AfD-Fraktion für nachhaltige Sanierung der Giftschlammgrube Brüchau (Altmark)

Die AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt beantragt die „Vollständige  und  nachhaltige  Sanierung  der  Bohrschlammdeponie  Brüchau durch den Betreiber ENGIE E&P Deutschland GmbH“.

Die Bürgerinitiative Saubere Umwelt und Energie Altmark begrüßt das Anliegen des Antrags voll umfänglich (der vollständige Antrag hier: http://www.oekologische-plattform.de/wp-content/uploads/2017/05/Brüchau_Antrag_AfD_Brüchau_d1316aan.pdf), ist allerdings erstaunt, dass sich die AfD in dieser Richtung engagiert. Denn wenn sie die schädlichen Hinterlassenschaften der Erdgasnutzung (und auch der Kohleverstromung) einer menschen- und umweltfreundlichen Beseitigung zuführen will, kann sie nicht gleichzeitig dafür sein, dass solche Hinterlassenschaften weiterhin erzeugt werden. Das heißt: der Umstieg auf die erneuerbaren Energien ist logische Konsequenz.

Dies aber kontrastiert zu zentralen programmatischen Äußerungen der Partei, in denen der menschengemachte Klimawandel geleugnet und die Energiewende als ein überflüssiges und verfehltes Unterfangen betrachtet wird.

Doch wenn man nach unten geht und sich den konkreten Problemen der Menschen und der Bevölkerung ernsthaft zuwendet, löst sich so manche am grünen Tisch entwickelte Theorie auf. So durften wir es bezüglich der in der Altmark vorgesehenen CO2-Verpressung erleben, die durch eine gemeinsame Phalanx sämtlicher Parteien (aber nicht nur der Parteien!) verhindert wurde. Auch für die komplette Entsorgung der Giftschlammgrube Brüchau scheint sich nun eine parteiübergreifende Position herauszubilden.

Wenn die in der AfD organisierten Menschen auch hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik nach unten gehen und sich den Problemen der Bevölkerung ernsthaft zuwenden, welche in diesem Fall sich z.B. in Afrika befindet, werden sich vielleicht auch Theorien auflösen. Vielleicht werden sie dann darauf kommen, dass wir selber – die Europäer – es sind, die das Flüchtlingsproblem verursacht haben: Denn wir sind zuerst nach Afrika gegangen, haben die dortigen Völker kolonialisiert, unterdrückt und ausgebeutet, haben ihre Wirtschafts- und Lebensweise auf unsere Interessen zugeschnitten, haben ihre Umwelt zerstört und ihnen schließlich auch noch den Klimawandel beschert. Nun kann dort in weiten Gebieten kein Mensch mehr leben, und diejenigen, die im Mittelmeer nicht ertrunken sind, kommen zu uns. Sie haben hier keine Tritte verdient, sondern an ihnen haben wir sehr, sehr viel gut zu machen!

BI Saubere Umwelt & Energie Altmark
i.A. Christfried Lenz
2.5.2017

Im Schneckentempo gegen den Klimawandel

zur Reform des europäischen Emissionshandelssystems

Pressemitteilung, Straßburg, 15. Februar 2017

Heute stimmte das Europäische Parlament mit einer Mehrheit von 379 Stimmen für die Reform des Emissionshandels. Die Delegation DIE LINKE. im Europaparlament hat in der Endabstimmung dagegen gestimmt. Dazu erklärt Cornelia Ernst, energiepolitische Sprecherin der Delegation DIE LINKE. im Europaparlament und stellvertretendes Mitglied im Industrieausschuss (ITRE):

„Luft- und Seeverkehr sind große Treibhausgasemittenten, im internationalen Luftverkehr stiegen die Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2012 um 76 Prozent, im internationalen Seeverkehr gab es einen Anstieg an Emissionen von 70 Prozent. So ist es zu begrüßen, dass die Gesamtmenge der Zertifikate für den Luftverkehr ab 2021 jährlich im selben Tempo sinken soll wie die allgemeine Obergrenze für die anderen Sektoren. Ab 2023 wird der Seeverkehr in den Emissionshandel einbezogen, denn bis 2050 droht hier ein Anstieg der Emissionen um 50 Prozent.

