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Petition für AKW-Haftpflicht gestartet

Pressemittteilung, 1.2.2018 des Vereins atomstopp – atomkraftfrei leben (http://www.atomstopp.at/petition)

Genau drei Jahre nach Übergabe von gut 15.000 Unterschriften für eine angemessene Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke in Europa startet atomstopp_oberoesterreich erneut eine Petition an das Europäische Parlament.

„Es ist völlig unverständlich, dass sich die Europäische Kommission drei Jahrzehnte nach Tschernobyl und fünf Jahre nach Fukushima immer noch nicht zu einer angemessenen Haftpflichtversicherung für alle Reaktoren in der EU durchringen kann. Dabei ist die Notwendigkeit dieser Maßnahme eigentlich jedem klar. Wie sich bei der Diskussion in den Jahren nach Fukushima gezeigt hat, ist auch die Kommission durchaus dieser Überzeugung. Aber offensichtlich ist sie nicht in der Lage, diese Überzeugung gegenüber der Atomlobby durchzusetzen! Das ist äußerst fahrlässig, weil zum Schaden für die europäischen Bürgerinnen und Bürger!“,

kommentieren Gabriele Schweiger und Roland Egger, SprecherInnen von atomstopp_oberoesterreich, ihren erneuten Vorstoß.
Das EU-Recht sieht vor, dass jede BürgerIn jederzeit, allein oder zusammen mit anderen Personen, eine Petition an das Europäische Parlament richten kann.

„Dieses Recht nehmen wir wahr. Wir stellen damit an unsere direkt gewählten VolksvertreterInnen die Forderung, den Druck Richtung Europäische Kommission in Sachen Haftpflicht für Atomkraftbetreiber zu erhöhen und die eingeschlafene Diskussion wieder zu befeuern. Alle, die das auch so sehen, sind herzlich zur Mitunterzeichnung eingeladen!“,

so Schweiger und Egger weiter.

„Dass die Bereitschaft grundsätzlich hoch ist, die Versicherungssummen für einen AKW-Schadensfall endlich an die real zu erwartenden Kosten anzupassen, ist logisch, weil plausibel untermauert. Die Berechnungen dafür wurden auf solider Basis erstellt, es war die französische Gesellschaft für Reaktorsicherheit, die aus den Erkenntnissen von Fukushima einen zu erwartenden Schaden von weit über 400 Milliarden Euro ermittelte! Völlig aus der Luft gegriffen erscheinen vor diesem Hintergrund die lächerlichen Beträge, mit denen sich alle Atomreaktorbetreiber derzeit für hinreichend versichert halten: Das reicht von nur 2,5 Milliarden für alle Anlagen in Deutschland zusammen bis noch weiter hinunter zur unfassbar geringen Maximalhöhe von 91 Millionen Euro für Frankreich!“,

fassen Schweiger und Egger zusammen.

„Wir erwarten, dass die Europäische Kommission endlich ernsthaft zu einer angemessenen Regelung findet! Das würde gleich zwei erstrebenswerte Effekte haben: Zum einen werden die Atomkonzerne gezwungen, ihre Kostenrechnung zu korrigieren, und zum anderen kann die Bevölkerung im Falle eines Reaktorunfalls zumindest finanziell schadlos gehalten werden. Dem Verursacherprinzip muss unbedingt Rechnung getragen werden!“,

so Schweiger und Egger abschließend.

Lassen sich Risiken messen?

Der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI – siehe auch „Wohlstand und Wachstum sind gegenläufig“ oder „Lügen durch Verschwinden lassen?„) versucht, statt des wachstumsorientierten BIP ein alternatives Wohlstandsmaß zu definieren.
In der Diskussion des NWI 2.0 wird verlangt, ihn „nicht als ein Maß der Nachhaltigkeit [zu] betrachten, sondern als ein erste Maß für monetär bilanzierte gesellschaftliche Wohlfahrt, diese kann dann als ein Baustein eines umfassenderen Konzeptes von Nachhaltigkeit verstanden werde.“

Einen breiten Raum nimmt bei den einzelnen betrachteten Parametern (=“Komponenten“) die Diskussion der Datenlage ein. In mehreren Fällen, insbesondere bei den Vermeidungskosten von Umweltschäden sind Schätzungen erforderlich. Doch auch das hat seine Grenzen: „Das Risiko eines GAU ist schlicht unversicherbar, insofern handelt es sich imFolgenden nur um Rechenbeispiele, welche die Größenordnung der Begünstigung von Atomkraftwerksbetreibern durch eine fehlende marktübliche Haftpflichtversicherung darstellen.“

Eine mögliche Datenquelle wurde bei der bisherigen Betrachtung aber nicht herangezogen: Rückversicherer [1] bewerten die Versicherungskosten für verschiedene Technologien und Prozesse, die ihre Kunden versichern, z.B. in Rahmen der Produkthaftpflicht von technischen Anlagen und Verfahren.

Einer der weltweit größten Rückversicherer, die Swiss-Re, stufte jetzt den Mobilfunk in die höchste Risikostufe ein. „Lassen sich Risiken messen?“ weiterlesen