Weltklimabericht 2014

Der IPCC hat am 2.11.14 in Kopenhagen seinen Synthese-Band vorgelegt.

Bis 2020 müssen die Treibhausgas-Emissionen ihr Maximum erreicht haben, bis 2100 müssen sie auf null sinken, heißt es darin klipp und klar.

„Wenn wir nicht schnell handeln, wird es immer teurer.“

Das sind die Kernbotschaften:

(herausgegeben vom Bundesumweltministerium (BMUB), vom Bundesforschungsministerium (BMBF), dem Umweltbundesamt (UBA) und der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle (De-IPCC)

Fünfter Sachstandsbericht des IPCC — Synthesebericht

Der Weltklimarat IPCC veröffentlicht in den Jahren 2013 und 2014 den Fünften Sachstandsbericht. Der Bericht besteht aus den Beiträgen der drei IPCC-Arbeitsgruppen und einem nun veröffentlichten, übergreifenden Synthesebericht. Die folgenden „Kernbotschaften“ stellen eine erste Erläuterung und Zusammenfassung des Syntheseberichts dar.

Beobachteter Klimawandel

Die Erwärmung des Klimasystems ist eindeutig und es ist äußerst wahrscheinlich[1], dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts war. Die bereits heute eingetreten Klimaänderungen haben weitverbreitete Auswirkungen auf Mensch und Natur.

Viele der seit den 1950er Jahren beobachteten Veränderungen sind zum ersten Mal seit Jahrzehnten bis Jahrtausenden aufgetreten. Die Atmosphäre und die Ozeane haben sich erwärmt, die Schnee- und Eismengen sind zurückgegangen und der Meeresspiegel ist angestiegen. Die weltweit beobachteten Temperaturen von Land- und Ozean-Oberflächen zeigen einen Anstieg von etwa 0.85 °C zwischen 1880 bis 2012. Jedes der letzten drei Jahrzehnte war an der Erdoberfläche sukzessive wärmer als alle vorangehenden Jahrzehnte seit 1850. Im Zeitraum 1901 bis 2010 ist der mittlere globale Meeresspiegel um etwa 19 cm gestiegen. Die Geschwindigkeit des Meeresspiegelanstiegs seit Mitte des 19. Jahrhunderts war größer als die mittlere Geschwindigkeit in den vorangegangenen zwei Jahrtausenden. Seit ca. 1950 wurden Veränderungen vieler extremer Wetter- und Klimaereignisse beobachtet, unter anderem ein Rückgang von kalten Temperaturextremen, die Zunahme von heißen Temperaturextremen, extrem hohen Meeresspiegelständen sowie der Häufigkeit von extremen Niederschlägen in einigen Regionen.

Ursachen des Klimawandels

Der menschliche Einfluss wurde in der Erwärmung der Atmosphäre und des Ozeans, in Veränderungen des globalen Wasserkreislaufs, in der Abnahme von Schnee und Eis und im Anstieg des mittleren globalen Meeresspiegels nachgewiesen. Auch einige Veränderungen von extremen Wetter- und Klimaereignissen wurden auf menschlichen Einfluss zurückgeführt.

Der von Menschen verursachte Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen, zusammen mit anderen menschlichen Einflussfaktoren, ist äußerst wahrscheinlich die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Anthropogene Treibhausgasemissionen sind seit der vorindustriellen Zeit angestiegen; sie befinden sich gegenwärtig auf dem absolut höchsten Stand. Dies wurde weitgehend durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum verursacht. Menschliche Aktivitäten haben die atmosphärischen Konzentrationen von Kohlendioxid, Methan und Lachgas auf Werte ansteigen lassen, die in mindestens in den letzten 800 000 Jahren noch nie vorgekommen sind. Dies führte zu einer Aufnahme von Energie in das Klimasystem. Davon wurde in den vergangenen 40 Jahren mehr als 90 % durch die Ozeane gespeichert, so dass diese erwärmt wurden.

Folgen des Klimawandels

In den letzten Jahrzehnten haben Klimaänderungen weitverbreitete Folgen für natürliche und menschliche Systeme auf allen Kontinenten und in den Ozeanen gehabt. Einige einzigartige und empfindliche Ökosysteme, z.B. in der Arktis oder Warmwasser-Korallenriffe, sind schon heute vom Klimawandel bedroht. Die geographische Verbreitung von Arten und ihre Interaktion untereinander haben sich verändert. Die Erträge von Weizen und Mais werden überwiegend negativ beeinflusst. In vielen Regionen haben geänderte Niederschläge oder Schnee- und Eisschmelzen die Wasserressourcen beeinträchtigt. Diese vielfältigen Veränderungen deuten darauf hin, dass natürliche und menschliche Systeme empfindlich gegenüber einem sich wandelnden Klima reagieren, unabhängig von der Ursache des Wandels.