Jedoch sind die beiden wichtigsten Änderungsanträge für eine notwendige Reform durchgefallen. Der Überschuss an CO2-Zertifikaten wird auch in der neuen Handelsperiode ab 2021 kaum gemindert, denn die Grundlage für die Berechnung der Menge an Zertifikaten wird nicht das aktuelle Emissionslevel von 2021 sein, sondern das fiktive Ziel für die CO2-Emissionen von 2020. Durch diesen Kniff werden noch 1,8 Milliarden CO2-Zertifikate zusätzlich auf den ohnehin schon übersättigten Markt gespült. Hinzu kommt, dass die Menge der Zertifikate jährlich nur um 2,2 Prozent sinkt, und nicht, wie vom Umweltausschuss gefordert, um 2,4 Prozent. So können wir den Umbau hin zu einer CO2-armen Wirtschaft und das in Paris vereinbarte 2-Grad-Ziel kaum schaffen. Ein notwendiger Preisanstieg für eine Tonne CO2 auf mindestens 40 Euro wird so verhindert – derzeit liegt der Preis bei sage und schreibe fünf Euro.“

Cornelia Ernst abschließend:

Europaabgeordnete Cornelia Ernst (DIE LINKE.)

„Die Reform erfolgt im Schneckentempo, obwohl wir angesichts der Klimakrise dringend den sozial-ökologischen Umbau unserer Gesellschaft brauchen. Selbst die internationale Energieagentur geht davon aus, dass die globale Erwärmung auf sechs Grad Celsius steigen wird, wenn wir nicht einschneidende Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase ergreifen.“

Kontakt
Büro Cornelia Ernst
Mitglied des Europäischen Parlaments
Sprecherin der Delegation DIE LINKE. im EP
Frau Manuela Kropp, wissenschaftliche Mitarbeiterin
manuela.kropp@ep.europa.eu
0033 388 1 75660
cornelia.ernst@ep.europa.eu
http://www.cornelia-ernst.de/
@ErnstCornelia

DIE LINKE. im Europaparlament
Kontakt Presse/ Contact Press:
Karim Khattab
+32 228 43 086
+32 470 64 80 58 (Brussels)
+49 151 72 82 56 40 (Germany)
European United Left / Nordic Green Left
European Parliamentary Group
http://www.dielinke-europa.eu/
@khk_EU
@dieLinkeEP

Wer mehr verdient, lebt meist umweltschädlicher

Pressemitteilung des Umweltbundesamtes (klick)

Wer mehr Geld hat, verbraucht meist mehr Energie und Ressourcen –

Grafik Gesamtenergieverbrauch pro Kopf nach Einkommensklassenund zwar unabhängig davon, ob sich jemand als umweltbewusst einschätzt oder nicht. Das zeigt eine neue Studie des Umweltbundesamts (UBA). UBA-Präsidentin Maria Krautzberger:

„Mehr Einkommen fließt allzu oft in schwerere Autos, größere Wohnungen und häufigere Flugreisen – auch wenn die Menschen sich ansonsten im Alltag umweltbewusst verhalten. Aber gerade diese ‚Big Points‘ beeinflussen die Ökobilanz des Menschen am stärksten. Der Kauf von Bio-Lebensmitteln oder eine gute Mülltrennung wiegen das nicht auf.“

Die „Umweltbewussten“ besitzen zwar mehr energieeffiziente Haushaltsgeräte, kaufen mehr Bio-Produkte und essen oft weniger Fleisch. Außerdem stimmen sie umweltpolitischen Maßnahmen eher zu als weniger umweltbewusste Menschen. Aber: Andere Aspekte ihres (nicht-) nachhaltigen Konsums wie Fernreisen werden häufig von ihnen unterschätzt oder bei der Bewertung des eigenen Verhaltens nicht berücksichtigt, so dass sie in Summe deutlich mehr CO2-Ausstoß verursachen als Menschen mit niedrigerem Einkommen.

Die Studie zeigt aber auch: Höheres Einkommen und hohes Umweltbewusstsein können durchaus auch zu einer guten Ökobilanz führen. Ein Beispiel hierfür ist die Gruppe der „Bewussten Durchschnittsverbraucher“, die neben anderen Energieverbrauchstypen in der Studie identifiziert wurde. Hier gehen höheres Einkommen und höheres Umweltbewusstsein tatsächlich auch mit einem durchschnittlichen bis niedrigeren Gesamtenergieverbrauch einher. Dies liegt daran, dass diese Personen bei den Big Points entsprechend umweltfreundliche Verhaltensmuster an den Tag legen. Ein großes Potenzial, Klima (klick) und Ressourcen zu schonen, liegt in Maßnahmen wie energetischer Sanierung in Gebäuden und Quartieren, dem Kauf von Autos mit geringem CO2-Wert, Car-Sharing oder einem geringeren Fleischkonsum. Aber auch mit Investitionen in erneuerbare Energien und freiwilligen Kompensationszahlungen für Fernflüge können Verbraucherinnen und Verbraucher tonnenweise CO2 einsparen.

