bevölkerungszahl zu ernähren, auch bei gerechter Verteilung nicht. Es müssten schon alle Vegetarier werden.

Die bereits heute hungernden und unterernährten 2 Mrd. Menschen werden zuerst sterben, da die Bevölkerung der Industrienationen ihren Fleischverzehr nicht senken wird. Nahrungsmittel werden als Benzinersatz verwendet, die Nahrungsmittelpreise haben stark angezogen.

Welche Kräfte haben uns in die gegenwärtige Lage mit ihren düsteren Zukunftsaussichten geführt. Wo liegen die Ursachen der gegenwärtigen Misere?

  1. Die kapitalistische Wirtschaft und industrielle Produktion.
    Kapitalistische Wirtschaft funktioniert ohne Wirtschaftswachstum nicht mehr. Das hatte auch schon Friedrich Engels vor mehr als hundert Jahren erkannt: „Die kapitalistische Produktion kann nicht stabil werden, sie muss wachsen und sich ausdehnen oder sie muss sterben“. Welche Triebkräfte zwingen die Unternehmer, immer mehr Produkte auf den Markt zu werfen? Das ist die Jagd nach dem Maximalprofit. Alle Ökonomen sind sich einig, dass der Gewinn das erklärte Ziel kapitalistischen Wirtschaftens ist. Die Gebrauchswerte der Waren sind nur ein Vehikel, um die Kunden zum Kauf zu bewegen und um Profit zu machen.
  1. Freie Marktwirtschaft.
    Priewe hat das Funktionieren der Marktwirtschaft kurzgefasst zum Ausdruck gebracht: „Eine Marktwirtschaft beruht auf dem ständigen Einsatz und der Vermehrung von Kapital, deren Eigner Gewinnmaximierer sind, und zwar unter Wettbewerbsbedingungen. Wettbewerb zwingt die Unternehmen bei Strafe des Konkurses dazu“. Marx sagte zu diesem Problem: „Die Zirkulation des Geldes als Kapital ist daher Selbstzweck, denn die Verwertung des Wertes existiert nur innerhalb dieser stets erneuerten Bewegung. Die Bewegung des Kapitals ist daher maßlos“. Aus diesen Zitaten geht hervor, dass Kapital keine Grenzen kennt, schon gar keine Grenzen bei der Ausbeutung der Natur und des Menschen.
    Nun behaupten die Neoliberalen, dass der Markt „Selbstheilungskräfte“ hätte und die Regierung sich auf keinen Fall in die Marktwirtschaft einmischen sollte. Hier ergibt sich die Frage, was können Märkte nicht, was wäre aber notwendig zu regeln, um die zukünftigen Katastrophen zu mildern oder zu verhindern?
  • Den Markt interessiert die Tragfähigkeit der Erde hinsichtlich der maximalen möglichen Erdbevölkerung, der möglichen Nahrungsmittelproduktion oder der Belastung mit Schadstoffen nicht. Er trifft zu diesen Problemen keine Aussage.
  • Die Marktwirtschaft kann Rohstoffraubbau nicht durch höhere Effizienz ersetzen. Raubbau ist billiger als Effizienz. Der Markt lässt die Zerstörung der letzten Urwälder vernünftig erscheinen.
  • Der Markt ist moralisch blind. Er kann nicht erkennen, ob die Grundbedürfnisse der Kunden bedarfsgerecht befriedigt worden sind und nicht anzeigen, wo Unersättlichkeit, Raffgier und Neid beginnen. Luxusartikel werden, wenn eine Nachfrage reicher Kunden initiiert werden kann, vorrangig hergestellt, weil sie fast immer einen höheren Profit bringen.
  • In der Marktwirtschaft erfolgt der Konkurrenzkampf nach der kapitalistischen Wolfsmoral. Der Schwächere und moralisch bedenklichere Produzent oder Händler wird ausgeschaltet.
  • Die Marktwirtschaft kann nicht dafür sorgen, dass die Preise die ökologische Wahrheit sagen und in ihnen die gesellschaftlichen Kosten zum Ausdruck kommen. Umweltschäden, die nicht unmittelbar in der Produktion als Kosten entstehen, werden auf die Allgemeinheit, den Staat abgewälzt oder in die Zukunft verlagert. Umweltdenken wird vom Wettbewerbsdenken dominiert.
  • Marktwirtschaft kann keine Grenzen erkennen und bestimmen, wo die Befriedigung der Grundbedürfnisse aufhört und die Befriedigung überflüssiger Gelüste beginnt.
  • Die Marktwirtschaft vermittelt den Käufern nicht, was für sie lebensnotwendig und was überflüssig ist. Oft wird Überflüssiges über Werbung als besonders besitzenswert angepriesen.
  • Die Marktwirtschaft hat keinen Maßstab und keine Vorwarneinrichtungen für die Endlichkeit der Ressourcen und gibt höhere Rohstoffpreise einfach an die Kunden weiter.
  • Marktwirtschaft kann im Kapitalismus durch den Staat nicht unmittelbar in den Betrieben kontrolliert werden. Der Staat kann zwar Rahmen und „Leitplanken“ setzen, die oft genug durch Verlagerung der Produktion ins Ausland umgangen werden.