Risiken und Folgen zukünftigen Klimawandels

Anhaltende Treibhausgasemissionen werden eine weitere Erwärmung und langfristige Veränderungen in allen Komponenten des Klimasystems bewirken. Der Klimawandel wird für Menschen und Umwelt bereits bestehende Risiken verstärken und neue Risiken nach sich ziehen. Schnellerer und stärkerer Klimawandel beschränkt die Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen und erhöht die Wahrscheinlichkeit für schwerwiegende, tiefgreifende und irreversible Folgen für Menschen, Arten und Ökosysteme. Anhaltende hohe Emissionen würden zu meist negativen Folgen für Biodiversität, Ökosystemdienstleistungen und wirtschaftliche Entwicklung führen und die Risiken für Lebensgrund- lagen, Ernährungssicherung und menschliche Sicherheit erhöhen.

Szenarien über zukünftige Treibhausgasemissionen variieren stark je nach sozio-ökonomischer Entwicklung und zukünftigen Klimapolitikmaßnahmen. In den von IPCC untersuchten Szenarien, die von strengem Klimaschutz bis zu ungebremsten Emissionen reichen, könnte die mittlere globale Erdoberflächentemperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts wahrscheinlich um 0,9 bis 5,4°C gegenüber vorindustriellen Bedingungen ansteigen. Die Ozeane werden sich weiter erwärmen und versauern. Der mittlere globale Meeresspiegel wird im 21. Jahrhundert weiter ansteigen, sehr wahrscheinlich mit einer höheren Geschwindigkeit als die zwischen 1971 und 2010 beobachtete. Je nach Szenario wird der Anstieg wahrscheinlich im Bereich von 26 bis 82 cm gegenüber dem Ende des vorigen Jahrhunderts liegen. Der Meeresspiegelanstieg und viele andere Aspekte des Klimawandels und seiner Folgen werden über Jahrhunderte bestehen bleiben, selbst falls anthropogene Treibhausgasemissionen gestoppt werden.

Die kumulativen CO2-Emissionen, also die Summe der Emissionen seit Beginn der Industrialisierung, bestimmen weitgehend die mittlere globale Erwärmung der Erdoberfläche bis ins späte 21. Jahrhundert und darüber hinaus. Um die mittlere globale Erwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 66 % auf weniger als 2 °C zu begrenzen, ist es notwendig, die kumulativen C02- Emissionen seit 1870 auf etwa 2900 Gt C02 zu begrenzen. Etwa zwei Drittel davon sind bis zum Jahr 2011 bereits emittiert worden. Das bedeutet, dass nur noch ca. 1000 Gt C02 übrig sind. Dabei ist berücksichtigt, dass auch andere Treibhausgase zum Klimawandel beitragen.

Minderungs- und Anpassungsoptionen

Die Minderung von Treibhausgasemissionen und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel stellen komplementäre Strategien dar, um die Risiken des Klimawandels zu reduzieren und zu bewältigen. Massive Einschnitte der Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahrzehnten können die Risiken im 21. Jahrhundert und danach wesentlich verringern, die Effektivität von Anpassungsmaßnahmen verbessern, die Kosten und Herausforderungen von Minderungsmaßnahmen langfristig reduzieren und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. „Weltklimabericht 2014“ weiterlesen

Vorsicht beim Think Tank Mercator-Institut, Ratschlägen des IPCC-Weltklimarats und der Agora-Energiewende

Zahllose private Institute, Stiftungen und Vereine kümmern sich inzwischen um Umweltschutz/Naturschutz, Energiewende und erneuerbare Energien. Immer wieder tauchen sie in der Presselandschaft mit Vorschlägen, Papieren, Tagungen oder Seminaren auf. Ein vielstimmiger Kanon, dessen Wirkungen nicht zu unterschätzen sind. Deshalb wird es Zeit, sie genauer unter die Lupe zu nehmen. Es gilt sie darauf abzuklopfen, ob sie tatsächlich an ökologischen, sozialen und gemeinwohlorientierten Zielsetzungen ausgerichtet sind.