Mit der vorliegenden Studie wurde erstmals ein repräsentativer Datensatz für Deutschland geschaffen, der beim Konsum anfallende Ressourcen- und Energieverbräuche sowie den CO2-Ausstoß über Konsumfelder und gesellschaftliche Gruppen hinweg analysiert. Insbesondere die Rolle des Einkommens als wichtiger Einflussfaktor für den Umweltverbrauch durch Konsum wurde umfassend belegt.

Download der Studie (klick)

Öko-Schwindel

Einsatz von CO2 in der Kunststoff-Produktion: „Öko-Schwindel statt Nachhaltigkeit“

CBG – Presse Information vom 6. April 2016

Am 17. Juni eröffnet die BAYER-Tochterfirma COVESTRO ihre sogenannte Dream Production. In der Anlage im Werk Dormagen soll Kohlendioxid bei der Herstellung von Polyurethan eingesetzt werden. BAYER bezeichnet das Verfahren daher als „ganzheitlichen Ansatz zur Nachhaltigkeit“. Auch das NRW-Wissenschaftsministerium lobt die Anlage als Vorreiter für den Klimaschutz. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert die Dream Production mit vier Millionen Euro; an der Eröffnung soll auch Staatssekretär Thomas Rachel vom BMBF teilnehmen.

BAYER beauftragte eigens die Agentur Ketchum Pleon mit einer Marketing-Kampagne. In einer Präsentation heißt es unverblümt, dass die Anlage „gegenüber der Politik, Geschäftspartnern, Mitarbeitern und Öffentlichkeit als Musterbeispiel für ein nachhaltiges Projekt kommuniziert werden“ solle. Die Agentur organisierte nicht nur Veranstaltungen, sondern verfasste offenbar auch Artikel für Publikums- und Fachzeitschriften.

Unabhängige Experten bezeichnen die Dream Production jedoch als „Öko-Schwindel“. Sie bemängeln den hohen Energie-Aufwand zur Aktivierung von Kohlendioxid und sehen in dem Verfahren keinen ökologischen Fortschritt. Stattdessen fordern sie eine Reduzierung des Kunststoffverbrauchs, wirksame Schritte zur Vermeidung von Plastikmüll sowie die Förderung nachhaltiger Verfahren:

Dr. Hermann Fischer, Präsidiumsmitglied des Naturschutzbund (NABU), Gründer der Auro AG und Autor des Buchs „Stoff-Wechsel“:

Man kann sich kaum eine ökologisch katastrophalere Strategie ausdenken, als ausgerechnet das auf dem niedrigsten Energielevel ruhende Molekül CO2 zum Aufbau komplexer, energiereicher Verbindungen nutzen zu wollen. Die Physik kann man nicht überlisten – der riesige energetische Abstand zwischen CO2 und komplexen Kohlenstoff-Verbindungen ist eben nur mit ebenso riesigem Energieaufwand zu überwinden. Nur Illusionäre glauben, man könne diesen Energieeinsatz aus regenerativen Quellen beziehen. Wir brauchen die regenerative Energie viel dringender für die Energiewende. Es gibt nur ein System, das Kohlendioxid nachhaltig und mit regenerativer Energie in komplexe chemische Stoffe umwandelt: Pflanzen in einer intakten Biosphäre (Photosynthese).

Dass man ausgerechnet CO2, also das am wenigsten geeignete Molekül, als Synthesegrundlage propagiert, hat ganz andere Gründe: Billige Pseudo-Öko-PR. Es macht sich einfach gut, mit einem Verfahren zu prahlen, welches das „böse“ CO2 in harmlose und nützliche Verbindungen umwandelt. PR-Strategen haben daher Kohlendioxid zum neuen Lieblings-Spielzeug der Chemie erwählt. Man baut darauf, dass die Öffentlichkeit den energetischen und verfahrenstechnischen Irrsinn hinter dieser Aktion nicht hinterfragt.