In der Marktwirtschaft interessiert sich niemand für Moral oder Nachhaltigkeit, Märkte sind ungeeignet für die Rettung der Menschheit.

  1. Der gierige Konsument.
    Neoliberale und auch grüne Kreise sehen die Ursache unserer heutigen Misere im Verbraucher selbst. Würde dieser nicht immer neue Produkte fordern und unersättlich in seiner Gier nach Waren sein, könne die Natur gerettet werden. Die Wirtschaft müsse die ständig wachsenden Bedürfnisse stillen und daher sei Wirtschaftswachstum notwendig. Auch in den sozialistischen Ländern war man der Meinung, dass die ständig wachsenden Bedürfnisse durch ununterbrochenes Wirtschaftswachstum erfüllt werden müssten.
    Ist nun der Verbraucher schuld an den heraufziehenden Katastrophen? Man muss hier Ursache und Wirkung untersuchen. In der Regel entwickelt die Industrie immer neue, verbesserte und neu gestylte Produkte, die durch die Werbung an den Mann, die Frau oder das Kind gebracht werden. Es werden Bedürfnisse geweckt, die bis dahin nicht bekannt und nicht gefordert worden sind. Der Markt ist maßlos bei der Suche nach neuen Absatzgebieten.

Was müssten wir tun, um die Katastrophen abzuwenden, die uns bedrohen? Gibt es einen Ausweg?