Das Mercator-Institut ist ein gutes Beispiel dafür. Am 22.09.14 wurde in der Berliner Zeitung ein Beitrag mit dem Titel „Klimaziel nur mit Bioenergie erreichbar“ veröffentlicht. In ihm wird auf eine Analyse der Berliner Klimaforscherin Sabine Fuss vom Mercator-Institut für Gemeingüter und Klimawandel verwiesen, die sie gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern erstellt hat. Die Analyse stützt sich auf eine Auswertung vieler IPCC-Gutachten.
Danach setzt der weit überwiegende Teil der IPCC-Szenarien, um das 2 Grad Ziel noch zu erreichen, auf den Ausbau von Bioenergie mit gleichzeitiger Abscheidung und Verpressung des CO2 in den Untergrund. So soll über ein Fünftel der weltweiten Energieerzeugung aus Bio-Energie stammen! Fuss stimmt zwar in das hohe Lied bestehender Risiken bei der Verpressung ein, setzt sich gleichwohl aber für einen Fahrplan mit Pilotprojekten ein. Es geht ihr und den beteiligten WissenschaftlerInnen lediglich darum, sichere Voraussetzungen für die Verpressung zu schaffen. Aus meiner Sicht ist ein Ausbau der Bioenergie mit gleichzeitiger Abscheidung und Verpressung von CO2 ein hochgradiger Irrweg, noch dazu mit Langfristrisiken und Landverbrauch verbunden. Landverbrauch, der dringend für Ernährungszwecke, ökologischen Waldbau und Naturschutz gebraucht wird. Fuss reichen nicht die bisherigen Kenntnisse zu Gefährdungen, die eine Verpressung vom Vorsorgeprinzip her ausschließen. Nein, weitere Pilotprojekte sollen die Tür für diese Technologie offen halten. Das wird die fossile Energiewirtschaft freuen und ist auch ganz im Sinne von Prof. Edenkofer. Er ist nicht nur Direktor des Mercator-Instituts, sondern auch stellvertretender Direktor und  Chefökonom des PIK in Potsdam sowie Ko-Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des IPCC. So schließt sich der Kreis zu den IPCC-Studien. Gleichzeitig ist er Lehrstuhlinhaber für die Ökonomie des Klimawandels (gemeinsame Berufung mit der Michael-Otto-Stiftung) an der Technischen Universität Berlin. Er setzt sich als Ökonom seit langem für die CCS-Technologie ein. Das Mercator-Institut (MCC) ist eine gemeinsame Gründung der Privatstiftung Mercator und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Verbunden mit der Stiftung Mercator ist die „Agora Energiewende„. Sie ist eine gemeinsame Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation. Diese Verknüpfung ist deshalb interessant, weil deren früherer Direktor Rainer Baake (Mitglied des Realo-Flügels der Grünen und früherer Umweltstaatssekretär in Hessen und im Bund) inzwischen als Staatssekretär von Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) die Energiewende im Interesse von Energiekonzernen und Investoren gemanagt hat. Sigmar Gabriel hätte ohne Staatssekretär Baake nie in der Präzision und Geschwindigkeit den Rückbau der Energiewende hinbekommen. Baake hat als einer der strategischen Köpfe das EEG im Jahre 2000 (gemeinsam damals mit Hermann Scheer) auf den Weg gebracht, sich dann später als Direktor der Agora Energiewende immer mehr mit den großen Energiekonzernen verständigt und alle fachliche Munition für den Rückbau der Energiewende parat gehabt. Er ist mehr und mehr zu einem harten Verfechter marktwirtschaftlicher Lösungen geworden und hat damit auch Teile der Grünen, die weiter an einer dezentralen und lokalen Energiewende festhalten, in die Bredouille gebracht. Gabriel hat die EEG-Gesetzesnovelle dank seiner Hilfe mit Merkel in einer ganz großen Koalition unter Einschluss der rot-grün regierten Bundesländer durchwinken können.

Das erschreckend anzusehende, uneinheitliche Auftreten von Umweltverbänden, Verbänden für Erneuerbare Energien und Think Tanks etc. bei den Beratungen zu dieser Gesetzesnovelle nimmt wenig Wunder. Es fehlt häufig der Blick dafür, wohin der Hase läuft, stattdessen verliert man sich im Detail. Erleichtert wird das dadurch, dass ein Großteil der Bewegungen seit langem immer stärker marktwirtschaftlich ausgerichteten Lösungen auf den Leim geht. Dazu hat im Hintergrund nicht zuletzt die Energiewende Agora ihren Teil geleistet.

Detlef Bimboes
Berlin, den 24.09.14