Manuel Fernández vom Bereich Chemikalienpolitik des Bund für Umwelt und Naturschutz:

Der Einsatz von Kohlendioxid bei der Produktion von Polyurethan stellt aus Sicht des BUND keinen echten Fortschritt in Sachen Klimaschutz dar. Wenn BAYER im Zusammenhang mit diesem neuen Verfahren von einem „ganzheitlichen Ansatz zur Nachhaltigkeit“ spricht, muss sich die Konzernleitung nicht über den Vorwurf wundern, Öko-PR in eigener Sache zu betreiben. Der Nutzen eines solchen Verfahrens ist schon angesichts des benötigten Energieaufwands fragwürdig und steht in keinem Verhältnis zu den Mengen an CO2, mit denen wir alljährlich die Umwelt belasten. Ein ganzheitlicher Ansatz zur Nachhaltigkeit führt für den BUND nach wie vor nur über eine drastische Reduzierung der Kunststoffproduktion und des Einsatzes von fossilen Brennstoffen.

Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Chemiker und langjähriges Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit:

Es handelt sich hierbei nicht um eine dream reaction, sondern um eine Reaktion der Illusionen. Eine mögliche Nutzung von CO2 in der Kunststoff-Produktion spielt angesichts der um Zehnerpotenzen größeren Mengen, die bei energetischen Verbrennungsprozessen freigesetzt werden, eine zu vernachlässigende Rolle. Dies zeigt schon ein Blick auf die Zahlen: BAYER will 5.000 Tonnen Polyol auf CO2-Basis herstellen und hierbei 1.000 Tonnen Kohlendioxid einsetzen. Das ist gerade mal ein Tausendstel des jährlichen CO2-Ausstoßes von BAYER in Höhe von rund fünf Millionen Tonnen.

Prof. Dr. Gerd Liebezeit, Meeres-Chemiker:

Selbst wenn hocheffektive Katalysatoren zur Verfügung ständen (deren Herstellung ja auch wieder Energie kosten würde), wird für die Produktion noch immer Energie in großer Menge benötigt. Das ist Greenwashing, mit dem sich das Unternehmen ein grünes Mäntelchen umhängen möchte. Ökologisch akzeptabel ist nur der Einsatz langlebiger Kunststoffe mit intelligentem Design, die später recycelt werden können. Kurzlebige Kunststoffe wie Einmalverpackungen und Plastiktüten müssen ganz vermieden werden.

Philipp Mimkes, Physiker und Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG):

Die schönfärberisch benannte Dream Production ist allenfalls minimal besser als der Status Quo, aber in keiner Weise nachhaltig. Staatliche Fördergelder sollten aber nicht die Chemie-Industrie subventionieren, sondern einen wirklichen ökologischen Fortschritt unterstützen. Wir fordern eine drastische Reduzierung des Kunststoff-Verbrauchs; der verbleibende Rest muss aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden. Hierbei müssen Rohstoffe wie Algen, Holzreste oder Stroh zum Einsatz kommen, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion stehen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat zur Dream Production einen Gegenantrag zur anstehenden Hauptversammlung der BAYER AG eingereicht. Die CBG wirft dem BAYER-Konzern vor, die Umstellung auf nachwachsende Rohstoffe und biologisch abbaubare Endprodukte verschlafen zu haben. So heißt es im Geschäftsbericht des Unternehmens: „Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe spielt bei Bayer noch eine untergeordnete Rolle.“ Zudem stammt gerade mal ein Prozent der von BAYER selbst erzeugten Energie aus regenerativen Quellen.