  1. Kohlendioxidausstoß innerhalb von 10 Jahren um 90 % senken.
    Das ist eine Forderung von Al Gore für die USA, die wir uns ebenfalls zu eigen machen sollten. Das bedeutet einen Umstieg auf erneuerbare Energien in einem Zeitraum von 10 Jahren. Die deutsche Industrie kann das technisch und auch investitionsmäßig bewerkstelligen, so sie denn dazu gezwungen wird. Gegenwärtig wollen die 4 Strommonopole vor allem die Laufzeiten für die abgeschriebenen Atommeiler verlängern und viele neue Kohlekraftwerke bauen, die dann 40 Jahre die Luft verpesten. Kohle-Kraftwerke deshalb, weil der vom Ölpreis unabhängige Brennstoff Braunkohle noch lange zur Verfügung steht und die Förderkosten sich nicht erhöhen. Da kann dann die Differenz zwischen niedrigen Stromgestehungskosten und dem steigenden Welthandelspreis für fossile Rohstoffe, der von den Strommonopolen als gängiger Weltmarktpreis verlangt werden kann, als Extraprofit mitgenommen werden. Frau Merkel unterstützt diese Investitionen durch Einweihung der Kraftwerke. Sie wendet damit keinen Schaden vom deutschen Volke ab, wie es ihr Amtseid verlangt, sondern sie vergrößert den Schaden durch den auch von ihr herbeigeführten Klimawandel.
    Es kommt also in der nächsten Legislaturperiode des Bundestages darauf an, den Aufbau von Offshore-Windfeldern, das Repowering der Inland-Windräder, den Aufbau von kleinen Wasserkraftanlagen, die Thermosolarheizung und die Umstellung auf Elektroautos intensiv voranzutreiben. Gelingt das weltweit nicht, dann kommt die Heißzeit.
  1. Dematerialisierung der Wirtschaft um 90 %
    Das ist notwendig, um den Giftausstoß der Wirtschaft zu senken und um den nachfolgenden Generationen noch etwas von den Ressourcen dieser Erde übrig zu lassen. Nun werden sie sagen, wie soll das gehen? Ein Auto, das nur noch 10 % des Materials benötigt. Ein Einfamilienhaus, das mit nur 10 % des Materials gebaut werden kann, ist für viele nicht vorstellbar. Und doch gibt es bereits heute ingenieurtechnische Vorschläge, wie das zu realisieren wäre. Vorstellbar ist aber für jeden, dass allein durch Verlängerung der Lebenszeit der Produkte der Materialaufwand um 30 bis 60 % gesenkt werden könnte.
  1. Monopole in die Treuhand des Staates übernehmen.
    Hier geht es nicht nur um die Stromkonzerne und ihre Netze und Kohlevorräte. Erdölderivate werden auch in der Chemieindustrie und Bauwirtschaft und anderen Industriezweigen als Rohstoff verwendet. Alle diese Betriebe haben kein Interesse ihre Investitionen und patentierten Technologien zu gefährden. Sie möchten diese möglichst über die Abschreibungszeit hinaus nutzen. Erst dann bringen sie Extragewinne. Sie wollen die Erdölwirtschaft aufrechterhalten, so lange Erdöl gefördert wird. Sollte es knapp werden und die Preise steigen, dann werden sie die höheren Produktionskosten einfach an ihre Abnehmer weiterreichen.
    Da die Monopole nicht daran interessiert und nicht gewillt sind, ihre Produktionsstruktur umzustellen und erheblicher Widerstand zu erwarten ist, müssen die Monopole in Staatshand übernommen werden. Das erfolgt am besten mit einer Treuhand-Gesellschaft, ohne die Kapitaleigner zu enteignen, was durch das Grundgesetz zwar möglich ist, aber die Finanzkraft des Staates bei Weitem überfordern würde.
    Aus unserer jüngsten Geschichte ist uns die Treuhand-Gesellschaft des Bundes bekannt, die 8000 Unternehmen der DDR mit 45 000 Betrieben verwaltet hat. Aufgabe dieser Gesellschaft war die Privatisierung, Sanierung, Entflechtung, Verwertung und Schließung dieser Betriebe. Hier liegen Erfahrungen vor, wie man die Monopole entflechten, in ihrer Aufgabenstellung umdisponieren und ihre Investitionspolitik beeinflussen kann. Die Wege in den ökologischen und ökonomischen Abgrund könnten so wirkungsvoll versperrt werden. Bisher von der Industrie abgegeben halbherzige Selbstverpflichtungen wurden nicht eingehalten. Sie dienen nur der Verschleierung der Wahren Ziele der Monopole.

  1. Aufgabenstellungen für Wissenschaft, Forschung und Konstruktionsbüros in ihrer Zielrichtung umkehren.
    Technische Effizienzerhöhungen an vorhandenen Technologien haben im Schnitt der Jahre immer nur 0,5 % Material- und Energieeinsparungen gebracht. Die industrielle Wirklichkeit ist: je mehr Patentanmeldungen, desto mehr Ressourcenverbrauch. Auf den bekannten Wegen der Technologieentwicklung kommen wir also nicht zum Ziel, die auf uns zu kommenden Katastrophen aufzuhalten.
    Notwendig ist also, nicht die vorhandenen Technologien weiter zu verbessern, sondern völlig neue Produkte und neue technologische Prozesse für neu zu definierende Bedürfnisbündel zu erfinden und einzuführen. Diese Aufgabe stellen kapitalistische Unternehmer ihren Ingenieuren nicht. Das würde den Umsatz und Gewinn erheblich senken und wäre im Konkurrenzkampf der Ruin des Betriebes. Auch deshalb ist es notwendig, die großen Konzerne in die Treuhand des Staates zu übernehmen.
    Ein Schrumpfen des Materialverbrauchs muss nicht mit einem Schrumpfen des Wohlstandes einhergehen. Aber allein durch die Umstellung der Produktion auf langlebige und reparaturfähige Güter könnte bereits die Hälfte des Materials eingespart werden.

Alle hier genannten Vorschläge zur Rettung der abendländischen Zivilisation in den Industriestaaten können nur gegen den Willen der Konzernmanager und -eigner durchgesetzt werden, wenn das Grundgesetz nicht weiter ausgehöhlt, die Demokratie erhalten wird und die Mehrzahl der Bürger erkannt haben, dass ein Umsteuern notwendig ist und sie dann auch Parteien wählen, die das durchsetzen.

Ich glaube, dass ich ihnen genug Probleme für die nachfolgende Diskussion geliefert habe.