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Kommentar

Bei aller berechtigten Kritik an der Herstellung von Polyurethan unter Mitverwendung von CO2 darf nicht übersehen werden, das diese Verfahrensentwicklung als typischer Januskopf zu bewerten ist. Es sind Entwicklungen zwischen Profit und Zukunftsfähigkeit. Die Kritik ist richtig, soweit fossiles CO2 zur Herstellung verwendet wird und damit der fossile Entwicklungspfad und entsprechende Wirtschaftsinteressen weiter befestigt werden. Sinnvoll wäre es aber, für die Herstellung CO2 zu verwenden, das bei chemischen und biologischen Prozessen zwangsläufig anfällt und nicht vermieden, sondern nur verringert werden kann. Hierbei ist an Kalkbrennereien, Ziegeleien, Zementfabriken oder Kläranlagen zu denken. Der sich abzeichnende Wandel der Ressourcenbasis wird insgesamt dazu führen, das Wind, Sonne, Wasser und CO2 in fernerer Zukunft die Regie für Energieversorgung und Chemieproduktion übernehmen werden. Aufgrund des hiermit bislang verbundenen erneuerbaren Energieaufwandes bleibt es völlig richtig, dass auch hier Müllvermeidung und drastisch weniger Plastikverwendung oberste Richtschnur bleiben müssen. Aus nachwachsenden Rohstoffen kann im übrigen ebenfalls eine breite Palette von Chemieprodukten gewonnen werden, nur darf es hier – worauf auch hingewiesen wird – zu keiner Konkurrenz mit der prioritären Nahrungsmittelproduktion kommen.

Detlef Bimboes
12.4.2016

Forderungen des brandenburgischen Volksbegehrens gegen Massentierhaltung umsetzten!

Presseerklärung von Dr. Kirsten Tackmann (klick)

„Das Brandenburgische Volksbegehren gegen „Massentierhaltung“ (klick) hat politisch viel bewegt. DIE LINKE Brandenburg hat die Forderungen unterstützt. Unterdessen sind viele umgesetzt oder auf dem Weg. Beim Verbandsklagerecht bleiben wir dran.“ betont Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag und Landesvorstandsmitglied zum Abschluss des Volksbegehrens.

Tackmann weiter: „Es ist gut, dass die zu Beginn sehr zugespitzte Diskussion unterdessen zu einem sehr wichtigen gesellschaftlichen Dialog geworden ist, der längst auch auf bundesweites Interesse stößt. Dass ist auch das Verdienst der Initiatorinnen und Initiatoren des Volksbegehrens, das ich persönlich unterstützt habe.
Mit dem vom Landeswahlleiter veröffentlichten vorläufigen Ergebnis von 103.891 Stimmen wird das Quorum sehr deutlich erreicht. Das ist auch ein Sieg der direkten Demokratie.

Mega-Stallbauprojekte haben auch in Brandenburg nichts mit regionaler Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung oder Verbesserung des Tierwohls zu tun. Sie Verschlechtern die Lebensbedingungen vor Ort und vernichten im Saldo Arbeitsplätze durch Verdrängung ortsansässiger Tierhaltung. Damit dienen sie vor allem dem Interesse von Agrarinvestoren, nicht aber dem der Regionen oder der regionalen Landwirtschaft.“

Berlin, 15.01.2016

Druck machen für den Klimaschutz

Dr. Johanna Scheringer-Wright, Mitglied des Parteivorstandes DIE LINKE und Mitglied des Thüringer Landtages ruft zur Teilnahme an der Klimademo am 29.11.2015 in Berlin auf, um auch in Deutschland Druck aufzubauen für verbindliche Verhandlungsergebnisse auf der 21. Klimakonferenz in Paris.

Die 21. Klimakonferenz zielt zum ersten Mal darauf ab, das Ziel, die globale Erwärmung unter 2 Grad Celsius zu halten als ein rechtlich verbindliches, allgemeines Abkommen abzuschließen. Diese verbindliche Festlegung wäre das späte, aber folgerichtige Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen.

Jedoch müssten dazu auch verbindliche Maßnahmen zur Zielerreichung vereinbart werden. Das bedeutet, dass z.B. eine Festlegung getroffen werden muss über die CO2-Mengen, die ein Land in Zukunft noch ausstoßen darf. Dazu ist unter anderem zu klären, welchem Staat bestimmte Emissionen überhaupt zuzurechnen sind und wie diese Emissionen dann kontrolliert werden sollen. Hier gehen die Meinungen immer noch weit auseinander, zum Beispiel wird kontrovers diskutiert, ob die Emissionen bei der Erstellung von Gütern den produzierenden Ländern oder den konsumierenden Ländern zugeordnet werden sollen. Auch bei anderen Aspekten liegen die Meinungen noch weit auseinander. Dabei wird der dringende Handlungsbedarf immer deutlicher. Denn das Klimaziel ist in Gefahr und kaum mehr zu schaffen.

Es kommt darauf an, die Erwärmung so niedrig wie möglich zu halten und möglichst nahe an dem 2 Grad zu bleiben“ erklärt Scheringer-Wright.

Das Jahr 2015 war im Durchschnitt bislang 1,02 Grad wärmer als die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, berichtet das britische Met Office, der meteorologische Dienst Großbritanniens. Die Klimaerwärmung hat also schon jetzt eine bedeutende symbolische Schwelle erreicht. Nach derzeitigem Wissensstand bewegt sich unsere Zivilisation nicht auf die avisierte 2 Grad Celsius Grenze, sondern viel dramatischer auf eine Erwärmung von 3 bis 4 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts zu. Die Lage ist also dramatisch.

Schon bei der Erreichung des 2 Grad Zieles wären weltweit 130 Millionen vom Anstieg der Meeresspiegel betroffen. Bei einem weiteren Anstieg sind umso mehr Menschen betroffen, ganz zu schweigen von weiteren Auswirkungen durch den Klimawandel, wie Dürren, Wirbelstürmen und der Verschiebung von Klimazonen“ warnt Scheringer-Wright. Diese Auswirkungen würden die gesamte Staatengemeinschaft auf der Welt durcheinanderbringen. „Es ist also notwendig, Druck aufzubauen, um endlich wirksame Maßnahmen gegen die Treibhausemmissionen durchzusetzen und gleichzeitig Maßnahmen zu vereinbaren, wie die Anpassung an den schon jetzt stattfindenden Klimawandel gelingen kann und Klimaflüchtlingen geholfen werden kann“ fordert Scheringer-Wright.

Die Klimademonstration am 29.11.2015 in Berlin beginnt um 12.00 Uhr am Hauptbahnhof. Sie wird von einem Bündnis aus Verbänden organisiert, siehe http://globalclimatemarch.de.

Feinstaub – Warnung

Aus aktuellem Anlass der Luftverschmutzung in Ostbrandenburg und in Berlin – und insbesondere auch bei uns, die Messwerte in Herzfelde zeigen es ist – muss endlich das Hauptthema auf die Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub aufgrund der „Braunkohlenverstromung“ gelenkt werden – dieses tödliche Problem ist uns viel näher als der Kohle-Beitrag zur Klimaerwärmung. Feinstaub wird nicht nur emittiert, sondern in viel größerem Ausmaß erst sekundär gebildet aus den gasförmigen Stickoxidemissionen (NOx) der fossilen Kraftwerke, die sich in der Atmosphäre zu Feinstaub umwandeln.

Dieses Bundesthema betrifft uns ganz konkret hier in Brandenburg, und das Zentrum der Luftverschmutzung ist hier bei uns!

Die Messstation hier in Herzfelde weist von ganz Brandenburg die meisten PM10-Feinstaub-Überschreitungstage aus, mit dem heutigen Tag werden es 25 sein seit Februar.

Ähnlich wie bei einem Hochwasser sollte die Bundespolitik hierher kommen, Position beziehen und Hilfe anbieten – auch wenn man den schleichenden Tod nicht so offensichtlich sieht wie bei anderen Katastrophen. Aber sind ca. 430.000 Tote in Europa und 45.000 in Deutschland nicht genug, um endlich eine restriktive Politik gegen die Luftverschmutzung lautstark einzufordern, ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Partikulärinteressen und die Braunkohlenlobby?

Wie kann es sein, dass Presse/Rundfunk über angebliche Gefahren des Flüchtlingszustroms breit berichten, während von der gegenwärtig extrem hohen Luftverschmutzung die Bevölkerung überhaupt nichts erfährt und nicht gewarnt wird. Denn Risikopersonen in Ostbrandenburg und Berlin sollten derzeit die Innenräume nicht verlassen – das gehört in die Medien! –
Details dazu siehe Anlage (klick).

Beste Grüße
Jürgen Rudorf

Bürgerinitiative „Gesund Leben am Stienitzsee“ e.V.
http://www.gesund-am-stienitzsee.de/

Postanschrift:15378 Hennickendorf, Berliner Straße 11

Telefon: 033434 473380, 01520 1508195
e- mail: info@gesund-am-stienitzsee.de

Und: Immer dran denken, weitermailen, weitersagen:
Bürgerinitiative „Gesund Leben am Stienitzsee e.V.“ – Mitglied oder Sponsor werden !

 

Regenerative Landwirtschaft – liegt die Lösung der Klima-Krise unter unseren Füßen?

Erstmals in Deutschland – Timothy LaSalle präsentiert und diskutiert

Regenerative Landwirtschaft – liegt die Lösung der Klima-Krise unter unseren Füßen?

Montag, 7. September, 19:00 Uhr Charitéstr. 3, 10117 Berlin (Nabu, großer Saal)

„Put the carbon back in the soil!“ – „Packt den Kohlenstoff zurück in die Erde!“ ist das Motto der regenerativen Landwirtschaft. In den USA ist sie seit Jahren ein stehender Begriff, in Deutschland noch eher Fremdwort. Es geht um eine Landwirtschaft, die mehr Kohlenstoff in den Boden aufnimmt als Kohlendioxid ausstößt. Theoretisch könnten die landwirtschaftlichen Flächen der Erde jährlich mehr Kohlenstoff binden als weltweit von Menschen ausgestoßen wird. Freilich muss der Kohlenstoff auch dauerhaft im Boden verbleiben. Dies gelingt nur mit Methoden des Ökolandbaus, so das Ergebnis zahlreicher Forschungsprojekte am renommierten US-amerikanischen Rodale Institute in den USA, Thailand, Ägypten, Iran und Costa Rica.

Timothy J. LaSalle hat als Direktor des Rodale Institute das Konzept der regenerativen biologischen Landwirtschaft maßgeblich geprägt. Danach arbeitete er über Jahre mit Howard Buffet in Afrika an der Umsetzung. „Wir werden das Problem des Klimawandels ohne den Boden und seine Kohlespeicherfähigkeit durch Humusaufbau nicht in den Griff bekommen“, sagt LaSalle heute. Er warnt vor allzu einfachen Konzepten der sogenannten „klimasmarten Landwirtschaft“, stellt aber auch klar: „Biologische Landwirtschaft alleine ist auch noch nicht die Lösung“.

Am Montag, dem 7. September präsentiert Tim LaSalle um 19 Uhr in der Bundesgeschäftsstelle des NABU (großer Saal) Konzept und Forschungsstand der regenerativen biologischen Landwirtschaft und ihre Bedeutung für die Klimaverhandlungen in Paris. Im Anschluss stellt er sich einer hoffentlich lebhaften Debatte. Zu dieser Präsentation und Diskussion laden die Zukunftsstiftung Landwirtschaft, der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft und Greenpeace alle Interessierten herzlich ein. Der Vortrag wird auf Englisch gehalten, Flüsterübersetzung ist möglich.

Timothy LaSalle ist den ganzen Montag und Dienstag (7/8.9.) in Berlin.

Hintergrundinformationen:

Rodale Institute, Regenerative Organic Agriculture and Climate Change (klick)

Einführung in das Thema für Laien: Soil carbon restoration – can biology do the job? (klick)

Braunkohleveredlung?

In der Wochenendausgabe des ND vom 22./23.08.2015 ist ein großer Beitrag zur Schwarzen Pumpe erschienen, dem einstigen Zentrum zur energetischen und stofflichen Verwertung von Braunkohle in der DDR. Am 29. August soll das 60. Jubiläum festlich begangen werden. In dem Beitrag wird dargelegt, bei einem Ende der Verbrennung von Braunkohle „wenigstens an deren Veredlung zu arbeiten; Kohle ist als Kohlenstoffquelle eine Alternative zum Erdöl; aus ihr können Treib- und Kunststoffe hergestellt werden“.

Bei aller Wertschätzung der Leistungen der Beschäftigten im Kombinat Schwarze Pumpe und der heute dort im Industriepark Beschäftigten ist das die falsche Option für die Zukunft mit Blick auf Klimaschutz und Arbeitsplätze. Denn aus einer Tonne Braunkohle kann man viel weniger Treibstoff oder Kunststoff herstellen, als aus einer Tonne Erdgas oder Erdöl. Entsprechend größer ist der Ausstoß des Klimakillers CO2, weil aus einer Tonne Braunkohle immer dieselbe Menge CO2 gebildet wird, egal ob man sie verbrennt oder vergast und daraus Produkte herstellt. Verbrennt man Braunkohle, dann wird sie sofort vollständig in CO2 umgewandelt. Vergast man Braunkohle, wird zwar zunächst eine geringere Menge an CO2 freigesetzt, der Rest entsteht aber später aus den hergestellten Produkten am Ende ihres Lebensweges. Das passiert bei Brenn- und Treibstoffen sofort, wenn sie verbrannt werden, bei Kunststoffen und anderen Chemikalien, wenn sie nicht mehr gebraucht und entsorgt werden, z. B. in einer Müllverbrennungsanlage. Zudem bleiben, ob Braunkohle nun energetisch oder stofflich genutzt wird, auch die Umweltprobleme, der Ressourcen- und Landschaftsverbrauch auf Dauer gleich.

Als Fazit bleibt: die Vergasung von Braunkohle setzt den fossilen Entwicklungspfad fort, anstatt ihn zu beenden, trägt weiter zur Verschärfung des Klimawandels bei und schafft Arbeitsplätze, die wegen der genannten Folgen sehr bald wieder gefährdet werden.

Statt Braunkohle mit einem Aufwand von vielen Milliarden zu neuen Kunststoffen und anderen Chemikalien zu verarbeiten, sollte man das Geld lieber in bessere Recycling-Technologien stecken, die verhindern, dass Anlagen für neue Kunststoffe und andere Chemikalien gebaut werden müssen. Und in die Entwicklung energieeffizienterer Technologien, die große Mengen Treibstoffe einsparen könnten. Damit könnten sichere Arbeitsplätze geschaffen werden und Industrieanlagen, die nicht durch immense Emissionen das Weltklima und damit die Zukunft unserer Kinder gefährden.

Dr. Detlef Bimboes
14057 Berlin

Die Elmau-Show platzt wie eine Seifenblase

Die von den G7-Staaten beim Gipfel in Elmau beschlossene „Dekarbonisierung der Weltwirtschaft“ im Laufe dieses Jahrhunderts soll offenbar ohne den expliziten Ausstieg aus der Kohle oder anderen fossilen Energieträgern auskommen. Das legt die jetzt veröffentlichte Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bündnisgrünen im Bundestag nahe.

Unter Dekarbonisierung verstehe die Bundesregierung die Umstellung auf kohlenstoffarmes Wirtschaften. Das wiederum sei eine Weltwirtschaft, deren CO2-Emissionen im Einklang mit dem Ziel stehen, die Erderwärmung entsprechend den Empfehlungen des Weltklimarates auf zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Für die Entwicklung der nationalen kohlenstoffarmen Strategien seien die G7-Staaten selbst verantwortlich, erklärt die Bundesregierung weiter. Welche Technologien dabei angewandt werden, falle unter die Souveränität der einzelnen Staaten, den „eigenen Energiemix zu bestimmen“. So wolle Japan bis 2030 den Anteil der Kernenergie an der Stromversorgung, der vor Fukushima bei rund 30 Prozent lag und der seitdem drastisch reduziert ist, wieder auf 20 bis 22 Prozent erhöhen.

Großbritannien, die USA und Kanada würden, so die Bundesregierung, das Ziel einer kohlendioxidarmen Energiewirtschaft „auch mittels CCS erreichen wollen“, also durch die Abtrennung von CO2 und Endlagerung im Untergrund. Für die Bundesregierung habe derzeit eher die großtechnische Demonstration von CCS Priorität. Zu weiteren „innovativen Technologien“ zählt die Bundesregierung neben dem Einsatz von Energieeffizienz-Technologien, dem Ausbau der Erneuerbarern und deren Weiterentwicklung auch die Kernfusion.

In ihrer Anfrage kritisieren die Grünen, die Abschlusserklärung von Elmau versuche mit der Bekräftigung des Zwei-Grad-Limits und mit der Dekarbonisierung den Eindruck einer anspruchsvollen Klima- und Energiepolitik zu erwecken. Die aktuelle Politik in sämtlichen G7-Staaten zeige jedoch das Gegenteil. Noch immer stehe die deutsche, europäische und internationale Klimapolitik sogar teilweise im Widerspruch zu den ohnehin unverbindlichen Beschlüssen. Auch die Bundesregierung habe bisher versäumt, so die Grünen, die eigenen Ziele mit konkreten Maßnahmen zu unterlegen. Die Pro-Kopf-Emissionen der Deutschen gehörten zu den höchsten in der EU. Zwar habe Deutschland seine Emissionen zwischen 2005 und 2013 um 3,8 Prozent gesenkt. Ziel seien aber 4,5 Prozent gewesen. Deutschland werde das selbst gesteckte Ziel der Emissionsminderung bis 2020 um 40 Prozent nicht mehr erreichen.

Jörg Staude
(mit eigenen Links der ÖPF)